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Aus EasyLinux 04/2012

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Neue Software

Im Quartalsrhythmus erscheinen viele Programme in neuer Version. Eine Auswahl stellen wir regelmäßig vor. Auf der Heft-DVD finden Sie die passenden Pakete und Installationshinweise.

Ffmulticonverter – Formatwandler mit großer Bandbreite

Selbst Anwender, die Konsolenprogramme an sich schätzen, haben ihre liebe Not mit den leistungsfähigen Tools Imagemagick und Ffmpeg. Ffmulticonverter, ein GUI für Ffmpeg, Imagemagick und Unoconvert, erleichtert das Handling der Programme.

“Das Ziel von Ffmulticonverter [1] ist es, unter einer benutzerfreundlichen Oberfläche Umwandler für alle Multimedia-Dateiformate zu bündeln”, stellen seine Entwickler vollmundig fest. Natürlich scheitert der Anspruch, alle Dateiformate zu unterstützen, leicht daran, dass neue hinzukommen. Die meisten gebräuchlichen Bild-, Audio- und Videoformate sowie alle Dokumentformate, die LibreOffice liest oder schreibt, unterstützt Ffmulticonverter aber. Dazu gehört auch des Doc-Format von Microsoft Word.

Damit das Programm diesen Anspruch halten kann, delegiert es die eigentliche Arbeit an die bewährte Kommandozeilen-Werkzeuge Ffmpeg, Imagemagick und Unoconvert. Doch schon ein übersichtliches GUI für Imagemagick und Ffmpeg ist ein Wert an sich, denn beide Tools stoßen Einsteiger mit einer komplizierten Bedienung vor den Kopf, bei der selbst die Reihenfolge der Kommandozeilenparameter eine Rolle spielt.

Wandelbar

In der Standardeinstellung schreibt der Ffmulticonverter (Abbildung 1) das Ergebnis der Umwandlung in das gleiche Verzeichnis wie die Ausgangsdatei. Unter Edit / Preferences ändern Sie das gegebenenfalls. Auf Wunsch verarbeitet Ffmulticonverter alle Dateien eines Typs oder einer bestimmten Dateiendung im Verzeichnis in einem Arbeitsschritt.

Abbildung 1: Der Ffmulticonverter dient als grafischer Oberfläche für Ffmpeg, Imagemagick und Unoconvert.

Abbildung 1: Der Ffmulticonverter dient als grafischer Oberfläche für Ffmpeg, Imagemagick und Unoconvert.

Nach der Auswahl der Quelldatei entscheiden Sie sich für eine der Kategorieren Audio/Video, Images oder Documents. Letztere ist für Text- und Office-Dokumente inklusive PDF-Dateien bestimmt, letzteres ist allerdings nur als Zielformat verfügbar. Naturgemäß gibt es für die Office-Dateien außer Ausgangs- und Zielformat keine weiteren Einstellungen.

Im Reiter Images dürfen Sie dagegen die Größe für das neu erzeugte Bild wählen. Das Ausgangsformat erkennt Imagemagick, das für Grafiken zuständige Hintergrundprogramm, von selbst.

Qual der Wahl

Im Reiter Audio/Video gibt es mehr Wahlmöglichkeiten: Hinter dem Preset-Button verbergen sich Voreinstellungen für zahlreiche mobile Geräte. Der More-Button öffnet Einstellungen für Videoauflösung und das Seitenverhältnis. Auch die Video- und Audio-Bitrate, also die Größe der Videodatei pro Sekunde Spielzeit, lässt sich einstellen. Die vielen mitgelieferten Presets (Voreinstellungen) optimieren alle diese Einstellungen für ein bestimmtes Mobilgerät.

Allerdings zeigt sich schnell, dass Ffmpeg mit seinen häufig wechselnden und schlecht dokumentierten Kommandozeilenparametern nicht nur viele Anwender überfordert: Auch etliche Ffmulticonverter-Voreinstellungen funktionierten mit den Ffmpeg-Versionen der EasyLinux-Distributionen nicht. Sie benutzen Parameter, die schon eine Weile nicht mehr existieren.

Wer sich allerdings so weit in die Ffmpeg-Bedienung eingearbeitet hat, dem gelingt es, die Parameter manuell anzupassen – er braucht dann eigentlich Ffmulticonverter nicht mehr und sollte lieber das Kommandozeilenprogramm direkt benutzen.

