Besser arbeiten mit KDE

KDE-Tipps

07.10.2012
KDE wird von Version zu Version komfortabler. Wir konzentrieren uns in diesem Beitrag auf nicht alltägliche, aber überaus nützliche neue Funktionen in KDE 4.9.0.

Das von Kritikern gern gegen KDE vorgebrachte Argument, ein stetiger Anstieg der Anzahl von Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten überfordere den Einsteiger, lässt sich leicht entkräften, denn KDE "funktioniert" im Alltagsbetrieb auch ohne weitere Konfiguration. Neue Funktionen müssen Sie schon aktiv suchen, werden dann bisweilen aber mit Interessantem und Nützlichen belohnt. Eine neue KDE-Version gelangt in der Regel durch ein Major-Release-Update der verwendeten Distribution auf Ihre Festplatte. Ein manuelles, vorzeitiges Installieren von KDE über Backports oder aus den Quellen ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Manchmal bringt ein bewusster und gezielter Blick auf die jeweiligen Neuerungen Verblüffendes, Interessantes und Nützliches hervor, so wie in der aktuellen KDE-Version 4.9.x.

Tipp: Update auf KDE-Version 4.9.x

Um Ihnen die Neuerungen von KDE SC 4.9.0 (die inzwischen verfügbare KDE-Version 4.9.1 bringt nur Fehlerkorrekturen) präsentieren zu können, haben wir KDE entgegen unserer Empfehlung durch Einbinden des zugehörigen Backport-PPAs unter Kubuntu 12.04 installiert. Mit Erscheinen dieses Beitrages sollte KDE 4.9.0 allerdings standardmäßig in Kubuntu 12.10 verfügbar sein. OpenSuse 12.2 enthält KDE 4.8.4, die 4.9er Version lässt sich dort aber nachinstallieren.

Wer KDE 4.9.0 unter Kubuntu 12.04 ausprobieren möchte, kann das Update ganz komfortabel über die Paketverwaltung (Apper oder Synaptic) installieren. Voraussetzung ist lediglich, dass Sie die erwähnte Backport-Paketquelle einbinden. Das geht am schnellsten in einem mit [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole geöffnetem Terminalfenster, in dem Sie den Befehl

sudo add-apt-repository ppa:kubuntu-ppa/backports

ausführen. Anschließend stehen Ihnen die KDE-4.9.0-Pakete im Paketmanager zur Verfügung, und Sie müssen die betreffenden Pakete lediglich zum Aktualisieren markieren, sofern Sie nicht ohnehin automatische Updates erlaubt haben, damit Ihnen Kubuntu das Update als Aktualisierung vorschlägt.

Tipp: Basics: Synaptic unter KDE

Zwar ist Apper das Standardpaketwerkzeug unter KDE/Kubuntu und für den Alltagsgebrauch auch ausreichend, das gute alte Synaptic ist aber – zumindest bei auf Debian basierenden Distributionen wie Ubuntu – ungleich leistungsfähiger und komfortabler. Wenn Sie den durch das Installieren eines GTK-Programms unter KDE bedingten Overhead nicht scheuen, können Sie Synaptic – wie übrigens auch Ubuntus Software Center – problemlos unter Kubuntu installieren und nutzen. Das geht am schnellsten durch Eingeben von

sudo apt-get install synaptic

in ein Terminalfenster oder durch Auswählen von Synaptic in Apper, wie in Abbildung 1 zu sehen.

Abbildung 1: Die GTK-Paketverwaltung können Sie auch unter Kubuntu installieren und nutzen.

Tipp: Basics: Paketquellen aktualisieren

Die Backport-Paketquelle für KDE 4.9.0 können Sie dann optional auch unter Synaptic im Menü Einstellungen / Paketquellen mit einem Klick auf Hinzufügen im Reiter Andere Software hinzufügen. Sie müssen nur im sich öffnenden Dialog APT-Zeile von Hand den Eintrag

deb http://ppa.launchpad.net/kubuntu-ppa/backports/ubuntu precise main

hinzufügen und auf die Schaltfläche Software-Pakequelle hinzufügen klicken (Abbildung 2).

Abbildung 2: Paketquellen können Sie auch unter Synaptic hinzufügen, müssen aber auch hier die korrekte Schreibweise beachten.

Anschließend lesen Sie die neue Paketquelle mit einem Klick auf das Symbol Neu laden in der Werkzeugleiste ein. Auf der Konsole erledigen sie das durch Eingeben von sudo apt-get update. Übrigens lässt sich Synaptic auch auf RPM-basierenden Distributionen wie OpenSuse oder Fedora installieren, bringt hier aber kaum Vorteile.

