Was lange währt…

Vorschau auf Ubuntu 12.04

22.05.2012
Mit Version 12.04 rollt wieder einmal eine bedeutende Release des Ubuntu-Projekts heran, die sich insbesondere auch für Einsteiger eignet. Wir zeigen, was Sie in Ubuntu 12.04 erwartet.

Bereits seit dem 23. Februar steht zu großen Teilen fest, wie das neue Ubuntu 12.04 [1] aussehen wird. Seit diesem Termin fließen – zumindest offiziell – keine neuen Features mehr in die Vorabversion von Ubuntu 12.04 ein. Vielmehr geht es darum, die in der LTS-Version vorhandenen Funktionen zu testen und die Distribution möglichst von Fehlern zu befreien.

Die Abkürzung LTS steht für "Long Term Support", also Langzeitunterstützung. Diese Versionen erscheinen – im Gegensatz zum "gewöhnlichen" Ubuntu mit seinen Halbjahreszyklen – nur alle zwei Jahre. Sie erhalten fünf Jahre lang Sicherheits-Patches und Fehlerkorrekturen, was im Computerbereich ein langer Zeitraum ist. Theoretisch können Sie vier Jahre lang ohne Sicherheitsbedenken mit der Version arbeiten. Danach aktualisieren Sie das System – in zwei Upgrade-Sprüngen – auf die Version 16.04, die voraussichtlich 2016 erscheint.

Mit den LTS-Versionen wollen die Ubuntu-Entwickler vor allem Personen ansprechen, die mit ihrem Desktop schlicht arbeiten und nicht ständig nach den neuesten Programmversionen gieren. Experimente sind hier Tabu. Wollen Sie bei Freunden oder Familienmitgliedern ein Ubuntu installieren, greifen Sie am besten zur LTS-Version. Das wichtigste Argument ist die Stabilität. Der Autor dieser Zeilen arbeitet seit der ersten Alphaversion jeden Tag mit Ubuntu 12.04 auf dem Produktivsystem – bisher ohne ernste Zwischenfälle. Das sei niemandem empfohlen, zeigt aber, wie stabil die 12.04 bereits heute läuft. Grund dafür ist vermutlich auch, dass Canonical im Vorfeld die Testbemühungen deutlich verstärkt hat und nun permanent testet.

Unterbau

In den Zwischenversionen seit der letzten LTS-Version (Ubuntu 10.04) kam es in einigen Bereichen zu Rückschlägen. Der Energieverbrauch von Ubuntu ist deutlich gestiegen, Startzeiten und Performance sind schlechter geworden. Mit der kommenden LTS-Version wollen die Entwickler das wieder ändern. Der schlechte Wert beim Energieverbrauch geht zum Teil auf einen Fehler im Kernel zurück – die aktuelle Kernel-Version behebt das Problem. Ubuntu 12.04 sollte daher im Akkubetrieb wieder länger laufen.

Unity

Eine Teilschuld an den schlechteren Performance-Werten trägt sicher Unity. Das Ubuntu-Projekt hat sich im Verlauf der letzten zwei Jahre stark auf den neuen Unity-Desktop konzentriert, der nun unter Ubuntu standardmäßig zum Einsatz kommt. Er soll in Version 12.04 schneller auf Benutzereingaben reagieren und macht auch aufgrund einiger neuer Features einen "runderen" Eindruck. Die Betaversion hat Unity 5.4 an Bord – die fertige Version könnte aber auch Unity 5.8 mitbringen, das Ende März erschienen ist. Wer Unity nicht mag, kann alternativ auch den Gnome-3-Desktop, KDE oder alternative grafische Oberflächen wie LXDE und Xfce installieren.

Tolle Einstellmöglichkeiten bietet Unity noch immer nicht: Lediglich die Icons im Launcher lassen sich vergrößern, und man die Reaktionszeit einstellen, nach der er sich aus der linken Seite des Bildschirms schiebt. Das erreichen Sie über den Auswahlpunkt Darstellung in den Systemeinstellungen (Abbildung 1). Der Mangel an Konfigurationsmöglichkeiten ist Konzept, verärgert aber Unity-Kritiker, die sich der Freiheit beraubt sehen, den Desktop komplett nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Selbst mit nachinstallierbaren Tools wie MyUnity und dem CompizConfig-Settings-Manager (kurz CCSM) lassen sich nur wenige Schrauben nachstellen. Während sich einige Anwender anderen Distributionen und Desktops zugewandt haben, gibt es aber auch viele Fans des neuen Konzepts.

Abbildung 1: Die Änderungsmöglichkeiten für den Launcher fallen noch immer sehr spärlich aus. Über die Systemeinstellungen lässt sich zum Beispiel die Größe der Launcher-Icons ändern.

In der Version 12.04 stoßen Sie auf weitere Änderungen, die den Desktop betreffen. Die Systemeinstellungen bieten neuerdings eine Möglichkeit, die Privatsphäre zu schützen und Einträge aus der History von Unity zu entfernen. Der Punkt heißt zur Zeit noch Privacy (engl. für Privatsphäre) und lässt Ubuntu 12.04 unter anderem vergessen, welche Dateien und Programme Sie in den letzten Stunden und Tagen verwendet haben. Wahlweise ignoriert Unity auch nur bestimmte Dateitypen, etwa E-Mails und besuchte Webseiten.

Auch ein anderes Problem haben die Entwickler gelöst: Wenn Sie in Firefox auf den Zurück-Button klicken wollen, erscheint nicht mehr aus Versehen der Launcher, wenn Sie mit der Maus einen Tick zu weit nach links gefahren sind. Stattdessen müssen Sie nun mit dem Mauszeiger explizit einen Augenblick gegen den linken Seitenrand fahren, um die Iconleiste auf den Bildschirm zu holen. Auch optisch haben die Entwickler nachgebessert: Nicht nur die Systemeinstellungen wirken sehr aufgeräumt, die Icons auf dem Launcher richten ihre Farbgebung nach dem verwendeten Hintergrundbild. Nicht zuletzt erwartet Sie ein neuer atmosphärischer Begrüßungssound.

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