Oft gelingt der Umstieg von Windows auf Linux nur halb, weil einige der lieb gewonnenen Anwendungen von Windows nicht als Linux-Versionen verfügbar sind. Wer weder ständig hin und her booten noch einen zweiten Rechner für Linux kaufen möchte, sucht bald nach einer Möglichkeit, die Windows-Programme unter Linux zum Laufen zu bekommen. Das geht mit Virtualisierungsprogrammen, die man oft "PC-Emulatoren" nennt, auch wenn der Begriff technisch nicht korrekt ist, denn Programme dieser Kategorie emulieren nicht die komplette Hardware eines Computers.

VMware Workstation [1] war das erste Programm dieser Art, VirtualBox [2] kam erst einige Jahre später auf den Markt. Die beiden Kontrahenten unterscheiden sich in zwei wichtigen Kriterien: Das VMware-Produkt kostet 222 Euro und ist nicht quelloffen; VirtualBox hingegen ist ein Open-Source-Programm und kostenlos. Ergänzend zur freien GPL-Software gibt es noch eine kommerzielle und proprietäre Ergänzung, die Privatanwender aber auch umsonst verwenden dürfen.

Die aktuellen Versionen, VMware Workstation 9 und VirtualBox 4.2.4, wurden in den letzten Monaten veröffentlicht, und beide unterstützen u. a. das neue Windows 8 als Gastbetriebssystem.

Wir haben beide Produkte unter OpenSuse 12.2 installiert und eine virtuelle Maschine mit Windows 8 eingerichtet. Unser Test zeigt die Unterschiede.

Installation

VirtualBox findet sich als Open-Source-Anwendung zwar in den Repositories der Distributionen, doch die aktuellste Version gibt es dort meist nicht. Darum lohnt sich ein Download von der Webseite: Dort gibt es passende Pakete für zahlreiche Linux-Distributionen, die sich einfach über die Paketverwaltung einspielen lassen.

Wenn das Host-Betriebssystem (der "Gastgeber") ein sehr neues Linux ist, enthält das VirtualBox-Paket noch nicht die dazu passenden Kernel-Module – es versucht dann im Rahmen der Installation automatisch, solche Module zu erzeugen, was aber nur gelingt, wenn die Kernel-Header und eine Entwicklungsumgebung vorhanden sind. Unter OpenSuse 12.2 spielte

sudo zypper install patterns-openSUSE-devel_kernel

die nötigen Pakete ein; bei älteren Linux-Versionen ist dieser Schritt nicht nötig, und das beschleunigt auch die VirtualBox-Installation.

Dass es VirtualBox in Paketform für alle Distributionen gibt, erlaubt eine sehr komfortable Installation, bei der die Paketverwaltung auch automatisch bestehende Abhängigkeiten auflöst; im Test spielte YaST z. B. direkt das benötigte Paket libpng12.0 mit ein.

Eine Aufgabe nimmt der Installer Ihnen allerdings nicht ab: Sie müssen Ihren Standardbenutzer in die neu erstellte Gruppe vboxusers aufnehmen. Das geht über die Benutzerverwaltung oder über das Kommando

sudo usermod -a -G vboxusers Username

Ist bei der Installation das Bauen der Kernel-Module fehlgeschlagen, können Sie diesen Schritt über /etc/init.d/vboxdrv setup nachholen, nachdem Sie die Entwicklungsumgebung und die Kernel-Header installiert haben.

Nach der Installation des VirtualBox-Pakets ist das Programm einsatzbereit, es empfiehlt sich aber, noch die plattformübergreifende Erweiterung (mit der Endung .vbox-extpack) herunterzuladen und zu installieren. Rufen Sie dazu in VirtualBox den Menüpunkt Datei / Globale Einstellungen / Zusatzpakete auf und wählen Sie die .vbox-extpack-Datei aus.

VMware stellt zu Testzwecken eine auf 30 Tage Laufzeit beschränkte Version der Workstation gegen Registrierung zur Verfügung. Den benötigten Lizenzschlüssel finden Sie auf der Downloadseite. Bei Gefallen können Sie später einen zeitlich unbeschränkten Schlüssel erwerben und die Software ohne erneute Installation freischalten. Anders als VirtualBox steht VMware Workstation lediglich in einer generischen Form für alle Linux-Distributionen zur Verfügung. Sie laden vom Server ein 404 MByte großes Shell-Skript herunter, das Sie aus einem Terminalfenster heraus mit dem Befehl

