Dies ist der frei verfügbare Teil der Software-News. Weitere fünf Programme finden Sie in der gedruckten Ausgabe.

Blender – leistungsfähiges freies 3D-Programm

Das 3D-Programm Blender bleibt trotz seiner neu gestalteten Benutzeroberfläche ein hochkomplexes Programm, dessen beeindruckenden Funktionsumfang nur Profis voll ausloten. Doch das Lebkuchenmann-Tutorial aus der Blender-Dokumentation vermittelt auch Einsteigern einen ersten Eindruck, wie in Hollywood Filmszenen auf dem Computer entstehen.

Blender [1] ist die führende freie 3D-Rendering- und Animationssoftware. Der Begriff "Rendern" meint das Erzeugen realistischer Abbildungen von computergenerierten räumlichen Objekten. Damit diese wie Fotos aus der Realität wirken, simuliert die Software Licht und Schatten. Moderne Renderer, die nach dem Raytracing-Verfahren ("Lichtstrahlenverfolgungsverfahren") arbeiten, simulieren auch Spiegelungen und Lichtbrechungen in durchsichtigen Gegenständen.

Maschinenwelten

Was Blender (Abbildung #) leistet, demonstriert das jüngste OpenMovie-Projekt Tears of Steel [2], das reale Schauspieler in einer vollständig in Blender simulierte Welt aus surrealen Maschinen einbindet. Dass derartig komplexe cineastische Effekte nur mit riesigem Aufwand zu erzeugen sind, zeigt sich schon daran, dass computergenerierte Welten in Hollywood-Produktionen meist mehr Geld kosten, als aufwändige Kulissenbauten aus Holz und Stahl.

Abb. #: Die 3D-Software benutzt Drahtgitter-Modelle, um auf dem zweidimensionalen Computerschirm räumliche Modelle zu konstruieren.

Die einstmals unübersichtliche Oberfläche des Programms überarbeiteten die Entwickler allerdings ab Version 2.50 (Ende 2009 als Alpha-Version) gründlich. Seit Version 2.60 (Oktober 2011) gelten die Neuerungen als stabil. Fast noch wichtiger: Inzwischen ist die Dokumentation [3] für die neu gestaltete GUI umgeschrieben.

Ein erster Eindruck

Wer einen ersten Eindruck davon bekommen möchte, wie im Computer zum Leben erweckte Roboter-Bösewichte à la Terminator entstehen, sollte sich das zweiteilige Tutorial "A static Gingerbread Man" ("Ein unbewegter Lebkuchenmann") plus "Animating the Gingerbread Man" ("Den Lebkuchenmann animieren") vornehmen [4,5]. Auf deutsch liegt die Anleitung derzeit aber noch nicht vor.

Das Ergebnis ist optisch natürlich noch ausbaufähig (Abbildung #) doch es demonstriert die grundlegenden Arbeitstechniken von Blender anhand einfacher, auch für Anfänger nachvollziehbarer Beispiele. Der erste Teil zeigt, wie sich ein einfacher Quader zu einer Lebkuchenfigur mit Kopf, Armen und Beinen erweitern lässt.

Abb. #: Ein solcher Lebkuchenmann, der sogar laufen kann, gelingt dank eines einsteigertauglichen Tutorials sogar Anfängern in wenigen Stunden.

Zum Leben erweckt

Im zweiten Teil des Lebkuchenmann-Tutorials lernt das künstliche Wesen laufen. Dafür erhält es ein richtiges Knochenskelett mit Gelenken. Ein Skelett aus festen Knochen und Gelenken sowie verformbares "Fleisch" bilden die Grundbausteine für die Simulation sich bewegender Lebewesen. Man nennt dies Charakteranimation. Darüber hinaus bringt Blender noch viele weitere Simulationssysteme mit: Die Partikel-Simulation ist für Objekte zuständig, die aus zigtausenden ähnlich geformten Teilchen bestehen. Es erzeugt so unterschiedliche Gegenstände wie Haare oder Wolken.

Das "Soft-Body"-System simuliert die Deformation eines weichen Objekts wie eines Kissens. Die Stoffsimulation sorgt für natürlichen Faltenwurf von Kleidung. Auch Flüssigkeiten und Rauch stellt die inzwischen äußerst umfangreiche Software naturgetreu nach.