Zu einfach gestrickt

Meist zum Erfolg geführt hat die über den Default-Button neben den Presets erreichbare Standardeinstellung, auch in Kombination mit benutzerdefinierten Einstellungen für Video Size (Auflösung) oder Video Bit-Rate. Beim Komprimieren hochauflösender Videos oder Umwandeln in ein anderes Dateiformat erfüllt das Programm also seinen Zweck.

Der Fortschrittsbalken ist allerdings nutzlos: Er springt ohne Zwischenschritte von 0 auf 100 Prozent, wenn die Umwandlung abgeschlossen ist. Ein Klick auf Details blendet die Ausgabe von Ffmpeg ein. Aus dem Wert für time lässt sich ablesen, bei welcher Spielzeit die Umwandlung bereits angelangt ist: time=00:01:12.25 steht zum Beispiel für eine Minute und 12,25 Sekunden.

Kennt Ffmpeg das Format der Eingabedatei nicht, was bei den unzähligen Kompressionsverfahren und Dateiunterformaten unter verschiedenen Betriebssystemen oft genug passiert, dann meldet Ffmulticonverter lediglich 0/1 Dateien converted. Die eigentliche Fehlermeldung ist nur unter Details sichtbar.

Die Redaktion meint

Ffmulticonverter überzeugt als grafisches Frontend für die Kommandozeilenprogramme Imagemagick und Unoconvert, also beim Umwandeln von Bild- und Office-Dateien. Allerdings scheiterte das Konvertieren von Videos im Test oft, teilweise aufgrund eines Fehlers im Hintergrundprogramm Ffmpeg, manchmal aber auch, weil Ffmulticonverter nicht auf aktuelle Versionen des Hilfsprogramms abgestimmt ist.

Bewertung

3 von 5 Sternen

Gscan2pdf – Durchsuchbare PDFs aus Scans erstellen

PDF ist das optimale Format zum Archivieren von Scans: Es bündelt und komprimiert viele Seiten. Gscan2pdf sorgt mit maschineller Zeichenerkennung dafür, dass Sie die PDFs auch nach Schlagwörtern durchsuchen können.

Das Ärgerliche an eingescannten Dokumenten ist, dass sie keinen durchsuchbaren Text enthalten. Der Grund dafür ist, dass beim Scannen Bilder, und keine Textdateien entstehen. Abhilfe schafft die als “optical character recognition” bekannte Technik der maschinellen Zeichenerkennung, für die es die freien Linux-Programme Cuneiform und Tesseract gibt.

Beides sind aber Kommandozeilen-Tools, die lediglich Text in einer einzelnen Bilddatei erkennen und in eine Textdatei schreiben. Das grafische Programm Gscan2pdf nutzt Cuneiform oder Tesseract für die Texterkennung, und bereitet das Ergebnis zu so genannten Sandwich-PDFs auf, bei denen eine unsichtbare Textebene über der eingescannten Bilddatei liegt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Gscan2pdf bettet mit Hilfe der OCR-Programme Cuneiform oder Tesseract maschinell erkannten Text in PDFs aus eingescannten Seiten ein und macht sie so durchsuchbar.

Abbildung 2: Gscan2pdf bettet mit Hilfe der OCR-Programme Cuneiform oder Tesseract maschinell erkannten Text in PDFs aus eingescannten Seiten ein und macht sie so durchsuchbar.

Schmackhaftes Sandwich

Die Software kombiniert die originalgetreue Optik der gescannten Seiten mit der Durchsuchbarkeit von Textdateien. Das funktioniert in jedem PDF-Reader, der eine Suchfunktion mitbringt, also auch den Standard-Programmen von KDE und Gnome (Okular und Evince).

Die Hybrid-PDFs aus Bild- und unsichtbarer Textebene entstehen in Gscan2pdf mit wenigen Mausklicks: Ein Klick auf das dritte Icon von rechts öffnet den Scan-Dialog mit zahlreichen Einstellungen. Etliche davon betreffen nur Besitzer eines Einzugsscanners, der automatisch einen ganzen Stapel Vorlagen verarbeitet: Die Einstellung alle Seiten weist solche Scanner an, das ganze Magazin zu verwerten. Auch die Option Zu scannende Seite / Vorderseite/Rückseite ist nur für automatischen Einzug relevant.

Blatt für Blatt

Besitzer eines normalen Flachbettscanner wählen dagegen die Option #: und geben im Zahlenfeld dahinter 1 ein. Der Scanner liest dann pro Klick auf den Scannen-Button eine Seite. Wer es schafft, eine neue Vorlage aufzulegen, während der Scanner zwischen den Seiten pausiert, darf auch die Anzahl aller zu scannenden Seiten einstellen und muss zwischendurch nicht mehr zur Maus greifen.