sudo sh VMware-Workstation-Full-9.0.1-894247.i386.bundle

starten müssen. Es entpackt die enthaltenen Pakete, präsentiert die Lizenzbedingungen und stellt ein paar Fragen, bevor es die Software installiert. Beim anschließenden Start von VMware zeigte sich, dass der Hersteller eher professionelle Anbieter im Visier hat; wie bei VirtualBox fehlten für OpenSuse 12.2 passende Kernelmodule. Die Installation der fehlenden Pakete mit (siehe oben) führte aber auch noch nicht zum erfolgreichen Programmstart: VMware läuft nur, wenn man einen Lizenzschlüssel eingibt (ansonsten lassen sich zwar neue virtuelle Maschinen konfigurieren, aber nicht starten), und das Programm zeigte beim Versuch, den Key einzugeben, keinen Dialog an. Nach Hinweisen im Internet, dass das manchmal vorkommt, versuchten wir zunächst, VMware mit Root-Rechten zu starten (kdesu vmware), was immer noch nicht für Abhilfe sorgte. Nur eine Abmeldung und Neuanmeldung als root zauberte den Dialog für die Schlüsseleingabe auf den Bildschirm, die so erzeugte Datei preferences im Ordner /root/.vmware/ mussten wir dann noch manuell nach /home/user/.vmware kopieren und uns erneut ab- und anmelden – danach lief VMware endlich.

Auch für VMware Workstation gilt, dass der Installationsprozess deutlich reibungsloser läuft, wenn man eine etwas ältere Linux-Version als Host-Betriebssystem verwendet, die VMware schon kennt und deswegen bereits passende Kernel-Module mitliefert.

Speaking English?

VMware hat sich nicht die Mühe gemacht, sein Produkt zu lokalisieren: Sämtliche Dialoge und Menüs präsentieren sich durchgehend in englischer Sprache, was für einige Anwender ein K.O.-Kriterium sein dürfte. Andererseits ist die Einrichtung und Nutzung virtueller Maschinen bei VMware leichter als bei VirtualBox (siehe unten), weswegen die fehlende Übersetzung eventuell zu verschmerzen ist. Im Gegensatz dazu ist VirtualBox komplett eingedeutscht, so dass auch Anwender ohne Englischkenntnisse problemlos damit arbeiten können. Dass ein Produkt für über 200 Euro auf deutsche Anpassungen verzichtet, ist schon befremdlich und ein Hinweis darauf, dass der Hersteller nicht damit rechnet, dass private Anwender das Produkt verwenden – bei Systemadministratoren in Unternehmen wird wohl vorausgesetzt, dass sie mit der englischen Benutzerführung zurechtkommen.

Oberflächliches

VMware Workstation bündelt alle Aktivitäten in einem einzigen Fenster: Wenn Sie eine virtuelle Maschine starten, läuft diese im großen Hauptbereich des Fensters. Sie können dann noch weitere VMs aktivieren und über Reiter (wie in einem Webbrowser) zwischen den verschiedenen Maschinen hin und her wechseln (Abbildung 1). Sie können einen Reiter aber auch aus dem Hauptfenster herausziehen und auf den Desktop fallen lassen – damit erzeugen Sie ein neues Fenster, das nur noch diese eine VM enthält. So können Sie gleichzeitig mehrere VMs in separaten Fenstern beobachten.

Abbildung 1: Über Reiter kann VMware Workstation mehrere laufende virtuelle Maschinen in einem Fenster unterbringen – um die VMs parallel zu beobachten, ziehen Sie einfach einen Reiter aus dem Fenster heraus.

VirtualBox verwendet standardmäßig separate Fenster: Das Hauptfenster enthält die Konfigurationen der virtuellen Maschinen, und wenn Sie eine starten, öffnet das Programm dafür ein neues Fenster (Abbildung 2).

Abbildung 2: VirtualBox stellt jede virtuelle Maschine in einem separaten Fenster dar; dazu kommt noch das Hauptfenster, über das Sie die VMs konfigurieren und starten können.

Software-Setup

Die gastunabhängigen Einstellungen erreichen Sie in der VirtualBox unter Datei / Globale Einstellungen. Unter anderem legen Sie hier den "Host-Key" fest, also die Taste, mit der Sie die Maus und das Keyboard aus dem Gastfenster lösen. Diese Funktion brauchen Sie aber nicht mehr, sobald Sie die so genannten Gasterweiterungen installiert haben, mehr dazu weiter unten.

Zum Verwalten der Datenträger bringt VirtualBox eine eigene Konfigurationsoberfläche mit, die Sie via Datei / Manager für virtuelle Medien erreichen. Sie unterscheidet in Reitern Festplatten, CD/DVD-Abbilder und Diskettenabbilder. Hier registrierte Medien stellt die Software per Knopfdruck in der Massenspeicher-Verwaltung zum Einhängen bereit.

