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© Bernd Juergens, Fotolia

Viermal Homebanking

Finanzverwaltung mit Linux

05.04.2013
Wer sich mit dem Webinterface der eigenen Bank nicht anfreunden kann, greift auf ein echtes Homebanking-Programm zurück. Für Windows gibt es davon viele, unter Linux ist die Auswahl begrenzt, und es gibt eine klare Empfehlung.

Homebanking wird immer beliebter. Kein Wunder – schließlich ist es nur schwer einzusehen, als Bankkunde in eine Bankfiliale zu gehen und dort von Hand Aufträge abzugeben, die anschließend ohnehin von Computern weiter bearbeitet werden. Doch die Tatsache, dass viele Banken ihre ganz eigene Vorstellung davon haben, wie Homebanking funktionieren sollte, sorgt bei Kunden immer wieder für Verdruss. Wer z. B. regelmäßig sein Kreditinstitut wechselt, weiß, dass es große Unterschiede bei Funktionalität und Bedienung der Webseiten gibt. Können Sie das Webinterface von Bank A im Schlaf bedienen, gilt das für die Seite von Bank B noch lange nicht. Die regelmäßige Nutzung mehrerer Konten bei verschiedenen Banken bedeutet darum das genaue Gegenteil von Benutzerfreundlichkeit.

Hier kommen Homebanking-Programme ins Spiel: Sie ermöglichen es, die Homebanking-Funktionen zu nutzen, ohne dafür deren Webseiten zu besuchen. Stattdessen läuft auf dem Computer des Anwenders ein eigens für diesen Zweck entworfenes Programm, das sich um die Kommunikation mit dem Server der Bank kümmert. Sind mehrere Konten bei unterschiedlichen Banken zu verwalten, spielen Homebanking-Programme ihre Stärken voll aus, denn auch diese Art des Umgangs mit Bankkonten ist grundsätzlich möglich – unter der gleichen Oberfläche führen Benutzer dann Überweisungen auf all ihren Konten aus und informieren sich per Mausklick über den Stand aller Zugänge.

Windows hui, Linux pfui

Allerdings gehört die Finanzbranche nicht gerade zu denen, die besonders schnellebig wären – für Linux-Benutzer hieß das, dass das Vergnügen des Homebankings mit eigenen Programmen erst deutlich später als bei Windows losging. Namhafte Hersteller boten schnell Software für Windows an, dazu gehören z. B. WISO und Quicken – beide enthalten ein Homebanking-Modul. Entsprechende Programme für Linux ließen jedoch auf sich warten, und bis heute steht Linux-Anwendern nicht eine so große Auswahl zur Verfügung, wie es für Windows der Fall ist. Für diesen Artikel haben wir drei Vertreter der Homebanking-Gilde angeschaut und herausgefunden, dass Homebanking mit dem freien Betriebssystem nicht nur möglich, sondern auch komfortabel ist. Wir geben einen Überblick über die Programmfunktionen von Hibiscus, KMyMoney und Moneyplex und beschreiben, wie sie sich im Alltag schlagen. Mit MoneyPenny findet ein viertes Programm im Kasten auf der letzten Seite eine kurze Erwähnung.

Vorbereitungen

Vorab steht allerdings ein kurzer Ausflug in die Welt der Finanztechnik an. Denn wer nach der Lektüre dieses Beitrags beschließt, eines der vorgestellten Programme selbst zu testen, muss dabei ein paar Dinge im Hinterkopf haben. (Eine ausführlichere Erklärung der klassischen Homebanking-Mechanismen finden Sie im Kasten HBCI: Die Grundlagen.)

Wichtig ist vor allem, dass die Anforderungen für Homebanking per HBCI sich von Bank zu Bank unterscheiden. Im Test diente als Beispielkonto eines bei der Deutschen Bank – das ließ den Zugriff über HBCI von Anfang an erst gar nicht zu, obwohl Homebanking über das normale Webinterface aktiv war und funktionierte. Des Rätsels Lösung war tief in der Online-Hilfe der Bank-Webseite vergraben – man muss zunächst die Funktion "HBCI/FinTS mit PIN/TAN" freischalten. Das geht direkt in den Konto-Optionen, die wiederum über den "normalen Zugang" des Webinterfaces zu erreichen sind. Zur Aktivierung der Funktion ist auch eine TAN notwendig, im Anschluss klappt der Zugriff über HBCI aber problemlos. Wenn Sie eines der im Artikel vorgestellten Programme ausprobieren möchten und Probleme beim Verbindungsaufbau haben, hilft im Zweifelsfall nur ein Blick in die Dokumentation der Bank oder ein Anruf bei der Service-Hotline.