Ist im nächsten Reiter Scanmodus die Option Scannen auf Knopfdruck aktiv, löst erst ein Druck auf eine der Tasten am Scanner den Scan aus. Allerdings funktioniert das unter Linux nicht mit jedem Modell. Wichtig sind noch die Einstellung Scan-Auflösung, die für die Texterkennung nicht unter 300 Dpi liegen sollte, und der Scan-Modus (Farbe/Graustufen/Schwarzweiß).

Die Kästchen Bilder bereinigen und Texterkennung anwenden sind beim ersten Start aktiv. In der Zeile für die Texterkennung befindet sich ein Auswahlfeld für die auf dem Rechner installierten Zeichenerkennungs-Programme. Den besten Eindruck macht in letzter Zeit die von Google gesponserte Engine Tesseract, die Sie unter OpenSuse und Ubuntu über das gleichnamige Paket installieren. Für deutsche Texte ist die Spracheinstellung German in der Zeile darunter wichtig, sonst gibt es Probleme mit den Umlauten.

Licht und Schatten

Das Ergebnis der Scans fällt zwiespältig aus: Einerseits funktioniert die Texterkennung, ohne dass Sie sich mit Kommandozeilenprogrammen herumschlagen müssen. Die Textschicht ist auch auch ausreichend exakt über der Grafik platziert. Störend wirken allerdings die zackigen Ränder der hellgrauen Textbereiche vor den von der Software ausgeschnittenen leeren Bereichen. Zu allem Überfluss hat Gscan2pdf auch noch Löcher in die Abbildung geschnitten. Darum ist es anzuraten, die Option Bilder bereinigen, die für das Freistellen der leeren Flächen verantwortlich ist, abzuschalten.

Im Vergleich mit der vor zwei Ausgaben vorgestellten Scansoftware Scantailor [2] enttäuscht die grafische Aufbereitung der Seiten, die sich auf das Herausschneiden freier Bereiche und ein Geraderichten des Scans beschränkt. Besonders stört, dass für Helligkeit und Kontrast nicht einmal Einstellungen für einen manuellen Ausgleich vorhanden sind.

Wer Wert auf reinweiße Ergebnisse legt, scannt daher am besten mit Scantailor oder Xsane alle Seiten als einzelne Bilddateien in ein Verzeichnis. Diese lassen sich in Gscan2pdf problemlos in ein mehrseitiges Sandwich-PDF weiterverarbeiten.

Die Redaktion meint

Gscan2pdf überzeugt beim Erstellen von durchsuchbaren PDFs, die sich hervorragend für das Archivieren von Dokumenten eignen. Allerdings gleicht seine Scan-Funktion die praktisch immer vorhandene Grautönung des Papiers nicht aus. Optisch professionelle PDFs entstehen daher nur, wenn Gscan2pdf die mit anderen Programmen erzeugten Scans zu Sandwich-PDFs weiterverarbeitet.

Bewertung

3 von 5 Sternen

Muse – Midi-Sequencer mit einigen praktischen Extras

Nach vier Jahren Arbeit haben die Entwickler des MIDI-Sequencers Muse Version 2 vorgestellt und Linux damit ein weiteres gutes freies Musikprogramm mit Notendarstellung und voller Unterstützung für viele Effekt-Plugins beschert.

Als die letzte Ausgabe der Software-New den Midi-Sequncer Rosegarden [#] vorgestellt hat, kam Muse 1 [#] aus dem Jahr 2010 noch nicht einmal als Vergleichkanditat in Frage. Inzwischen ist die Software mit der stabilen Version 2.0 wieder in die Gruppe der besten Linux-Midi-Sequencer aufgerückt.

Sie bringt eine Notendarstellung und Effekt-Automation (Abbildung 3) mit. Das Programm zeichnet beim Abspielen Veränderungen auf, zum Beispiel bei der Chorus-Tiefe oder -Geschwindigkeit, die Sie im Einstellungsdialogfelds eines Effekt-Plugins vornehmen. Dass Muse außerdem Wave-Audio-Tracks unterstützt, erspart das Nachbearbeiten in einem externen Wave-Editor.

Abbildung 3: Version 2.0 macht den Sequencer Muse mit einer Notendarstellung und einer Effektautomation wieder konkurrenzfähig. Praktisch ist auch das vereinfachte GUI, das das Programm für LADSPA-Plugins anbietet.

