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Zweite Betaversion von OpenSuse 12.2

Kurz vor Zwölf Punkt Zwei

Technische Details sind bei OpenSuse mittlerweile fast eine Nebensache, denn die Entwicklergemeinde diskutiert heftig über die künftige Richtung der Entwicklung. EasyLinux testet Version 12.2 Beta 2 außer Konkurrenz.

In jedem größeren Projekt innerhalb der Open-Source-Gemeinde gibt es jene Mitglieder, die seit Jahren oder Jahrzehnten dabei sind und deren Wort entsprechend großes Gewicht bei der Entwicklerschaft hat. Bei OpenSuse [1] zählen zu diesen Personen Stephan Kulow (der OpenSuse-Release-Manager) und Jos Poortvliet, der für das Community-Management verantwortlich ist. Beide schrieben den Projektmitgliedern in den letzten Monaten Einträge ins Stammbuch, die diese aufgeschreckt haben: Sowohl Kulow [2] wie auch Poortvliet [3] machen sich in ihren Aufsätzen ernsthafte Sorgen um das aktuelle Entwicklungsmodell von OpenSuse und kreiden an, dass es zu unkoordiniert und nicht professionell genug abläuft. Die Milestone-4-Release der nächsten OpenSuse-Version 12.2 fiel kurzerhand aus, und die erste Betaversion erschien deutlich später als ursprünglich geplant. Nach dem alten Plan wäre es im Juli 2012 soweit gewesen, jetzt haben die Entwickler die fertige Version 12.2 auf den September verlegt und streiten im Hintergrund heftig über das künftige Modell, nach dem OpenSuse entwickelt werden soll.

Und die Distribution?

Währenddessen erschien im Juni fast unbemerkt die nächste Zwischenversion auf dem Weg zur fertigen 12.2er-Release, die Version 12.2 Beta 2. EasyLinux hat diese Gelegenheit genutzt und die Vorserienversion auf den Prüfstand gehievt – haben sich die Querelen innerhalb der Entwickler auf das System ausgewirkt oder gelingt es den OpenSuse-Entwicklern, trotz der teils leidenschaftlichen Streitereien die Arbeit am Projekt professionell weiter zu betreiben?

Wer sich die Beta 2 ansehen möchte, findet auf dem Download-Server des Projekts aktuelle Images für das System. Zur Verfügung steht ein volles DVD-Image, das alle von OpenSuse unterstützten Desktops (KDE 4, Gnome 3 und Xfce) enthält, aber ohne einen Live-Modus auskommt. Möchten Sie nicht auf Verdacht etliche Gigabyte an Software herunterladen, greifen Sie zu einer der drei bereitgestellten Live-CDs. Diese enthalten ein bootfähiges Live-System zum Testen und bieten auch die Möglichkeit, ein Basissystem auf die Platte zu bringen. Die drei angebotenen Versionen unterscheiden sich im Kern dadurch, dass für jeden der drei schon genannten Desktops ein eigenes Image zur Verfügung steht. Unpraktisch bei den Live-CDs ist, dass sich die Installation des Systems nicht direkt aus dem Live-System heraus anstoßen lässt. Wer erst die neue OpenSuse-Version ausprobieren und sie dann installieren möchte, muss erneut booten. Andere Distributionen haben dieses Problem deutlich besser gelöst, bei Fedora und Ubuntu ist es z. B. möglich, die Installation direkt aus dem Live-System heraus zu starten.

Komfortabel ist bei OpenSuse hingegen die Auswahl der Sprache, in der Sie den Desktop sehen möchten. Während andere Distributionen Sie direkt in einen englischen Desktop befördern und Sie dort die Sprache erst mühsam umstellen müssen, geben Sie bei OpenSuse bereits vor dem Booten an, welche Sprache das System nutzen soll. Auch die Bildschirmauflösung ist schon im Voraus auf die gleiche Weise festzulegen.

Booten mit Grub 2

EasyLinux hat sich für diesen Vorserientest die Live-CD mit KDE genauer angesehen. Deren Installation verläuft überwiegend unspektakulär: Ist der Installer YaST erstmal gestartet, spielt das Programm seine Aufgaben routiniert ab (Abbildung 1). Sie haben dabei die Möglichkeit, Einfluss auf das zu installierende System zu nehmen; so legen Sie auf Wunsch z. B. selbst fest, welches Partitionsschema das installierte System nutzen soll. OpenSuse verträgt sich mit anderen Betriebssystemen auf derselben Festplatte, und YaST erkennt bereits installierte Systeme automatisch.

Abbildung 1: OpenSuses Installer YaST erledigt seine Aufgaben gewohnt souverän; er scheitert lediglich an der Grub-2-Installation, für die ein Paket fehlt.

Einen Lapsus leistete sich YaST dann aber doch: Bei der Installation von Grub 2, dem neuen Bootloader, quittierte es seinen Dienst mit der kryptischen Fehlermeldung, ein Treiber für "gfxterm" sei nicht zu finden. Das ist wohl ein Fehler in der Betaversion, der das Paket kexec-tools fehlt. Wenn Sie vor diesem Problem stehen, behelfen Sie sich, indem Sie als Bootloader Grub statt Grub2 auswählen. Der ältere Vorgänger von Grub 2 beherrscht zwar viele Funktionen nicht, erlaubt aber den erfolgreichen Abschluss der Installation. Im laufenden System haben Sie dann später die Möglichkeit, das fehlende Paket nachzuinstallieren und mit YaST den Bootloader auf Grub 2 umzustellen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nach der Installation können Sie den Bootloader auf Grub 2 per YaST 2 umstellen.

Grub 2 ist eine der großen Neuerungen beim Bootvorgang, mit denen OpenSuse 12.2 aufwartet. Die neue Grub-Version folgt ihrem fast zehn Jahre alten Vorgänger und erweitert diesen z. B. mit Unterstützung für grafische Menüs. Die zweite große Neuerung ist der Einsatz von Plymouth: Das ist ein Kernel-Treiber, der beim Bootvorgang die Anzeige eines Splashscrens ermöglicht, also die Meldungen des Linux-Kernels vor den Benutzeraugen versteckt. Zwar hatte OpenSuse auch bisher schon einen Splashscreen, doch führte dieser häufig zu Flackern auf dem Bildschirm und hat sich als schwer zu pflegen herausgestellt. Plymouth hingegen kommt bei Ubuntu bereits seit einigen Versionen zum Einsatz, ist also erprobt und als stabil bekannt.

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