Die Redaktion meint

Das Konstruieren räumlicher Objekte mit zweidimensionalen Zeichengeräten wie der Maus bleibt kompliziert, egal, wie intuitiv die Software diesen Vorgang umsetzt. Nur wer viel Zeit und Leidenschaft mitbringt, kann den Funktionsumfang der vielen komplexen Systeme auch nur annähernd ausschöpfen.

Einen ersten Eindruck davon, wie künstliche Welten auf dem Computer entstehen, vermittelt aber das beschriebene Lebkuchenmann-Tutorial auch Anfängern in einigen Stunden. Immerhin hat Blender mit einer inzwischen weitgehend vollständigen und nachvollziehbaren Dokumentation und der neu gestalteten Programmoberfläche die Einstiegshürden im Vergleich zu früheren Versionen stark entschärft.

Bewertung

5 von 5 Sternen

Rekonq – Leichtgewichtiger KDE-Browser

Der KDE-Browser Konqueror hat mit Rekonq einen würdigen Nachfolger bekommen. Umsteiger vom verbreitetsten Linux-Browser schätzen ihn schon wegen seiner vielen Ähnlichkeiten.

Es gibt gute Gründe dafür, warum Firefox unter Linux bei der Anwendergunst den ersten Platz erobern konnte: Der Browser von Mozilla bietet den größten Funktionsumfang, zeigt auch Seiten, die aktuelle Internettechnologien nutzen, korrekt an und ist last but not least mit unzähligen Add-ons erweiterbar. Doch die vielen Features und die Erweiterbarkeit schlagen sich bei den Anforderungen an die Rechnerressourcen nieder.

Schlank und rank

Auf älteren Rechnern oder Notebooks verwendeten KDE-Anwender daher früher gern den KDE-eigenen Browser Konqueror, der die Seiten schneller anzeigt und weniger Arbeitsspeicher belegt. Doch Konqueror hinkt inzwischen der Entwicklung des Internets hinterher und zeigt viele Seiten nicht mehr korrekt an.

Brandaktuell ist dagegen der noch junge KDE-Browser Rekonq (Abbildung #) [1]. Er nutzt wie Googles Browser Chrome als Anzeige-Engine das leistungsfähige Modul Webkit, integriert sich aber wie Konqueror und anders als Chrome perfekt in die KDE-Desktopumgebung. Das gilt sowohl für den Style der Oberfläche als auch alle Dialogfelder. Im Vergleich mit Firefox hält er sich außerdem bei den Anforderungen an den Computer zurück.

Abb. #: Rekonq kombiniert eine in etlichen Punkten an Firefox angelehnte Benutzeroberfläche mit der schlanken, aber leistungsfähigen HTML-Rendering-Engine Webkit. Er zeigt auch komplexe Webseiten korrekt an, braucht aber dennoch viel weniger Speicher als Firefox.

Kurzschrift

Eines der praktischsten Konqueror-Features, die Webkürzel, übernimmt Rekonq: gg Schlagwort in der Adressleiste eingegeben startet die Google-Suche. Für jede in Einstellungen / Suchmaschinen definierten Eintrag ist ein eigenes Kürzel zuständig.

Umsteiger von Firefox werden es schätzen, dass der neue, schlanke Browser sich bei der Bedienung in vielen Punkten an den Branchenprimus anlehnt: Um eine Seite als Bookmark abzulegen genügt ein Klick auf das hellgelbe Stern-Icon. Das passive Dialogfeld, das dann oben im Fenster erscheint, funktioniert genau so, wie bei Firefox. Beim Tastaturshortcut [Strg]+[D] müssen sich Firefox-Anwender ebenfalls nicht umgewöhnen.

Nach berühmtem Vorbild

Auch die Verlaufsseitenleiste sieht wie beim großen Vorbild aus und öffnet sich mit dem gleichen Shortcut ([Strg]+[H]). Das ist wesentlich übersichtlicher als die Lösung in Chrome, bei der der Browser die History in einem Browser-Fenster als recht unübersichtliche HTML-Seite anzeigt. In Rekonq lässt sich die Browsing-History wie in Firefox mit Hilfe eines Filterfeldes durchsuchen. Dass der Browser dann, anders als Firefox, auch die Suchergebnisse wie die Standardansicht nach Datum gruppiert, ist eindeutig ein Vorteil.

Eine Gruppierung nach Domains kennt Rekonq dagegen noch nicht. Dafür gibt es im Browser neben den Bookmarks noch die so genannten Favoriten: Nach einem Klick auf das Herz-Icon in der Adressleiste nimmt der Browser die Seite in die Übersicht auf, die beim Öffnen eines neuen Tabs erscheint. Neuere Firefox-Versionen kennen dieses Feature ebenfalls, hier wählt der Browser die Elemente für die Übersichtsseite aber automatisch aus den am häufigsten aufgerufenen Seiten aus.