Abbildung 3: Version 2.0 macht den Sequencer Muse mit einer Notendarstellung und einer Effektautomation wieder konkurrenzfähig. Praktisch ist auch das vereinfachte GUI, das das Programm für LADSPA-Plugins anbietet.

Vereinfacht

Die Linux-Audio-Plugin-Architektur LADSPA ermöglicht es Plugin-Autoren, raffinierte grafisch gestaltetete Einstellungsdialoge zu realisieren. Meist ahmen die Plugins die Optik von Hardware-Effektgeräten nach, was hübsch aussieht, manchmal aber die Bedienung eher erschwert. Daher ist es gut, dass Muse alternativ eine für alle Plugins einheitliche Schieberegler-Optik anbietet.

Die wohl wichtigste Neuerung in Version 2, die Partitur-Anzeige, kann sich allerdings noch nicht mit der Notenansicht in Rosegarden messen: Sie zeigt die Noten in weiten, stets gleichen Abständen an. Auch eine ausgefeilte Eingabefunktion, die die Computertastatur als Keyboard nutzt, fehlt noch.

Etwas billig

Die grafische Darstellung der Noten lässt noch zu wünschen übrig: Muse zeichnet sie unabhängig vom Notenwert in gleichem Abstand. Vortragszeichen, auf die besonders klassische Musiker benötigen, kennt das Programm nicht. Zum Ausdrucken und vom Blatt spielen eignen sich die Noten aus Muse daher kaum, anders als in Rosegarden, das ansehnliche Notenblätter liefert.

Professionelle, klassische Partituren bewältigt allerdings bisher kein Linux-Midi-Sequencer, sondern allenfalls das dedizierte Notensatzprogramm MuseScore [#], das über das Midi-Format Daten mit jedem Sequencer austauscht, auch mit Muse.

Immerhin erleichtert die Notenansicht den meisten Musikern, sich Melodien vorzustellen, selbst wenn es an der Darstellungsqualität noch hapert. Praktisch ist allerdings, dass Muse die Noten auf Wunsch der Anschlaglautstärke entsprechend einfärbt.

Nette Kleinigkeiten

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Klavierwalzen/Pianoroll-Ansicht, das Hauptwerkzeug aller Sequencer, kaum von der Umsetzung in anderen Programmen. Noten erscheinen dort als Balken, deren Länge für die Dauer steht, die Tonhöhe lässt sich an den Klaviertasten links ablesen.

Auf den zweiten Blick fällt aber eine nützliche Besonderheit auf: Die Werkzeuge für das Einfügen, Löschen oder Verschieben wechseln Sie in Muse mit einem Rechtsklick auf einen freien Fensterbereich, nicht mit einem Klick in die Buttonleiste. Diese Kleinigkeit beschleunigt das Arbeiten mehr als man denkt.

Wie in anderen Sequencers gibt es Controller-Unterfenster, mit denen sich Instumentenparameter wie die Anschlaglautstärke oder Balance anhand einer mit einem Stiftwerkzeug gezogenen Linie verändern. Muse zeichnet sich dadurch aus, dass es alle Effekte der mitgelieferten Software-Synthethizer und vieler Hardware-Synthethizer unterstützt. Darunter befinden sich natürlich Standards wie General Midi, GS oder XG.

Nur ein Quäntchen

Niemand spielt auf dem Keyboard in Vierundsechzigstel-Genauigkeit. Daher erscheinen per Keyboard eingespielte Töne in der Notenansicht praktisch immer als Gewirr aus kurzer Notenwerten und Pausen. Wie alle Sequencer bringt Muse daher eine Quantisierungsfunktion mit, die allzu kurze Notenwerte rundetet.

Eine Spezialität von Rosegarden sind die ausgefeilten Algorithmen, mit denen das Programm aus den mathematisch ungenauen Notenanschlägen die künstlerische Intention herauszulesen versucht. Ganz so raffiniert löst Muse dieses Problem nicht, doch sein Quantifizierer rundet auch nicht einfach stur: Ein Grenzwertfilter sorgt dafür, dass feine Nuancen erhalten bleiben. Außerdem bildet das Programm auf Wunsch einen Kompromiss aus Quantifizierung und der realen Notendauer.

Einen Swing (Jazz-typische Verschiebung im Verhältnis von kurzen und langen Noten) kennt Muse ebenfalls. Sehr praktisch ist auch die Notenauswahlfunktion, mit der sich unter anderem kurze, schwach angeschlagene Töne, also typische Keyboard-Spielfehler, löschen lassen.