Tipp: Basics: KDE 4.9.0 installieren

Jetzt ist es problemlos möglich, KDE SC 4.9.0 unter Synaptic als Aktualisierung auszuwählen. Je nach Einstellung wird Ihnen eine solche kurze Zeit nach dem Aktivieren der Paketquelle automatisch angeboten, oder Sie wählen in Synaptic im Navigationsbereich links den Filter Ursprung und dann in der Paketquellenliste darüber den Eintrag LP-PPA-kubuntu-ppa-backports/precise (Abbildung 3). Sie können dann rechts die zu aktualisierenden Pakete markieren und in der Symbolleiste auf Anwenden klicken.

Abbildung 3: KDE 4.9.0 lässt sich im Paketmanager als Aktualisierung installieren.

Tipp: Dolphin: Bewertungen einschalten

Die neue Version 2.1 des Standard-Dateimanagers Dolphin in KDE 4.9.0 bringt eine Reihe von Verbesserungen im Umgang mit Metadaten wie etwa Rating und Tags. KDE-Nutzer können bekanntlich jede beliebige Datei im Dateimanager "bewerten". Das bietet sich vor allem bei Dateien an, die Sie mit anderen Nutzer teilen, wie etwa Bildern oder Wallpapers. Sollten Bewertungen im von Ihnen gewählten Ordner nicht angezeigt werden, mussten Sie bei älteren Dolphin-Versionen wie folgt vorgehen: Sie markierten die gewünschte Datei oder das gewünschte Verzeichnis im Dateimanager und wählten im Kontextmenü (Rechtsklick) den Eintrag Eigenschaften. Dann wechselten Sie hier zum Reiter Informationen und klickten dann auf den Link Einrichten. Dolphin zeigte dann im Dialog Anzuzeigende Elemente einrichten für sämtliche darstellbare Eigenschaften, Attribute und Meta-Informationen ein Ankreuzfeld, unter anderem auch für Bewertungen (Abbildung 4). Das eigentliche Setzen einer Bewertung oder eines Kommentars erledigten Sie direkt im Reiter Informationen, indem Sie z. B. auf die Zahl der zu setzenden Sternchen klickten, die dann ihre Farbe von ausgegraut auf gelb wechselten.

Abbildung 4: Der klassische Weg, Ratings einzublenden, ist etwas lang.

Beim neuen Dolphin können Sie zum Anzeigen von Bewertungen und anderen Meta-Informationen auch das Service-Menü Ansicht / Zusätzliche Informationen benutzen und dort die gewünschte Option, z. B. "Rating" oder "Tags" durch einfaches Setzen des entsprechenden Häkchen aktivieren (Abbildung 5).

Abbildung 5: Unter Dolphin 2.1 gelingt das Anzeigen von Bewertungen via Service-Menü.

Auf genauso komfortable Weise ist es z. B. auch möglich, den jeweiligen kompletten Pfad und die vollständigen Berechtigungen in der Icon-Darstellung einzuschalten. (Abbildung 6)

Abbildung 6: Dolphin 2.1 zeigt Pfad und Bewertung in der Symbol-Darstellung.

Tipp: Dolphin: Service-Menü erweitern

Das so genannte Service-Menü Ansicht / Zusätzliche Informationen hat unter Dolphin 2.1 in KDE 4.9.0 eine Reihe zusätzliche Einträge und Funktionen erhalten. So kann Dolphin jetzt außer mit den Versionsverwaltungssystemen GIT, SVN und CVS auch mit Mercurial umgehen. Das ist zwar vorrangig für Entwickler interessant, aber auch für Nutzer, falls Sie etwa eine brandneue Software direkt aus einem Versionsverwaltungssystem "auschecken" wollen oder müssen. Viele neue Funktionen unter Dolphn sind KDE-typisch als Dienste realisiert, die Sie – sofern nicht per Default aktiviert – vor deren Anzeige im Service-Menü zunächst unter Einstellungen / Dienste per Häckchensetzen aktivieren müssen (Abbildung 7).

Abbildung 7: Dolphin 2.1 versteht jetzt auch "Mercurial".

