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Multi-Boot

Windows und 2x Linux auf einer Platte

07.10.2012
Viele Linux-Anwender möchten sich nicht ganz von Windows trennen und streben daher eine Parallelinstallation beider Betriebssysteme an. Wie Sie Windows sogar mit zwei Linux-Distributionen gemeinsam nutzen können, zeigt dieser Artikel.

Festplatten aktueller Rechner bieten oft ein ganzes Terabyte (1 TByte = 1024 GByte) Platz für Programme und Daten, da ist es problemlos möglich, die Platte aufzuteilen und mehrere Betriebssysteme zu installieren. Ein Bootmanager erlaubt beim Rechnerstart die Auswahl, welches der Systeme booten soll; für den Wechsel zu einem anderen System fährt man den Computer einfach herunter und startet ihn neu. Das ist deutlich billiger als die Alternative, mehrere Computer zu kaufen, die häufig gar nicht ins Arbeitszimmer oder unter den Schreibtisch passen.

Die Alternative zur Parallelinstallation mehrerer Systeme heißt Emulation bzw. Virtualisierung; dabei läuft Windows in einer virtuellen Maschine unter Linux (oder umgekehrt) – diese Vorgehensweise haben wir schon in mehreren Artikeln beschrieben [1,2], und sie bietet den Vorteil, dass man Programme aller Betriebssysteme parallel (und ohne Reboot) einsetzen kann. Der Nachteil ist, dass die Performance des Gastsystems oft niedriger als die einer nativen Installation ist und es (selten) Probleme beim Zugriff auf angeschlossene Geräte gibt.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der Parallelinstallation von Windows und zwei oder mehr Linux-Distributionen auf einem Rechner, wobei (nach Auswahl im Bootmanager) immer nur ein einziges Betriebssystem aktiv ist. Bei der Einrichtung sollte man geschickt vorgehen und unter anderem dafür sorgen, dass wichtige Dateien von allen installierten Systemen aus erreichbar sind. Die meisten Installationsroutinen von Linux-Distributionen sind darauf ausgerichtet, dass bereits ein Windows auf der Platte vorhanden ist und dort auch bleiben soll; für die Installation von mehr als einer Linux-Distribution sind zusätzliche Planungen nötig.

Da geht es hin

Das Ziel ist ein Multi-Boot-System, das Windows, OpenSuse und (K)Ubuntu auf einer Festplatte kombiniert und dabei die folgenden Eigenschaften hat:

  • Beim Booten des Rechners wählen Sie im Bootmenü aus, welches der drei Betriebssysteme Sie starten möchten.
  • Auf Ihre privaten Dateien, Musik und Videos sowie E-Mails greifen Sie einheitlich von allen Systemen aus zu; es spielt keine Rolle, welches der Betriebssysteme gerade aktiv ist.
  • Standardprogramme wie Firefox, Thunderbird und OpenOffice, die es für Windows und Linux gibt, sind auf allen Betriebssystemen mit einheitlichen Einstellungen installiert.

Außerdem ist die Festplatte für das Nachrüsten weiterer Linux-Distributionen bzw. für Aktualisierungen auf neuere OpenSuse- bzw. Ubuntu-Versionen vorbereitet.

Wir gehen in diesem Szenario davon aus, dass nur ein Benutzer (Sie) mit diesem Rechner arbeitet und dass Sie unter Windows und Linux denselben Benutzernamen verwenden. Beide Betriebssysteme richten auch standardmäßig nur einen Benutzer-Account ein. Wenn Sie unter einem der Systeme weitere Nutzer (etwa für andere Familienmitglieder) anlegen, können diese das jeweilige System auch verwenden, aber die Integration der Einstellungen und persönlichen Dateien über Betriebssystemgrenzen hinweg funktioniert nur für den ersten (Standard-)Benutzer.

Installationsmarathon

Die Installation beginnt mit dem Einrichten von Windows, weil der Windows-Installer sich am schlechtesten mit bereits vorhandenen anderen Betriebssystemen verträgt. (Er ignoriert sie komplett und kann nur durch Löschen einer Partition freien Platz schaffen.) Außerdem sind die meisten Rechner ab Werk bereits mit Windows vorkonfiguriert.

