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SoftMaker 2012

Test der Betaversion von SoftMaker Office

07.10.2012
Schon seit vielen Jahren versorgt die Nürnberger Softwareschmiede SoftMaker auch Linux-Anwender mit ihrem Officepaket. Die neue Version 2012 steht kurz vor dem Verkaufsstart, wir haben die zweite Beta getestet.

SoftMakers Officepaket ist immer einen Artikel wert, wenn eine neue Version erscheint: Die von einem kleinen Team in Nürnberg entwickelte und vertriebene Sammlung von Textverarbeitung (TextMaker), Tabellenkalkulation (PlanMaker) und Präsentationsprogramm (Presentations) gibt es für Linux und Windows – dazu gesellen sich Versionen für mobile Betriebssysteme (Android, Windows Mobile und CE). Wichtige Eigenschaften der SoftMaker-Programme waren immer hohe Performance (auch auf älteren Rechnern) und gute Kompatibilität mit Microsoft-Office-Formaten. Für diesen Artikel haben wir die zweite Betaversion von SoftMaker Office 2012 unter die Lupte genommen, die Ende August in den öffentlichen Betatest ging.

Alle Programme verwenden (unter allen Betriebssystemen) dankenswerterweise klassische Menüs. Wer LibreOffice oder ältere Microsoft-Office-Versionen (vor der Einführung der Ribbon-Menüs) kennt, fühlt sich hier direkt zu Hause.

In den Symbolleisten gibt es Icons, um auf die übrigen SoftMaker-Office-Anwendungen umzuschalten: Wenn diese noch nicht laufen, werden sie gestartet, andernfalls wechseln Sie darüber zu den bereits geöffneten Fenstern. Das funktionierte im Test unter KDE prima, während es auf einem älteren Gnome nicht gelang.

TextMaker

Am längsten verfügbar ist die Textverarbeitung aus dem SoftMaker-Paket. Sie bietet die üblichen Funktionen, die man von anderen Programmen dieser Kategorie kennt; so kann man direkt loslegen. Neu in der 2012er Version ist eine Seitenleiste am rechten Fensterrand: Sie zeigt wahlweise die Gliederung eines Dokuments, Absatz- oder Zeichenformatvorlagen an (Abbildung 1). Die Gliederung hilft dabei, sich in besonders großen Dokumenten schnell zurechtzufinden, sofern man diese durch Einfügen von Kapitelüberschriften ausreichend gegliedert hat.

Abbildung 1: TextMaker blendet am rechten Rand eine Seitenleiste ein, welche die Gliederung oder Formatvorlagen anzeigt.

Für besondere Textgestaltungswünsche können TextMaker-Anwender TextArt-Objekte (das Gegenstück zu Microsofts WordArt) in den Text einfügen und auf allerlei Weise verändern. Der Lauftext kann diese Objekte frei umfließen, TextMaker erkennt sogar den von einzelnen Buchstaben des Objekts benötigten Platz und lässt den Text optisch perfekt herumfließen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nach einer Änderung der Einstellungen für dieses WordArt-Objekt rückt der Lauftext näher an die kleinen Buchstaben und die Unterstriche heran.

TextMaker kann auch OpenOffice- bzw. LibreOffice-Dateien (.odt) öffnen und schreiben, die übrigen Anwendungen haben diese Funktion leider nicht – laut Martin Kotulla von SoftMaker stehen Filter für Calc- und Impress-Dokumente aber "auf der Wunschliste für die nächste große Version".

Für die Arbeit am Dokument unterscheidet TextMaker zwischen einem Editier- und einem Objektmodus. Letzteren aktiviert man per Klick auf das Icon ganz links in der untersten Symbolleiste: Dann ersetzt das Programm die Symbolleiste mit den Elementen für Zeichen- und Absatzformatierung durch eine neue Leiste, die beim Einfügen und Bearbeiten von Objekten hilft (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das spart Platz: Wenn Sie schreiben, sehen Sie die Zeichen- und Absatz-Symbolleiste (oben); für andere Aufgaben wechseln Sie in den Objektmodus und erhalten eine Objekt-Symbolleiste.