Tipp: Dolphin: Zusätzliche Dienste

Wie bei vielen KDE-Programmen und -Komponenten lässt sich der Funktionsumfang von Dolphin durch das Hinzufügen von Diensten erweitern. Die auf diese Weise ergänzten Funktionen finden sich nicht nur im Sevice-Menü, sondern auch an vielen anderen Stellen, etwa im Kontextmenü einer markierten Datei. Ein klassisches Beispiel ist etwa das Kontextmenü Komprimieren, in dem Sie auf einfache Weise zip-, rar- oder tar-Archive der markierten Dateien erstellen können. Bei der Version 2.1 in KDE 4.9.0 hat sich die Anzahl der in Einstellungen / Dolphin einrichten unter Dienste zur Verfügung stehenden Erweiterungen noch einmal deutlich erhöht (Abbildung 8).

Abbildung 8: Dolphin 2.1 bringt in KDE 4.9.0 zahlreiche neue Dienste mit.

Der Dienste-Dialog enthält in der neuen Version 4.9 aber noch viele weitere neue Funktionen. Mit der Schaltfläche Neue Dienste herunterladen können Sie zudem zusätzliche Erweiterungen aus dem Internet holen (Abbildung 9). Wie auch anderswo in KDE üblich, lässt sich die Auswahl nach Bewertung, Neuheit, häufigstes Downloads usw. sortieren bzw. einschränken.

Abbildung 9: Dolphin holt auf Wunsch zusätzliche Erweiterungen aus dem Internet.

Die aus dem Internet installierten Dolphin-Erweiterungen funktionieren auch in älteren Dolphin-Versionen. Unter den externen Erweiterungen gibt es zahlreiche Schätze, eine interessante Auswahl präsentiert der Kasten Externe Erweiterungen für Dolphin.

Tipp: Kontact: Thunderbird-Import

Die neue Kontact-Version in KDE 4.9.0 kann E-Mails, Filter, Kontakte und Termine aus Thunderbird und Evolution importieren. Möchten Sie beispielsweise Ihre Thunderbird-Mails unter KDE in KMail importieren, wechseln Sie in Kontact ins E-Mail-Modul, rufen den Menüpunkt Datei / Nachrichten importieren auf und wählen danach im Dialog KMailCVV im zuständigen Listenauswahlfeld statt KMail Archivdatei importieren den Eintrag Importieren der lokalen Mails und der Ordnerstruktur von Thunderbird/Mozilla aus (Abbildung 10).

Abbildung 10: Dolphn 2.1 importiert von Thunderbird.

Wählen Sie dann den Zielordner mit einem Klick auf das Ordnersymbol neben Select Folders (z. B. Posteingang) und nach einem Klick auf Weiter den Profilordner Ihrer lokalen Thunderbird-Installation, in der Regel $HOME/.thunderbird/xxxxxxx.default. Das Ergebnis landet dann im Unterverzeichnis Thunderbird-Import im Posteingang, mitsamt der kompletten IMAP-Verzeichnisstruktur. Arbeiten Sie in Thunderbird mit mehreren E-Mail-Konten, sortiert der Import-Assistent die importierten Nachrichten nach Konten.

Abbildung 11: KMail sortiert die importierten Thunderbird-Mails nach Konten.

Eine weitere Neuerung in Kontact ist das Backup- und Restore-Tool für E-Mails, Konfigurationsdaten und Metadaten. Ferner verfügt insbesondere KMail mit Ktnef über einen neuen Betrachter für Anhänge, und Kontact beherrscht das Integrieren Ihrer Google-Kontake und Google-Kalender.

Tipp: Okular: PDF-Dateien mit Anmerkungen

Ebenfalls neu in KDE 4.9.0 ist, dass der KDE-eigene Dokumentenviewer Okular in der Version 0.15.0 jetzt in der Lage ist, Anmerkungen in PDF-Dokumenten zu speichern und auszudrucken. Zum Einfügen von Anmerkungen rufen Sie den Menüpunkt Extras / Rezensionen auf oder drücken [F6]. Okular präsentiert dann eine Symbolleiste zum Einfügen verschiedener Anmerkungen. Beim Markieren mit der Maus erkennt Okular sogar selbständig Grenzen, wie zum Beispiel Absatzenden (Abbildung 12).

Abbildung 12: Der KDE-PDF-Viewer Okular ist in der Lage, Anmerkungen in PDF-Dokumenten zu speichern.

Tipp: Konsole: Suchen aus Markierung

Viele weitere Neuerungen in KDE 4.9.0 erschließen sich nicht unbedingt auf dem ersten Blick. Interessant sind beispielsweise eine Reihe neuer Funktionen der Konsole. So können Sie jetzt direkt aus der Konsole heraus nach einem markierten Textelement suchen. Markieren Sie dazu das gewünschte Textfragment mit der Maus direkt im Konsole-Fenster, wählen Sie im Kontextmenü (Rechtsklicks) den Eintrag Nach "xxxxxx" suchen mit und dann im aufklappenden Untermenü den gewünschten Suchdienst, etwa Google oder Wikipedia (Abbildung 13).