VMwares grundlegende Einstellungen erreichen Sie unter Edit / Preferences. Die Software bietet hier ungleich mehr Optionen als VirtualBox. So legen Sie z. B. unter Priority fest, in welcher Rangfolge die CPU die virtuellen Maschinen in welchem Modus bedient.

Windows installieren

Den Hauptteil der Einstellungen verlagern beide Applikationen in die virtuelle Maschine selbst. Die wichtigsten Punkte fragt VMware Workstation bereits beim Einrichten eines neuen Gastes ab. Dazu zählen Kapazität und Typ der Festplatte(n), verfügbares RAM und verwendetes Gastsystem. VMware Workstation kann viele Betriebssysteme (darunter auch Windows 7 und 8) anhand des eingelegten bzw. über ein ISO-Image verfügbaren Installationsmediums erkennen und erlaubt dann eine vereinfachte Installation: Bei unserem Test mit Windows 8 als Gastsystem fragte das Programm z. B. nach dem Windows-Lizenzschlüssel und den Zugangsdaten für den neu einzurichtenden Account und führte danach die komplette Windows-Installation selbständig ohne weitere Rückfragen durch (Abbildung 3) – das ist eine sehr nützliche Funktion.

Abbildung 3: "Easy Install" heißt die VMware-Workstation-Funktion, die Installationsdatenträger gängiger Betriebssysteme erkennt und damit das Einrichten virtueller Maschinen beschleunigt und automatisiert.

Nach Abschluss des Setups erstellt VMware unter Library (dt. Bibliothek) einen neuen Eintrag mit dem von Ihnen gewählten Gastnamen. Ein Klick darauf zeigt die gewählte Konfiguration an. Klicken Sie auf einen der Einträge, öffnen sich die Virtual Machine Settings (Einstellungen der virtuellen Maschine), in denen Sie Zugriff auf sämtliche Konfigurationsoptionen des Gastsystems erhalten. Unter Hardware fügen Sie neue Geräte, etwa Festplatten, hinzu oder entfernen nicht benötigte. Options bietet hardwareunabhängige Einstellungen. So stellen Sie z. B. unter Shared Folders Verzeichnisse ein, die Sie sowohl im Gast als auch im Wirt verwenden möchten. Die Software bindet diese damit automatisch beim Start in der virtuellen Maschine ein. Die Funktion AutoProtect bietet die Möglichkeit, automatisiert in festgelegten Intervallen Snapshots des Gastes zu erstellen. VMware-Maschinen haben ein virtuelles Phoenix-BIOS, in dem Sie unter anderem die Boot-Reihenfolge und die enthaltenen Hardwarefunktionen einstellen. Es braucht dafür aber flinke Finger, um genau den Sekundenbruchteil beim Booten abzupassen, in dem die virtuelle Maschine via [Esc] Zugang zum BIOS gewährt.

Auch in VirtualBox legen Sie bereits einen Großteil der Einstellungen beim Anlegen des Gastes fest, eine automatische Erkennung des zu installierenden Systems und ein automatisches Setup wie bei VMware gibt es hier allerdings nicht. Den Wizard für die neue VM starten Sie mit einem Klick auf das Icon Neu. Anders als VMware offeriert VirtualBox verschiedene Formate für die virtuelle Festplatte, unter anderem das eigene VDI, VMDK (VMware) und HDD (Parallels), so dass Sie auch virtuelle Festplatten nutzen können, die mit anderen Virtualisierungsprogrammen erstellt wurden.

Ein Klick auf einen der Einträge öffnet rechts daneben die zugehörigen Einstellungen, ein weiterer Klick führt ins Konfigurationsfenster, in dem Sie das Feintuning vornehmen. Alternativ klicken Sie nach dem Aussuchen der virtuellen Maschine auf das Icon Ändern oberhalb der Liste. VirtualBox lässt hier deutlich mehr hardwarenahe Einstellungen zu als VMware. Auch bietet das Programm unter Anzeige die Möglichkeit, die Größe des Grafikspeichers einzustellen sowie die 2-D- und 3-D-Beschleunigung an- oder abzuschalten.

Auch VirtualBox kennt Shared Folders, über die Sie Verzeichnisse des Linux-Systems im Windows-Gast verfügbar machen; wahlweise nur-lesend oder mit Lese- und Schreibzugriff (Abbildung 4).

Abbildung 4: Einfachen Zugriff auf Verzeichnisse des Host-Systems erlauben beide Virtualisierer, hier zeigt der Windows-Explorer unter VirtualBox dasselbe Verzeichnis wie der KDE-Dateimanager Dolphin an.

