Sicher chatten

RetroShare

07.10.2012
Instant Messenger verschicken Ihre Kurznachrichten unverschlüsselt im Internet. Mit RetroShare sichern Sie die Kommunikation ab und bieten Freunden Ihre Dateien zum Download an.

E-Mails sind schlecht geeignet, um schnell etwas zu besprechen, darum setzen viele Internetnutzer auf Instant-Messaging-Programme, die einen Livechat erlauben. Neben der direkten Kommunikation zwischen zwei Gesprächspartnern bieten diese oft auch Räume, in denen sich mehrere Anwender treffen können. Klassisch laufen hier alle Übertragungen unverschlüsselt ab, so dass Instant Messaging für vertrauliche Nachrichten keine gute Wahl ist.

Es gibt aber verschiedene Ansätze, auch solche Nachrichtendienste durch Verschlüsselung abzusichern, ein früher Vertreter ist das Netzwerk SILC (Secure Internet Live Conferencing), das eine sichere Alternative zum Chatsystem IRC (Internet Relay Chat) bietet. SILC haben wir 2006 in einem Artikel vorgestellt [4], es hat sich aber nicht durchsetzen können, und die letzten Überarbeitungen der SILC-Software (Client und Server) gab es 2009 [5].

Ähnlich wie beim sicheren E-Mail-Versand mit GPG sind auch beim sicheren Chatten Vorarbeiten nötig – verschlüsselte Kommunikation setzt immer voraus, dass beide Partner diesen Wunsch nach Vertraulichkeit umsetzen möchten. Sie können nicht "einseitig" entscheiden, mit jemandem verschlüsselt zu chatten, und Sie können auch nicht Ihr sonst übliches Messenger-Programm verwenden. (Eine Ausnahme gibt es: Einige Instant Messenger bieten Plug-ins für OTR-Verschlüsselung, siehe Kasten Alternativen.) Beide Seiten müssen stattdessen eine spezielle Software installieren, die verschlüsselte Verbindungen unterstützt. Wir stellen in diesem Artikel das Programm RetroShare [1] vor, das neben dem Chatten auch File Sharing und einen E-Mail-ähnlichen Dienst unterstützt.

Alternativen

Wenn Sie bereits ein Instant-Messaging-Programm wie Kopete oder Pidgin oder einen IRC-Client zum Chatten unter Linux verwenden, haben Sie auch die Möglichkeit, dort ein Verschlüsselungs-Plug-in nachzurüsten, das die Unterstützung für Off-the-record Messaging (OTR) nachrüstet; einige Anwendungen können das von Haus aus, z. B. KDEs Kopete (Abbildung 1).

Welche Schritte dafür mit Pidgin notwendig sind, beschreibt ein älterer EasyLinux-Artikel [2]. Eine Liste der IM-Clients und IRC-Chatprogramme, für die es OTR-Support gibt, finden Sie bei den OTR-Entwicklern [3].

Abbildung 1: Die Kopete-Installation enthält bereits ein OTR-Plug-in.

Ansonsten bietet auch Skype eine eingebaute Chatfunktion, und die Chatnachrichten werden (genau wie über Skype geführte Telefonate) verschlüsselt – allerdings verwendet Skype ein nicht offengelegtes Verfahren, so dass man dem Anbieter vertrauen muss.

RetroShare installieren

RetroShare ist bei Ubuntu und OpenSuse nicht in den Standard-Repositories enthalten, es ist aber unter beiden Distributionen möglich, schnell eine Paketquelle für das Programm einzurichten und die Software zu installieren – Details zur Installation aus dem Netz finden Sie im Kasten Installation übers Netz. Außerdem finden Sie RetroShare auch auf unserer Heft-DVD, was die Einrichtung erleichtert. Auf beiden Distributionen starten Sie das Programm nach der Einrichtung über das Startmenü oder indem Sie mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster öffnen und darin RetroShare eingeben.

Installation übers Netz

Ubuntu- und Kubuntu-Anwender installieren die Software am schnellsten, indem sie auf der Konsole ein spezielles Repository ergänzen: Öffnen Sie über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster und geben Sie darin die folgenden Befehle ein.

sudo add-apt-repository ppa:csoler-users/retroshare
sudo apt-get update
sudo apt-get install retroshare

Nach dem ersten Befehl müssen Sie Ihr Passwort eingeben und danach noch mit [Eingabe] bestätigen, dass Sie das neue Repository wirklich hinzufügen möchten. Auch das dritte Kommando erwartet eine Bestätigung, weil neben dem Paket retroshare auch eine benötigte Bibliothek namens libupnp3 auf die Platte wandern soll. Sie finden danach das Programm im KDE-Startmenü unter Anwendungen / Internet / RetroShare.

Unter OpenSuse ist der Ablauf ähnlich: Nach dem Eintragen eines neuen Repositorys installieren Sie das Paket (das hier retroshare-svn heißt) mit zypper:

sudo zypper addrepo http://download.opensuse.org/repositories/home:/AsamK:/RetroShare/openSUSE_12.2/home:AsamK:RetroShare.repo
sudo zypper install retroshare-svn

(Wenn Sie OpenSuse 12.1 verwenden, ersetzen Sie in dem langen Pfad die Versionsnummer 12.2 durch 12.1.) Im KDE-Startmenü taucht danach ein neuer Eintrag Anwendungen / Internet / Tauschbörse / RetroShare auf.

Ersteinrichtung

Was vor dem ersten praktischen Einsatz des Programms zu erledigen ist, hängt davon ab, ob Sie bereits ein GPG-Schlüsselpaar besitzen: Wenn Sie, wie im Artikel Briefgeheimnis ab Seite 36 beschrieben, GPG für die E-Mail-Verschlüsselung eingerichtet haben, fällt ein Schritt weg.

Findet RetroShare beim ersten Programmstart ein GPG-Schlüsselpaar, dann bietet das Programm an, dieses zu verwenden, und fragt nur nach einer Ortsbezeichnung. In diesem Fall füllen Sie nur das Feld Ort im Dialogfenster aus und klicken links unten auf Erstelle neuen Ort.

Gibt es noch kein Schlüsselpaar, füllen Sie im Dialogfenster die Felder Name, E-Mail, Passwort, Ort aus und klicken Sie dann auf Generiere neues Profil (Abbildung 2). Das Programm erzeugt dann ein neues GPG-Schlüsselpaar, was ein paar Sekunden Zeit benötigt.

Abbildung 2: Nur beim ersten Start richten Sie ein neues Profil ein. RetroShare erzeugt für Sie ein GPG-Schlüsselpaar.

Im nächsten Schritt erscheint ein kleiner Dialog, in dem Sie das im ersten Schritt gewählte Passwort (bzw. die bei einer bereits erfolgten GPG-Einrichtung gewählte GPG-Passphrase) eingeben müssen. Danach ist die Erstkonfiguration erledigt, und das Hauptfenster erscheint (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das Hauptfenster zeigt zunächst nur einen Eintrag für Sie selbst an.

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