TextMaker bietet zahlreiche Features, die beim Erstellen größerer Texte helfen; der Hersteller denkt da u. a. an Romane und wissenschaftliche Ausarbeitungen: Im Weiteres-Menü gibt es einen Eintrag Inhaltsverzeichnis erstellen, der die übliche Funktion hat (er erzeugt basierend auf den Überschriftsabsatzformatierungen ein Verzeichnis), aber dabei einfach normalen Text einfügt, der als Verzeichnis formatiert ist. Das hat Vor- und Nachteile: Sie können im Inhaltsverzeichnis frei Änderungen vornehmen, die garantiert erhalten bleiben – ändert sich aber etwas an den Überschriften, gibt es keine Möglichkeit, das bereits eingefügte Verzeichnis automatisch zu aktualisieren. Sie müssen es löschen und neu einfügen. (Beide Schritte lassen sich beim Einfügen über die Option Bestehendes Verzeichnis ersetzen immerhin zusammenfassen.

Literatur und Serienbrief

Ähnlich arbeitet das Programm auch beim Einfügen eines Literaturverzeichnisses. Dazu wird zunächst eine Literaturdatenbank erzeugt: TextMaker hat ein tabellenbasiertes Datenbankmodul integriert, das Datenbanken im dBase-Format erzeugt. Wenn Sie darin die in einem Text verwendete Literatur erfassen, können Sie über Weiteres / Bibliographie / Bibliographiefeld einfügen Einträge der Form [ABC12] in den Text einbauen und später über Weiteres / Bibliographie / Bibliographie erstellen automatisch ein Verzeichnis der tatsächlich verwendeten Quellen erstellen, dessen Aufbau Sie vorab beeinflussen können. Auch dieses Verzeichnis fügt TextMaker (wie das Inhaltsverzeichnis) als normalen Text ein, für das Überarbeiten und Neuerstellen gilt dasselbe wie für den Inhalt.

Die Literaturdatenbank können Sie bei der Arbeit ständig geöffnet lassen; TextMaker erzeugt dafür einen neuen Reiter. So wechseln Sie bequem zwischen Text und Literaturliste hin und her. Statt Kürzeln der Form [ABC12] können Sie die Einträge auch durchnummerieren lassen und zwischen beiden Varianten auch nachträglich umschalten. Offene Dokumente kann TextMaker auch als Unterfenster nebeneinander (oder überlappend) anzeigen; wenn Sie den Text und die Literaturliste so anordnen (Abbildung 4), können Sie nach Quellen suchen, ohne den Reiter zu wechseln.

Abbildung 4: Die Literaturdatenbank ist eine dBase-Datei, die Sie direkt aus TextMaker heraus verwalten können.

Auch die Serienbrieffunktion nutzt die eingebaute Datenbankfunktion – um dieses Feature zu nutzen, legen Sie eine Datenbank mit Adressen an und verknüpfen diese mit dem Dokument. Serienbriefe können Sie nur direkt drucken; eine Möglichkeit, eine PDF-Datei mit allen Briefen zu erzeugen, bietet das Programm nicht. Sie können auch keinen Pseudo-PDF-Drucker auswählen, denn für den normalen PDF-Export verwenden Sie einen speziellen Menüpunkt und nicht die Druckfunktion. Wer eine große Menge Briefe nicht auf dem eigenen Drucker ausgeben, sondern z. B. als PDF-Datei an einen Copyshop weitergeben möchte, hat damit ein Problem. (Linux-Profis können allerdings die Druckausgabe in CUPS deaktivieren, den Serienbrief drucken und dann im Drucker-Spooler-Verzeichnis /var/spool/cups/ nach der erzeugten PostScript-Datei suchen, die sich dann mit ps2pdf ins PDF-Format konvertieren lässt.)

Alle Zuordnungen (Literatur- und Adressdatenbank) speichert TextMaker im Dokument; verschiedene Dokumente können also unterschiedliche Quellen für Literatur und Adressen verwenden.

Zum Paket gehören ein Thesaurus (zum Nachschlagen von Synonymen), zwei Duden- und mehrere Langenscheidt-Fremdsprachen-Wörterbücher, in der frei herunterladbaren Betaversion gab es allerdings nur die Duden-Bücher.