Wenn Sie eine frische Festplatte verwenden, installieren Sie also zunächst Windows. Dabei müssen Sie sich über eine Aufteilung der Festplatte (Platz für die Linux-Systeme) keine Gedanken machen, weil die Linux-Installationsroutinen eine bestehende Windows-Partition problemlos verkleinern können. Im Kasten Theorie zu Platten und Partitionen finden Sie Hinweise zur Theorie der Festplattenaufteilung und zu der unter Linux üblichen Notation, mit der Sie individuelle Linux-Partitionen benennen können.

Theorie zu Platten und Partitionen

Linux gibt jeder Festplatte einen so genannten Gerätedateinamen: Das ist ein Kürzel der Form sda (für die erste SATA- oder SCSI-Festplatte) bzw. hda (für die erste klassische IDE-Festplatte). Weitere Platten vom gleichen Typ heißen dann sdb, sdc usw. bzw. hdb, hdc usw. Diese Kurzbezeichnungen stehen traditionell für "SCSI Disk A" (SCSI-Platte A), "SCSI Disk B" usw. und "Hard Disk A" (Festplatte A), "Hard Disk B" usw. In aktuellen Rechnern werden Sie keine IDE-Festplatten mehr finden, so dass Sie meist nur mit den Namen sda und sdb rechnen müssen, weil auch mehr als zwei Festplatten unüblich sind.

Diese Kürzel heißen Gerätedateinamen (engl. device filenames), weil es im Ordner /dev/ passende Einträge gibt (etwa: /dev/sda für die erste SATA-Platte), über welche Linux mit den Platten kommuniziert. Das Verzeichnis enthält noch zahlreiche weitere Einträge, über die sich andere Hardware (andere Geräte) ansprechen lässt.

Jede Festplatte kann vier so genannte primäre Partitionen enthalten. Es gibt auf jeder Platte ein zentrales Inhaltsverzeichnis, das Informationen über diese vier Partitionen speichert. Die vier primären Partitionen werden von 1 bis 4 durchnummeriert. Diese Nummer wird an den Namen der Plattengerätedatei angehängt, um den Namen der Partitionsgerätedatei zu bilden: So heißt etwa die erste Partition auf der Platte /dev/sda einfach /dev/sda1.

Damit man mehr als vier Partitionen auf einer Platte verwenden kann, wurde zu MS-DOS-Zeiten das Konzept der erweiterten Partition eingeführt: Auf jeder Festplatte darf eine der vier primären Partitionen vom Typ "erweitert" sein – innerhalb dieser erweiterten Partition können dann weitere "logische" Partitionen angelegt werden. Die erweiterte Partition ist also nur ein Container und enthält selbst kein Dateisystem, auf dem Sie Dateien speichern können, sondern weitere Partionen (Abbildung 1).

Abbildung 1: So sieht eine einfache Aufteilung einer Festplatte mit einer primären und einer erweiterten Partition (die wiederum zwei logische Partitionen enthält) aus.

In Microsoft-Sprache heißen die logischen Partitionen "logische Laufwerke". Linux nutzt auch erweiterte Partitionen und kann innerhalb einer solchen prinzipiell beliebig viele logische Partitionen anlegen. Sie werden ab 5 durchnummeriert, so dass etwa die erste logische Partition auf der Platte /dev/sda über die Gerätedatei /dev/sda5 ansprechbar ist.

In sehr seltenen Fällen reicht es nicht aus, eine Windows-Partition zu verkleinern, um Platz für Linux zu schaffen: Das ist dann der Fall, wenn Windows so installiert wurde, dass das System bereits vier primäre Partitionen (z. B. eine Systempartition, zwei Datenpartitionen und eine Recovery-Partition) enthält. Eine dieser Partitionen muss dann in eine erweiterte Partition umgewandelt werden, damit sich darin neue logische Partitionen anlegen lassen – und das bedeutet den Verlust aller Dateien in dieser primären Partition, die Sie darum vorher auf eines der anderen Windows-Laufwerke sichern müssen. Auf den meisten Rechnern gibt es ab Werk aber nur zwei (primäre) Partitionen, und dann können die Installationsroutinen der Linux-Distributionen problemlos Platz für Linux schaffen.