Gar nicht so leicht ist es außerdem, die Zugangsdaten herauszufinden, welche die Programme für den Login beim Kreditinstitut benötigen. Auch hier gibt es von Bank zu Bank Unterschiede. Bei der Deutschen Bank setzt sich der Benutzername für den Login z. B. aus drei Teilen zusammen: der Nummer der Filiale, die das eigene Konto führt, der Kontonummer und der zweistelligen Kennziffer, die das Konto näher bezeichnet. Andere Banken verteilen für HBCI-FinTS-Banking eigene Benutzerkennungen, und auch hier hilft im Zweifelsfall nur, die Bank zu fragen und sich die nötigen Daten direkt dort zu beschaffen.

HBCI: Die Grundlagen

Viele Internetnutzer verwenden für die Abwicklung ihrer Bankgeschäfte seit Jahren die von ihren Banken zur Verfügung gestellten Webinterfaces. Homebanking-Programme kommen immer dann ins Spiel, wenn die Weboberfläche der eigenen Bank als zu unkomfortabel empfunden wird oder mehrere Konten gleichzeitig zu verwalten sind, so dass die Benutzung einer einheitlichen Oberfläche sinnvoll ist. Typische Homebanking-Tools wie die in diesem Test vorgestellten Vertreter sind aber keine einfachen Frontends, die im Hintergrund auf die Banking-Webseiten der jeweiligen Banken zugreifen. Wie immer, wenn es um das Thema Geld geht, gilt auch bei Homebanking-Software, dass beinahe nichts dem Zufall überlassen ist. Wie Homebanking-Software arbeitet, ist streng festgelegt.

Anders als viele weitere Bereiche der IT ist das Thema Online-Banking nach wie vor eine nationale Angelegenheit. Das in Deutschland übliche Verfahren beruht auf einem Protokoll namens HBCI (Homebanking Computer Interface). Das ist ein Standard, den anfangs der Zentrale Kreditausschuss auf den Weg gebracht hat – heute firmiert diese Institution unter dem Namen "Die Deutsche Kreditwirtschaft". Anderen Ländern ist HBCI völlig fremd, schon im deutschsprachigen Ausland, also in Österreich und der Schweiz, kommt das Protokoll nicht zum Einsatz. (In beiden Ländern gibt es jeweils eigene Anwendungen.)

Mittlerweile setzen deutsche Banken nicht mehr auf das ursprüngliche HBCI, sondern auf dessen Weiterentwicklung FinTS (Financial Transaction Services). Im Gegensatz zum alten HBCI beherrscht FinTS seit der Revision 3.0 auch die Abwicklung von Geschäftsfällen über das PIN-/TAN-Verfahren. Für Endanwender ist das eine wichtige Neuerung, denn früher war Homebanking per Zusatzsoftware nur möglich, wenn ein Kartenleser für diesen Zweck vorhanden war. Weil aber nicht jeder beliebige Kartenleser funktionierte, war der Einsatz von HBCI-Homebanking oft ein Glücksspiel. FinTS löst dieses Problem, indem es das klassische PIN-/TAN-Verfahren für HBCI-Verbindungen ermöglicht.

Die Funktionsweise von HBCI ist dabei grundsätzlich ganz ähnlich wie die, die auch beim Homebanking per Webinterface zum Einsatz kommt: Erst führt der Benutzer die gewünschten Vorgänge im Homebanking-Programm durch, dann schickt er die Änderungen an den Bankserver und legitimiert den Vorgang durch die Eingabe einer gültigen TAN (Transaktionsnummer). HBCI kann auch die "Mobile TAN" getauften TANs verwenden, die dem Kontoinhaber per SMS auf sein Handy zugestellt werden.

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