Effizienter arbeiten mit Gimp

Anwender-Tipps und kleine Kniffe zu Gimp

07.10.2012
In den Gimp-Tipps stellen wir nützliche Funktionen und Arbeitstechniken vor. Diesmal geht es um Belichtungskorrekturen mit Ebenenmodi, einen Infraroteffekt, das Anpassen des Werkzeugkastens und das neue Käfig-Transformationswerkzeug.

Tipp: Belichtungskorrektur mit Ebenenmodi

Gimp enthält die notwendigen Werkzeuge, um falsch belichtete Bilder schnell zu verbessern. In diesem Tipp erfahren Sie, wie Sie mit Hilfe des Ebenenstapels über- oder unterbelichtete Bilder optimieren. Möchten Sie eine Überbelichtung korrigieren, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Öffnen Sie das zu bearbeitende Bild über Datei / Öffnen ([Strg]+[O]). Alternativ ziehen Sie die entsprechende Bilddatei mit der Maus einfach auf den Gimp-Werkzeugkasten.
  2. Den Ebenendialog öffnen Sie mit [Strg]+[L] oder über den Menüpunkt Fenster / Andockbare Dialoge / Ebenen.
  3. Erstellen Sie ein Duplikat der Bildebene mit dem Ausgangsfoto. Relativ schnell erledigen Sie diese Aufgabe mit einem Klick auf das Ebenensymbol Ein Duplikat dieser Ebene erstellen und zum Ebenenstapel hinzufügen.
  4. Wählen Sie die duplizierte Ebene an. Eine übliche Methode ist ein einfacher Mausklick in die betreffende Ebene im Stapel. Welche Ebene aktiv ist, erkennen Sie an der andersfarbig hinterlegten Zeile im Ebenenstapel.
  5. Nun geht es ans Ausgleichen der Überbelichtung. Hierzu stellen Sie den Modus der obersten Ebene auf Multiplikation. Dieser Modus hat eine stärkere Wirkung als Nur Abdunkeln. Sie können ihn mit Hilfe des Reglers für die Deckkraft der Ebene auch gut dosieren, falls das Ergebnis zu dunkel ausfällt (Abbildung 1).

Manchmal werden dennoch bestimmte Bildbereiche durch die Multiplikation zu dunkel, während der Rest passt. Selbst der Deckkraftregler bringt dann nicht viel Besserung, weil sich die Anpassung auf das gesammte Bild auswirkt. In diesem Fall hellen Sie entsprechende Bildstellen einfach mit einer Ebenenmaske auf:

  1. Mit einem rechten Mausklick auf die oberste Ebene rufen Sie das Kontextmenü der Ebene auf. Rufen Sie hier den Menüpunkt Ebenenmaske hinzufügen auf. Im nachfolgenden Dialogfenster wählen Sie zur Initialisierung der Ebenenmaske die Option Weiß (volle Deckkraft) aus. Bestätigen Sie den Vorgang über die Schaltfläche Hinzufügen.
  2. Mit dem Pinselwerkzeug ([P]) und einer weichen Pinselspitze hellen Sie die dunklen Stellen auf. Malen Sie dazu die aufzuhellenden Stellen mit schwarzer Vordergrundfarbe und passender Pinselgröße nach. Zu starke Kontraste vermeiden Sie, indem Sie die Pinsel-Deckkraft in den Werkzeugeinstellungen auf mindestens 50 Prozent reduzieren.
  3. Sichern Sie das Bild zum Abschluss über Datei / Exportieren und die Auswahl eines beliebigen Dateiformats.

    Abbildung 1: Mit Hilfe verschiedener Ebenenmodi lassen sich falsch belichtete Bilder gut reparieren. Die Ebenenmaske sorgt dafür, dass bestimmte Bereiche nicht zu stark korrigiert werden.

Eine Unterbelichtung stellen Sie wie folgt ab:

  1. Führen Sie zunächst die Schritte 1 bis 4 aus der Anleitung für überbelichtete Bilder aus.
  2. Um die Unterbelichtung zu korrigieren, wählen Sie beim Modus der obersten Ebene die Auswahl Bildschirm aus. Dabei wird das Bild nicht wie bei der Multiplikation verdunkelt, sondern aufgehellt. Auch hier optimieren Sie das Ergebnis mit dem Deckkraft-Regler. Um bestimmte Bereiche, die durch die Anpassung zu hell wirken, wieder abzudunkeln, setzen Sie die Ebenenmaske ein. Das funktioniert wie in den Schritten 6 und 7 aus der ersten Anleitung – beachten Sie jedoch, dass Sie bei der Unterbelichtung die zu hellen Bereiche übermalen müssen.
  3. Abschließend sichern Sie die Änderungen am Bild mit der Tastenkombination [Umschalt]+[Strg]+[E] in ein beliebiges Dateiformat.

Tipp: Nachträglicher Infraroteffekt

Wer nicht die Möglichkeit hat, mit seiner Digitalkamera Infrarotaufnahmen zu machen, erzeugt diesen tollen Effekt nachträglich mit Gimp. Vor allem Landschaftsaufnahmen sind hervorragend für die Umsetzung dieses Tipps geeignet. Da dieser Vorgang jedoch zu sichtbaren Bildstörungen führt, sollten Sie als Ausgangsmaterial nur hochwertige Aufnahmen verwenden, damit die Artefakte nicht zu stark ins Gewicht fallen.

Durch den Einsatz des Kanalmixer (Farben / Komponenten / Kanalmixer) erzeugen Sie die typischen Infraroteffekte. Grüne Flächen werden hierbei fast weiß dargestellt und blaue Bereiche abgedunkelt. Öffnen Sie den Kanalmixer-Dialog und aktivieren Sie die Vorschau sowie die Option Monochrom. Letztere sorgt dafür, dass das Bild schwarz-weiß dargestellt wird. Nun stellen Sie den Regler für Rot auf den Wert 120 ein. Bei Grün wählen Sie den höchsten Wert 200 und bei Blau den niedrigsten Wert -200. Das Ergebnis sollte ähnlich wie in Abbildung 2 wirken.

Abbildung 2: Den ungewöhnlichen Infraroteffekt erzeugt man in Gimp mit extremen Tonwerteinstellungen im Kanalmixer.

Nehmen Sie bei Bedarf noch ein paar geringfügige Anpassungen im roten Kanalbereich vor, bis Sie mit dem Resultat zufrieden sind. Möchten Sie die Effekteinstellung für spätere Bildbearbeitungen wieder verwenden, sichern Sie diese einfach über die Schalftläche Speichern: Es öffnet sich der Dialog Kanalmixereinstellungen speichern. Vergeben Sie einen passenden Namen und den Ort, wo dieser gespeichert werden soll, bevor Sie auf Speichern klicken. Später lassen sich die Einstellungen jederzeit im Kanalmixer-Dialogfenster über Öffnen aufrufen.

Tipp: Karikaturistische Verzerrungen

Seit Gimp 2.8 befindet sich im Werkzeugkasten das neue Käfig-Transformation-Werkzeug ([Umschalt]+[G]). Mit diesem tollen Tool verändern Sie nicht nur die Form von Objekten, sondern erzeugen auch witzige Verzerrungen. In diesem Tipp erfahren Sie, wie leicht das geht.

Mit einem doppelten Mausklick auf das Werkzeugsymbol aktivieren Sie das Werkzeug und öffnen gleichzeitig die Werkzeugeinstellungen. Handelt es sich bei dem Ausgangsbild bereits um ein freigestelltes Objekt, bearbeiten Sie dieses ohne großen Zusatzaufwand. Setzen Sie das Werkzeug bei nicht freigestellten Bildbereichen (wie in Abbildung 3) ein, ist zusätzliche Retusche-Arbeit notwendig. Wer sich ausgiebig mit den aktuell noch recht wenigen Funktionen auseinandersetzt und etwas übt, erreicht mit dem Filter schon gute Ergebnisse.

Klicken Sie mit der Maus ins Bild, um einen Knotenpunkt zu erzeugen, und bauen Sie so um das zu verzerrende Objekt einen Auswahlbereich auf. Einzelne Knotenpunkte können Sie jederzeit verschieben und bearbeiten, wenn in den Werkzeugeinstellungen die Option Den Käfig erstellen oder anpassen aktiv ist. Sind Sie damit fertig, aktivieren Sie Den Käfig zum Deformieren des Bildes deformieren. Sobald Sie die einzelnen Knotenpunkte neu positionieren, sehen Sie die Verzerrung direkt im Bild. Den Vorgang beenden Sie, indem Sie [Eingabe] drücken. Tun Sie dies nicht und klicken auf ein anderes Werkzeug, gehen die Anpassungen verloren.

Abbildung 3: Sie bestimmen, wie stark die Verzerrung durch das Käfig-Transformations-Werkzeug ist. Der Filter eignet sich gut, um z. B. Objekte zu verlängern.

Tipp: Werkzeugkasten anpassen

Der Werkzeugkasten beinhaltet eine Reihe hilfreicher Werkzeuge, die sich schnell über einen einfachen Mausklick aktivieren lassen. Außerdem können Sie alle verfügbaren Werkzeuge auch über das Bildmenü Werkzeuge aufrufen. Die Anordnung und Anzahl der im Werkzeugkasten angezeigten Tools orientiert sich an den Nutzereinstellungen. Da bei der Vielzahl an Werkzeugen schnell der Überblick verloren geht, ist es sinnvoll, die angezeigten Werkzeuge an Ihren Bedarf anzupassen. In diesem Tipp zeigen wir Ihnen, wo Sie die nötigen Einstellungen finden und ändern.

Zum Einstellungsdialog gelangen Sie über Bearbeiten / Einstellungen. Klicken Sie im Dialogfenster auf Werkzeugkasten. In Abbildung 4 sehen Sie, welche Einstellungsmöglichkeiten bereit stehen. Im Bereich Darstellung legen Sie fest, was Gimp zusätzlich unterhalb der Werkzeugsymbole anzeigt. Standardmäßig ist hier lediglich Vordergrund- und Hintergrundfarbe anzeigen aktiv. Unter Konfiguration der Werkzeuge geben Sie vor, welche Tools im Werkzeugkasten griffbereit sein sollen.

Das Aktivieren der einzelnen Werkzeuge ist leicht: Ein Klick auf das Auge-Symbol neben einem Werkzeug genügt. Am unteren Fensterrand befinden sich zwei Pfeilsymbole, mit deren Hilfe Sie die Reihenfolge der Darstellung im Werkzeugkasten festlegen. Alle im Einstellungsdialog vorgenommenen Änderungen wirken sich unmittelbar auf das Programm aus. Die Standardeinstellungen erhalten Sie jederzeit über die Symbolschaltfläche Die Ordnung und Sichtbarkeit der Werkzeuge wiederherstellen zurück. Unabhängig davon, welche Werkzeuge der Werkzeugkasten dargestellt, wechseln Sie mit den Werkzeug-Tastenkombinationen jederzeit schnell zwischen verschiedenen Werkzeugen hin und her.

Abbildung 4: Was Gimp im Werkzeugkasten anzeigt, legen Sie in den Einstellungen fest.

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