Die Redaktion meint

Für Anfänger ist Muse schon deshalb eine gute Wahl, weil es einige Synthethizer-Plugins mitbringt, und daher auch auf Rechnern ohne Midi-fähige Soundkarte ohne Konfigurationsaufwand Töne erzeugt. Mit seiner Effekt-Automation, dem Aufzeichnen der Einstellungen von Effekt-Plugins während des Abspielens, macht es eine Nachbearbeitung in vielen Fällen überflüssig,

Bewertung

4 von 5 Sternen

Piggydb – Innovative Wissensdatenbank

Piggydb verlinkt Textfragmente per Drag and Drop und zeichnet sie thematisch mit Tags aus. Auf diese Weise entsteht eine neuartige Wissensmanagement-Software, die in so verschiedenen Anwendungsbereichen wie dem Event-Management oder Buchprojekten die Gedanken ordnet.

Menschliche Gedanken bewegen sich in spontanen, oft sehr kreativen Assoziationen. Bringt man diese Geistesblitze zu Papier, bevor sie sich verflüchtigen, so fällt es meist schon wenig später schwer, sie nachzuvollziehen.

Dass es sich dennoch lohnen kann, Ideen in ihrer Rohform festzuhalten, zeigt sich an der Beliebtheit der so genannten Mind Maps, welche die Assoziationen zwischen Begriffen durch Verbindungslinien festhalten. Während Mindmaps nur bis zu einer bestimmten Größe übersichtlich bleiben, erschließt Piggydb [1] das Prinzip der Gedankenvernetzung auch für große Wissensbestände.

Gedanken-Netz

Per Drag and Drop entsteht ein Beziehungsgeflecht zwischen kurzen Texten oder hochgeladenen Dateien (Abbildung 4). Wie in einer Mindmap lässt sich ein einmal formulierter Gedanke schnell mit beliebig vielen anderen verknüpfen. Für die grafische Darstellung der Objektbeziehungen übernimmt Piggydb die Ordner-Unterordner-Hierarchie eines Dateimanagers.

Abbildung 4: Das Kernfeatures von Piggydb stellen die Objektverknüpfungen, die durch Ziehen des Verknüpfungs-Icons auf ein weiteres Objekt entstehen.

Abbildung 4: Das Kernfeatures von Piggydb stellen die Objektverknüpfungen, die durch Ziehen des Verknüpfungs-Icons auf ein weiteres Objekt entstehen.

Piggydb ist eine Webanwendung, die Sie im Browser unter der Adresse localhost:8080 öffnen. Auf anderem Rechner im Heimnetzwerk gilt die URL Ip-des-Serverrechners:8080. Um den Server zu starten, genügt es, das Programmarchiv zu entpacken, und in der Konsole cd piggydb-standalone sowie java -jar piggydb-standalone.jar aufzurufen. Java muss dazu auf dem Rechner installiert sein. Wenn es geklappt hat, erscheint ein kleines Icon in der Taskleiste, über das Sie den Server bei Bedarf wieder stoppen.

Zettelsammlung

Die Startansicht listet alle Einträge in der Reihenfolge des Erstellens auf. Der Schieberegler am oberen Fensterrand bestimmt, ob für maximale Übersicht bloß die Namen der Einträge oder auch Inhalt und Assoziationen sichtbar sind. Der grüne +-Button oben im Browserfenster erzeugt neue Texteinträge. Der Editor in Piggydb kennt Textformatierungen und bindet Bilder in den Text ein. Eingebettete Dateien, die der Browser nicht anzeigt, erscheinen als Download-Links.

Wenn Sie den Mauszeiger über den grau gefärbten Bereich eines Eintrags in der Datenbank bewegen, öffnet das Programm sein wichtigstes Werkzeug: eine kleine Icon-Palette. Das erste Icon in der Palette erzeugt die für Piggydb charakteristischen Verknüpfungen zwischen den Einträgen. Dazu brauchen Sie es nur mit gedrückter Maustaste auf ein anderes Objekt zu ziehen.

Gut gegliedert

In der grafischen Darstellung wirken die Objektverknüpfungen wie eine hierarchische Ordnung von Haupt- und Unteraspekten. Genau genommen stimmt das nicht: Ein Objekt darf gleichzeitig von mehreren Elternobjekten abhängen, aber auch von keinem. Außerdem lassen sich in einem Arbeitsschritt bidirektionale Verknüpfungen erzeugen, bei denen Objekt A auf Objekt B verweist und gleichzeitig Objekt B auf A.