Lediglich die Bookmark-Seitenleiste tanzt im Vergleich zu Firefox mit dem Shortcut [Strg]+[Umschalt]+[B] ein wenig aus der Reihe. Als Ausgleich darf der Anwender anders als in Firefox die Verlaufs- und die Bookmark-Seitenleiste zugleich einblenden, was zumindest auf größeren Bildschirmen praktisch ist.

Komplettpaket

Beim Autovervollständigen in der Adressleiste wertet Rekonq die bisher besuchten Seiten, die Bookmarks sowie Vorschläge der Standardsuchmaschine ein. Flash-Support bringt die leistungsstarke Webkit-Engine auch mit. Das automatische Laden von Flash-Inhalten lässt sich ohne Add-on durch die Einstellung Webkit / Module manuell laden unterbinden. Erst ein Klick auf den statt des Flash-Inhalts angezeigten Platzhalter lädt dann das Flash-Modul. Mangels Add-on-Schnittstelle müssen Sie jedoch mit dem auskommen, was Rekonq von Hause aus bietet. Darunter befindet sich aber immerhin eine Integration des Standard-KDE-Downloadmanager KGet sowie ein Werberblocker.

Die Redaktion meint

Der schlanke Browser Rekonq ist in Version 1.3 ausgewachsen: Er kombiniert eine erstklassige Anzeige-Engine mit allen für das Durchstöbern des Internets wichtigen Funktionen und bleibt doch schneller und schlanker als Firefox.

Bewertung

5 von 5 Sternen

Sunflower: Der Klassiker unter den Dateimanagern

Ein Dateimanager ist neben der Textkonsole sicher der grundlegendste Bestandteil einer Desktopumgebung. Der Sunflower-Dateimanager zeigt nach Meinung der Redaktion, dass sich KDE und Gnome selbst in diesem Kernbereich noch verbessern ließen.

Sunflower (Abbildung #) [1] ist ein zweispaltiger Dateimanager, wie ihn sich die meisten Anwender wünschen, wenn sie Dateien wirklich managen und nicht nur mit der verknüpften Anwendung öffnen möchten. Bis zur im März 2010 erschienenen Gnome-Version 2.30 mussten die Anwender dieses Desktops auf das Feature warten, das zu allem Überfluss in der aktuellen Version 3.6 schon wieder verschwunden ist.

Abb. #: Schon zu DOS-Zeiten bevorzugten viele Anwender zweispaltige Dateimanager. Sunflower überflügelt die Gnome- und KDE-Standardprogramme schon jetzt mit einem Werkzeug zum Umbenennen mehrerer Dateien.

Dazu bietet Sunflower ein Komfortpaket, das den KDE- und Gnome Dateimanagern Dolphin und Nautilus teilweise abgeht: Dateien lassen sich auf Basis eines Vergleichs zwischen dem rechts und links geöffneten Verzeichnis auswählen: [F12] wählt auf beiden Seiten die Dateien, die auf der anderen nicht existieren. Um die Verzeichnisse zu synchronisieren, brauchen Sie diese dann bloß noch mit der Maus auf die andere Seite ziehen. Praktisch ist auch die Funktion Dateien mit selber Endung auswählen/abwählen

Mehr als üblich

Vor dem Kopieren oder Verschieben öffnet Sunflower ein Dialogfeld, im dem Sie bestimmen, ob die Dateien das Änderungsdatum der Ausgangsdatei erben oder ob der Zeitstempel den Zeitpunkt des Kopierens widerspiegelt. Auch ob der Benutzer erhalten bleibt, oder ob die neuen Dateien dem den Kopiervorgang ausführenden Benutzer zugeordnet wird, dürfen Sie festlegen.

Die Software bringt daneben ein Tool zum Umbenennen von Dateien mit, das ein wenig dem in Ausgabe 02/2012 vorgestellten Krename ähnelt: Damit lassen sich mehreren Dateien gleichmäßig aufsteigende Zähler oder Namenspräfixe und -sufixe zuweisen. Sunflower vereinheitlicht auf Wunsch auch Klein- und Großschreibung oder schreibt Werte aus den Tags von Musikdateien in den Dateinamen.