Planung

Um das Ziel zu erreichen, schlagen wir die folgende Aufteilung Ihrer Festplatte vor:

  • /dev/sda1 – primäre Partition, Windows, Dateisystem NTFS, Laufwerk C: mit der Windows-Installation
  • /dev/sda2 – erweiterte Partition (nimmt logische Partionen auf)
  • /dev/sda5 – erste logische Partition Partition, Windows, Dateisystem NTFS, Laufwerk D: für von Windows und Linux gemeinsam genutzte Dateien
  • /dev/sda6 – zweite logische Partition, Typ "Linux Swap", für den Auslagerungsspeicher
  • /dev/sda7 – dritte logische Partition, Typ "Linux", Dateisystem Ext4, für Ihr Home-Verzeichnis (die privaten Nutzerdaten)
  • /dev/sda8 – vierte logische Partition, Typ "Linux", Dateisystem Ext4, für die Installation von (K)Ubuntu
  • /dev/sda9 – fünfte logische Partition, Typ "Linux", Dateisystem Ext4, für die Installation von OpenSuse
  • /dev/sda10 – sechste logische Partition, Typ "Linux", Dateisystem Ext4 (leer), für die spätere Installation einer weiteren Linux-Distribution

Wenn Sie bereits vorab wissen, dass Sie zahlreiche weitere Linux-Versionen ausprobieren möchten, können Sie noch zusätzliche logische Partitionen /dev/sda10, /dev/sda11 usw. anlegen, die Sie zunächst nicht verwenden. Andersrum können Sie auch auf /dev/sda9 verzichten, wenn Sie nur ein Linux-System neben Windows einrichten möchten – in letzterem Fall wäre aber die hier beschriebene Vorgehensweise unnötig kompliziert, und Sie könnten einfach die Linux-Installation mit Standardeinstellungen erledigen. Abbildung 2 zeigt die Aufteilung grafisch.

Abbildung 2: Wenn Sie unserem Partitionierungsvorschlag folgen, zerlegen Sie die Festplatte in eine primäre Partition für Windows und eine erweiterte Partition für Linux, die sechs logische Partitionen enthält (von denen die erste auch unter Windows benutzbar ist).

Als grobe Vorgehensweise empfehlen wir:

  1. Booten Sie Windows und defragmentieren Sie die Festplatte.
  2. Starten Sie den Rechner mit eingelegter (K)Ubuntu-Installations-DVD neu und richten Sie damit (K)Ubuntu ein, wobei Sie bereits alle nötigen Partitionen erzeugen.
  3. Starten Sie den Rechner mit eingelegter OpenSuse-Installations-DVD neu und richten Sie damit OpenSuse ein, wobei Sie festlegen, dass OpenSuse die Partition mit dem Verzeichnis /home aus der (K)Ubuntu-Installation ebenfalls für diesen Ordner nutzt.
  4. Für den Browser Firefox und das Mailprogramm Thunderbird stellen Sie unter Linux noch ein, dass diese Programme die unter Windows angelegten Profile verwenden.

Diese groben Schritte beschreiben wir nun ausführlich, wobei wir für Details der Linux-Installationen (soweit sie nicht mit den hier vorgeschlagenen speziellen Einstellungen zu tun haben) auf die klassischen Installationsanleitungen aus EasyLinux verweisen, für OpenSuse 12.2 z. B. auf Seite 26 in dieser Ausgabe [3], für Kubuntu 12.04 in Ausgabe 03/2012 [4].

Schritt 1: Windows defragmentieren

Bevor Sie eine Windows-Partition verkleinern, sollten Sie das Windows-Programm zur Defragmentierung der Festplatte ausführen: Fragmentierung tritt auf, wenn Dateien nicht zusammenhängend auf der Festplatte gespeichert, sondern in mehreren Teilstücken an verschiedenen Stellen untergebracht sind. Das Defragmentierungsprogramm sorgt als Nebeneffekt dafür, dass alle Daten an den Anfang der Windows-Partition wandern: Das ist manchmal notwendig, um eine solche Partition (ausreichend) zu verkleinern. Unter Windows 7 oder Vista klicken Sie im Explorer mit der rechten Maustaste auf das Icon des Windows-Laufwerks (C:) und wählen aus dem Kontextmenü den Punkt Eigenschaften. Im Eigenschaftenfenster wechseln Sie zum Reiter Tools und klicken dann auf Jetzt defragmentieren (Abbildung 3).

Abbildung 3: Unter Windows defragmentieren Sie zunächst die Windows-Partition.

Nach dem Defragmentieren können Sie Windows herunterfahren.

Schritt 2: Kubuntu installieren

Als erstes Linux-System installieren Sie das aktuelle Kubuntu, das Sie z. B. auf der Heft-DVD der letzten Ausgabe (EasyLinux 03/2012) finden oder von der Kubuntu-Webseite [6] herunterladen können.

