Knoppix und Ubuntu

Tipps und Tricks zu Knoppix und Ubuntu

07.10.2012 Ubuntu und Knoppix basieren auf der Linux-Distribution Debian – wir verraten Tricks und Kniffe, welche die Arbeit auf diesen Systemen angenehmer machen.

Tipp: Unity: Lenses für Wissbegierige

In der letzten EasyLinux-Ausgabe haben wir in den Ubuntu-Tipps die Unity-Lenses für Programme, Dateien und Ordner, für die Musiksammlung, Ihre Kontakte sowie Ask Ubuntu und YouTube vorgestellt [1]. Waren in den ersten Versionen von Unity noch nicht so viele Linsen dabei, schießen die praktischen Filter inzwischen wie Pilze aus dem Boden, und viele fleißige Entwickler basteln ihre eigenen Erweiterungen für das Dash und stellen diese der Allgemeinheit zur Verfügung. In dieser Folge der Ubuntu- und Knoppix-Tipps stellen wir Lenses vor, die bei der Recherche helfen.

Für eine Suche in der Onlineenzyklopädie Wikipedia rüsten Sie das Paket unity-lens-wikipedia nach. Es befindet sich im Repository Unabhängig (Von Drittanbietern bereitgestellt), das Sie über das Software-Center-Menü Bearbeiten / Software-Paketquellen aktivieren. Wechseln Sie dort zum Reiter Andere Software und setzen Sie ein Häkchen bei der genannten Quelle. Nach Eingabe Ihres Passworts und einem Klick auf Legitimieren suchen Sie nach dem Paket und spielen es ein. Die neue Linse erreichen Sie über die Tastenkombination [Windows]+[E]. Geben Sie Ihren Suchbegriff ein und klicken Sie gegebenenfalls auf Weitere Ergebnisse anzeigen. Per Mausklick öffnen Sie dann einen Wikipedia-Artikel aus den Suchergebnissen im Standardbrowser.

Bei der allgemeinen Literaturrecherche wissenschaftlicher Dokumente hilft Google Scholar [2]. Die Suchmaschine richtet sich nach eigenen Aussagen an Akademiker und durchforstet kostenlose Dokumente im Internet sowie kostenpflichtige Angebote von kommerziellen Anbietern. Dazu gehören vor allem Artikel aus Zeitschriften, Bücher, technische Berichte, Seminararbeiten, Konferenzbeiträge und so weiter. Medizinische Artikel aus der nationalen medizinischen Bibliothek der Vereinigten Staaten (National Library of Medicine) findet PubMed [3]. Die englischsprachige textbasierte Metadatenbank bietet einen kostenfreien Zugang zu verschiedenen anderen Datenbanken an, dokumentiert medizinische Artikel in Fachzeitschriften und liefert Links auf Volltextzeitschriften.

Der Entwickler Mark Tully vereint Google Scholar und PubMed in einer einzigen Linse namens unity-lens-academic. Um diese aus seinem Launchpad-Repository zu installieren, öffnen Sie über [Strg]+[Alt]+[T] ein Terminalfenster und geben nacheinander die folgenden Befehle ein:

sudo add-apt-repository ppa:markjtully/ppa
sudo apt-get update
sudo apt-get install unity-lens-academic

Auf Aufforderung geben Sie Ihr eigenes Passwort ein, um sich mittels sudo als Administrator zu authentifizieren. Nach der Installation melden Sie sich vom Unity-Desktop ab und wieder neu an. Der Tastaturshortcut zum Öffnen des Filters im Dash ist [Windows]+[M], was eventuell mit der Musiklinse kollidiert. (Der nächste Tipp zeigt daher, wie Sie die Shortcuts an Ihre Wünsche anpassen.)

Ins Suchfeld geben Sie danach den Namen eines Autors oder andere Stichworte ein; auch hier öffnet ein Klick auf eine Fundstelle den Artikel im Browser. Wenn Sie rechts auf Suchergebnisse filtern klicken, können Sie bestimmen, ob die akademische Linse nur bei Google Scholar, nur bei PubMed oder in beiden Quellen nach Treffern fahndet (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Filter "unity-lens-academic" durchforstet Google Scholar und PubMed nach wissenschaftlicher Literatur. Per Mausklick auf einen Artikel betrachten Sie ihn im Browser.