Im Test der zweiten Betaversion zeigten sich ein paar Bugs, die der Hersteller in der finalen Version beheben sollte: Suchen und Ersetzen funktionierte noch nicht fehlerfrei (beim Versuch, in einem zwölfseitigen Dokument alle Vorkommen von "wir" durch "WIR" zu ersetzen, stürzte das Programm reproduzierbar ab), der mitgelieferte Duden öffnet beim Nachschlagen ein für Netbooks zu breites Fenster (das sich auch nicht verkleinern lässt), und bei wörtlicher Rede setzt das Programm nur doppelte Anführungszeichen (Gänsefüßchen) korrekt, während die einfachen Anführungen falsch (englisch statt deutsch) sind.

PlanMaker

Wenn Sie unter Linux bisher mit Open- oder LibreOffice Tabellen erstellt haben, müssen Sie diese zunächst ins Excel-Format exportieren, um sie in PlanMaker zu öffnen: Calcs ods-Format fehlt in den Importfiltern.

Aus einer in LibreOffice geöffneten Tabelle können Sie markierte Bereiche per Copy & Paste in PlanMaker einfügen, dabei gehen allerdings alle Formatierungen und auch Formeln verloren. Zudem gibt es hier einen kleinen Bug: Das letzte Element (rechts unten) eines rechteckigen Bereichs fügt SoftMaker bei dieser Aktion als Text (und nicht als Zahl) ein. In der umgekehrten Richtung (von PlanMaker nach LibreOffice) bleiben Formatierungen (Schriftart, Größe, fett, kursiv etc.) erhalten, Formeln gehen aber auch hier verloren. Neben Copy & Paste funktioniert auch Drag & Drop von LibreOffice- in PlanMaker-Dokumente – mit denselben Einschränkungen; der umgekehrte Weg funktioniert nicht: Wenn Sie im PlanMaker einen Bereich markieren und dann versuchen, via Drag & Drop in das Calc-Fenster zu wechseln, lässt PlanMaker Sie nicht aus dem Fenster heraus: Beim Loslassen der Maus über dem Calc-Fenster lösen Sie nur eine PlanMaker-interne Verschiebeaktion in andere Zellen aus.

Ein nützliches PlanMaker-Feature, das auch LibreOffice Calc und Excel bieten, ist das Bearbeiten einer Auswahl: Wenn Sie einen rechteckigen Bereich markieren, können Sie mit der Eingabetaste zwischen den Feldern der Auswahl hin und her springen – dabei bewegen Sie sich zuerst durch alle Felder der ersten Spalte, dann durch die der zweiten usw., bis Sie die letzte Spalte erreicht haben, danach geht es wieder in der ersten Spalte weiter. Mit [Umschalt]+[Eingabe] navigieren Sie in umgekehrter Reihenfolge.

In PlanMaker können Sie Zahlen auch als Brüche (1/4 statt 0,25) eingeben – zudem gibt es die Möglichkeit, bei der Zellformatierung als Zahldarstellung Bruch auszuwählen, allerdings mit zweifelhaftem Nutzen: So wird der Wert 0,1 z. B. zu 1/9 (statt 1/10), und 0,3 wird zu 1/3 (statt 1/10). Das ist grob falsch und führt bei Summenberechnungen zu lustigen Ergebnissen, etwa 1/3+1/3+1/3 = 8/9 (Abbildung 5).

Abbildung 5: Gut gemeint, aber (noch) nicht gut gemacht: Die Darstellung von Zahlen als Bruch funktioniert in der Betaversion nicht.

Allgemeines

Alle SoftMaker-Anwendungen setzen auf eine Bubble Help, die unaufdringlich arbeitet: Wenn Sie nur schnell mit der Maus über die Icons fahren, erscheinen keine Hinweistexte – erst wenn Sie über einem Symbol für eine knappe Sekunde verharren, erscheint die Erklärung. Dadurch wechseln Sie in einen gesprächigeren Modus: Ziehen Sie bei sichtbarer Bubble Help den Mauszeiger über weitere Icons, erscheint jeweils sofort die zugehörige Erklärung direkt unter dem Icon.

Unabhängig davon blenden die Programme links unten in der Statusleiste immer die Erklärung für das Icon ein, auf das die Maus gerade zeigt – auch beim "Erstkontakt" mit einem Icon.

