Netzwerkbackups bieten den Vorteil, dass sich Ihre Daten auf zwei Computern befinden – selbst beim Totalausfall einer Maschine haben Sie damit noch Zugriff auf die Sicherung. Steht der zweite PC weit entfernt, schützen Sie sich damit sogar vor Verlusten durch größere Schäden, wie sie durch Brände oder Wasserrohrbrüche verursacht werden.

In Ausgabe 03/2012 haben wir bereits den Dropbox-Dienst [1] vorgestellt, der in erster Linie dazu gedacht ist, Dateien auf mehreren Rechnern und Mobilgeräten zu synchronisieren [2]. Ein Dropbox-Account lässt sich aber auch leicht als Netzwerkbackuplösung einsetzen, sofern Sie dem Anbieter keine allzu wichtigen Dateien anvertrauen; eine LibreOffice-Datei mit Ihren gesammelten Passwörtern gehört z. B. nicht in die Dropbox, auch wenn der Dropbox-Dienst die Dateien verschlüsselt auf seinen Servern speichert.

Betreiben Sie einen eigenen Webserver, können Sie Dateien in einen versteckten oder passwortgeschützten Ordner auf dem Server kopieren und später über einen Webbrowser auf die gesicherten Dateien zugreifen – prinzipiell von jedem Rechner aus. Das ist aber umständlich.

LuckyBackup

Ist auf dem Server der SSH-Zugang aktiviert, können Sie LuckyBackup (siehe Artikel ab Seite 36) verwenden: Das Programm unterstützt auch Netzwerkbackups. Es muss sich dabei nicht um einen vollwertigen Webserver handeln; jeder Linux-PC, den Sie übers Netzwerk via SSH erreichen können, ist geeignet.

Zum Einrichten legen Sie ein neues Profil und darin eine Aufgabe an. In der Aufgabe klicken Sie auf Erweitert – dadurch vergrößert sich das Fenster, und Sie können zum (erst jetzt sichtbaren) Reiter Entfernt wechseln. Dort tragen Sie den Benutzernamen und den Servernamen ein und aktivieren unten die Option ssh (Abbildung 1). Damit ist das Netzwerkbackup im Prinzip eingerichtet – wenn Sie jetzt die Sicherung starten, versucht das Programm aber, auf der Konsole das Passwort zu erfragen. Das ist umständlich und funktioniert nur, wenn Sie LuckyBackup aus einem Terminalfenster heraus gestartet haben. Komfortabel wird es, wenn Sie sich auf dem Server nicht mit Ihrem Passwort, sondern über einen SSH-Schlüssel anmelden. Den können Sie lokal erzeugen und dann auf der Server übertragen. Sie öffnen dazu über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster, in dem Sie die folgenden zwei Befehle ausführen:

ssh-keygen -t rsa

Das erste Kommando fragt Sie nach einer Schlüsseldatei (hier übernehmen Sie die Vorgabe id_rsa) und zweimal nach einer Passphrase (die Sie leer lassen, also nur [Eingabe] drücken). Dann folgt der Befehl

ssh-copy-id benutzer@server

in dem Sie benutzer und server durch den Benutzernamen auf dem Server und den Rechnernamen (oder die IP-Adresse) des Servers ersetzen. Das Kommando erfragt (zum letzten Mal) das Passwort auf dem Server und kopiert dann den Schlüssel dorthin.

Jetzt können Sie die Datensicherung in LuckyBackup starten: Dank der Schlüsselübertragung sind keine Passworteingaben nötig.

Abbildung 1: LuckyBackup beherrscht auch die Datensicherung auf einen entfernten Rechner. Das stellen Sie im erweiterten "Aufgaben"-Dialog ein.

Alternativen

Statt LuckyBackup können Sie auch direkt das Kommandozeilenprogramm rsync verwenden. Wie das geht, lesen Sie im Guru-Training ab Seite 117 dieser Ausgabe.

Es gibt weitere Dienste, die ähnlich wie Dropbox Speicherplatz auf einem Server zur Verfügung stellen; wer Kunde bei einem der großen Internetprovider ist, hat mit dem Internetpaket oft auch Serverplatz für genau diesen Zweck erhalten. Allerdings ist hier häufig eine manuelle Datensicherung nötig.

