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© Marquis, photocase.com

ARD und ZDF on demand

MediathekView: Videos von ARD, ZDF & Co.

07.10.2012
Die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland bieten fast alle Sendungen auch online an. Mit MediathekView laden Sie diese manuell oder automatisch herunter und speichern sie lokal.

Schöne neue Online-Welt: Wenn Sie eine Sendung bei ARD, ZDF & Co. verpasst haben, können Sie diese auch nach der Ausstrahlung noch anschauen, denn die Sender bieten ein Online-Archiv. Es gibt jedoch einen Haken: Weil sich private Medienunternehmen durch die gebührenfinanzierte Unterhaltung bedroht sahen, erzwangen sie vor Gericht, dass die Videos nach kurzer Zeit von den Homepages der öffentlichen Programme wieder verschwinden müssen. In den meisten Fällen ist nach sieben Tagen Schluss – wer trotzdem noch eine Sendung sehen möchte, kann nur hoffen, dass andere Benutzer die entsprechenden Videos heruntergeladen und auf YouTube gestellt haben. Anderenfalls ist die Aufzeichnung online praktisch nicht mehr zu finden.

Wer auf die Idee kommt, sich die Aufnahmen vorsorglich von den Websites herunterzuladen und zu einem späteren Zeitpunkt anzuschauen, steht vor weiteren Problemen: Jeder Sender pflegt ein eigenes Archiv, und die Bedienung der einzelnen "Mediatheken" unterscheidet sich stark voneinander. Eine unmittelbare Download-Funktion ist zudem nicht vorgesehen. Außerdem ist es umständlich, sich regelmäßig durch die verschiedenen Websites zu klicken, um interessante Sendungen zu finden: Die Menge der verfügbaren Videos ist beachtlich, und die Orientierung fällt oft schwer.

MediathekView hilft

An dieser Stelle kommt das kleine Helferlein MediathekView gelegen: Es tut im Grunde nichts anderes, als die verschiedenen Videoseiten von Sendern wie ARD und ZDF abzugrasen. Anschließend zeigt es eine Übersicht der verfügbaren Sendungen an. Der Clou ist, dass Sie unmittelbar in MediathekView eine Sendung per Mausklick anschauen oder sie herunterladen können, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu sehen. Liegt die Videodatei erstmal auf Ihrer Festplatte, spielt es keine Rolle, ob das Video selbst später aus der Mediathek des Senders verschwindet. Obendrein ist MediathekView freie Software und steht auf der Projektwebseite [1] gratis zum Download bereit. Grund genug, sich die Anwendung einmal genauer anzusehen.

MediathekView installieren

MediathekView ist eine Java-Anwendung. Das ist sehr praktisch, wenn Sie mit unterschiedlichen Betriebssystemen arbeiten müssen, denn MediathekView steht für Windows, Linux und Mac OS mit identischer Oberfläche zur Verfügung. Bevor Sie selbst loslegen können, müssen Sie sich darum kümmern, dass die Programme VLC und flvstreamer ebenfalls zur Verfügung stehen. VLC ist ein Standard-Videoplayer und liegt den gängigen Distributionen bei. Unter OpenSuse und Ubuntu genügt es, das Paket vlc zu installieren, um diese Abhängigkeit zu erfüllen.

Etwas umständlicher verhält es sich mit flvstreamer – zumindest dann, wenn Sie nicht mit einem Ubuntu-System unterwegs sind. Bei Ubuntu gehört flvstreamer zum Lieferumfang, das gleichnamige Paket liefert das Programm. OpenSuse hingegen liegt flvstreamer nicht bei. Stattdessen sind Sie hier auf rtmpdump angewiesen, das es als Paket für OpenSuse in der YaST-Auswahl gibt. Bevor Sie MediathekView zum ersten Mal starten, stellen Sie also sicher, dass auf Ubuntu-Systemen vlc und flvstreamer installiert sind; auf OpenSuse-Systemen müssen vlc und rtmpdump zur Verfügung stehen.

MediathekView selbst installieren Sie ohne Klimmzüge: Laden Sie das Programmarchiv von der Webseite einfach herunter und speichern Sie es in Ihrem Home-Verzeichnis. Bei Redaktionsschluss war die Version 3.0 aktuell, welche die Entwickler im August veröffentlicht haben – diese Version finden Sie auch auf der Heft-DVD. Die .tar.gz-Datei entpacken Sie (z. B. mit dem KDE-Archivverwalter Ark) in einen Ordner in Ihrem Home-Verzeichnis. Klicken Sie danach doppelt auf die im neuen Ordner liegende Datei MediathekView.sh, um das Programm zu starten.