Die Bubble Help können Sie in den Einstellungen abschalten (wenn Sie den richtigen Namen kennen: Die Einblendungen heißen hier "Quickinfos"), danach bleiben immer noch die Erläuterungen in der Statusleiste erhalten.

Öffnen Sie in einer der Anwendungen mehr als ein Dokument, erscheint eine kleine Leiste mit Reitern: Zwischen den Dateien springen Sie also (wie im Browser) per Klick auf den Reiter hin und her. Ist der Platz auf dem Desktop so knapp, dass jeder Millimeter zählt, können Sie die Reiter auch abschalten – und dann immer noch über das Fenster-Menü zwischen den geöffneten Dokumenten wechseln. Sie können auch die Tastenkombinationen [Alt]+[N],[1] für das erste, [Alt]+[N],[2] für das zweite Dokument usw. nutzen, was schneller ist, als das Menü von Hand anzusteuern.

Was in der Linux-Version fehlt, ist die Möglichkeit, Makros zu verwenden. Die Windows-Version enthält dafür das Modul BasicMaker. Vor allem bisherige Excel-Anwender, die es gewohnt sind, Tabellen mit Makros zu verarbeiten, werden darauf nicht verzichten wollen und dann lieber LibreOffice nutzen.

SoftMaker Office bringt eine sehr ausführliche Dokumentation mit: Im PDF-Format gibt es über 1700 Seiten (TextMaker: 616, PlanMajer: 770, Presentations: 343); und ein Teil des Materials liegt der 70 Euro teuren Schachtel auch als ca. 400 Seiten starkes gedrucktes Handbuch bei.

Performance

Nach ersten Tests auf einer aktuellen Maschine haben wir SoftMaker Office 2012 noch auf einem Netbook in klassischer Ausstattung (Atom-Prozessor mit 1,6 GHz; 1 GByte RAM) installiert und hier kurz TextMaker ausprobiert. Die Bedienbarkeit war gut, allerdings verhielt sich TextMaker beim Versuch, in einem längeren Dokument Text am Anfang einzufügen und wieder zu löschen, träger als das zum Vergleich gestartete OpenOffice 3.2.0, das auf diesem Netbook installiert war – die Verzögerungen zwischen dem Drücken von [Eingabe] und der Darstellung der Änderung war deutlicher spürbar, aber noch akzeptabel. Auf aktueller Hardware arbeiten alle SoftMaker-Programme rasend schnell.

Bei sehr großen Dokumenten (im Test: mit 1000 Seiten) fiel positiv aus, dass TextMaker fast sofort nach dem Öffnen wusste, wie lang das Dokument ist – es war kein Problem, auf Anhieb zur 500. oder 1000. Seite zu springen. LibreOffice Writer hingegen benötigte mehrere Sekunden für einen Sprung ans Dokumentende. Dafür dauerte das Öffnen des großen Dokuments in TextMaker allerdings einen Tick länger.

Fazit

SoftMaker Office 2012 ist schon in der Betaversion ein gelungenes Produkt, das jeder sofort bedienen kann, der Erfahrungen mit OpenOffice bzw. LibreOffice oder Microsoft Office hat. Zum Redaktionsschluss wurde noch eine dritte Beta angekündigt, so dass noch mit diversen Fehlerkorrekturen zu rechnen ist, bevor die endgültige Fassung erscheint. Auf der Produktwebseite [1] findet sich zu jedem der drei enthaltenen Programme eine ausführliche Beschreibung der Features und der Neuerung im Vergleich zur Vorversion. Der vorgesehene Preis ist 69,95 Euro – das ist für ein Paket dieses Umfangs günstig, auch wenn kein kommerzielles Produkt preislich mit LibreOffice konkurrieren kann. Die enthaltenen Beigaben von Duden und Langenscheidt relativieren den Preis noch weiter. Um herauszufinden, ob SoftMaker ein für Sie interessantes Angebot gestaltet hat, sollten Sie die Betaversion (oder nach der Veröffentlichung der finalen Version eine Demo) herunterladen und ausgiebig testen.

Infos

[1] SoftMaker Office für Linux: http://www.softmaker.de/ofl.htm

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