WebDAV

Einige Anbieter, darunter 1&1, bieten einen WebDAV-Zugang an: Ähnlich wie bei HTTP und HTTPS (für verschlüsselten Webseitenzugriff) gibt es auch WebDAV in zwei Varianten, über URLs, die mit webdav:// anfangen, können Sie unverschlüsselt (also unsicher) auf den Server zugreifen, die sichere Variante verwendet URLs mit webdavs://. Der KDE-Dateimanager Dolphin beherrscht beide Protokolle, so dass Sie damit problemlos auf WebDAV-Freigaben zugreifen können. Dazu drücken Sie in Dolphin [Strg]+[L] (um die Adressleiste aufzurufen) und geben dann als Adresse die passende WebDAV-URL ein, für den 1&1-WebDAV-Server z. B. webdavs://sd2dav.1und1.de/. Es öffnet sich dann ein Logindialog, in dem Sie den Benutzernamen (im Beispiel 1&1 immer in der Form kaNNNN-NNN@online.de) und das zugehörige Passwort eingeben.

Mit zwei geöffneten Dolphin-Fenstern, von denen eines die Inhalte des WebDAV-Servers und das andere Ihre lokalen Dateien anzeigt, können Sie Dateien bequem per Drag & Drop sichern (Abbildung 2); eine Synchronisation ganzer Verzeichnishierarchien (die nur geänderte Dateien berücksichtigt) ist damit aber nicht möglich.

Abbildung 2: Mit Dolphin greifen Sie auf die Dateien eines WebDAV-Servers zu und machen Backups per Drag & Drop.

Backup mit Dropbox

Wenn Sie Dropbox bisher nicht verwenden, sind zwei Schritte notwendig, die der ältere EasyLinux-Artikel im Detail beschreibt – Sie finden ihn als PDF-Datei auf der Heft-DVD.

  1. Legen Sie sich auf der Dropbox-Webseite [1] ein Konto an.
  2. Starten Sie den Dropbox-Installer, den Sie auf der Heft-DVD finden, und richten Sie damit die Software ein.

Wenn Sie die Standardvorgaben übernehmen, haben Sie unter Linux anschließend einen Ordner Dropbox/, der in Ihrem Home-Verzeichnis liegt, und alle Dateien, die Sie dort ablegen, sichert Dropbox automatisch auf dem Server (und verteilt Sie auf weitere Geräte, auf denen Sie Dropbox mit denselben Zugangsdaten einrichten).

Theoretisch könnten Sie Ihren Ordner Dokumente in das Dropbox-Verzeichnis verschieben und dann einen symbolischen Link von Dokumente nach Dropbox/Dokumente erzeugen – damit würden künftig alle Dateien, die Sie z. B. in LibreOffice erstellen, automatisch auf den Dropbox-Server hochgeladen. Dann landen allerdings wirklich alle Dateien im Internet – bei sensiblen Daten sollten Sie darauf verzichten: Selbst wenn man annimmt, dass die Provider nie auf Ihre privaten Daten zugreifen werden, können immer Sicherheitslücken auftreten, die Angreifern das Lesen Ihrer Dokumente erlauben könnten.

Um nur eine Auswahl Ihrer Dokumente in die Dropbox zu sichern, können Sie anders vorgehen: Erzeugen Sie unterhalb von Dokumente zunächst zwei Unterordner Privat und Sicherung und sortieren Sie die Dateien in diese beiden Ordner ein. Dann erzeugen Sie einen symbolischen Link von Dokumente/Sicherung nach Dropbox/Sicherung: Dazu öffnen Sie zwei Dolphin-Fenster, die zunächst beide Ihr Home-Verzeichnis anzeigen. Im linken Fenster navigieren Sie in den Unterordner Dokumente und im rechten nach Dropbox. Ziehen Sie nun per Drag & Drop den Unterordner Sicherung vom linken ins rechte Fenster und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Eintrag Hiermit verknüpfen. Ab sofort sichern Sie so alle Dokumente, die Sie im Unterverzeichnis Sicherung speichern, in die Dropbox.

Verschlüsseln

Wenn Sie wichtige Daten einem Anbieter wie Dropbox nicht anvertrauen möchten, haben Sie die Möglichkeit, diese vor der Datensicherung zu verschlüsseln. Wählen Sie dabei ein sicheres Verfahren und ein gutes Passwort, können Sie die Daten gefahrlos auch auf unsichere Server übertragen. Wie Sie einzelne Dateien zuverlässig verschlüsseln können, haben wir in der letzten Ausgabe [3] beschrieben.

Die Verschlüsselung kann auch für Ihre auf USB-Sticks oder externen Platten gesicherten Dateien sinnvoll sein, wenn Sie diese an einem Ort aufbewahren, zu dem fremde Personen Zutritt haben, etwa in einem Großraumbüro.

Infos

[1] Dropbox: http://www.dropbox.com/

[2] Dropbox-Artikel: Hans-Georg Eßer, "Daten überall", EasyLinux 03/2012, S. 72 ff.

[3] Dateien verschlüsseln: Kristian Kißling, "Schlüsseldienst", EasyLinux 04/2012, S. 54 ff.

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