MediathekView einrichten

Nach dem ersten Aufruf präsentiert MediathekView einen Dialog, in dem Sie die wichtigsten Einstellungen vornehmen. Den ersten Dialog quittieren Sie mit einem Klick auf Mit Standardeinstellungen starten, im zweiten Dialog tragen Sie beim Feld Pfad zum flvstreamer auswählen den Pfad /usr/bin/rtmpdump ein und klicken auf Weiter.

Im nächsten Dialog legen Sie fest, welche Einstellungen jeweils für die Wiedergabe und das Speichern von Videos gelten. Möchten Sie z. B. das Verzeichnis ändern, in dem MediathekView heruntergeladene Videos ablegt, klicken Sie oben auf Linux Speichern und tragen danach unten einen Zielpfad ein. Das Ändern des Standardpfades ist eine gute Idee, weil MediathekView die Videos sonst direkt in Ihr Home-Verzeichnis speichert – wenn Sie viele Videos herunterladen, führt das schnell zu Chaos.

Haben Sie alle Einstellungen erledigt, beenden Sie mit einem Klick auf Weiter die anfängliche Konfiguration und gelangen zum MediathekView-Hauptfenster. Erschrecken Sie nicht, wenn dieses anfangs etwas kahl aussieht: Nach dem ersten Start lädt MediathekView zunächst die Listen von Filmen herunter, die es Ihnen anschließend zum Sehen anbietet. Die Filmlisten kommen nicht direkt von den Fernsehsendern, sondern von den Servern des MediathekView-Projektes. Die Entwickler des Programms lassen in regelmäßigen Abständen automatisiert über eigene Skripte diese Listen zusammentragen, um den MediathekView-Nutzern die Auswahl zu erleichtern.

Das Programm aktualisiert diese Liste übrigens nicht automatisch. Sie sehen an der Anzeige unten rechts im Programm jedoch, wie alt die aktuell genutzte Liste ist. Um zu einem beliebigen Zeitpunkt ein Update dieser Liste auszulösen, klicken Sie auf das Symbol mit der Weltkugel, das Sie unter dem Datei-Eintrag in der Dateileiste sehen. Wenn sich das angezeigte Alter der Liste im Anschluss nicht ändert, bedeutet das nur, dass auf dem Server im Moment keine aktuellere Liste zur Verfügung steht.

Die Oberfläche

Unter der Menüleiste finden Sie eine Symbolleiste, die schnellen Zugriff auf die wirklich wichtigen Funktionen des Programms bietet. Darunter gibt es drei Reiter, wobei anfangs nur auf dem Reiter Filme Einträge zu finden sind. Der Filme-Tab bietet Ihnen die Übersicht über sämtliche Videos, die MediathekView zum Anschauen und zum Download anbietet (Abbildung 1). Um eine Sendung anzusehen, genügt es, doppelt auf den Eintrag in der Filmliste zu klicken: Dann startet die Wiedergabe des ausgewählten Films in einem separaten VLC-Fenster.

Abbildung 1: Das Hauptfenster von MediathekView zeigt verfügbare Sendungen, hier bei der Suche nach der Tagesschau.

Einen Film herunterladen

Wenn Sie einen Film herunterladen möchten, dann geht das so:

  1. Scrollen Sie in der Filmliste zu dem Film. Nutzen Sie dazu gegebenenfalls die Suchfunktion, indem Sie im Feld Thema oder Titel unter Filter ein Stichwort eintragen.
  2. Wenn Sie den gewünschten Beitrag gefunden haben, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Eintrag und wählen aus dem Kontextmenü den Eintrag Film speichern aus.
  3. Wechseln Sie zum Reiter Downloads. Hier finden Sie eine Liste aller heruntergeladenen Filme; in den Spalten Dateiname und Pfad steht, wo der Film auf der Festplatte liegt (Abbildung 2). Leider zeigt MediathekView keinen Fortschrittsbalken an, so dass Sie das Ende des Downloads nur daran erkennen können, dass die Zieldatei nicht mehr größer wird.

    Abbildung 2: Unter "Downloads" sehen Sie, welche Videos MediathekView gerade herunterlädt. Bei langsamen Leitungen empfiehlt es sich, nicht zu viele Videos gleichzeitig zu laden.
  4. MediathekView speichert Dateien in der Standardeinstellung als MP4-Dateien – diese Dateien spielen Sie mit jedem beliebigen Videoplayer ab.