Ein Vergleich mit einer gewöhnlichen hierarchischen Gliederung verdeutlicht den Vorteil: Wenn Sie einen Gedanken formuliert haben, der auch noch an anderer Stelle relevant ist, müssen Sie dort entweder einen umständlichen verweisenden Text einfügen oder den Wortlaut dort hin kopieren. Fällt ihnen eine bessere Formulierung ein, dann gilt es, beide Textstellen anzupassen. Die Netzstruktur in Piggydb, welche Verknüpfungen kreuz und quer durch die Hierarchie-Ebenen erlaubt, passt daher einfach besser zur Natur des menschlichen Denkens.

Ordentlich Ausgezeichnet

Zum Suchen nach Einträgen kennt Piggydb weitere Ordnungsverfahren: Das einfachste ist der Kalender oben rechts im Fenster, mit dem sich Einträge nach dem Erstelldatum filtern lassen. Noch viel leistungsfähiger sind die Tags, die jedes Objekt einem oder mehreren Themengebieten zuordnen. Besonders hervorzuheben ist, dass sich die Tags selbst wie normale Objekte verknüpfen lassen, verknüpfte Tags erben dabei die Auszeichnungen.

Ein Beispiel: Computer sind Elektrogeräte. Elektrogeräte hängen mit dem Thema “Stromsparen” zusammen. Desktop-PCs sind mit dem Thema Computer verknüpft. Die Suche “Stromsparen” findet daher nicht nur alle mit Computer, sondern auch die mit Desktop-Rechner ausgezeichneten Objekte.

Die Redaktion meint

Gängige Verfahren, Gedanken und Stichpunkte zu ordnen reichen von Zettelsammlungen über Gliederungen in der Textverarbeitung bis hin zum Einsatz eines Wikis. Piggydb bündelt die bekannten Arbeitsprinzipien Verlinkung und Tagging unter einer intuitiven Weboberfläche und kommt damit der Natur des menschlichen Denkens viel näher.

Bewertung

5 von 5 Sternen

Rescatux – Rettungssystem für häufige Linux-Probleme

Wenn das dringend gebrauchte Linux-System nicht mehr bootet oder Sie das Root-Passwort vergessen haben, sind weniger erfahrene Linux-Anwender dankbar für eine helfende Hand. Das Rettungs-Live-System Rescatux automatisiert kritische Rettungsaktionen.

Zumindest bei früheren Windows-Versionen war es gängige Praxis, bei Problemen gleich das ganze System neu zu installieren. Wegen seines modularen Aufbaus ist das bei einem Linux-System praktisch nie nötig, solange es nicht vollständig von der Festplatte verschwunden ist.

Allerdings muss man erst einmal wissen, wie man ein kaputtes System wieder zum Laufen bringt. Zumindest drei typischen Probleme löst das Rettungs-Live-System Rescatux (Abbildung 5) automatisch: Es reinstalliert den Boot-Manager Grub, repariert zerstörte Dateisysteme und setzt vergessene Passwörter zurück. Auch Ubuntu-Installationen, bei denen sudo nicht mehr funktioniert, bringt Rescatux wieder in Form. Als Bonus gibt es den Passwort-Reset auch für Windows-Systeme. Überschriebene Windows-Master-Boot-Records lassen sich ebenfalls wiederherstellen.

Abbildung 5: Rettungsschwimmer: Das Rescatux-Live-System bewahrt nicht mehr startende Linux-Installationen vor dem Untergang durch Neuinstallation.

Abbildung 5: Rettungsschwimmer: Das Rescatux-Live-System bewahrt nicht mehr startende Linux-Installationen vor dem Untergang durch Neuinstallation.

Der übliche Ärger

Das Problem des nicht mehr startenden Grub-Bootmanagers tritt nach jeder Windows-Neuinstallation auf, aber auch das Aufspielen eines weiteren Linux-Systems läßt ab und zu Linux-Installationen aus dem Bootmenü verschwinden. Bootet ein System wegen einer kaputten Root-Partition nicht mehr, so ist das Dateisystem möglicherweise aufgrund eines Hardware-Defekts so weit zerstört, dass auch Rescatux machtlos ist – doch ein Versuch schadet auch dann nicht.

Ein gewissenhafter Anwender braucht die Passwort-Reset-Funktion natürlich nie. Aber zumindest führt sie anschaulich vor Augen, dass ein Passwort nicht vor Angreifern mit physischem Zugang zum Rechner schützt: weder unter Linux, noch unter Windows.