Tipp: Unity: Shortcuts für Lenses anpassen

Wie im vorigen Tipp beschrieben, verwendet die Linse unity-lens-academic denselben Shortcut wie die Musik-Linse. Drücken Sie [Windows]+[M], bringt das den Suchfilter für die akademischen Artikel zum Vorschein – die Musiksammlung ist damit nicht länger per Tastatur über das Dash zu erreichen. Verantwortlich dafür sind die Dateien mit der Endung .lens unterhalb von /usr/share/unity/lenses. Um das Tastenkürzel eines Filters anzupassen, bearbeiten Sie die entsprechende .lens-Datei. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt beispielhaft, wie Sie das Kürzel für unity-lens-academic von [Windows]+[M] zu [Windows]+[X] ändern:

  1. Öffnen Sie ein Dateimanagerfenster mit Administratorrechten. Dazu drücken Sie beispielsweise [Alt]+[F2] und geben als Befehl gksudo nautilus ein. Auf Aufforderung geben Sie Ihr eigenes Kennwort ein.
  2. Navigieren Sie bis zum Ort /usr/share/unity/lenses. Dort sehen Sie alle installierten Filter versammelt; jeder davon hat einen Unterordner mit einem aussagekräftigen Namen.

    lens-edit1.png
  3. Betreten Sie den Unterorder academic, um den Filter für die wissenschaftlichen Beiträge anzupassen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei academic.lens und wählen Sie aus dem Kontextmenü der rechten Maustaste den Eintrag Mit Texteditor öffnen.
  4. Blättern Sie bis zur Zeile Shortcut=m und ersetzen Sie das m durch ein x.

    lens-edit2.png
  5. Speichern Sie die Änderungen und verlassen Sie den Texteditor. Melden Sie sich danach vom Desktop ab und neu an. Drücken Sie nun [Windows]+[M], sollte die Musik-Linse wie gewohnt funktionieren und [Windows]+[X] den akademischen Filter auf den Plan rufen.

Tipp: Ubuntu: Automatische Anmeldung (de)aktivieren

Für gewöhnlich entscheiden Sie bereits bei der Installation von Ubuntu, ob der dort eingerichtete Benutzeraccount beim Rechnerstart automatisch angemeldet wird. Haben Sie das verpasst oder wollen Sie das Ubuntu-System nachträglich so konfigurieren, dass ein Account ohne Umweg über den Displaymanager LightDM und Eingabe seines Passworts sofort loslegen kann, ist das schnell eingerichtet.

Klicken Sie links im Dash auf das Zahnradsymbol oder öffnen Sie über [Windows]+[A] die Anwendungslinse und geben Sie sys ein, um die Systemeinstellungen zu starten. Wählen Sie dann ganz unten im Bereich System den Eintrag Benutzer aus. Links sehen Sie alle Accounts aufgelistet. Um für einen davon die automatische Anmeldung einzurichten, klicken Sie zunächst rechts oben auf Entsperren und geben Ihr eigenes Kennwort ein, um mit Administratorrechten zu arbeiten. Dann wählen Sie den gewünschten Account aus und schieben den Regler neben Automatische Anmeldung nach rechts (Abbildung 2). Nach einem Neustart sollte dieser Benutzer ohne Umweg über LightDM auf seinem Desktop landen. Bedenken Sie, dass dieses Feature ein potenzielles Sicherheitsrisiko ist. Um es wieder abzuschalten, schieben Sie den Regler in den Systemeinstellungen wieder nach links, so dass dort Aus steht.

Abbildung 2

Abbildung 2: Über die Systemeinstellungen richten Sie die automatische Anmeldung für einen Benutzeraccount ein.

Tipp: Knoppix: Dateisysteme mit der Live-DVD reparieren

Beschädigte Dateisysteme reparieren Sie unter Linux und anderen Unix-Derivaten in der Regel mit fsck (File System Check). Das Tool sollten Sie immer nur auf nicht eingehängte Dateisysteme loslassen, da sonst eventuell andere Prozesse schreibend darauf zugreifen und die Reparatur beziehungsweise Überprüfung durcheinanderbringen. Sind die Sorgenkinder die Home-Verzeichnisse auf einer separaten Partition, ist es normalerweise kein Problem, den Rechner zu booten, /home zu unmounten und dann mit fsck den Schaden zu untersuchen und zu richten. Hat allerdings das Wurzeldateisystem / die Macke oder liegt alles zusammen auf einer großen Partition, können Sie auch zu einer Live-Distribution greifen. Im Folgenden zeigen wir, wie Sie ein Ext4-Dateisystem einer Ubuntu-Installation mit Knoppix prüfen und reparieren.

  1. Booten Sie Knoppix und öffnen Sie über einen Klick auf das Dateimanager-Icon das Programm PCManFM. In der linken Leiste sehen Sie bei den Orten auch die nicht eingehängten Dateisysteme der installierten Betriebssysteme. Über einen Mausklick hängen Sie es ein, um die Gerätebezeichnung herauszufinden.
  2. Öffnen Sie über das Symbol in der unteren Kontrollleiste ein Terminalfenster und geben Sie den Befehl mount ein, um das Dateisystem der Partition herauszufinden:

    /dev/sda1 on /media/sda1 type ext4 (rw,nosuid,nodev,relatime,user_xattr,barrier=1,data=ordered)
  3. Wie Sie sehen, heißt die Gerätedatei /dev/sda1, und es handelt sich um ein Ext4-Dateisystem. Das richtige Tool zur Reparatur heißt also fsck.ext4. (Übrigens finden Sie über Eingabe der ersten Buchstaben fsck und zweimaliges Drücken von [Tab] heraus, wie die verwandten Programme für andere Dateisysteme heißen.) Hängen Sie die Partition nun aus:

    umount /media/sda1
  4. Danach starten Sie fsck.ext4 zusammen mit der Option -f ("force" = "erzwingen") und dem Namen der Gerätedatei. Das Programm überprüft die interne Datenstruktur und versucht, verlorene Daten wiederherzustellen. Falls es diese nicht richtig zuordnen kann, verschiebt es sie ins Verzeichnis /lost+found. Ist fsck.ext4 fertig mit der Arbeit, sehen Sie eine Zusammenfassung (Abbildung 3).