  1. Nach dem Booten der DVD wählen Sie als Installationsart die Option Manuell, um selbst die Partitionierung festlegen zu können.

  2. Verkleinern Sie die vorhandene Windows-Partition – das wird je nach Installation /dev/sda1 oder /dev/sda2 sein. Im Test mit einem frisch installierten Windows 7 gab es auf dem Testrechner noch eine zusätzliche kleine Partition, so dass die eigentliche Windows-Partition /dev/sda2 war. Geben Sie unter Mount point an, dass diese Partition später im Verzeichnis /windows eingebunden wird. Wie viel Platz Sie Windows und Linux auf der Platte zur Verfügung stellen wollen, hängt wesentlich davon ab, unter welchem der Betriebssysteme Sie mehr Programme installieren werden. Sind Sie unsicher, geben Sie Windows ungefähr die halbe Platte, denn auch Ihre unter Linux erstellten Dokumente werden auf dieser Windows-Partition landen. Die Größe tragen Sie in MByte ein, also z. B. 200000 für knapp 200 GByte.

    Der Installer verkleinert sofort die Partition und benötigt dafür einige Minuten.

  3. Unten in der Liste der Partitionen gibt es nun einen Eintrag Freier Speicher. Klicken Sie diesen an und legen Sie über den sich öffnenden Dialog eine neue logische Windows-Partition (die danach als /dev/sda5 erscheint) an. Wählen Sie das FAT32-Dateisystem und als Mount point den Ordner /shared.

  4. Ähnlich legen Sie nun noch weitere Partitionen an, zunächst eine Swap-Partition (/dev/sda6). Für diesen Auslagerungsspeicher, den später sowohl Kubuntu als auch OpenSuse nutzen werden, reichen 4 GByte aus, tragen Sie darum in das Größenfeld 4300 (MByte) ein. Als Typ wählen Sie Auslagerungsspeicher (Swap).

  5. Weiter geht es mit einer Partition, die Sie unter dem Mount point /home einhängen. Darin liegen dann die Home-Verzeichnisse mit den persönlichen Einstellungen und Dateien (außer jenen, die auf der Windows-Partition landen). Als Dateisystem wählen Sie Ext4, als Größe bieten sich 10 bis 20 Prozent der Plattenkapazität an. Diese Partition wird /dev/sda7.

  6. Es folgt die Systempartition für Kubuntu, in Linux-Sprache auch Root-Partition genannt, weil sich hier das Wurzelverzeichnis / (engl. root directory) befindet. Der Dateisystemtyp ist wieder Ext4, der Mount point ist /. Damit erzeugen Sie /dev/sda8.

  7. Schließlich legen Sie noch zwei weitere Partitionen (sda9 und sda10) an, die auch beide den Dateisystemtyp Ext4 erhalten, das Feld Mount point lassen Sie jedoch jeweils leer. Die erste der beiden wird später zur OpenSuse-Systempartition, die zweite ist für spätere Verwendung (etwa die Installation eines dritten Linux-Systems) reserviert.
  8. Überprüfen Sie dann die Tabelle, sie sollte jetzt wie in Abbildung 4 aussehen. Wenn alles passt, klicken Sie auf Jetzt installieren. Es folgen zwei Warnhinweise, die Sie darüber informieren, dass die Partitionen sda9 und sda10 nicht eingebunden werden – das ist in Ordnung.

    Abbildung 4: In der Übersicht sehen Sie alle von Ihnen angelegten Partitionen.
  9. Schließen Sie die Installation ab und probieren Sie am Ende aus, ob sich beide installierten Systeme (Windows und Kubuntu) booten lassen.
  10. Wenn Sie unter Ubuntu angemeldet sind, müssen Sie noch die Einstellungen ändern, mit denen das System die Windows-Partitionen einbindet. Dazu geben Sie in einem Terminalfenster (das Sie z. B. über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole öffnen) das Kommando sudo kate /etc/fstab ein und ersetzen im sich öffnenden Editor in den Zeilen, die /shared bzw. /windows enthalten, die Zeichenfolge umask=007,gid=46 durch umask=077,fmask=177,uid=1000,gid=1000 (Abbildung 5).

    Abbildung 5: Ändern Sie unter Kubuntu die Konfigurationsdatei "/etc/fstab", damit Sie als normaler Benutzer Schreibrechte für die Windows-Partitionen haben.