Ein Pinguin geht nicht unter

Rescatux steht als ISO-Datei zur Verfügung, die sich mit den Standard-Programmen auf eine CD brennen lässt. Alternativ booten es Leser von EasyLinux direkt über die Heft-DVD. Zum Installieren auf einem USB-Stick empfehlen die Entwickler das bei Ubuntu mitgelieferte Programm Usb-Imagewriter, unter OpenSuse heißt die Entsprechung Imagewriter.

Einige Sekunden nach dem Start begrüßt Sie Rescatux mit der geöffneten Rescapp, einem Programm, das Steuerzentrale und Dokumentation kombiniert. Das Handbuch gibt es allerdings nur auf Englisch und Spanisch.

Die Buttons, die die Rescatux-Funktionen starten, ordnet das GUI übersichtlich am oberen Fensterrand an. Außer Support gibt es die schon angesprochenen Funktionen Grub, Filesystem (Dateisystem) und Passwort. Der Windows-Button leitet zu allen Windows-spezifischen Funktionen weiter.

Guter Rat ist greifbar

Besonders hervorzuheben sind Chat und Send log. Chat verbindet mit dem Rescatux-Chat-Kanal, Send log übermittelt die bei Rescatux-Operationen angefallen Log-Dateien nach http://paste.debian.net, einem freien Clipboard-Webservice.

Aus den von Rescatux übermittelten Logs lesen erfahrene Linux-Anwender im Fall der Fälle ab, was schief gegangen ist. Ein Webbrowser an Bord der Rescatux-CD hilft auch dann mit Google-Recherchen weiter, wenn im Chat kein menschlicher Ansprechpartner verfügbar ist.

Schritt für Schritt

Jeder Klick auf einen Button öffnet unten im Fenster die zugehörige Dokumentation. Englisch-Kenntnisse vorausgesetzt führt das Wizard-Interface damit auch unerfahrene Anwender zum Ziel. Eine Hürde, die es bei hardware-nahen Operationen unter Linux generell zu überwinden gilt, sind die mit sd beginnenden Kürzel für die Festplatten-Partitionen.

So steht sda1 für die erste Partition auf der ersten Platte, sdb2 die zweite Partition der zweiten Platte und so weiter. Wer hier nicht sicher ist, startet mit Preferences / Gparted im Startmenü links unten den grafischen Partitions-Editor Gparted.

Die Redaktion meint

Rescatux enthält eine grafische Oberfläche für etliche Konsolen-Programme, mit denen Anwender ihren kaputten Linux-Systemen wieder auf die Beine helfen. Tief gehendes Linux-Know-How ist für den Einsatz des Rettungs-Live-Systems nicht erforderlich. Wer sich nicht sicher ist, dass er das Reparieren des Dateisystems, das Fixen des Boot-Loaders oder das Zurücksetzen eines Passworts auch per Hand zustande bringt, sollte eine Rescatux-CD im Schrank liegen haben.

4 von 5 Sternen

Urbanlightscape – Belichtungskorrektur für Bildausschnitte

Mit Urbanlightscape, dem Spezialisten für die punktgenaue Belichtungskorrektur, hellen Sie die störenden Schlagschatten, die die tief stehende Abendsonne auf Ihren Urlaubsfotos hinterlassen hat, mit wenigen Mausklicks auf.

Jede herkömmliche Fotobearbeitungssoftware korrigiert die Belichtung eines Bilds. Was aber, wenn gar nicht das ganze Foto unterbelichtet ist, sondern bloß der Bildausschnitt im Schatten? Damit die partielle Anpassung keine hässlichen Kanten hinterlässt müssen Sie in Gimp in diesem Fall zunächst den dunklen Bereich wählen und die Übergänge zwischen ausgewählten und nicht ausgewählten Stellen verwischen.

Viel einfacher geht es mit Urbanlightscape [1], einem Spezialprogramm für die Helligkeitskorrektur von Bildausschnitten. Hier genügt ein Doppelklick ins Zentrum des zu adaptierenden Bereichs. Ziehen Sie nun die Maus mit gedrückter Taste nach oben oder unten. Urbanlightscape verändert dann die Belichtung in einem farblich zusammenhängen Bereich um den Kontrollpunkt. Für fließende Übergänge sorgt die Software automatisch.

Da die auf der Heft-DVD enthaltenen Pakete keinen Startmenüeintrag erzeugen, starten Sie das Programm mit der Eingabe von urbanlightscape in der Konsole.

