Windows installieren

Den Hauptteil der Einstellungen verlagern beide Applikationen in die virtuelle Maschine selbst. Die wichtigsten Punkte fragt VMware Workstation bereits beim Einrichten eines neuen Gastes ab. Dazu zählen Kapazität und Typ der Festplatte(n), verfügbares RAM und verwendetes Gastsystem. VMware Workstation kann viele Betriebssysteme (darunter auch Windows 7 und 8) anhand des eingelegten bzw. über ein ISO-Image verfügbaren Installationsmediums erkennen und erlaubt dann eine vereinfachte Installation: Bei unserem Test mit Windows 8 als Gastsystem fragte das Programm z. B. nach dem Windows-Lizenzschlüssel und den Zugangsdaten für den neu einzurichtenden Account und führte danach die komplette Windows-Installation selbständig ohne weitere Rückfragen durch (Abbildung 3) – das ist eine sehr nützliche Funktion.

Abbildung 3: "Easy Install" heißt die VMware-Workstation-Funktion, die Installationsdatenträger gängiger Betriebssysteme erkennt und damit das Einrichten virtueller Maschinen beschleunigt und automatisiert.

Nach Abschluss des Setups erstellt VMware unter Library (dt. Bibliothek) einen neuen Eintrag mit dem von Ihnen gewählten Gastnamen. Ein Klick darauf zeigt die gewählte Konfiguration an. Klicken Sie auf einen der Einträge, öffnen sich die Virtual Machine Settings (Einstellungen der virtuellen Maschine), in denen Sie Zugriff auf sämtliche Konfigurationsoptionen des Gastsystems erhalten. Unter Hardware fügen Sie neue Geräte, etwa Festplatten, hinzu oder entfernen nicht benötigte. Options bietet hardwareunabhängige Einstellungen. So stellen Sie z. B. unter Shared Folders Verzeichnisse ein, die Sie sowohl im Gast als auch im Wirt verwenden möchten. Die Software bindet diese damit automatisch beim Start in der virtuellen Maschine ein. Die Funktion AutoProtect bietet die Möglichkeit, automatisiert in festgelegten Intervallen Snapshots des Gastes zu erstellen. VMware-Maschinen haben ein virtuelles Phoenix-BIOS, in dem Sie unter anderem die Boot-Reihenfolge und die enthaltenen Hardwarefunktionen einstellen. Es braucht dafür aber flinke Finger, um genau den Sekundenbruchteil beim Booten abzupassen, in dem die virtuelle Maschine via [Esc] Zugang zum BIOS gewährt.

Auch in VirtualBox legen Sie bereits einen Großteil der Einstellungen beim Anlegen des Gastes fest, eine automatische Erkennung des zu installierenden Systems und ein automatisches Setup wie bei VMware gibt es hier allerdings nicht. Den Wizard für die neue VM starten Sie mit einem Klick auf das Icon Neu. Anders als VMware offeriert VirtualBox verschiedene Formate für die virtuelle Festplatte, unter anderem das eigene VDI, VMDK (VMware) und HDD (Parallels), so dass Sie auch virtuelle Festplatten nutzen können, die mit anderen Virtualisierungsprogrammen erstellt wurden.

Ein Klick auf einen der Einträge öffnet rechts daneben die zugehörigen Einstellungen, ein weiterer Klick führt ins Konfigurationsfenster, in dem Sie das Feintuning vornehmen. Alternativ klicken Sie nach dem Aussuchen der virtuellen Maschine auf das Icon Ändern oberhalb der Liste. VirtualBox lässt hier deutlich mehr hardwarenahe Einstellungen zu als VMware. Auch bietet das Programm unter Anzeige die Möglichkeit, die Größe des Grafikspeichers einzustellen sowie die 2-D- und 3-D-Beschleunigung an- oder abzuschalten.

Auch VirtualBox kennt Shared Folders, über die Sie Verzeichnisse des Linux-Systems im Windows-Gast verfügbar machen; wahlweise nur-lesend oder mit Lese- und Schreibzugriff (Abbildung 4).

Abbildung 4: Einfachen Zugriff auf Verzeichnisse des Host-Systems erlauben beide Virtualisierer, hier zeigt der Windows-Explorer unter VirtualBox dasselbe Verzeichnis wie der KDE-Dateimanager Dolphin an.

Systemintegration

Um ein möglichst reibungsloses Zusammenspiel zwischen der virtuellen Hardware und dem Gastsystem zu gewährleisten, bieten beide Hersteller Gasterweiterungen für gängige Betriebssysteme an. Dabei handelt es sich jeweils um ISO-Images, welche die Software im gestarteten Gast einbindet und damit die Installation der enthaltenen Treiber und Tools ermöglicht. Unter VMware rufen Sie dafür bei gestartetem Gastsystem den Menüpunkt VM / Install Vmware-Tools auf. Im Windows-Gast erscheint daraufhin – sofern dessen Autostartfunktion aktiviert ist – ein Konfigurationsassistent. Unter anderem bringen die Erweiterungen verbesserte Grafiktreiber sowie eine optimierte Maus- und Tastatureinbindung mit. Diese erlauben es unter anderem, Dateien mittels Drag & Drop aus dem Gastsystem auf den Desktop des Wirtes (und umgekehrt) zu ziehen oder die Zwischenablage gemeinsam zu verwenden. Darüber hinaus ermöglichen sie das Nutzen des Gastes im so genannten nahtlosen Modus (mehr dazu im nächsten Abschnitt) sowie das unkomplizierte Einbinden von Verzeichnissen des Wirtsystems im Gast. Ähnliche Funktionen bietet VirtualBox mit seinen Gasterweiterungen ebenfalls an.

Viele Linux-Systeme bieten inzwischen sowohl für VirtualBox als auch für VMware eine rudimentäre Unterstützung des Gastsystems an, die aber in den meisten Fällen nicht über das automatische Fangen des Mauszeigers und das Nutzen der gemeinsamen Zwischenablage hinausgeht. Automatische Größenanpassungen des Gast-Desktops erfordern beispielsweise nach wie vor die Installation der Gasterweiterungen. Wenn Sie Linux als Gastsystem benutzen, ist eventuell auch dort die Installation der Entwicklungsumgebung nötig, denn auch für den Linux-Gast gibt es Kernel-Module. Mit Windows als Gastsystem ist die Einrichtung der Gasterweiterungen immer problemlos.

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