Denkwürdiger Pappkarton

Das Adventure-Spiel Lume

05.04.2013 Das Licht erlischt, ein Großvater verschwindet, und ein kleines Mädchen soll es richten. So beginnt ein zauberhaft atmosphärisches Knobelspiel, das der Spieleentwickler State of Play im wahrsten Sinne des Wortes zusammengeklebt hat.

Etwas verloren und ratlos steht die kleine Lumi vor dem Haus ihres Großvaters. Der hatte sie höchstpersönlich eingeladen, scheint aber nun spurlos verschwunden zu sein. Den einzigen Hinweis auf seinen Verbleib gibt ein kleiner Zettel an der Haustür. Demnach hat sich Lumis Großvater ins Dorf aufgemacht, um die Ursache eines größeren Stromausfalls zu klären. Derweil bittet er Lumi, mit seinen Erfindungen wieder Strom ins Haus zu bringen. Allerdings teilt er dem kleinen Mädchen nicht mit, wie es das anstellen, geschweige denn, wie es in das verschlossene Haus gelangen soll.

Mäusedetektiv

Also muss ihr der Spieler etwas unter die Arme greifen. Mit dem Mauszeiger klickt er auf ein Objekt in der Landschaft, woraufhin Lumi dorthin läuft und den Gegenstand benutzt oder ihn sich näher ansieht. Einige der Gegenstände kann das Mädchen einstecken und später mit anderen Objekten kombinieren. Auf diese Weise gilt es zahlreiche Puzzle zu lösen, was gleichzeitig die Geschichte um den Stromausfall und den verschollenen Großvater vorantreibt.

Neben Kombinationsrätseln steht man in Lume auch immer wieder vor klassischen Denksportaufgaben. So lässt sich die Solaranlage auf dem Dach nur in Betrieb nehmen, wenn man zuvor die ziemlich langen und verknoteten Steckverbindungen wieder korrekt zusammensetzt (Abbildung 1). Darüber hinaus muss Lumi immer wieder unterschiedliche Schlösser knacken. Hilfestellungen liefern unter anderem die Bücher in der Bibliothek (Abbildung 2), Lumis eigene Kommentare und die im Haus versteckten kleinen Notizen des Großvaters.

Abbildung 1

Abbildung 1: Durch das Drehen der Platten muss man die Leitungen wieder richtig zusammenlegen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Lumi sucht im Bücherregal des Großvaters nach Hinweisen.

Bastelgeschäft

Die Entwickler von Lume haben sowohl die Landschaft als auch die Darsteller aus bunter Pappe ausgeschnitten, zusammengeklebt, ausgeleuchtet und dann abfotografiert. So ist eine originelle, fotorealistische Optik mit einer ganz eigenen Atmosphäre entstanden. Die ungewöhnliche Grafik war sogar beim Independent Games Festival 2012 für einen Preis in der Kategorie "Excellence in Visual Art" nominiert.

Lume ist derzeit ausschließlich über das Internet und nur in englischer Sprache erhältlich. Als Linux-Nutzer können Sie das Spiel entweder über den Vertrieb Desura [2] oder über Steam [3] erwerben. Dabei sollten Sie sich für Desura entscheiden: Während Sie auf Steam 7 Euro berappen müssen, kostet Lume bei Desura nur 5 Euro und besitzt dort zudem keinen Kopierschutz.

Installation

Wenn Sie sich für den Kauf über Desura entscheiden, gibt es eine kleine Stolperfalle bei der Installation: Sie erhalten ein Zip-Archiv, das Sie auf Ihrer Festplatte entpacken müssen. Dazu klicken Sie die heruntergeladene Datei mit der rechten Maustaste an und wählen Entpacken / Archiv hierher auspacken. Jetzt müssen Sie Linux noch explizit mitteilen, dass die dabei herausgepurzelte Datei ein Programm ist. Dazu klicken Sie die Datei Lume mit der rechten Maustaste an, wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag Eigenschaften, setzen auf dem Register Berechtigungen den Haken Ausführbar und schließen das Fenster mit OK. Ein Klick auf Lume startet dann das Spiel.

Leider stellen die Entwickler keine Testversion bereit. Auf Desura und Steam finden Sie aber ein Video, das einen recht guten Einblick in den Spielablauf gewährt. Die stimmungsvolle Hintergrundmusik darf übrigens jeder kostenlos von der Lume-Homepage herunterladen [1].

Fortsetzung folgt

Die Entwickler basteln bereits an einer Fortsetzung, die diesmal in einer Stadt spielen und inhaltlich wesentlich umfangreicher als Lume ausfallen soll. Das Lumino City getaufte Spiel soll im Frühling 2013 auf den Markt kommen. Erste Bilder standen zum Redaktionsschluss im State-of-Play-Blog parat [4]. Dort geben die Entwickler auch einen interessanten Einblick in die Entstehung der Spiele.

Fazit

Als Erstes springt in Lume die ungewöhnliche Optik ins Auge. Die Idee, ein Adventure in einer Pappkulisse spielen zu lassen, ist gleichermaßen originell wie unverbraucht. Über ihre Bastelbögen und den Klebstoff haben die Entwickler allerdings fast das eigentliche Spiel vergessen. Die Hintergrundgeschichte ist zwar nett, aber auch recht schnell erzählt und unspektakulär. Als Spieler verbringt man die meiste Zeit damit, klassische Denksportaufgaben zu lösen, die zudem teilweise recht viel Gehirnschmalz verlangen. Knobelexperten, die stetig dran bleiben, haben Lume jedoch an einem Nachmittag durchgespielt.

Trotz dieser Kritikpunkte macht das Spiel Spaß und vor allem Lust auf das kommende Lumino City (siehe Kasten Fortsetzung folgt). Wer Adventures und insbesondere Knobelspiele mag, sollte ruhig seine Geldbörse öffnen und die 5 Euro investieren. (hge)

Lume

Bezugsquelle: http://www.desura.com/games/lume
Entwickler: State of Play
Lizenz: Kommerziell
Preis: 5 Euro
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3-D-Grafik

Abbildung 4: Über Gedankenblasen gibt Lumi Hinweise oder Kommentare.

Abbildung 4: Über Gedankenblasen gibt Lumi Hinweise oder Kommentare.

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