In Bewegung

Animierte GIF-Bilder erstellen

05.04.2013
Mit den Zeichenwerkzeugen von LibreOffice basteln Sie im Handumdrehen tolle bewegte Grafiken, die Sie in Ihre Präsentationen einbinden oder als eigenständige GIF-Dateien abspeichern können.

Der amerikanische Onlinedienst CompuServe führte 1987 das Graphics Interchange Format (deutsch "Grafikaustausch-Format") ein. Entwickler Steve Wilhite bereitete mit der neuen Technik den Weg für ein buntes Internet, denn GIF-Dateien ersetzten fortan Schwarzweißbilder. Das Graphics Interchange Format überzeugte mit guter, verlustfreier Kompression bei geringer Farbtiefe. Zum ersten Mal gab es ein Bildformat, das dank des Lempel-Ziv-Welch-Algorithmus (kurz LZW-Algorithmus) deutlich weniger Speicherplatz benötigte als andere Formate. Somit war es zum ersten Mal möglich, große Bilder in vertretbarer Zeit zu übertragen – sogar per Modem.

Eine Besonderheit des Bildformats ist, dass es mehrere Einzelbilder in einer Datei abspeichern kann. Webbrowser und einige andere Betrachtungsprogramme spielen diese dann zeitverzögert nacheinander ab. In Zeiten vor Flash und HTML5 stand somit erstmals eine Technik bereit, um filmähnliche Sequenzen auf Webseiten unterzubringen. Animierte GIFs sind nach wie vor beliebt – viele Sites nutzen die bewegten Bilder, um auf interessante Bereiche hinzuweisen oder die Struktur aufzulockern. In Präsentationen veranschaulichen sie Veränderungen, Bewegungsabläufe oder Zusammenhänge.

Animierte GIFs erstellen Sie entweder mit einem Bildbearbeitungsprogramm oder mit den Zeichenwerkzeugen von LibreOffice. Impress, das Präsentationsmodul der freien Officesuite, bringt einen einfachen Editor mit, der Zeichenobjekte, Textobjekte und Bilder in Animationen umwandelt. In diesem Workshop zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie eine Blume zum Blühen bringen und damit Ihre Folien aufpeppen. Haben Sie die zugrunde liegende Technik verinnerlicht (siehe auch Kasten "Tipps und Tricks für eigene Animationen"), erzeugen Sie auch kompliziertere und aufwendigere Grafiken und stellen etwa die Rotation eines Motors oder den Bewegungsablauf einer Maschine dar.

Tipps und Tricks für eigene Animationen

Je mehr Zwischenschritte Sie erstellen, umso flüssiger sieht die Animation aus. Schaffen Sie einen gemeinsamen Hintergrund ohne Umrisse oder Muster, der mindestens die Maße des größten Objekts hat. So vermeiden Sie, dass das Kunstwerk später hin und her hüpft.

Wenn Sie eine Animation erzeugen, in der ein Gegenstand sich von Punkt A nach Punkt B bewegt, so benötigen Sie einen festen Raum mit einem Bezugspunkt. Soll beispielsweise ein Ball durch die Gegend rollen, zeichnen Sie einen Boden ein, damit die Illusion einer Vorwärtsbewegung entsteht.

Soll ein ganzer Schriftzug in Bewegung geraten, erstellen und formatieren Sie am besten zuerst den gesamten Text. Danach erstellen Sie eine Kopie davon und löschen in dieser schrittweise Buchstabe für Buchstabe. Auf diese Weise vermeiden Sie Probleme mit Zeilenumbrüchen und Formatierungen.

Am Anfang war das Blatt

Als Erstes erstellen Sie in Impress in einer leeren Seiten ohne Präsentationsvorlagen zwei Bitmaps. Die eine zeigt das Ausgangsbild (die offene Blüte) und die andere das letzte Bild der Serie (die geschlossene Blüte). Anhand dieser beiden Vorlagen entwickeln Sie die restlichen Objekte der Animation. Abbildung 1 zeigt alle 15 Schritte unseres Beispiels. Die erste Grafik links oben, die zugleich die letzte der Animation ist, bildet eine Blüte mit zehn Blättern und einem fröhlichen Gesicht als Blütenstempel in der Mitte ab. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie Sie die lachende Blume malen:

Abbildung 1: Die Impress-Animation aus diesem Workshop umfasst 15 einzelne Bilder.
  1. Um das erste Blütenblatt zu zeichnen, entwerfen Sie zunächst einen roten Kreis, duplizieren ihn und verschieben die Kopie nach rechts. Vorlage für geometrische Formen finden Sie in der Zeichnen-Symbolleiste. Der Bereich, wo sich der erste und der zweite Kreis überlappen, entspricht der Größe des Blatts (Abbildung 2, Schritt 1).
  2. Markieren Sie beide Kreise, indem Sie die Umschalttaste gedrückt halten und die Objekte nacheinander anklicken. Danach klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die markierten Kreise und wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag Formen / Schneiden. Übrig bleibt das erste Blütenblatt in seiner Rohform (Abbildung 2, Schritt 2).
  3. Markieren Sie das ausgestanzte Blütenblatt und klicken dann in der Symbolleiste Zeichnen auf Punkte oder drücken Sie [F8], um in den Bearbeitungsmodus zu wechseln. Die Leiste Punkte bearbeiten öffnet sich (Abbildung 2, Schritt 3).
  4. Klicken Sie den untersten Knotenpunkt des Blatts an und dann in der Symbolleiste auf Symmetrischer Übergang. Der unterste Teil erscheint nun gerundet. Das erste Blütenblatt der Blume ist fertig (Abbildung 2, Schritt 4).

    Abbildung 2: In vier Schritten erstellen Sie das erste Blütenblatt der Blume.

Blütezeit

Unsere Blume hat insgesamt zehn solche Blütenblätter. Die fehlenden neun erstellen Sie, indem Sie das Blatt jeweils kopieren, einfügen und dann die Einzelteile zu einem Kreis anordnen. Als Hilfestellung blenden Sie ein Raster ein. Dazu öffnen Sie den Einrichtungsdialog für Impress über Extras / Optionen, klappen links den Eintrag LibreOffice Impress auf und wählen Raster (Abbildung 3). Aktivieren Sie die beiden oberen Checkboxen Am Raster fangen und Raster sichtbar. Im Bereich Auflösung stellen Sie Horizontal und Vertikal jeweils auf 1,00cm; die Werte für die Unterteilung rechts daneben (10 Schritte) übernehmen Sie.

Im Bereich Fangen markieren Sie als einzige Checkbox An den Seitenrändern. Rechts daneben bestimmen die Werte neben Einrasten die richtige Lage und die punktgenaue Drehung der eingefügten Blütenblätter. Da unsere Blüte aus zehn Blättern bestehen soll, tragen Sie im Feld Beim Drehen den Wert 36,00 Grad ein, was einem Zehntel des Gesamtkreises entspricht. Die Punktereduktion können Sie übernehmen und die Einrichtung über die Schaltfläche OK abschließen. Nach diesen Vorarbeiten geht es jetzt ans Kopieren der Blätter.

Abbildung 3: Ein Raster gibt Hilfestellung beim Anordnen der zehn Blütenblätter.
  1. Markieren Sie das vorhandene Blütenblatt, erstellen Sie über [Strg]+[C] eine Kopie und fügen diese über [Strg]+[V] ein.
  2. Klicken Sie nun in der Symbolleiste Zeichnen auf Drehen. Die grünen Markierungspunkte verwandeln sich in rote Drehpunkte.
  3. In der Mitte des Objekts sehen Sie den Mittelpunkt als kleinen Kreis dargestellt. Diesen verschieben Sie nun nach unten in den gedachten Mittelpunkt der Blüte.
  4. Nun fassen Sie mit der Maus einen der oberen äußeren Drehpunkte an und ziehen die Kopie nach rechts, bis sie nach 36 Grad selbständig einrastet. Die Kopie des Blatts erscheint dabei leicht durchsichtig (Abbildung 4).

Der Rest ist Fleißarbeit – erzeugen Sie nun genauso die fehlenden acht Blätter und schließen Sie damit den Kreis.

Abbildung 4: Mit dem Drehwerkzeug ziehen Sie die fehlenden Blütenblätter an die richtige Stelle. Diese rasten automatisch ein.

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