Abbildung 13: In KDE 4.9.0 können Sie die Ausgabe der Konsole komfortabel als Suchbegriff nutzen.

Tipp: Konsole: Verzeichnis per Drag & Drop öffnen

Ferner ist es jetzt in der Konsole möglich, dass Sie ein beliebiges Verzeichnis aus Dolphin heraus via Drap & Drop auf das Konsolen-Fenster fallen lassen. KDE bietet dann automatisch ein Kontextmenü an, aus dem heraus Sie z. B. mit Ordner wechseln zu in der Shell in diesen Ordner wechseln können.

Tipp: Konsole: Mit Tabs jonglieren

Haben Sie in der Konsole mehrere Tabs geöffnet, können Sie diese ganz bequem mit der Maus via Drag & Drop sortieren. Darüber hinaus können Sie jeden Tab über den Menüpunkt Datei / Unterfenster duplizieren" klonen, wobei exakt das gleiche Anzeigeprofil zum Einsatz kommt – solche Profile legen z. B. die Vorder- und Hintergrundfarbe in der Shell fest.

Externe Erweiterungen für Dolphin

In Dolphin ist es im Menü Einstellungen / Dienste mit der Schaltfläche Neue Dienste herunterladen möglich, externe Erweiterungen für Dolphin aus dem Internet zu installieren. Nützlich ist unter Kubuntu z. B. das Ubuntu One Dolphin Plug-in.

Haben Sie das Plug-in mit einem Klick auf die gleichnamige Schaltfläche installiert, können Sie ab sofort jeden beliebigen Ordner in Dolphin über das Kontextmenü Ubuntu One mit Ihrem Online-Speicher synchronisieren. Bei einer Datei haben Sie über das Kontextmenü wahlweise die Möglichkeit, diese zu veröffentlichen und dabei den Web-Link zu kopieren.

Laden Sie sich auf die gleiche Weise die Erweiterung DropBox ServiceMenü herunter, stehen Ihnen ebenfalls per Dolphin-Kontextmenü eine Reihe von komfortablen Funktionen für den Zugriff auf Ihre Dropbox zur Verfügung. So können Sie etwa eine Datei oder ein Verzeichnis mit den ersten beiden Einträgen wahlweise in Ihren öffentlichen DropBox-Ordner kopieren oder verschieben und die URL jeweils in Klipper einfügen. Außerdem haben Sie über das Kontextmenü die Möglichkeit, eine öffentliche URL zu erzeugen oder diese via KMail oder Google Mail zu versenden (Abbildung 14).

Abbildung 14: Dolphin unterstützt via Erweiterung auch die direkte Interaktion mit Ihrer DropBox.

Ebenfalls nützlich ist das Servicemenü audiokonverter, über das Sie Audiodateien per Rechtsklick schnell in eines der zahlreichen unterstützten Formate (darunter MP3, OGG, AMR, AAC, M4R, FLAC, WMA, Realaudio und Musepack) umwandeln können. Es setzt allerdings voraus, dass die Pakete ffmpeg, oggenc, faad, faac, flac, mplayer und lame installiert sind.

Wünschen Sie sich den gleichen Komfort auch für Videoformate, installieren Sie die Dolphin-Erweiterung kde-services. Die Erweiterung fügt neben einem leistungsfähigen Videokonverter gleich ein ganzes Bündel an Funktionen ins KDE-Servicemenü ein. Details offenbart ein Klick auf das Infosymbol der Erweiterung kde-Services im Dialog Neue Erweiterungen herunterladen. Diese Erweiterung ist allerdings bei vielen Distributionen bereits aktiviert.

Ebenfalls sehr nützlich ist die Erweiterung Tunderbird Service Menu. Ist sie installiert, können Sie in Dolphin jede beliebige Datei über das Kontextmenü als Anhang an eine Thunderbird-E-Mail anhängen (Abbildung 15).

Abbildung 15: Dank der Thunderbird-Erweiterung verschickt Dolphin Dateien auch als Anhang via Thunderbird und nicht nur mit KMail.

Das funktioniert analog zur mit KMail verknüpften Standardfunktion Aktionen / Als E-Mail-Anhang versenden, diesmal mit dem Kontextmenü-Eintrag Aktionen / Verschicken als Anhang mit Thunderbird.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare