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© Aleksandr Popov, Fotolia

Mandriva-Fork Mageia in Version 2

Magisches Linux

Mageia hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Im Mai erschien Version 2 der Distribution, und wir haben sie getestet.

Die Frage nach der genutzten Linux-Distribution hat für manche Anwender fast schon religiösen Charakter. Wer sich einmal auf einen der zahlreichen Anbieter festgelegt hat, steigt später nur noch selten auf ein anderes System um und verteidigt oft genug "seine" Distribution gegen Kritik. Nur so ist die Existenz von Mageia überhaupt zu erklären: Ihre Geschichte ist bewegt, sie beginnt mit der Distribution Mandriva Linux, die früher Mandrake Linux hieß. Mandriva geriet in finanzielle Schieflage und setzte einen Großteil der Entwickler vor die Tür.

Gegen das drohende Ende von Mandriva regte sich Widerstand. Als der Eindruck entstand, dass Mandriva keine Perspektive hat, bildete sich eine Community aus vielen Mandriva-Benutzern und ehemaligen Mandriva-Entwicklern, die sich das Ziel setzten, eine community-basierte Distribution auf Grundlage der letzten Mandriva-Version zu veröffentlichen. OpenSuse, Fedora und Debian zeigen ja durchaus anschaulich, dass dieser Ansatz funktioniert, wenn genug Entwickler mitmachen. Tatsächlich hat Mageia (so taufte die Community ihren neuen Sprössling) im Mai dieses Jahres bereits die Veröffentlichung der zweiten Version gefeiert. Das Wort Mageia ist dem Griechischen entnommen; es bedeutet Magie, was auch den Kreis zum alten Namen Mandrake Linux schließt.

Wird die Distribution magischen Ansprüchen gerecht oder erlebt höchstens der Benutzer ein Wunder in Blau?

Versionen und Pakete

Die Mageia-Downloadseite [1] bietet einen ganzen Reigen an Versionen: Neben 3,5 GByte großen DVDs (wahlweise für 32- oder 64-Bit-CPUs) findet sich auch eine rund 700 MByte große Installations-CD (die 32- und 64-Bit-Systeme unterstützt). Hierzu gesellen sich dann noch Live-CDs, ebenfalls ca. 700 MByte groß, in Gnome- und KDE-spezifischen Ausfertigungen (wiederum separat für 32- und 64-Bit-CPUs). Wer nicht auf Verdacht ein Image herunterladen möchte, sondern nur die Pakete, die er tatsächlich braucht, greift zum Mini-CD-Image, von dem es eine "freie" Variante sowie eine Variante gibt, die mit kommerziellen Treibern ausgestattet ist. Mageia versucht an dieser Stelle offenbar den Spagat zwischen den Benutzern, die einfach ein funktionierendes System benötigen, und denen, die sich nicht von kommerziellen Treibern abhängig machen möchten. Ob die Vielzahl von Images die Anwender aber nicht mehr verwirrt, als sie hilft, ist eine andere Frage. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, lädt sich eine Live-CD mit Gnome oder KDE herunter, denn diese bietet auch einen Installationsmodus, der ein fertiges Mageia-System mit den wichtigsten Komponenten auf die Platte bringt. Alle übrigen eventuell benötigten Pakete lassen sich später herunterladen.

Live-CD & Installation

Wenn Sie von der Mageia-CD booten, können Sie direkt die Installation starten oder zunächst ins Live-System booten. Um einen Überblick über die KDE-Version von Mageia zu erhalten, ist das Live-System sehr praktisch, denn auch alle Mageia-typischen Konfigurationswerkzeuge sind dort vorhanden und benutzbar. Schöner wäre es gewesen, wenn man aus dem Live-System heraus die Installationsroutine starten könnte – Sie müssen den Rechner neu starten, um die Installation zu starten, wenn Sie gerade das Live-System ausprobieren.

Bereits bei der Auswahl des zu bootenden Systems können Sie über die Funktionstasten die Auflösung sowie die Sprache, die das Live-System bzw. die Installation nutzt, festlegen.

Einmal in der Installationsroutine angekommen, fällt zunächst eine Sache unangenehm auf: Der Hintergrund von Mageias Installer ist schwarz – im Test entstand zunächst der Eindruck, der Monitor würde falsch angesteuert (Abbildung 1). In der Mitte des Bildschirms erscheint zwar irgendwann der Installations-Wizard, verstörend wirkt die düstere Erscheinung dennoch. Der Wizard selbst erledigte im Test seine Aufgabe zuverlässig: Er erfragte zunächst die klassischen Details zu Sprache und Tastenbelegung. Ein eigenes Werkzeug zum Partitionieren der Platte ist ebenfalls enthalten; Sie können dessen Partitionsvorschlag akzeptieren oder selbst ein Partitionsschema festlegen (Abbildung 2). Windows-Partitionen erkennt das Tool von Mageia automatisch, kann sie aber nicht selbständig vergrößern oder verkleinern. Dafür haben Sie die Möglichkeit, Mageia in den freien Bereich einer Windows-Partition als Image zu installieren. Im Mageia-Wiki findet sich zudem ein – in englischer Sprache verfasster – Artikel, der sich ausgiebig mit der Parallelinstallation von Mageia und weiteren Betriebssystemen beschäftigt [2].

Abbildung 1: Allgemeine Staatstrauer? Während der Installation zeigt Mageia einen tiefschwarzen Hintergrund.
Abbildung 2: Zum Partitionieren nutzt Mageia DrakX. Es kann zwar keine Windows-Partitionen verkleinern, dafür darf die Mageia-Installation in einer solchen Platz nehmen.

Ist die Partitionenfrage geklärt, läuft der Rest der Installation unspektakulär ab; Mageia kopiert das Live-System auf die Festplatte, fragt am Ende, welchen Bootloader es einrichten soll, und startet danach das neue System. Sie können zwischen einem textbasierten und einem grafischen Bootloader wählen.

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