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© Hans-Georg Eßer

Kubuntu 12.04 LTS

Langzeit-Kubuntu

Satte fünf Jahre Support bieten die Entwickler von Kubuntu den Nutzern der aktuellen Version 12.04 an. Doch was bietet das neue Ubuntu mit KDE-Geschmack?

Kubuntu 12.04 ist (nach Version 10.04) die neueste Langzeitversion (LTS = Long Term Support) der KDE-Variante von Ubuntu: Wer diese Version installiert, darf sich auf fünf Jahre Updates freuen. Sie können damit ein altes Kubuntu 10.04 LTS oder Kubuntu 11.10 aktualisieren. Wir haben das System intensiv getestet und zeigen die Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger 11.10.

Grundsätzlich stand die Zukunft von Kubuntu vor kurzem ja noch in Frage. Nachdem Canonical das KDE-Produkt nicht mehr finanziell unterstützt, übernimmt mit Blue Systems ein deutscher Sponsor einen Teil der Entwicklungskosten. Die genauen Pläne sind zwar noch unklar, dennoch dürfte die Entwicklung – auch dank der enthusiastischen Fan-Basis – die nächsten fünf Jahre überdauern.

Neuerungen

Die Innovationen von Kubuntu 12.04 fallen eher gering aus. Beim Booten springt der ansehnliche Bootsplash ins Auge (Abbildung 1), und auch sonst gibt es optisch wenig zu meckern. Kubuntu bringt den Plasma-Desktop in Version 4.8.2 mit, der dank einiger Verbesserungen am Windowmanager flüssiger laufen soll. Auch für den Dateimanager Dolphin reklamieren die Entwickler Performance-Zuwächse. Zum Redaktionsschluss kündigten die Entwickler bereits die Version 4.8.3 des KDE-Desktops an, die zunächst im Update-Repository und später in den Standardquellen von Kubuntu landet.

Abbildung 1: Der neue Bootsplash von Kubuntu 12.04 kann sich sehen lassen.

Der Audioplayer Amarok 2.5 (Abbildung 2) bringt verbesserten USB-Support mit und bindet neuerdings den MP3-Store von Amazon ein. Zudem nimmt die Software Verbindung zu Gpodder.net auf, um Podcasts zu synchronisieren. Nicht zuletzt wurde das iPod-Plug-in verbessert.

Abbildung 2: Über Amarok 2.5 kann man nun auch MP3-Dateien in Amazons Shop kaufen.

An der Energieverwaltung haben die Entwickler ebenfalls gedreht: Die lässt sich nun für jede Aktivität [1] einzeln einstellen und berücksichtigt es, wenn an einem Rechner mehrere Monitore hängen. Um die Softwareverwaltung kümmert sich weiterhin Muon, das mittlerweile – wohl um die Verwirrung zu steigern – aus drei Paketen besteht: aus der Programmverwaltung, der Paketverwaltung und der Aktualisierungsverwaltung. Sie erreichen Muon über Anwendungen / System im K-Menü. Etwas doppelt gemoppelt: Die letzten beiden Programme bringen beide eine Möglichkeit mit, Updates einzuspielen, wobei die Aktualisierungsverwaltung etwas benutzerfreundlicher wirkt (Abbildung 3). Sie warnt z. B., wenn der Rechner vor einem Update nicht am Stromnetz hängt.

Abbildung 3: Der Paketmanager Muon besteht jetzt aus drei Komponenten, eine davon ist die Aktualisierungsverwaltung.

Die Aktivitäten spielen auch unter Kubuntu 12.04 eine wichtige Rolle. Klicken Sie zum Beispiel eine Aktivität zur Grafikbearbeitung an, startet KDE automatisch alle nötigen Programme, die Sie im Vorfeld festlegen. Beim ersten Start der Beispielaktivitäten müssen Sie diese Programme noch explizit aufrufen (Abbildung 4) oder gar installieren. Nach einem Neustart des Rechners landen Sie hingegen automatisch bei der zuletzt verwendeten Aktivität mitsamt den gestarteten Applikationen.

Abbildung 4: Aktivitäten unter Kubuntu 12.04: Die zugehörigen Programme müssen Sie zumindest bei der ersten Nutzung explizit starten.

Wollen Sie wissen, wie sich KDE auf mobilen Geräten schlägt, laden Sie ein ISO-Image von Kubuntu Active [2] herunter und testen es. Die Technologievorschau von Kubuntu Active zeigt einen Desktop für Mobilgeräte auf Basis von KDE Active. Auch interessant für den Mobilbereich ist das experimentelle Paket kde-window-manager-gles, das den Fenstermanager KWin durch eine Variante ersetzt, die OpenGL ES 2.0 unterstützt – als Desktopanwender brauchen Sie diese Version allerdings nicht. Interessanter ist womöglich das Paket kubuntu-low-fat-settings: Das deaktiviert die Desktopeffekte sowie bestimmte Hintergrundaufgaben und reduziert so deutlich den Bedarf an Arbeitsspeicher, was das System beschleunigt. Läuft Ihr Kubuntu 12.04 also nicht so performant wie gewünscht, sollten Sie dem Paket eine Chance geben.