Anpassungen Kubuntu

Im folgenden Schritt richten Sie Kubuntu so ein, dass die Linux-Anwendungen Dokumente, MP3-Dateien, Bilder und Videos sowie Internet-Downloads nicht auf der Linux-Partition, sondern in den entsprechenden Windows-Ordnern ablegen: Damit haben Sie später auf diese Daten immer Zugriff, unabhängig vom gerade laufenden Betriebssystem.

Öffnen Sie über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole in das Schnellstartfenster ein Terminalfenster (falls es nicht noch von den letzten Schritten geöffnet ist) und geben Sie dort nacheinander die folgenden Befehle ein, die u. a. einige Ordner löschen – es ist wichtig, dass es sich um ein frisch installiertes Linux-System handelt. (Geben Sie diese Kommandos also nicht auf einer schon länger genutzten Linux-Installation ein, denn dann würden die Ordner Dateien enthalten!)

cd
W=/windows/Users/esser

(Das Kommando cd steht alleine auf einer Zeile. Im zweiten Befehl müssen Sie esser durch Ihren Windows-Benutzernamen ersetzen. Achten Sie auch auf den Großbuchstaben am Anfang von Users – das gilt entsprechend für die folgenden Kommandos.)

rm -r Dokumente
ln -s $W/Documents Dokumente
rm -r Musik
ln -s $W/Music Musik
rm -r Bilder
ln -s $W/Pictures Bilder
rm -r Videos
ln -s $W/Videos Videos
rm -r Downloads
ln -s $W/Downloads Downloads

Mit diesen Befehlen haben Sie die für Dokumente, Musik, Bilder, Videos und Downloads aus dem Webbrowser vorgesehenen Verzeichnisse gelöscht und durch symbolische Links auf die entsprechenden Ordner in der Windows-Installation ersetzt. (Beachten Sie die unterschiedlichen Schreibweisen; Windows verwendet englische Ordnernamen, auch wenn es im Explorer deutsche Übersetzungen anzeigt.) Wenn Sie also in Zukunft unter Windows oder Linux solche Dateien erstellen, landen diese automatisch auf der Windows-Partition.

Damit ist die Einrichtung von Kubuntu vorläufig abgeschlossen. Legen Sie jetzt eine OpenSuse-DVD (z. B. die Heft-DVD dieser Ausgabe ein) und starten Sie den Rechner neu.

Schritt 3: OpenSuse installieren

Bei der OpenSuse-Installation haben Sie weniger Arbeit, weil Sie alle Partitionen bereits bei der Kubuntu-Einrichtung vorbereitet haben.

1. Wählen Sie in OpenSuse-Installer YaST als Installationsart den Modus Neuinstallation aus. YaST schlägt vor, die bestehenden Partitionen für / (/dev/sda8) und /home (/dev/sda7) zu verwenden, dabei würde es die Home-Partition einfach einbinden und sda8 (wo sich jetzt die Kubuntu-Installation befindet) formatieren, also löschen. Das müssen Sie korrigieren und wählen darum zunächst Partitionsaufbau erstellen und dann Benutzerdefinierte Partitionierung (für Experten).

  1. Sie sehen dann eine Übersicht aller Partitionen, die OpenSuse entdeckt hat. Abbildung 6 (suse02) zeigt diese Liste. Zur Erinnerung: /dev/sda7 enthält die Home-Verzeichnisse, auf /dev/sda8 liegt das Kubuntu-System.

    Abbildung 6: Das Partionierungsprogramm in YaST zeigt die bestehende Aufteilung an. Sie legen hier nur fest, welche Partitionen OpenSuse nutzen soll, denn die Aufteilung passt schon.
  2. Klicken Sie den Eintrag für /dev/sda7 mit der rechten Maustaste an und wählen Sie aus dem Kontextmenü Bearbeiten. Im erscheinenden Dialog aktivieren Sie die Option Partition einhängen und wählen als Einhängepunkt /home aus.

    Wichtig: Übernehmen Sie hier die Vorgabe Partition nicht formatieren, denn diese Partition haben Sie bereits bei der Kubuntu-Installation eingerichtet. Klicken Sie auf Beenden, um die geänderten Einstellungen für diese Partition zu übernehmen.