Abos mit MediathekView verwalten

Eines der praktischen Features von MediathekView ist die Option, regelmäßig wiederkehrende Sendungen als Abos einzubinden. Möchten Sie z. B. zur Sicherheit die Tagesschau jeden Abend herunterladen, um sie nachträglich anzuschauen, wenn Sie nicht rechtzeitig zu Hause waren, dann ist die Abo-Funktion genau dafür vorgesehen. Ein Abo richten Sie wie folgt ein:

  1. Wechseln Sie zum Reiter Filme und geben Sie oben bei Filter den Titel "Tagesschau" in das Feld Thema oder Titel ein. Drücken Sie [Eingabe], um die Suche zu starten.
  2. MediathekView zeigt eine große Anzahl an Sendungen an. Navigieren Sie zu einem Eintrag, der Ihrem Wunsch entspricht (im Beispiel eine Tagesschau um 20:00 Uhr).
  3. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf diesen Eintrag und wählen Sie im Kontextmenü Abo / Abo mit Sender und Thema und Titel anlegen aus. Das Programm erstellt Abos anhand des Senders, des Themas und des Titels aus seinen Programmlisten. Wollen Sie also eine regelmäßig wiederkehrende Sendung aufnehmen, müssen Sie darauf achten, dass diese Werte genau den Vorgaben der Sendung entsprechen (Abbildung 3).

    Abbildung 3: Über diesen Dialog fordern Sie MediathekView auf, Sendungen mit dem Thema "Tagesschau", die um 20.00 gesendet werden, automatisch aufzunehmen.
  4. Klicken Sie abschließend auf Ok. Danach können Sie zur Kontrolle zum Reiter Abos wechseln – dort sollte das angelegte Abo bereits zu sehen sein.
  5. Möchten Sie ein Abo wieder löschen, wählen Sie auf dem Abos-Reiter das Abo aus und klicken auf das große rote Kreuz in der Symbolleiste. Wollen Sie das Abo nur deaktivieren (aber nicht löschen), führt ein Klick auf das schwarze Kreuz zum Ziel. Um dieses Abo später zu reaktivieren, genügt ein Klick auf den grünen Haken.

Wenn's mal wieder länger dauert

MediathekView erlaubt auch mehrere simultane Downloads. Dabei ist zu beachten, dass auch kurze Sendungen zu durchaus großen Dateien führen können: Eine rund 45-minütige Dokumentation belegt auf der Platte ungefähr 1 GByte Platz. Das Downloadfenster von MediathekView funktioniert wie eine Warteschlange: Je mehr Filme Sie im Filme-Tab auswählen, desto länger wird die Schlange. Beim Benutzen der Funktion für simultane Downloads ist aber auch Vorsicht geboten: Zu viele gleichzeitige Downloads können dazu führen, dass die Leitung für normales Surfen im Netz nicht mehr zu gebrauchen ist. Darum ist es sinnvoll, einen guten Mittelweg zu finden. Das Fenster, in dem Sie die maximale Anzahl erlaubter Downloads eintragen, erreichen Sie über den Menüpunkt Downloads / Anzahl gleichzeitige Downloads. Sie tragen die gewünschte Zahl dann in das Zahlenfeld ein, das Sie bei diesem Menüeintrag sehen.

Mehr Einstellungen im Konfigurationsdialog

Über den Einstellungsdialog können Sie noch verschiedene Parameter genauer festlegen, um das Programm an Ihre Wünsche anzupassen. Sie erreichen diesen Dialog über den Menüpunkt Datei / Einstellungen. Wenn Sie zum Beispiel einen Proxy-Server nutzen, um ins Internet zu kommen, richten Sie diesen unter Netzwerk ein. Unter Allgemein haben Sie die Möglichkeit, dem Tool ein neues Aussehen zu verpassen: Neben Look and Feel findet sich dort ein Drop-down-Menü, das verschiedene Themes anbietet. Nimbus ist vor allem für KDE-Systeme eine gute Wahl und sorgt dafür, dass MediathekView sich deutlich besser in den Desktop einpasst (Abbildung 4).

Abbildung 4: Im Konfigurationsdialog von MediathekView legen Sie verschiedene Einstellungen des Programms fest – beispielsweise seine Optik.

Fazit

MediathekView ist ein großartiges Werkzeug, um den Löschaktionen der diversen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zu entkommen. Wenige Mausklicks reichen aus, um eine komplette Sendung lokal zu speichern, damit Sie diese später ansehen können. Die Abofunktion ist ebenfalls pfiffig, denn damit können Sie z. B. Serien automatisiert aufnehmen, ohne sich um jede Folge separat zu kümmern. So werden Sie sehenswerte Sendungen von ARD, ZDF & Co. in Zukunft nicht mehr verpassen.

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