Ansonsten empfehlen die Kubuntu-Entwickler, KDE Telepathy zu installieren und zu testen, obwohl auch Kubuntu 12.04 standardmäßig weiterhin Kopete ausliefert. Das wird jedoch nicht mehr aktiv betreut, KDE Telepathy soll es in Zukunft ersetzen. Die Software, die beim Erscheinen dieses Hefts vermutlich in Version 0.4 vorliegt, lässt Sie zum Beispiel Google Talk und Facebook nutzen.

Auch Calligra installieren Sie über das Software-Center, es ist nicht auf der Kubuntu-DVD enthalten. Die Bürosoftware will die Nutzer mit einer schlanken Alternative zu LibreOffice begeistern. Von diesen Installationsempfehlungen der Kubuntu-Entwickler abgesehen, stoßen Sie in Kubuntu 12.04 mehrheitlich auf altbekannte Programme.

Rekonq, Dolphin und KMail 2

Doch zunächst einmal zum Desktop als solchem: Der machte auf unserem Testrechner, einem Core-i7-Notebook, eine sehr gute Figur, bootete schnell und wirkte optisch durchdacht. Eine unschöne kleine Änderung gibt es allerdings im K-Menü: Geben Sie in die Suchzeile ein Suchwort ein (etwa konsole), gelangen Sie anschließend nicht mehr über die Pfeiltasten oder [Tab] zum Starticon des Suchergebnisses.

Als Webbrowser kommt nach wie vor Rekonq zum Einsatz, der sich als schlanker und flexibler als der Konqueror erweist und einen eingebauten Werbefilter mitbringt, den Sie über Extras / Werbefilter im Aufklappmenü rechts neben der URL-Leiste aktivieren. Bevorzugen Sie Firefox, finden Sie unter Anwendungen / Internet einen Firefox-Installer, der die benötigten Pakete herunterlädt und installiert (Abbildung 5).

Abbildung 5: Sagt Ihnen der zügige Standardbrowser Rekonq nicht zu, hilft ein einfacher Installer dabei, Firefox einzuspielen.

Dolphin verfügt rechts neben der URL-Leiste über dasselbe Aufklappmenü wie Rekonq: Das Programm dient auch unter Kubuntu 12.04 weiterhin als Dateimanager. Es verwaltet nicht nur Verzeichnisse und Dateien, sondern stellt auch über SFTP sichere Verbindungen zu anderen Rechnern her und listet die dortigen Verzeichnisse auf. Klicken Sie in der Seitenleiste links auf Netzwerke, zeigt Dolphin unter anderem Samba-Freigaben im lokalen Netzwerk an. Allerdings klappt das Aufrufen eines Samba-Verzeichnisses mit vielen Dateien erst nach der direkten Eingabe der IP-Adresse in die URL-Leiste:

smb:/IP-ADRESSE/

Achten Sie nach der Eingabe von smb: darauf, nur einen Schrägstrich zu verwenden! Die im lokalen Netzwerk geteilten Musikdateien spielen Sie per Mausklick in Amarok ab, das die Musikstücke dafür in den Zwischenspeicher schaufelt.

Wie unter Ubuntu teilen Sie auch unter Kubuntu über [F3] das Hauptfenster des Dateimanagers vertikal in zwei Ansichten und schieben so Dateien zwischen zwei Ordnern einfach hin und her. [F4] ruft im aktuellen Verzeichnis wie gewohnt eine Konsole auf. Daneben lassen sich sämtliche Verzeichnisse und Dateien mit Kommentaren und Tags versehen, um so die desktopweite Suche zu erleichtern. Legen Sie eine Audio-CD ins Laufwerk, tauchen die zugehörigen Titel als WAV-Dateien im Hauptfenster auf. Zudem sehen Sie zahlreiche Ordner in anderen Formaten (FLAC, CDA, OGG). Um die Audio-CD in eines der Formate zu konvertieren, verschieben Sie einfach den zugehörigen Ordner in Ihr Home-Verzeichnis (Abbildung 6). Fehlt der MP3-Ordner, müssen Sie das Paket lame nachinstallieren.

Abbildung 6: Der Klick auf eine Audio-CD im Dateimanager fördert verschiedene Ordner mit Formaten zutage, in die Sie eine CD bei Bedarf konvertieren.

Im Office-Bereich kommt neben LibreOffice Okular als PDF-Betrachter zum Einsatz, während Kontact als PIM (Personal Information Manager) sämtliche Kontakte, die E-Mails (KMail), RSS-Feeds, den Kalender sowie eine To-do-Liste verwaltet. Kontact versammelt mehrere dieser Programme unter einem gemeinsamen Dach, etwa den E-Mail-Client KMail 2, den RSS-Feed-Reader Akregator und den persönlichen Kalender KOrganizer.

KMail 2 soll unter Kubuntu 12.04 wieder etwas besser funktionieren, etwa, wenn Sie einen Google-Mail-Account mit IMAP nutzen und viele E-Mails verwalten. Auf der anderen Seite hat die Software weiterhin kleine Probleme, so beim Filtern von E-Mails (die nur eine Aktion zulassen) und beim Umgang mit Spam. Einige User berichten, dass KMail 2 geschmeidiger läuft, wenn man als Datenbank-Backend nicht MySQL verwendet, sondern SQLite. Wie das im Detail funktioniert, lesen Sie in einer englischsprachigen Diskussion [3]. Weitere Tricks und Informationen zu KMail 2 finden Sie im Kubuntu-Wiki [4].

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