Mit ein paar Klicks

Klicken und ziehen: Bei vielen Fotos führt das mehrmalige Wiederholen dieses einfachen Arbeitsschritts schon zu entscheidenden Verbesserungen. Die Software sucht selbständig nach Kanten von Objekten und errechnet daraus eine Belichtung, die ein am Kontrollpunkt platziertes Licht simuliert (Abbildung 6).

Abbildung 6: Drei Mal klicken und ziehen: Die Kontrollpunkte im Urbanlightscape-Fenster mischen Licht und Schatten neu. Ein erhöhter Schwarzwert (rechts) fügt dem aufgehellten Bildbereich Tiefenwirkung hinzu, ohne zu viele Bilddetails zu verschlucken.

Abbildung 6: Drei Mal klicken und ziehen: Die Kontrollpunkte im Urbanlightscape-Fenster mischen Licht und Schatten neu. Ein erhöhter Schwarzwert (rechts) fügt dem aufgehellten Bildbereich Tiefenwirkung hinzu, ohne zu viele Bilddetails zu verschlucken.

Das clevere Verfahren lässt sich selbst mit Gimp oder Photoshop nur schwer nachstellen: Zwar gelingt es mit etwas Aufwand, einzelne Gegenstände auf dem Foto auswählen, doch die Übergänge zwischen ausgewählten und nicht gewählten Bildbereichen lassen sich nicht gezielt an Bilddetails ausrichten.

Details im Griff

In Urbanlightscape merkt der Anwender nichts von den komplexen Berechnungen im Hintergrund. Drei Schieberegler (Abbildung 7) stehen bereit, welche die Auswahl des zu aktivierenden Ausschnitts und seinen Übergang zu unveränderten Bereichen beeinflussen: Spread (Ausbreitung), Tolerance (Toleranz) und Smoothness (Glätte).

Während Spread den Radius des Effekts anpaßt legt Tolerance fest, wie deutlich Kanten im Bild hervortreten müssen, damit sie Urbanlightscape als Objektbegrenzung wahrnimmt. Der Smoothness-Regler sorgt für glatte ober schroffere Übergänge vom Kontrollpunkt zum Randbereich hin.

Abbildung 7: Mit den Schieberegler "Spread", "Tolerance" und "Smoothness" beeinflussen Sie das Verhalten der Software auf das Bild.

Abbildung 7: Mit den Schieberegler “Spread”, “Tolerance” und “Smoothness” beeinflussen Sie das Verhalten der Software auf das Bild.

Alles außer Magie

Für Abhilfe gegen unerwünschtes Sensorrauschen beim Anheben der Helligkeit sorgen Regler Blacks und Whites, die Helligkeit und Farbintensität an den dunkelsten oder hellsten Stellen im Korrekturbereich zurückfahren. Das Aufdrehen von Blacks verdunkelt die Bildbereiche mit farbigem Rauschen des Bildsensors wieder zu Schwarz. Whites wirkt analog auf helle Bereiche, in denen die Kamera ebenfalls rauscht.

Ein paar Bilddetails verschwinden bei der Blacks– und Whites-Anpassung auch wieder. Zaubern kann auch Urbanlightscape nicht: Bildbereiche, in denen der Kamerasensor praktisch keine Helligkeitsunterschiede mehr erfasst, bleiben naturgemäss verborgen.

Zugabe

Die restlichen Funktionen in Urbanlightscape sind schnell erklärt: Der Brightness-Schieber modifiziert die Helligkeit des ganzen Bildes, der Channel Mixer unter den Light Settings verschiebt die Rot-, Grün-, und Blauanteile im vom Effekt betroffenen Bereich.

Bereits gesetzte Kontrollpunkte lassen sich nach einem Mausklick verschieben, ein Doppelklick verändert wie beim ersten Setzen die Helligkeit. Kontrollpunkte verschwinden, wenn man sie über den Bildrand hinaus zieht.

Die Redaktion meint

Urbanlightscape beherrscht zwar nur eine Bildbearbeitungsoperation, diese allerdings sehr gut. Seine gezielte Belichtungskorrektur macht Fotografen, wenn auch nur auf dem Computer, ein Stück weit von den Naturgesetzen unabhängig. In seiner Bedienung gibt sich das Programm intuitiv, jedoch fehlt ihm die Möglichkeit, Kontrollpunkte und Einstellungen für ein Bild nicht speichern. Die Software exportiert lediglich das fertige Ergebnis.

Bewertung

4 von 5 Sternen

Vorstellungen von vier weiteren Programmen finden Sie im zweiten Teil dieses Artikels.

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