Blau machen

Kubuntu 12.10 mit Calligra Suite, LightDM, Telepathy-KDE

28.12.2012
Wer an den KDE-Desktop denkt, dem fällt häufig zuerst das hellblaue Hintergrundbild ein. Auf diese Farben setzt auch Kubuntu, die Ubuntu-Variante mit KDE-Geschmack, welche nun in Version 12.10 vorliegt und einige Neuerungen mitbringt.

Kubuntu, das Ubuntu mit dem KDE-Desktop, wurde lange Zeit von Canonical finanziert, ist aber inzwischen eine rein Community-basierte Distribution. Jonathan Riddell – inzwischen von der deutschen Firma Blue Systems bezahlt – tauchte dennoch wie gewohnt auf dem Ubuntu-Entwicklertreffen in Kopenhagen auf. Im Konferenzhotel stand auch, deutlich sichtbar, ein Kubuntu-Aufsteller und machte klar: Mit Kubuntu ist auch in Zukunft zu rechnen.

Und Kubuntu wächst: Nachdem die 700-MByte-Schranke gefallen ist und die Distribution nicht mehr auf eine CD passt, haben die Entwickler zugeschlagen und gleich ein paar neue Programme in Kubuntu 12.10 integriert, die wir weiter unten vorstellen. Zunächst sollen aber einige Änderungen unter der Haube zur Sprache kommen. Dazu gehört der Kernel 3.5.4, der auf dem offiziellen Kernel 3.5 basiert, aber einige Ubuntu-spezifische Änderungen mitbringt. Auch am Installer von Kubuntu 12.10 haben die Entwickler gefeilt, auch wenn dieser – anders als bei Ubuntu 12.10 – nur indirekt eine Option zum Verschlüsseln der Festplatte mitbringt: über LVM (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Verschlüsseln der Festplatte ist im Installer von Kubuntu offenbar an das Einrichten eines LVM gekoppelt.

Das bedeutet, Sie müssten die verfügbaren Daten auf der Festplatte komplett überschreiben und ein LVM (Logical Volume Management) installieren, um die Platte zu verschlüsseln. Das ergibt für normale Anwender eher wenig Sinn, dürfte aber Profis freuen, die dank LVM den bestehenden Festplattenplatz rasch dynamisch erweitern. Entfernt haben die Entwickler indes eine Option, welche die Benutzerprofile von bereits installierten Betriebssystemen übernahm – offenbar wurde die Funktion zu selten nachgefragt.

Desktop ahoi

Die Versionsnummer des Plasma-Desktops klettert mit der aktuellen Variante weiter nach oben – an Bord ist nun Version 4.9.2. Vor allem die Integration von Qt Quick bringt Verbesserungen für die KDE-Oberfläche mit, die sich einfacher pflegen und erweitern lässt. Zudem sorgt Qt Quick dafür, dass Plasma besser auf Touch-Eingaben reagiert.

Wie bisher besteht die Möglichkeit, den Desktop für Netbooks umzugestalten (Abbildung 2), wozu Sie den Reiter Arbeitsflächentyp verwenden, den Sie über Systemeinstellungen / Verhalten der Arbeitsfläche / Arbeitsbereich erreichen. Zum Download steht zudem eine – weiterhin experimentelle – Variante von Plasma Active bereit, die KDE auf Mobilgeräte bringen soll. Aktuell läuft Plasma Active vor allem auf KDEs Referenzgerät Vivaldi, einem 7-Zoll-Tablet. Wer das Kubuntu mit der Plasma-Active-Oberfläche testen will, findet ein Image auf den Downloadservern [1].

Abbildung 2: Wie gewohnt lässt sich der KDE-Desktop auch in eine Netbook-Oberfläche verwandeln.

Im Hintergrund von KDE werkelt der Window-Manager KWin, den vor allem der deutsche Entwickler Martin Gräßlin weiterentwickelt. Er glänzt in Kubuntu 12.10 mit einer besseren Performance, wenn Sie die von Linus Torvalds geschätzten wabernden Fenster verwenden. Zudem hebt KWin die Fenster beim Fensterwechsel leicht an, was den Prozess besser aussehen lässt. Nicht zuletzt berücksichtigt KWin die Aktivitäten stärker und bringt eigene Fensterregeln für diese mit.

Bevor Sie sich am KDE-Desktop anmelden, landen Sie gewöhnlich bei einem Loginmanager. Eine KDE-Variante von LightDM schickt den langjährigen Pförtner KDM in Rente. LightDM für KDE ermöglicht den Einsatz von QML-Themes, was die Gestaltung erleichtert, und benötigt zudem weniger Ressourcen.

Dateien und Aktivitäten

Über Aktivitäten hatten wir bereits in der Vergangenheit geschrieben [2]: Sie sollen bestimmte Sets von häufig verwendeten Programmen bündeln und auf einen Schlag aufrufen. So lassen sich zum Beispiel ein Arbeits-Setup (mit einer Tabellenkalkulation, einem Mind-Mapper und dem E-Mail-Client) oder ein Freizeit-Setup (das dann etwa Spiele und eine Facebook-App enthält) einrichten. Die Aktivitäten haben die KDE-Entwickler weiter in den Desktop integriert, es gibt sie jetzt zum Beispiel auch als KIO-Slaves (activities:/), deren Verwendung der KDE-Artikel beschreibt. Zudem besteht eine rudimentäre Möglichkeit, persönliche Aktivitäten zu verschlüsseln, allerdings ist das Feature noch nicht massentauglich [3].

Der Dateimanager Dolphin verbessert im neuen Kubuntu 12.10 den Umgang mit Metadaten. Diese beschreiben mit Hilfe von Tags die vorhandenen Dateien näher (Abbildung 3). Bilddateien lassen sich so unter anderem mit Schlagworten ergänzen und mit Sternen bewerten. Als bekanntes Metadatenformat gelten die ID3-Tags in den MP3-Dateien, die Textinformationen zu den abgespielten Titeln liefern, etwa die Namen der Songs, die Interpreten und so weiter. Dolphin sortiert Dateien nun auch nach Metadaten, zum Beispiel nach ihrer Beliebtheit. Neu sind zudem die Vor- und Zurück-Buttons im Dateimanager, die wie im Webbrowser funktionieren. Zudem lässt sich Dolphin nun mit der Versionsverwaltung Mercurial koppeln, was aber vor allem Software-Entwickler interessieren dürfte.

Abbildung 3: Jede Datei lässt sich im Dateimanager Dolphin auch mit Metadaten versehen. Dolphin sortiert auf Wunsch Dateien auch nach Bewertungen und inhaltlichen Tags.

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