Konsole in der GUI

Wer sich an die Konsole wagt, wird sich über die Kommandozeile am unteren Fensterrand freuen, die Shell-Befehle im Verzeichnis des gerade aktiven Unterfensters ausführt. Ein Klick auf das schwarze Icon in der Kopfzeile öffnet ein Konsolenfenster im aktiven Verzeichnis. Wer häufig bestimmte Konsolenbefehle ausführt, definiert selbst Einträge im Menü Befehle, zum Beispiel rm *.*~, das die Backupdateien mancher Texteditoren löscht. Da das Programm die Kommandos ohne Rückfrage ausführt, ist allerdings bei Löschbefehlen Vorsicht geboten.

Die Suchfunktion kennt die Steuerzeichen * für beliebige Zeichenfolgen, ? für genau ein Zeichen. Eckigen Klammern kennzeichnen Alternativen, [abc] steht also für "entweder a oder b oder c". Dankenswerter Weise listet der Dialog diese Sonderzeichen direkt neben dem Eingabefeld auf.

Beschränkt teamfähig

Das Programm hängt auf Wunsch lokale Dateisystemeein und aus, sofern der ausführende Benutzer die Rechte dafür besitzt. Es verknüpft sich auch mit Windows-Shares oder FTP-Servern. Wer möchte, dass Sunflower dabei die Passwörter speichert, muss das Paket python-gnomekeyring installieren.

Das unter Linux bevorzugt genutzte Kopieren über das Netzwerk per SSH beherrscht Sunflower nicht. Hier wird spürbar, dass das Programm erst in Version 0.1a vorliegt, denn dies schränkt seinen Nutzwert erheblich ein. Auch die Tastaturshortcuts zum Auswählen von Dateien funktionieren im Moment nicht, lediglich über die Menüeinträge lassen sich die Funktionen aufrufen, doch das ist weit weniger komfortabel.

Die Redaktion meint

Schon in Version 0.1a bringt Sunflower ein paar Tools mit, die bei den Dateimanagern der großen Desktopumgebungen nicht alle selbstverständlich sind: Zum Beispiel ein nützliches Umbenennen-Werkzeug sowie ein Terminal-Fenster in der vollen Größe einer Fensterhälfte. Ganz fertig wirkt das viel versprechende Programm noch nicht, doch wenn der Autor noch ein wenig an seinem Werk feilt, dürfte er bei etlichen Gnome-Anwendern, die eine zweispaltige Ansicht nicht missen möchten, die Stelle des Standardprogramms einnehmen.

Bewertung

3 von 5 Sternen

Tesseract – führende freie OCR-Software

Seit etwa 1990 gibt es kommerzielle Software, die eingescannte Texte ind editierbare verwandeln. Inzwischen erlauben sich auch freie Programme wie Tesseract nur noch wenige Fehler.

Wie bei allen eingescannten Seiten liefert der Scanner natürlich auch für Textseiten Bilddateien. Diese sind um ein Vielfaches größer als Text- oder Office-Dateien und lassen sich weder mit einem Textverarbeitungsprogramm bearbeiten noch nach Schlagwörtern durchsuchen. Darum gibt es OCR (optical character recognition, optische Zeichenerkennung), welche die Umwandlung von Bilddateien in Textdateien vornimmt.

Spitzen-Duo

Eines der führenden freien OCR-Programme ist Tesseract (Abbildung #) [1]. Wie die zweite ähnlich leistungsfähige freie OCR-Engine Cuneiform [2] hat das Programm einen kommerziellen Hintergrund, wird aber schon seit Jahren von Google als freie Software weiterentwickelt.

Abb. #: Nicht ganz fehlerfrei, aber dicht dran: Scannen, optische Zeichenerkennung und Korrekturlesen geht mit Tesseract 3 auf jedem Fall schneller als abtippen.

Bis heute können Computer dem menschlichen Gehirn beim Erkennen von optischen Mustern, also auch von Buchstaben, nicht das Wasser reichen: Keine Software trennt Flecken auf dem Papier so sicher von Textzeichen, erkennt Buchstaben trotz Verformung oder errät unleserliche Textpassagen mit so viel Hintergrundwissen wie ein menschlicher Leser.

Auch kommerzielle Texterkennungssoftware wie der für Windows und Mac OS verfügbare Abbyy Finereader [3] arbeitet nicht völlig fehlerfrei. Bei Tesseract, dessen Entwicklung einige Jahre ganz ruhte und auch gegenwärtig nicht allzu schnell voranschreitet, müssen Sie, auch bei kontrastreichen Scans mit 300 dpi Auflösung, mit ein bis zwei Erkennungsfehlern pro Seite rechnen. Seit Version 3 versucht Tesseract, Text in Spalten nicht mehr als durchgängige Zeilen einzulesen, sondern erkennt den Textfluss nun korrekt.

Der mit dem Tool erkannte Text lässt sich mit der Rechtschreibprüfung einer Textverarbeitung korrigieren.

Knapp abgehängt

Den ebenfalls freien Mitspieler Cuneiform überrundet Tesseract höchsten knapp. Genau lässt sich das auch nur schwer differenzieren, denn jede Engine reagiert auf Hürden wie schräg eingescannte Seiten, leicht gezackte Buchstabenränder oder schlechten Kontrast unterschiedlich.

Die Anfang November erschienene Release 3.02.02 verheißt, wie schon der Versionssprung hinter der zweiten Kommastelle erkennen lässt, keine dramatische Verbesserung der Erkennungsgenauigkeit. Tesseract berücksichtigt nun aber erstmals Absätze. Ein wenig Feintuning wandten die Entwickler auch an, die den einen oder anderen Erkennungsfehler verhindern dürfte.

Allerdings bringt die Software keine grafische Oberfläche mit. Abhilfe schafft das in Ausgabe 03/2012 vorgestellte Programm Gscan2PDF, das unter anderem Tesseract für die Texterkennung einbindet. Auch die umfangreiche Scansoftware Xsane [4], für die alle Easy-Linux-Distributionen ein Paket mitbringen, schickt eingescannte Seiten auf Wunsch an eine externe OCR-Engine weiter.

Konsole genügt

Das direkte Nutzen des Kommandozeilenprogramms ist jedoch auch nicht schwierig. Vor dem Einsatz von Tesseract müssen Sie allerdings noch Sprachdefinitionen wie die Dateien tesseract-ocr-3.02.deu.tar.gz und tesseract-ocr-3.02.eng.tar.gz aus der EasyLinux-DVD in das Verzeichniss /usr/share/tessdata/ kopieren. Die als language data bezeichneten Dateien [5] erweitern Tesseract um weitere Sprachen.

Die Software rufen Sie auf der Konsole mit der Eingabe von tesseract Pfad/zur/Eingabedatei AusgabedateiOhneEndung -l deu auf. Für englischen Text ersetzen Sie -l deu durch -l eng. Der dreistellige Sprachcode entspricht immer den letzten drei Buchstaben vor der Dateiendung bei einer Sprachedatei. Tesseract verarbeitet eine Eingabedatei pro Aufruf, bei der es sich aber auch um ein mehrseitiges Tiff, handeln darf, wie es unter anderem Xsane erzeugt. Den erkannte Text kopiert die Software in die oben beschriebene Ausgabedatei.txt.

Die Redaktion meint

Dank der beiden freien OCR-Engines Cuneiform und Tesseract, die mit Version 3.0 einen leichten Vorsprung bei der Erkennungsgenauigkeit herausgearbeitet hat, muss niemand mehr eingescannten Text abtippen. Voraussetzung für gute Ergebnisse ist eine Scanauflösung um die 300 dpi und eine Schriftgröße von mindestens 10 Punkten. Auch leicht schräge Scans bewältigt die Software in der Regel gut.

Bewertung

4 von 5 Sternen

Yakuake – platzsparendes Ausklapp-Terminalfenster

Yakuake blendet ein Konsolenfenster per Tastatur-Shortcut ein- und aus. Fensterleiste und Programmumschalter bleiben dabei für die normalen Desktop-Programme frei.

Auf Windows-Umsteiger wirkt das Kommandozeilenfenster mit monochromen Text oft wie ein Kulturschock. Doch wer sich eine Weile mit Linux beschäftigt weiß, dass mithilfe der Konsole manches schneller und einfacher geht. Diverse fortgeschrittene Aufgaben lassen sich ohne sie gar nicht lösen.

Wenn Sie bereits regelmäßig mit der Konsole arbeiten und es Sie stört, dass dazu ein Fenster ständig offen bleiben muss, ist das KDE-Programm Yakuake (Abbildung #) [1] für Sie das Richtige: Ein konfigurierbarer Tastatur-Shortcut blendet ein passives, also rahmenloses Konsolenfenster, am oberen Bildschirmrand ein. Die Idee dazu entlehnten die Entwickler dem klassischen Ego-Shooter Quake – dort öffnet [F12] (die Standardeinstellung auch in Yakuake) eine Textkonsole.

Abb. #: Schon zum Betrachten von Man-Pages, der zentralen Linux-Dokumentationssammlung, benötigen Sie eine Konsole. Wem das ständig geöffnete Fenster stört, blendet es mit Yakuake per Tastendruck ein und aus.

Stealth-Mode

Yakuake erscheint weder in der Taskleiste noch im [Alt] + [Tab]-Fensterumschalter. Dafür gibt es den eigens für Yakuake reservierten Shortcut, der das Fenster mit einem einzigen Tastendruck fokusiert in den Vordergrund holt. Alternativ zeigt Yakuake das Terminal, wenn die Maus den oberen Bildschirmrand berührt.

Viele Anwender tragen das Programm in den KDE-Systemeinstellungen unter Starten und Beenden für einen automatischen Start ein. Dann ist die Konsole ohne Wartezeit verfügbar. Da Yakuake nicht in der Taskleiste erscheint, ist es praktisch, wenn es immer in Hintergrund läuft.

Einstellungssache

Das Menü des Programms erreichen Sie über den Button mit dem Schraubenschlüsselsymbol rechts unten im Fenster. Dort legen Sie Höhe, Breite und vertikale Position fest. Weitere Einstellungen finden Sie unter dem Menüpunkt Yakuake einrichten.

Zum Beispiel lässt sich das Verhalten des Konsolenfensters beim Fokusverlust regeln. In der Standardeinstellung verschwindet es und macht für die normalen Desktop-Anwendungen Platz. Auf Wunsch bleibt es wie ein normales Anwendungsfenster geöffnet, das aktive Fenster überdeckt es dann bei Überlappung.

In dieser Konfiguration sollte die Option Tastenkürzel für Ein- und Ausfahren holt den Fokus zurück aktiv sein, denn dann genügt weiterhin ein Tastendruck um die Konsole zu aktivieren. Das Schließen bei Fokusverlust lässt sich auch über einen Button am unteren Fensterrand ein- und ausschalten.

Umfangreiche Erbschaft

Yakuake bindet das KDE-Terminalprogramm Konsole ein und erbt alle seine Funktionen – freie Wahl von Schriftart und Farbe, eine Suche im Verlauf der umfangreichen Textausgabe mancher Konsolenprogramme oder das Öffnen des Dateimanagers für das aktuelle Verzeichnis. Um zum Beispiel Fehlermeldungen dauerhaft aufzubewahren lässt sich der Konsolenpuffer als Textdatei speichern.

Yakuake erweitert den schon recht großen Funktionsumfang der KDE-Konsole noch: Zusätzlich zu den per Karteireiter umschaltbaren Unterfenstern lässt sich die Konsole horizontal oder vertikal in gleichzeitig sichtbare Teilfenster splitten – per Rechtsklick auf einen der Fenster-Tabs am unteren Rand oder mit einem Tastenkürzel.

Wachsamkeit

Die wichtigste in der neuesten Version hinzugekommen Funktion ist das Überwachen der Fenster auf Aktivität oder Inaktivität, die Sie ebenfalls mit einem Rechtsklick auf den Unterfenster-Tab starten. Dann benachrichtigt Sie Yakuake, wenn ein laufendes Programm eine Meldung ausgibt oder wenn es aufhört, Text auszugeben, weil zum Beispiel ein länger dauernder Vorgang abgeschlossen ist.

Ob Yakuake dabei einen Signalton abspielt oder einen Benachrichtigungsdialog anzeigt, konfigurieren Sie in den KDE-Systemeinstellungen unter Anwendungs- und Systembenachrichtigungen | Yakuake. Schon seit einigen Versionen lässt sich das Aussehen des unteren Yakuake-Fensterrands mit Themes anpassen. Neu hinzugekommen ist beim letzten Update das Einbinden das KDE-eigenen Online-Repositories "KDE new stuff", sodass nun zahlreiche Themen zu Verfügung stehen.

Die Redaktion meint

Wer die Konsole ständig benutzt, braucht mit Yakuake dafür kein eigenes Fenster offen zu lassen. Der Programmumschalter und die Fensterleiste bleiben für Desktop-Programme frei. Für das Umschalten zur Konsole gibt es einen dedizierten Shortcut, der ein mehrfaches Drücken von [Alt] + [Tab] erspart. Sehr nützlich ist auch die in der neuesten Version hinzugekommene Aktivitätsüberwachung der Konsolenfenster.

Bewertung

4 von 5 Sternen

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