Systemintegration

Um ein möglichst reibungsloses Zusammenspiel zwischen der virtuellen Hardware und dem Gastsystem zu gewährleisten, bieten beide Hersteller Gasterweiterungen für gängige Betriebssysteme an. Dabei handelt es sich jeweils um ISO-Images, welche die Software im gestarteten Gast einbindet und damit die Installation der enthaltenen Treiber und Tools ermöglicht. Unter VMware rufen Sie dafür bei gestartetem Gastsystem den Menüpunkt VM / Install Vmware-Tools auf. Im Windows-Gast erscheint daraufhin – sofern dessen Autostartfunktion aktiviert ist – ein Konfigurationsassistent. Unter anderem bringen die Erweiterungen verbesserte Grafiktreiber sowie eine optimierte Maus- und Tastatureinbindung mit. Diese erlauben es unter anderem, Dateien mittels Drag & Drop aus dem Gastsystem auf den Desktop des Wirtes (und umgekehrt) zu ziehen oder die Zwischenablage gemeinsam zu verwenden. Darüber hinaus ermöglichen sie das Nutzen des Gastes im so genannten nahtlosen Modus (mehr dazu im nächsten Abschnitt) sowie das unkomplizierte Einbinden von Verzeichnissen des Wirtsystems im Gast. Ähnliche Funktionen bietet VirtualBox mit seinen Gasterweiterungen ebenfalls an.

Viele Linux-Systeme bieten inzwischen sowohl für VirtualBox als auch für VMware eine rudimentäre Unterstützung des Gastsystems an, die aber in den meisten Fällen nicht über das automatische Fangen des Mauszeigers und das Nutzen der gemeinsamen Zwischenablage hinausgeht. Automatische Größenanpassungen des Gast-Desktops erfordern beispielsweise nach wie vor die Installation der Gasterweiterungen. Wenn Sie Linux als Gastsystem benutzen, ist eventuell auch dort die Installation der Entwicklungsumgebung nötig, denn auch für den Linux-Gast gibt es Kernel-Module. Mit Windows als Gastsystem ist die Einrichtung der Gasterweiterungen immer problemlos.

Nahtloser Modus

Wie im vorigen Abschnitt erwähnt, bieten beide Systeme einen "nahtlosen Modus" an, der aber in jedem Fall die Installation der Gasterweiterungen erfordert. Ist dieser Modus aktiviert, erscheinen im Gast gestartete Programme herausgelöst aus dessen Desktop direkt in der Umgebung des Wirts. Um diese Funktion unter VMware zu aktivieren, genügt es, im Menü View den Eintrag Unity auszuwählen. Recht ähnlich funktioniert der nahtlose Modus von VirtualBox. Ihn aktivieren Sie bei laufendem Gastsystem über Anzeige / Nahtlosen Modus einschalten oder die Tastenkombination [Strg]+[L] (mit der rechten Strg-Taste).

Mit Windows 7 und älteren Versionen funktioniert dieses Feature in beiden Virtualisierern sehr gut, Windows 8 nutzt aber standardmäßig nicht mehr den Desktop, sondern die neue Kacheloberfläche – wenn Sie hier unter VirtualBox in den nahtlosen Modus wechseln, wird das Windows-System unbedienbar. Da es im Desktop-Modus von Windows 8 kein Startmenü mehr gibt, sind damit auch keine Programmaufrufe mehr möglich. Für Windows 8 ist der nahtlose Modus von VirtualBox darum in der aktuellen Version unbrauchbar.

Nutzen Sie den nahtlosen Modus Unity von VMware, schaltet das Programm in die Vollbildansicht, sobald Sie die Kacheloberfläche aktivieren. Wenn Sie dann wieder auf den Desktop zurück wechseln, erscheinen die Windows-Fenster auf dem Linux-Desktop. Außerdem blendet VMware nicht die (bei Windows 8 nutzlose) Startleiste ein, sondern erzeugt links oben ein eigenes Menü: Darüber können Sie auch unter Windows 8 die installierten Programme aufrufen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Über den nahtlosen Modus (Unity) von VMware Workstation erhalten Windows-8-Anwender sogar wieder ein brauchbares Startmenü – der Windows-Desktop hat es abgeschafft. Auf diesem OpenSuse-Desktop liegen zwei Windows-Explorer-Fenster.

Datenaustausch

Beim Datentausch punktet VMware mit einem wichtigen Feature: Es erlaubt das Kopieren von Dateien per Drag & Drop zwischen Gast und Wirt. So ziehen Sie Dateien beispielsweise einfach aus dem geöffneten Windows-Datei-Explorer auf den Desktop des Wirts oder umgekehrt aus Dolphin in den Windows-Explorer.

Eine weitere Möglichkeit des Datenaustausches bieten beide Programme mithilfe von gemeinsamen Ordnern. Unter VMware wechseln Sie dafür in den Settings zu den Options und darin in den Reiter Shared Folders. Hier aktivieren Sie zum einen die Funktion, zum anderen legen Sie fest, welche Verzeichnisse Sie im Gastsystem freigeben möchten.

Unter VirtualBox erreichen Sie die Einstellungen im Konfigurationsfenster des Gastes unter Gemeinsame Ordner. Beide Systeme binden die freigegebenen Verzeichnisse im Gast als Netzwerklaufwerk ein. Der Datenaustausch funktionierte problemlos.

Eine weitere Möglichkeit des Datenaustausches, die beide Systeme unterstützen, ist der Zugriff auf externe Datenträger, wie etwa USB-Sticks oder Wechselfestplatten. Unter VMware Workstation genügt es, den fraglichen Datenträger im laufenden Betrieb des Gastes einzustecken. Daraufhin erscheint eine Meldung, die darauf hinweist, dass er im System eingebunden werden könne. Haben Sie das Medium zuvor schon im Wirt gemountet, hängt VMware es aus und mountet es danach im Gast neu.

Ähnlich unkompliziert funktioniert prinzipiell das Einbinden der USB-Geräte unter VirtualBox. Ein Icon am Fuß des Gastsystems weist auf das angeschlossene Gerät hin. Klicken Sie es mit der rechten Maustaste an und aktivieren die Checkbox vor dem gewünschten Eintrag, hängt VirtualBox das Gerät im Gast ein; unter Linux ist es solange nicht mehr nutzbar. Beim Test mit OpenSuse 12.2 erkannte das Gastsystem allerdings einen angeschlossenen und für das Gast-Windows freigegebenen USB-Stick nicht.

Sonstige Features

Beide Virtualisierungslösungen können Snapshots erstellen, also den Zustand der virtuellen Maschine zum aktuellen Zeitpunkt einfrieren und sichern. Das ist praktisch, wenn Sie potenziell problematische Software installieren oder Updates einspielen wollen: Sie erstellen dann vor dem riskanten Schritt einen Snapshot und können bei Problemen zu diesem Zustand zurückkehren.

Auch in beiden Programmen vorhanden ist eine Suspend-Funktion, mit der Sie das Gastsystem jederzeit einfach einfrieren (und dann das Virtualisierungsprogramm beenden) können. Damit bleiben alle unter Windows gestarteten Programme in ihrem letzten Zustand; wenn Sie die VM das nächste Mal aktivieren, arbeiten Sie genau dort weiter, wo Sie aufgehört haben. Das Feature entspricht damit der Suspend-to-disk-Funktion.

VMware Workstation hat ein nettes Gimmick für alle Anwender, die eine Videoaufzeichnung erstellen möchten, etwa für ein Lernvideo: Eine eingebaute Kamerafunktion kann Ton und Desktop des Gastsystems aufnehmen und als Videodatei speichern. Sie aktivieren die Aufzeichnung über VM / Capture Movie und wählen den Namen der Videodatei; die Dateiendung .avi hängt die Workstation automatisch an.

Fazit

Der Zugriff auf USB-Geräte, das problemlose Drag & Drop zwischen Gast- und Host-Betriebssystem, die vereinfachte Installation bekannter Gastsysteme sowie speziell für Windows 8 die brauchbare Unterstützung der neuen Kacheloberfläche im nahtlosen Modus sind eindeutige Pluspunkte für VMware Workstation. Dafür war die Erstinstallation von VirtualBox leichter als die VMware-Einrichtung, und VirtualBox spricht durchgehend Deutsch, während VMware Englischkenntnisse voraussetzt.

Der Funktionsumfang von VMware Workstation ist insgesamt deutlich größer als der des Konkurrenten, aber viele VMware-Features sind vor allem für Profis interessant.

Ein Haupthindernis dürfte der hohe Preis des VMware-Produkts bleiben: Für über 200 Euro können Sie auch einen gebrauchten PC kaufen und darauf Windows (oder Linux) installieren, so dass sich der Kauf nicht lohnt, wenn Sie nur gelegentlich ein Windows-Programm benutzen möchten. Wer aber regelmäßig mit mehreren virtuellen Maschinen arbeitet, kann von den Zusatzfunktionen der VMware Workstation profitieren.

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