Vertraulich!
Grundlagen der Verschlüsselung
Den Versand einer E-Mail im Internet vergleicht man oft mit der klassischen Postkarte: Beide enthalten eine Empfängerangabe, ohne die das Mailsystem (bzw. die Postmitarbeiter) keine Chance hätten, die Nachricht zuzustellen, und in beiden Fällen ist die eigentliche Botschaft für jeden lesbar, der die Mail oder Postkarte in die Hand bekommt. Darum verschickt man vertrauliche Botschaften nicht als Postkarten, sondern steckt sie in einen Briefumschlag und hofft, dass diesen niemand öffnet.
Nicht nur für E-Mails, sondern auch viele andere Internetdienste gilt, dass die Nachrichten im Klartext übertragen werden. Damit hat jeder, der z. B. im Netzwerk einen Sniffer installieren kann, die Möglichkeit, solche Nachrichten abzufangen und zu lesen, eventuell sogar verändert weiter zu geben. Das ist unschön und damit einer der Gründe, aus denen es Verschlüsselungstechniken gibt.
Verschlüsselt
Ein ganzer Teilbereich der Informatik, die so genannte Kryptographie (griechisch: geheim schreiben), beschäftigt sich damit, wie man Botschaften von einem Sender zum Empfänger bringen kann, ohne dass Dritte (die wir als Angreifer bezeichnen) die Nachricht lesen oder verändern können.
Verschlüsselung läuft dabei immer so ab, dass mit einem festgelegten Verfahren die Nachricht vor dem Versand in eine unlesbare, verschlüsselte Form umgewandelt wird. Diese macht sich dann auf die Reise, und der Empfänger muss sie zunächst entschlüsseln (also die Verschlüsselung rückgängig machen), bevor er sie lesen kann (Abbildung 1). Die ursprüngliche Botschaft nennt man immer "Klartext", für die verschlüsselte Variante ist der Begriff "Geheimtext", manchmal auch das englische Wort "Ciphertext" üblich.
Nun kann ein Angreifer den Geheimtext während der Übertragung immer noch abfangen, darum ist es wichtig, dass er ihn nicht mit geringem Aufwand entschlüsseln kann (Abbildung 2). Deshalb hängt das Ergebnis einer Verschlüsselung nie nur vom Klartext ab, sondern man setzt zusätzlich einen Schlüssel (oder ein Schlüsselpaar) ein: Tauscht man den Schlüssel aus, ändert sich auch der erzeugte Geheimtext.
In einfachen Verschlüsselungsverfahren müssen sich Sender und Empfänger auf einen gemeinsamen Schlüssel einigen, der sowohl zum Ver- als auch zum Entschlüsseln benutzt wird. Solche Verfahren heißen "symmetrisch", weil sie in beiden Richtungen denselben Schlüssel verwenden. Einen gemeinsamen Schlüssel zu verwenden, macht aber die Aufgabe komplizierter, wenn Sender und Empfänger sich nicht vorab treffen können, um diesen Schlüssel zusammen auszuwählen. Es ist dann ein separater (sicherer) Kommunikationsweg nötig.
Asymmetrische Verschlüsselung
Darum gibt es als Alternative die asymmetrischen (nicht-symmetrischen) Verschlüsselungsverfahren, die immer ein Schlüsselpaar einsetzen: Jeder Teilnehmer in einem solchen System besitzt sowohl einen privaten als auch einen öffentlichen Schlüssel. Der öffentliche dient zum Verschlüsseln einer Botschaft, mit dem privaten erhält man später den Klartext zurück (Abbildung 3). Solange Sie nur selbst mit Klar- und Geheimtexten experimentieren, reicht dieses eine Schlüsselpaar aus; Sie können damit aber keine Nachrichten für eine andere Person verarbeiten: Würden Sie eine Nachricht mit Ihrem eigenen öffentlichen Schlüssel verschlüsseln und dann verschicken, könnte der Empfänger damit nichts anfangen – ihm fehlt der private Schlüssel zum Entschlüsseln. Sie brauchen in dieser Situation stattdessen den öffentlichen Schlüssel des Empfängers.
Die Namen für die Schlüssel sind also passend gewählt:
- Jeder hält seinen privaten Schlüssel geheim, denn er dient dazu, Nachrichten zu entschlüsseln, die an ihn gerichtet sind.
- Den öffentlichen Schlüssel macht man öffentlich, man kann ihn z. B. anderen Personen schicken, auf die eigene Webseite stellen oder bei speziellen Servern hinterlegen, die genau für diese Aufgabe eingerichtet wurden: Im Idealfall hat jede Person Zugriff auf den öffentlichen Schlüssel einer Person und kann damit Nachrichten verschlüsseln, die an diese geschickt werden sollen.
Bei diesen Verfahren müssen sich Sender und Empfänger also nicht vorher über einen gemeinsamen Schlüssel abstimmen, darum eignen sie sich besonders gut für den Versand von Mails – auch an Empfänger, mit denen man bisher gar keinen Kontakt hatte, sofern sich deren öffentlicher Schlüssel beschaffen lässt.