  3. Es fehlt noch die Root-Partition für das OpenSuse-System: Klicken Sie in der Übersicht mit der rechten Maustaste auf den Eintrag für /dev/sda9 und wählen Sie im Kontextmenü wieder Bearbeiten. Diese Partition muss formatiert werden, darum ändern Sie im erscheinenden Dialog die Einstellung auf Partition formatieren (und übernehmen den Dateisystemvorschlag Ext4). Außerdem aktivieren Sie rechts die Option Partition einhängen und wählen als Einhängepunkt das Wurzelverzeichnis /. Klicken Sie dann erneut auf Beenden.

  4. Jetzt fehlen noch die beiden Windows-Partitionen. Bearbeiten Sie (ähnlich wie in Schritt 3) die beiden Einträge für die NTFS- und die FAT32-Partition (im Beispiel /dev/sda2 und /dev/sda5) und tragen Sie dort als Einhängepunkte /windows und /share ein. Danach sollte die Partitionstabelle wie in Abbildung 7 aussehen.
  5. Prüfen Sie nochmals, dass es in der Tabelle in der Spalte F nur eine einzige Eintragung F gibt (nämlich beim Eintrag /dev/sda9), und klicken Sie dann auf Übernehmen. Auf der nächsten Seite, welche die Partitionierung zusammenfasst, klicken Sie auf Weiter.

    Abbildung 7: So soll die Partitionsübersicht im OpenSuse-Installer YaST aussehen: Root-, Home- und Windows-Partitionen sind eingebunden.

Danach können Sie die Installation abschließen. Der Installer trägt automatisch Windows und beide Linux-Versionen in das Bootmenü ein, das später bei jedem Rechnerstart erscheint (Abbildung 8). Prüfen Sie, dass Sie alle drei Betriebssysteme darüber problemlos starten können.

Abbildung 8: Der OpenSuse-Installer richtet ein Bootmenü ein, aus dem Sie Windows, OpenSuse und Kubuntu starten können.

Im laufenden OpenSuse-System sind nun noch einige Anpassungen nötig.

Anpassungen OpenSuse

Öffnen Sie mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster, in das Sie das Kommando kdesu kwrite /etc/fstab eingeben. Ein kleines Dialogfenster fragt nach dem Root-Passwort (das bei einer Standardinstallation identisch mit Ihrem Benutzerpasswort ist), und dann startet der Editor KWrite und zeigt die Konfigurationsdatei /etc/fstab an.

In dieser Datei müssen Sie (ähnlich wie unter Kubuntu) die Einträge für die Einhängepunkte /windows und /share anpassen. Ersetzen Sie in beiden Zeilen die Zeichenkette gid=users durch uid=1000,gid=100 (Abbildung 9; Achtung: Die Zahlen sind wirklich verschieden, tausend bzw. hundert), speichern Sie die Datei mit [Strg]+[S], und verlassen Sie den Editor mit [Strg]+[Q]. Starten Sie dann den Rechner neu; die geänderten Einstellungen für die Windows-Partitionen lassen sich nur durch einen Neustart aktivieren.

Abbildung 9: Auch unter OpenSuse müssen Sie die Einstellungen für den Zugriff auf Windows-Partitionen anpassen.

Schritt 4: Gemeinsame Web-Profile

Es bleibt als letzte Aufgabe noch die Vereinheitlichung der Benutzerprofile von Firefox und Thunderbird, falls Sie diese Programme als Browser und E-Mail-Lösung einsetzen möchten. Vorteile, die sich daraus ergeben, sind unter anderem:

  • Unter Firefox greifen Sie von jedem Betriebssystem aus auf dieselben Bookmarks zu, und auch in Firefox gespeicherte Zugangspasswörter stehen stets zur Verfügung.
  • In Thunderbird laden Sie E-Mails nur einmal vom Mailserver herunter. Würden Sie hier mit separat eingerichteten Thunderbird-Versionen arbeiten, müssten Sie jede Nachricht doppelt herunterladen (und auch doppelt speichern – einmal auf der Windows- und einmal auf der Linux-Partition).

Am einfachsten ist es, wenn Sie zunächst Firefox und Thunderbird unter Windows einrichten, dort müssen Sie beide Programme eh erst nachinstallieren, weil Windows diese nicht enthält. Firefox kann dabei Bookmarks vom Internet Explorer importieren, wenn Sie diesen vorher verwendet haben.

Unter Linux passen Sie dann die Konfiguration der beiden Anwendungen an. Was Sie dazu tun müssen, steht in einem älteren Artikel [5].

Stand der Dinge

Beide Linuxe nutzen für Office-Dokumente, Bilder, Musik und Videos nun die Ordner auf der Windows-Partition (denn Windows kann mit Bordmitteln nicht auf Linux-Partitionen zugreifen, während Linux mit dem umgekehrten Weg kein Problem hat).

Wenn Sie unter Windows Microsoft Office installiert haben, können Sie auch Word- und Excel-Dateien, die Sie damit erstellen, später unter Linux bearbeiten: LibreOffice öffnet diese Dokumente. Es empfiehlt sich dann aber, Word und Excel so einzustellen, dass es die alten Dateiformate (erkennbar an den dreistelligen Dateiendungen .doc und .xls statt .docx .xlsx) verwendet, weil LibreOffice diese besser lesen und schreiben kann.

Zudem steht noch eine komplette Partition zur Verfügung, auf die Sie unter allen Betriebssystemen zugreifen können: Unter Linux wechseln Sie dazu in der Ordner /share, unter Windows auf das Laufwerk D:. Hier ist Platz für Dateien, die nicht sinnvoll in einen der gemeinsamen Ordner (Dokumente, Bilder etc.) passen, die Sie aber trotzdem unter Windows und Linux nutzen wollen.

Wenn Sie regelmäßig Backups Ihrer privaten Daten erstellen (was sehr empfehlenswert ist), sollten Sie noch die Hinweise im Kasten Datensicherung beachten, weil diese Aufgabe beim Einsatz mehrerer Betriebssysteme etwas komplexer wird.

Datensicherung

Mehrere Betriebssysteme auf einem Computer bedeuten immer auch eine Herausforderung, was die Datensicherung angeht. Dabei sollten Sie beachten, dass mit der hier vorgeschlagenen Einrichtung Linux-Programme Ihre Dokumente teilweise auf der Windows-Partition speichern.

Persönliche Dateien und Einstellungen finden Sie also an mehreren Stellen, Sie sollten bei einem Backup mindestens die folgenden drei Ordner sichern:

  • /home/username – Ihr Home-Verzeichnis unter Linux
  • /windows/Users/username – Ihr Home-Verzeichnis unter Windows (das dort C:\Users\username heißt)
  • /share – die zusätzliche Partition für Datenaustausch zwischen Windows und Linux

Am einfachsten können Sie das unter Linux erledigen, weil Sie hier Zugriff auf die privaten Dateien von Windows und Linux haben. Wenn Sie unter Windows ein Backup-Programm verwenden, können Sie nur die auf den Windows-Laufwerken liegenden Dateien sichern.

Fazit

Wer mehrere Linux-Versionen mit Windows auf einer Platte kombinieren möchte, sollte die Zeit in vernünftiges Setup der Systeme investieren, denn das erspart später viele umständliche Reboots, die nötig werden, wenn eine benötigte Datei vom laufenden Betriebssystem aus nicht erreichbar ist. Mit den hier vorgeschlagenen Einstellungen erhöhen Sie die Chance, alles Wichtig stets im Griff zu haben. Da Sie ohne Emulation bzw. Virtualisierung arbeiten, steht dem laufenden Betriebssystem und dessen Anwendungen stets die gesamte Leistungsfähigkeit des Rechners zur Verfügung. Mit OpenSuse und Kubuntu nutzen Sie neben Windows die zwei wichtigsten Linux-Distributionen und haben noch Platz für Experimente mit anderen Linux-Versionen, etwa Mageia/Mandriva oder Linux Mint.

Infos

[1] Windows unter Linux: Thomas Leichtenstern, "System im System", EasyLinux 01/2011, S. 43 ff., http://www.linux-community.de/artikel/22378

[2] Linux unter Windows: Hans-Georg Eßer, "Linux rein virtuell", EasyLinux 01/2012, S. 54 ff.

[3] Installationsanleitung OpenSuse 12.2: ab Seite 26 in dieser Ausgabe

[4] Installationsanleitung Kubuntu 12.04: Kristian Kißling, "Startklar", EasyLinux 03/2012, S. 24 ff., http://www.linux-community.de/artikel/26322

[5] Gemeinsame Programmprofile unter Windows und Linux: Hans-Georg Eßer, "Einfach statt doppelt", EasyLinux 01/2011, S. 40 ff., http://www.linux-community.de/artikel/22376

[6] Kubuntu: http://www.kubuntu.org/

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