    Abbildung 3

    Abbildung 3: Mit der Live-DVD Knoppix und dem Standardtool "fsck" überprüfen und reparieren Sie bequem Dateisysteme anderer Distributionen.

Tipp: Knoppix: Auflösung beim Booten einstellen

Startet die Live-Distribution hartnäckig in einer Auflösung von 1024 x 768 und erkennt größere Monitore nicht richtig, können Sie mit einem so genannten Cheatcode nachhelfen. Starten Sie dazu das System. Wenn Sie den Bootprompt boot: sehen, definieren Sie die Bildschirmauflösung und Farbtiefe von Hand. Geben Sie beispielsweise Folgendes ein, um eine Auflösung von 1280 x 1024 mit einer Farbtiefe von 24 Bit zu konfigurieren:

boot: knoppix screen=1280x1024 depth=24

Drücken Sie danach [Eingabe], um Knoppix mit dieser Bootoption zu starten. Erkennt das Live-System die Bildschirmauflösung von Laptops nicht richtig, hilft eventuell der Cheatcode fb1024x768 weiter, um die Verwendung des Framebuffers mit einer bestimmten Auflösung zu erzwingen. Beachten Sie, dass vor diesem kein knoppix steht:

boot: fb1024x768

Andere mögliche Auflösungen sind fb800x600 und fb1280x1024.

Tipp: Knoppix: Desktopsperre einrichten

Viele Benutzer sperren gerne den Bildschirm, wenn sie eine Pause machen oder aus anderen Gründen den Arbeitsplatz verlassen. Knoppix hat für solche Fälle das Programm XScreenSaver dabei. Bevor Sie dieses einrichten oder den Bildschirm zum ersten Mal sperren, sollten Sie ein Passwort für den Benutzer knoppix setzen, weil Sie sonst nicht wieder "aufschließen" können. Am schnellsten geht das auf der Shell: Öffnen Sie über das untere Panel ein Terminalfenster und geben Sie den Befehl

sudo passwd knoppix

ein. Danach geben Sie zweimal hintereinander ein Kennwort für den Nutzer ein; die Abfrage des alten Passworts erfolgt nicht, da Sie mittels sudo als Administrator arbeiten und dieser jederzeit für alle Accounts die Kennwörter modifizieren darf. Während Sie tippen, erscheinen keine Sternchen als visuelles Feedback.

Danach starten Sie die Einrichtung von XScreenSaver über das Startmenü / Einstellungen / Bildschirmschoner. Auf dem ersten Reiter Anzeige-Modi konfigurieren Sie, welcher Bildschirmschoner läuft, und definieren eine Zeitspanne, nach welcher der Monitor automatisch gesperrt wird. Für einige Screensaver dürfen Sie über die Schaltfläche Einstellungen ein Feintuning vornehmen. Über Vorschau erhalten Sie einen Eindruck davon, was im "Ernstfall" passiert.

Wer nicht so lange warten möchte, bis der Bildschirm automatisch dicht macht, aktiviert die Sperre von Hand – ebenfalls über diesen XScreenSaver-Konfigurationsdialog. Über Datei / Bildschirm jetzt sperren verriegeln Sie den Desktop sofort und können danach beruhigt in die Mittagspause gehen (Abbildung 4). Kommen Sie zurück und bewegen die Maus, fordert Knoppix ein Kennwort an. Gut, dass Sie dieses vorher gesetzt haben.

Abbildung 4

Abbildung 4: Wenn Sie unter Knoppix von Hand den Bildschirm sperren, sollten Sie vorher unbedingt ein Passwort für den Benutzer "knoppix" gesetzt haben.

Tipp: Knoppix: Zeitzone beim Start einstellen

In der Voreinstellung zeigt die LXDE-Panel-Uhr der Live-Distribution die koordinierte Weltzeit UTC (Universal Time Coordinated). Aus den UTC-Zeitangaben errechnet sich die Mitteleuropäische Zeit (MEZ), die nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen mitteleuropäischen Staaten gilt. Für die MEZ (unsere Winterzeit) addieren Sie eine Stunde, für die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) zwei Stunden. Einen offensichtlichen Weg, den LXDE-Desktop zur aktuell geltenden Zeit in Deutschland zu überreden, gibt es nicht, so dass Sie ständig rechnen müssen.

Wem das zu lästig ist, der nutzt wiederum einen Cheatcode:

boot: knoppix tz=Europe/Berlin

Danach zeigt die Panel-Uhr die aktuelle deutsche Zeit an.

Tip a friend    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare