Mint im Alltag

Mint baut auf Ubuntu 12.04 LTS auf, verwendet also die Distribution von Canonical als technische Basis. So überrascht es nicht, dass das System gute und schlechte Eigenschaften von Ubuntu geerbt hat. Von großem Vorteil ist, dass Mint vollständig kompatibel mit Ubuntu 12.04 ist. So lassen sich alle Pakete für Ubuntu 12.04 auch unter Mint installieren, es spielt dabei auch keine Rolle, ob Sie auf Mate oder Cinnamon setzen. Insbesondere für Sicherheitsupdates ist das praktisch, denn das Mint-Team muss keine eigenen Sicherheitswarnungen veröffentlichen, solange Sicherheitslecks keine Mint-spezifischen Komponenten betreffen. Ab Werk richtet der Installer das System so ein, dass es sämtliche sicherheitsbezogenen Ubuntu-Updates zur Installation vormerkt.

Apropos Paket-Updates: Mint setzt nicht auf die Ubuntu-eigene Paketverwaltung. Stattdessen brauen die Mint-Entwickler ihr eigenes Süppchen, das den Namen mintInstall trägt (Abbildung 5). In Sachen Funktionalität unterscheidet es sich von Ubuntus Paketmanager kaum, die Optik ist allerdings anders und passt besser zu den übrigen Komponenten des Systems.

Abbildung 5: Mint setzt für die Paketverwaltung nicht auf das Ubuntu-Tool, sondern auf eine Eigenentwicklung.

Übernommen haben die Mint-Entwickler von Ubuntu das Werkzeug, das bei Bedarf kommerzielle Treiber nachinstalliert. Wer eine Nvidia- oder ATI-Karte besitzt, kommt auf diese Weise zu beschleunigten 3-D-Treibern, die für Cinnamon dringend empfohlen sind.

Netzwerk und Sicherheit

Was die Einrichtung von Netzwerkverbindungen und die damit zusammenhängende Sicherheit angeht, setzt Mint voll und ganz auf die Ubuntu-Vorgaben: Der Network-Manager kümmert sich um den Aufbau von Netzwerkverbindungen via LAN oder WLAN. Über das Network-Manager-Icon im System-Tray der Startleiste passen Sie die Konfiguration des Netzwerks bei Bedarf an.

Weniger erfreulich sieht es beim Thema Firewall & Netzwerksicherheit aus: Mint bringt die "unkomplizierte Firewall" Ufw mit, die auch unter Ubuntu zum Standardlieferumfang zählt. Ufw ist ein Frontend für den Linux-eigenen Paketfilter iptables, der die Firewall-Bedienung erleichtern soll. Leider ist die Bedienung von Ufw über die Kommandozeile gerade für Einsteiger sehr kompliziert. Ein grafisches Frontend (Gufw) steht zwar bereit, im Vergleich mit OpenSuses YaST-Firewall-Modul oder dem Firewall-Manager für Fedora handelt es sich bei Gufw allerdings um einen (schlechten) Scherz: Ohne grundlegende Kenntnis von iptables ist es nicht möglich, mit Gufw komplexe Regeln anzulegen (Abbildung 6). Einfache Regeln wie das Abblocken aller Anfragen von außen in Kombination mit Freigaben für einzelne Ports sind zwar machbar, aber bereits bei Port-Weiterleitungen stößt das Tool an seine Frenzen. Wer Mint also gegen etwaige Angriffe von außen abschirmen möchte, setzt entweder auf eine externe Firewall – z. B. auf dem eigenen DSL-Router – oder liest sich in die Ufw-Dokumentation [2] ein. Hier herrscht Nachholbedarf – bei Ubuntu und bei Mint.

Abbildung 6: Das Frontend für die Ubuntu-Firewall "Gufw" kann nicht begeistern. Hier müssen Mint (und Ubuntu) nachbessern.

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