Root-Server oder virtuell?

Die Einschränkungen, die ein virtueller Server im Vergleich mit einem Root-Server hat, sind relativ gering; wenn Sie keine ungewöhnlichen Anforderungen haben, reicht ein V-Server völlig ist, und zudem ist er deutlich günstiger zu haben. Root-Server kosten meist 40 Euro Monatsmiete (oder auch wesentlich mehr), während V-Server schon für unter 10 Euro/Monat zu haben sind.

Der wichtigste Unterschied ist (neben der besseren Performance, die ein Root-Server als eigenständiger PC bietet), dass Sie auf einem V-Server keinen selbst konfigurierten Linux-Kernel installieren können – das ist aber ein sehr selten benötigtes Feature.

Distributionswahl

Beim Einrichten eines neuen Root- oder V-Servers haben Sie meist die Wahl zwischen verschiedenen Linux-Distributionen, die der Provider für Sie vorinstalliert. (Root-Server-Kunden haben alternativ die Möglichkeit, von einem Rettungssystem zu booten und dann die netzbasierte Installation eines beliebigen Linux-Systems anzustoßen.)

Im Serverumfeld sind Debian und Fedora (Red Hat) stärker verbreitet als OpenSuse und Ubuntu. Wenn Sie sich gut mit den Kommandozeilen-Konfigurationstools von OpenSuse oder Ubuntu auskennen, können Sie aber – gegen den Mainstream – auch mit einer dieser sonst eher auf Desktop-PCs zu findenden Distributionen arbeiten. Ansonsten hat für Ubuntu-Anwender Debian den Vorteil, recht eng damit verwandt zu sein: Schließlich basiert Ubuntu auf Debian. Fedora und OpenSuse ähneln sich auch ein wenig, weil beide das RPM-Paketformat nutzen, was Ihnen das Leben ein wenig erleichtert, wenn Sie auf der Kommandozeile Pakete installieren möchten. Allerdings arbeiten Fedora und OpenSuse mit unterschiedlichen Tools zur Verwaltung von Online-Paketquellen (Repositories), das OpenSuse-Tool zypper gibt es unter Fedora nicht, dafür gibt es dort ein ähnlich arbeitendes Tool namens yum. Bei Ubuntu und Debian gibt es keinen Unterschied im Einsatz der APT-Paketverwaltungstools, die Distributionen verwenden lediglich unterschiedliche Repositories.

Die vom Hostinganbieter vorinstallierten Linux-Systeme enthalten meist schon den Webserver Apache [4] sowie weitere Tools, die ein so genanntes LAMP-System (Linux, Apache, Datenbank MySQL und PHP) komplettieren. Wollen Sie eines der im vorigen Artikel erwähnten Content-Management-Systeme (Drupal, WordPress etc.) installieren, können Sie dies wahlweise über die Paketverwaltung einspielen oder ein Archiv von der CMS-Webseite herunterladen und in einem geeigneten Ordner entpacken.

Die Apache-Installationen auf einem Root- oder V-Server unterstützen das Hosten von mehreren Domains, die Daten jeder Domain landen dabei in einem eigenen Ordner, was Sie zunächst konfigurieren müssen. In der Regel müssen Sie sich um das Einrichten einer neuen Domain aber nicht selbst kümmern, sondern können dafür die Weboberfläche für die Serververwaltung nutzen. Dahinter versteckt sich oft Plesk [1] oder Virtuozzo Power Panel [2], die z. B. 1&1 und Strato verwenden. Auf der Plesk-Webseite finden Sie auch einen Bereich mit Live-Demos, um schon vorab auszuprobieren, wie diese Oberfläche funktioniert.

