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Mit Schirm, Charme und Fedora

Fedora 17

13.07.2012
Fedora erfreut sich in Europa einer recht kleinen Fangemeinde, denn OpenSuse und Ubuntu dominieren den hiesigen Markt. Ob das System des amerikanischen Herstellers das Zeug zum Geheimtipp hat, zeigt der Test der frischen Version 17.

Wer in der Linux-Welt schon etwas länger unterwegs ist, erinnert sich vermutlich noch an Red Hat Linux: Das Desktop-Linux-System des weltweit größten Distributors war bis 2003 zu bekommen, dann entschloss Red Hat sich, das Produkt einzustellen und sich stattdessen am Aufbau eines Community-Systems zu beteiligen. Die daraus entstandene Distribution tauften die zuständigen Entwickler auf den Namen Fedora – eine Anspielung auf den roten Hut, den viele Red-Hat-Mitarbeiter auf Messen tragen und der eben ein Fedora-Hut ist.

Red Hat unterstützt das Projekt bis heute finanziell und auch durch Entwicklungsarbeit, denn mehrere Red-Hat-Entwickler sind dauerhaft abgestellt, um sich um Fedora zu kümmern. Im Gegenzug dient das System als Grundlage für Red Hats erfolgreichstes Produkt, die Server-Distribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL). Seit dem Projektstart hat Fedora sich zu einem der beliebtesten Systeme für Linux-Desktops entwickelt, allerdings vorrangig im von Red Hat dominierten Amerika-Markt. In Europa hat die Distribution eine kleine aber quicklebendige Fangemeinde, die auf allen wichtigen Messen vertreten ist und auch bei der Entwicklung mithilft.

Wie viele Distributionen folgt auch Fedora einem festen Release-Zyklus, ungefähr jedes halbe Jahr wollen die Entwickler eine neue Version herausbringen. Mit ungefähr drei Wochen Verspätung war es Ende Mai mal wieder so weit: Fedora 17 erblickte das Licht der Welt und steht auf der Projektwebseite [1] seither zum Download bereit. Wir haben die neue Version getestet.

Live-CD und Installationsroutine

Fedora stellt sein System in Form eines rund 680 MByte großen ISO-Images auf der Downloadseite des Projekts [2] zur Verfügung. Ein DVD-Rohling ist also nicht notwendig, ein normaler CD-Silberling reicht aus. Die fertige CD mit aufgespieltem Image lässt sich anschließend booten. Sollten Sie keinen Rohling zur Hand oder das Zielgerät kein CD-/DVD-Laufwerk haben, können Sie das ISO-File auch auf einen USB-Stick kopieren und von diesem starten. Nach dem Start landen Sie in einem Live-System, also in einer kompletten Fedora-Umgebung, die direkt von der CD läuft. Fedora gleicht in dieser Hinsicht OpenSuse, Ubuntu und vielen anderen Distributionen, die es auf diese Weise den Benutzern ermöglichen, das System zunächst ohne Änderungen an der Platte auszuprobieren und dann bei Gefallen zu installieren.

Sobald das System vollständig gestartet ist, erscheint ein Dialog, der Sie zu einer Entscheidung drängt: Per Mausklick müssen Sie sich festlegen, ob Sie Fedora von der Live-CD ausprobieren möchten oder ob Sie mit der Installation des Systems auf eine lokale Festplatte fortfahren möchten. Der Haken an dieser Stelle: Sämtliche Dialoge sind in Englisch gehalten – wer der englischen Sprache nicht mächtig ist, kommt nur mit Raten weiter. Ein Menü, über das sich die Sprache auf Deutsch umstellen ließe, ist nicht in Sicht. Tatsächlich existiert es aber durchaus: Durch den Klick auf Live User oben rechts öffnet sich ein Menü, über das der System Settings-Dialog zu erreichen ist. Dort findet sich unter Languages & Localization eine Liste mit mehreren Sprachen, darunter auch Deutsch (Abbildung 2). Nach einem Logout und einem erneuten Login ist der Desktop deutschsprachig, das gilt auch für den Entscheidungsdialog (Abbildung 1). Wieso die Fedora-Entwickler es allerdings so kompliziert machen, die Sprache zu ändern, statt gut sichtbar ein entsprechendes Menü- oder Tray-Icon auf dem Desktop zu platzieren, bleibt ein Rätsel.

Abbildung 1: Der Installationsdialog von Fedora 17 ist durchaus auch auf Deutsch verfügbar, …
Abbildung 2: … vorausgesetzt, Sie stellen vorher die Systemsprache über die "System Properties" auf Deutsch um.

Die Sprache, in der Sie Fedora installieren, ist übrigens auch die Sprache, die das fertige System nach der Installation verwendet. Es lohnt sich also, den holprigen Weg zur deutschen Lokalisierung schon im Live-System zu gehen, wenn Sie die anschließende Konfigurationsarbeit ebenfalls auf Deutsch erledigen wollen.

Die Installation: Schema F

Der Installationsassistent von Fedora bietet im weiteren Verlauf keinen Grund für Tadel, führt aber auch nicht zu spontanen Begeisterungsausbrüchen. Routiniert spult das Programm seine Aufgaben ab, neben der Auswahl des zu nutzenden Tastatur-Layouts möchte der Installer von Ihnen auch wissen, wo auf der Festplatte das System Platz nehmen darf. Vorhandene Partitionen erkennt die Installationsroutine und bietet an, diese zu verkleinern. Einen Lapsus leistete sich der Partitionsassistent im Test beim Betrieb auf einer frischen Platte ohne Partitionstabelle: Obgleich die Option zur vollständig automatischen Partitionierung aktiviert war, brach das Programm mit einer Fehlermeldung ab. Erst als auf der leeren Platte über den erweiterten Partitioniermodus eine neue Partitionstabelle angelegt worden war, funktionierte der Installer richtig.

Das Testsystem war ein Lenovo ThinkPad X121e mit AMD E-Series E-350 APU (2x 1,6 GHz) sowie 8 GByte RAM und einer 320 GByte großen SATA-Festplatte. Insgesamt dauerte die Installation rund 15 Minuten, womit Fedora im guten Mittelfeld liegt. Wenn der Installer seine Arbeit beendet hat, landen Sie nach einem Reboot unmittelbar im fertig installierten System. Dort begrüßt Sie ein Einrchtungsassistent, der Ihnen beim Anlegen eines Benutzeraccounts hilft. Im Anschluss loggt Fedora Sie automatisch in das fertig installierte System ein.

Hiernach begrüßt Sie ein eher farbloser Desktop: Das Wallpaper zeigt einen nächtlichen Himmel, vor dem ein Feuerwerk abbrennt. Menüleisten und Fensterränder sind ebenfalls in dunkelgrauen Farbtönen gehalten, so dass der Desktop insgesamt sehr trist wirkt (Abbildung 3). Warum sich die zuständigen Entwickler für diese trübe Stimmung entschieden haben, muss wohl ein Geheimnis bleiben, die Distribution liefert aber Austausch-Wallpapers mit, über die sich etwas Farbe ins Spiel bringen lässt.

Abbildung 3: Der Standard-Desktop mit Gnome 3.4 sieht in Fedora 17 etwas trist weil gar farblos aus. Austausch-Wallpapers bringen Farbe ins Spiel.

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