mcedit1.png

Befehlsgewaltig

Texteditor für die Konsole

07.10.2012
Konfigurationsdateien, Skripte oder einfache Notizen – für solche Schreibarbeiten müssen Sie nicht zu einer umfangreichen Textverarbeitung greifen. Ein schlanker Texteditor im Terminalfenster oder auf der Konsole ist in diesem Fall das Mittel der Wahl. Wir übergeben das Kommando an Mcedit.

Auf den EasyLinux-Mailinglisten [1] und auch in vielen anderen Foren empfehlen fortgeschrittene Benutzer immer wieder die Arbeit mit einem Texteditor auf der Konsole, und das nicht nur, wenn die grafische Oberfläche ein Problem hat. Viele Dinge erledigen Sie mit einem solchen Programm einfach schneller: Statt zahlreicher Mausklicks in den Systemeinstellungen der Distributionen und Desktops richten Sie zum Beispiel so manches bequemer und flinker über Anweisungen in den entsprechenden Konfigurationsdateien ein. Wollen Sie kurz etwas notieren? Dann ist der Start von LibreOffice & Co. sicherlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Verfassen Sie Ihre eigenen Shell-Skripte? Dann ist ein Texteditor mit Syntax-Highlighting die bevorzugte Lösung.

Die grafischen Arbeitsumgebungen bringen jeweils ihre eigenen Texteditoren mit. Gedit ist Standard unter Gnome und Unity, Kate unter KDE, LXDE bringt Leafpad und Xfce den Editor Mousepad mit. All diese Werkzeuge laufen auch auf anderen Desktops, benötigen aber in jedem Fall eine grafische Umgebung. Darum bietet Linux auch einige Editoren, die nicht nur im Terminalfenster, sondern auch auf einer der virtuellen Konsolen ([Strg]+[Alt]+[F1],[Strg]+[Alt]+[F2] usw.) und damit auch per SSH auf entfernten Systemen laufen. In diesem Guru-Training stellen wir mcedit vor, den eingebauten Texteditor des Dateimanagers Midnight Commander [2].

Angetreten!

Da mcedit fester Bestandteil vom Midnight Commander (mc) ist, installieren Sie das Paket mc. OpenSuse und Ubuntu bringen es beide von Haus aus mit. Im Terminalfenster (auch remote per SSH auf einem anderen Rechner) arbeitet der Editor nicht nur mit der Tastatur, sondern auch mit der Maus zusammen. Möchten Sie die Mausunterstützung auch auf den erwähnten virtuellen Konsolen nutzen, spielen Sie zusätzlich das Paket gpm ("general purpose mouse", [3]) ein, falls es noch nicht vorhanden ist. Dieser Systemdienst erlaubt es, den Mauszeiger auch außerhalb der grafischen Oberfläche zu nutzen.

Der GPM-Daemon nimmt unter Ubuntu nach der Installation bei jedem Bootvorgang automatisch den Dienst auf. Direkt nach der Installation ist das eventuell nicht der Fall, so dass Sie den Service einmalig von Hand anschubsen können, wenn Sie den Rechner nicht neu starten möchten:

$ sudo /etc/init.d/gpm start
[sudo] password for huhn:
 * Starting mouse interface server ↩
gpm                         [ OK ]

Anwender von OpenSuse richten den automatischen GPM-Start beim Booten entweder nachträglich über YaST (Bereich System / System Services (Runlevel), Eintrag gpm markieren und Aktivieren anklicken) ein oder tippen das folgende Kommando in ein Terminal:

$ sudo chkconfig gpm on
root's password:

Eine Rückmeldung erhalten Sie nicht. Zur Kontrolle können Sie den Befehl wiederholen und das on dabei weglassen, um den aktuellen Status abzufragen.

Alles auf Anfang

Um den Editor zu starten, gibt es zwei Wege: den direkten Befehl mcedit oder den Aufruf aus dem Midnight Commander heraus. Unter Ubuntu spielt es keine Rolle, ob Sie beim Start über mcedit dahinter einen Dateinamen angeben oder nicht – in letzterem Fall starten Sie mit einem leeren Dokument und können später beim Speichern einen Namen angeben. OpenSuse weigert sich hingegen, mcedit ohne Angabe eines Dateinamens zu öffnen, und beschwert sich, das aktuelle Verzeichnis sei keine normale Datei. Wollen Sie daher eine neue Datei erstellen, geben Sie am besten direkt den Namen und Speicherort mit an, zum Beispiel so:

mcedit ~/Dokumente/notizen-mc.txt

Um den Editor aus dem Midnight Commander heraus zu starten, starten Sie zunächst mit mc den Dateimanager, blättern mit den Pfeil- oder Bildlauftasten zur gewünschten Datei und drücken dann die Funktionstaste [F4]. OpenSuse öffnet die Datei sofort, während Ubuntu das Skript /usr/bin/select-editor aufruft und abfragt, mit welchem Texteditor Sie bevorzugt arbeiten möchten. Tippen Sie die für mcedit gezeigte Nummer, gefolgt von [Eingabe], um zukünftig den Editor mit [F4] zu starten.

Um eine Datei mit Administratorrechten zu bearbeiten, stellen Sie das Kommando sudo voran und geben auf Aufforderung Ihr eigenes Kennwort (Ubuntu) bzw. das des Administrators (OpenSuse) ein, zum Beispiel:

sudo mcedit /etc/logrotate.conf

In der oberen Statuszeile zeigt mcedit Informationen zur Datei, und unten blendet der Editor die Grundfunktionen ein (siehe Aufmacherbild). Sie erreichen diese über die Funktionstasten [F1] bis [F10]. Die Onlinehilfe (Taste [F1]) ist nur in englischer Sprache verfügbar, ansonsten spricht der Texteditor aber Deutsch. Weitere Befehle abseits der Grundfunktionen erreichen Sie über das Menü, das Sie mit der Taste [F9] am oberen Rand einblenden. Es erscheint auch, wenn Sie mit der Maus dorthin klicken. Durch die Unterabteilungen navigieren Sie mit den Pfeiltasten oder mit der Maus. Die hervorgehobenen Buchstaben in den Menüeinträgen zeigen die Shortcuts zu den Funktionen an. Hinter einigen Einträgen stehen auch die Funktionstasten oder Kombinationen. Sehen Sie dort C-, drücken Sie [Strg] und das dahinter folgende Zeichen, S- bedeutet [Umschalt] plus Zeichen und M- ist die Metataste (meistens [Alt] oder [Esc]).

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