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© Advanced Micro Devices, Inc.

Wie Grafikkartentreiber ein System-Update überleben

Auf der sicheren Seite

Die proprietären Grafiktreiber von ATI und Nvidia sind oft zu schlecht in ein laufendes System integriert, um ein System-Upgrade zu überleben. EasyLinux zeigt, wie es geht und was hilft, wenn doch mal etwas schiefläuft.

Nicht wenige Urgesteine der Open-Source-Szene befleißigen sich mittlerweile des Zynismus, wenn sie auf das Thema "Linux auf Desktops" angesprochen werden. Das sei doch schon längst da, heißt es, der Desktop sei eben sehr klein und kommt in diesem Fall von Google – gemeint ist freilich Android. Hinter solchen Aussagen steckt immer auch ein Stück Frustration: Trotz aller Anstrengungen, die verschiedene Desktop-Umgebungen in den letzten Jahren unternommen haben, will Linux einfach keine nennenswerten Marktanteile im Desktopmarkt erobern. Wer Linux auf dem Desktop einsetzt, findet das eventuell weit weniger seltsam als die Strategen bei KDE, Gnome und all den anderen Desktopumgebungen – das gilt vor allem für Anwender, die Treiber von ATI oder Nvidia benötigen, um ihre Grafikkarte ordentlich zu betreiben.

Trauerspiel

In der Tat müssen Sie leidensfähig sein, wenn Sie Linux auf dem Desktop in einem halbwegs aktuellen Computer einsetzen. Besitzer von Notebooks sind oft fein raus: In vielen aktuellen Laptops werkelt Intels Grafikchipsatz 3000 oder 4000, der unter Linux mit quelloffenen Treibern eine 3-D-Unterstützung ab Werk bietet. Wer hingegen ein Notebook mit separater GPU oder einen Desktopcomputer im Haus hat, hat damit fast immer eine Nvidia- oder ATI-Grafikkarte. Und genau hier fangen die Probleme an.

ATI und Nvidia weigern sich nämlich seit Jahren, die Treiber für die eigenen Grafikkarten unter eine quelloffene Lizenz zu stellen. Aus Sicht der Firmen ist das nur logisch – schließlich, so die beiden großen Hersteller, fließe deutlich mehr Geld in die Entwicklung von neuen Grafikchipsätzen, als es nach außen hin den Anschein hat. Da sei es nur konsequent, dass man im Anschluss nicht den Konkurrenten die Möglichkeit geben wolle, die eigenen Entwicklungen zu kopieren und so zu verwerten. Genau das wäre nämlich mit offenen Treibern möglich: Aus diesen ließen sich Rückschlüsse auf verschiedene Hardwarefunktionen ziehen. Die Konsequenz ist einfach: Treiber für Linux bieten ATI und Nvidia zwar an, aber die Quelltexte bleiben geheim.

Die proprietären ATI- und Nvidia-Treiber sind in Teilen der Linux-Community sehr unbeliebt. Wer auf OpenSuse setzt, muss sie von Hand nachinstallieren, und auch unter Ubuntu haben die Treiber nicht denselben Status wie quelloffene Software für andere Grafikkarten.

Die Folgen für Anwender sind unangenehm: Ein fertig eingerichtetes System lässt sich zwar mit den ATI- oder Nvidia-Treibern ausstatten, doch wehe, es ändert sich anschließend eine zentrale Komponente der Installation. Dazu kann schon ein Kernel-Update genügen; weit schlimmer wirkt sich ein Upgrade von einer Distributionsversion auf ihren Nachfolger aus. In solchen Fällen bleibt oft kein Stein auf dem anderen, und Benutzer, die nach dem Upgrade ein frisches System erwarten, sehen nur noch ein schwarzes Display und die Meldung "Login" im Textmodus (Abbildung 1). Spätestens dann ist klar: Mit den Treibern für die Grafikkarte ist etwas schief gelaufen, und guter Rat ist teuer.

Abbildung 1: Wenn nach dem Distributions-Upgrade keine grafische Oberfläche erscheint, sondern lediglich die Konsole, sind die Einstellungen für die Grafikkarte falsch.

OpenSuse und Ubuntu: Zwei Welten

OpenSuse und Ubuntu gehen unterschiedlich an das Problem mit den proprietären Grafiktreibern heran: Da ist einerseits Ubuntu (oder die KDE-Variante Kubuntu), das keinen Konfrontationskurs im Hinblick auf ATI und Nvidia fährt. Zwar gehören beim dort die Treiber nicht zur Hauptabteilung der Distribution, dem so genannten main-Teil. Allerdings stellt das Ubuntu-Projekt den Treiber über das restricted-Verzeichnis zur Verfügung. Der Treiber lässt sich also direkt aus der Distribution heraus über das Werkzeug für zusätzliche Treiber installieren.

Hinzu kommt, dass der Ubuntu-Hersteller Canonical einen Entwickler angestellt hat, der sich um die Pakete der Nvidia- und ATI-Treiber kümmert. Innerhalb einer Version dürfen Benutzer sich also zumindest einigermaßen darauf verlassen, dass der Treiber bei regulären Updates nicht kaputt geht. Selbst ein Upgrade überlebt diese Kombination meistens – denn der neuen Version des Systems sind auch aktualisierte Treiberpakete beigelegt, so dass böse Überraschungen nach dem System-Neustart ausbleiben.

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