Editorial

Loblied auf den mittleren Mausklick

Liebe Leserinnen und Leser,

vor zwei Wochen habe ich die Jahres-DVD 2012 produziert, die im Wesentlichen aus einer großen Sammlung von HTML-Dateien aller Artikel besteht. Die Arbeit bestand zum Großteil aus relativ stupiden Tätigkeiten, wie dem Einfügen des Textes "EasyLinux 01/2012" in HTML-Tags und weiteren Korrekturen am HTML-Code. Die HTML-Versionen der Artikel entstehen in unserem redaktionellen Alltag automatisch, weil wir sie auch zur Kontrolle verwenden, bevor ein Artikel ins Layout geht.

Leider sind die automatisch erzeugten HTML-Dateien nicht direkt für die Archiv-DVD geeignet, weil z. B. in jeder Datei im <title>-Tag der Hinweis fehlt, wie der Artikel heißt und in welcher Ausgabe er erschienen ist.

Das Einfügen mancher Informationen konnte ich über einen Aufruf des Linux-Kommandozeilentools sed automatisieren: Die Befehlszeile

sed -i 's|<title>artikel.txt|<title>EasyLinux 01/2012: |' */index.html

ersetzte z. B. in allen index.html-Dateien der Ausgabe 01/2012 automatisch das Wort "artikel.txt" durch die richtige Heftnummer. Manche Aufgaben ließen sich aber nicht mit ein paar Kommandos erledigen, stattdessen war Handarbeit nötig. Mit dem Befehl

for i in */index.html; do nedit $i; done

sorgte ich dafür, dass der Editor nedit nacheinander alle Artikeldateien öffnete. Die jeweiligen Titel der Artikel standen relativ weit oben im Text, und so konnte ich in jeder Datei durch Markieren und mit einem anschließenden zielgenauen mittleren Mausklick den Titel in das <title>-Tag einfügen, um die gewünschten Zeilen der Form

<title>EasyLinux 01/2012: KDE-Tipps</title>

zu erzeugen. Innerhalb einer Minute hatte ich damit einen stupiden Teil der Aufgabe erledigt.

Natürlich geht es auch ohne mittleren Mausklick; wie unter Windows funktionieren Kopieren und Einfügen auch in den meisten Linux-Editoren mit den klassischen Tastenkombinationen [Strg]+[C] und [Strg]+[V] – nur ist dabei ein ständiger Wechsel zwischen Tastatur und Maus nötig, was die Bearbeitungszeit verlängert. Das spielt bei den meisten täglichen Aufgaben keine Rolle, aber wer (wie ich bei der Jahres-DVD-Produktion) hunderte Male dieselben Arbeitsschritte erledigen muss, ist dankbar, wenn die cleveren Linux-Mechanismen die Arbeitszeit halbieren.

Kluger Windowmanager

Ein anderes Linux-Feature hat bei der Arbeit auch dazu beigetragen, meine Stimmung zu verbessern: Es heißt "Focus follows mouse" (Fokus folgt der Maus) und ist eine Einstellung der grafischen Oberfläche, die dafür sorgt, dass immer das Fenster aktiv ist (also Eingaben entgegen nimmt), über dem sich der Mauszeiger befindet. Zum Hin- und Herwechseln zwischen zwei benachbarten Fenstern reicht dann eine minimale Bewegung der Maus – ohne Klick zum Aktivieren. Dieses vielleicht banale Feature fehlt mir am meisten, wenn ich mit Mac OS arbeite: Dort lässt es sich nicht sinnvoll umsetzen, weil Mac OS die Menüleisten aller Anwendungen an den oberen Bildschirmrand packt. Wäre hier "Focus follows mouse" aktiviert, könnten Anwender auf dem Weg zur Menüleiste versehentlich ein anderes Fenster aktivieren (und damit das Menü austauschen). Auf den heute beliebt gewordenen Monitoren mit 2560 x 1600 Pixeln ist die zentrale Menüleiste ohnehin ein Ärgernis, weil man aus Fenstern am unteren Rand enorme Strecken mit der Maus zurücklegen muss, um das Menü zu erreichen.

Übrigens kennen auch die Mac-OS-Entwickler die Vorteile des klicklosen Fokuswechsels; für das Terminalprogramm und für (von Linux portierte) X-Anwendungen lässt es sich aktivieren, aber eben nicht für das gesamte System.

Bei den grafischen Linux-Oberflächen ist das Feature standardmäßig ausgeschaltet; in den Tipps zu Ubuntu, Mint und Knoppix (ja, ab sofort gibt es auch Tipps zu Linux Mint!) ab Seite 90 erfahren Sie, wie Sie die Funktion unter Mint aktivieren. Für fast alle anderen Desktops finden Sie in den Einstellungen auch eine Möglichkeit, "Focus follows mouse" zu aktivieren.

Und selbst?

Waren Ihnen diese Beispiele zu trivial? Haben Sie eigene Erfahrungen, wie unter Linux Arbeiten deutlich schneller zu erledigen sind als unter Windows? Schreiben Sie uns doch mal, was Sie bei der Arbeit mit Linux so richtig großartig finden und wo Windows oder Mac OS Sie in den Wahnsinn treiben, weil es dort kein entsprechendes Feature gibt.

Das EasyLinux-Team wünscht Ihnen ein gutes Jahr 2013 und weiterhin viel Erfolg und Vergnügen beim Linux-Einsatz.

Hans-Georg Eßer

Chefredakteur

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