Die Nutzung dieser Verwaltungstools ist aber sehr komplex und oft unnötig: Wollen Sie nur eine einzige Domain betreiben, die Sie mit dem Server gleich mit gebucht haben, können Sie auf die Verwendung von Plesk & Co. verzichten, denn in der Regel ist der Webserver bereits aktiv und liefert die Inhalte eines Verzeichnisses (z. B. /var/www/) aus. Sie können im Verzeichnis /etc/apache2/ nach Hinweisen auf den Speicherort für die Webseitendateien suchen: Entweder gibt es dort ein Unterverzeichnis sites-enabled mit mindestens einer Konfigurationsdatei, oder die benötigten Informationen stehen in der zentralen Apache-Konfigurationsdatei httpd.conf. In jedem Fall suchen Sie in (lesbaren) Textdateien nach einem Eintrag der Form DocumentRoot Verzeichnisname:

root@vserver:/# grep -i DocumentRoot /etc/apache2/sites-enabled/000-default
  DocumentRoot /var/www/

Das grep-Kommando durchsucht die angegebene Datei nach dem Begriff "DocumentRoot". Um hier (wie im vorangegangen Artikel) z. B. Drupal zu installieren, würden Sie den Inhalt des Drupal-Archivs direkt in den Ordner /var/www/ verschieben und dann genauso vorgehen wie bei der Installation in einfachem Webspace. Dann werden Sie auch wieder die Zugangsdaten für die SQL-Datenbank benötigen. Falls der Webhoster bereits eine Datenbank für Sie vorinstalliert hat, finden Sie die Zugangsdaten auf der Verwaltungsoberfläche für Ihren Root-/V-Server. Andernfalls installieren und konfigurieren Sie MySQL (die am häufigsten eingesetzte Datenbanksoftware) manuell, was aber einen längeren Blick in die Dokumentation erfordert.

Einige Anbieter richten auf Wunsch Drupal, WordPress oder ein anderes CMS direkt mit dem neuen V-Server ein.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Server eingebaut
    Webbrowser zeigen Inhalte aus dem Internet an, die dort auf Webservern liegen – es gibt eine klare Trennung zwischen Browser und Server. Mit Opera Unite kommt der Webserver nach Hause: Wer keinen Wert auf eine eigene Domain legt, braucht keinen speziellen Server mehr.
  • Datensicherung mit Shell-Kommandos
    Für die Datensicherung können Sie komfortable Backupprogramme verwenden – doch die müssen Sie erst konfigurieren. Wenn es schnell gehen soll, reicht ein einziger Befehl in der Shell.
  • vAdmin v1.3 - vServer-Verwaltung
  • Eigene Webseiten aufsetzen
    Das Internet lebt vom Mitmachen – spätestens seit Web 2.0 gilt: Nicht nur lesen, sondern selber schreiben. In den folgenden drei Artikeln zeigen wir Ihnen, wie Sie eigene Webseiten anbieten können.
  • Abenteuer Rootserver
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2015_02

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet EUR 9,80. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der EasyLinux-Homepage.

Das EasyLinux-Jahresabo mit Prämie kostet ab EUR 33,30. Details zum EasyLinux-Jahresabo finden Sie im Medialinx-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Tipp der Woche

Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Tim Schürmann, 24.04.2015 19:36, 0 Kommentare

LibreOffice kommt zwar mit einer deutschen Rechtschreibprüfung und einem guten Thesaurus, eine Grammatikprüfung fehlt jedoch. In ältere 32-Bit-Versionen ...

Aktuelle Fragen

Fernwartung oder wartung im haus
heide marie voigt, 29.06.2015 10:37, 2 Antworten
gerne hätte ich jemanden in Bremen nord, der mir weiter hilft - angebote bitte mit preis HMVoigt
Druckeranschluss DCP-195C
heide marie voigt, 29.06.2015 10:35, 1 Antworten
installiert ist linux ubuntu 15.04 offenbar auch der treiber für den Drucker DCP-195C. Die Konta...
keine arbeitsleiste beim einloggen
heide marie voigt, 27.06.2015 13:31, 0 Antworten
seit der neu-installierung von linux ubuntu 15.04 erscheint die arbeitsleiste rechts oben erst na...
raid platte an linux mint 17.1
andreas schug, 23.06.2015 19:44, 1 Antworten
folgende thematik NAS Iomega Storage Center wird auf einmal nicht mehr im netzwerk erkannt .....
SUSE 13.2 - Probleme mit kmail
kris kelvin, 03.06.2015 13:26, 2 Antworten
Hallo, nach dem Umstieg auf 13.1 hatte ich das Problem, daß kmail extrem langsam reagierte. Nun...