Eine inzwischen klassische Möglichkeit, Linux zunächst auszuprobieren, ist die Benutzung einer Live-DVD, aber ein von DVD gebootetes Linux arbeitet deutlich langsamer als eine richtige Installation, weil der Zugriff auf die DVD so träge ist. Besser ist dann schon eine virtuelle Maschine (VM), die Sie auch unter Windows schnell angelegt und mit einer Linux-Distribution ausgestattet haben. Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel, wie Sie das Virtualisierungsprogramm VirtualBox unter Windows installieren und dann OpenSuse 12.1 oder Kubuntu 11.10 von der Heft-DVD dieser Ausgabe einrichten.

Generell unterscheidet sich die Linux-Installation in einer virtuellen Maschine nicht von der auf einem echten Rechner, weswegen Sie die Beschreibung der OpenSuse- oder Kubuntu-Einrichtung (ab Seite 26 bzw. 30) auch für die Linux-Installation in der VM verwenden können.

Vor- und Nachteile

Linux auf einer virtuellen Maschine statt direkt auf dem PC zu installieren, hat Vor- und Nachteile. Auf der Habenseite steht die einheitliche Hardware: VirtualBox gaukelt dem Betriebssystem ja bestimmte Hardware-Komponenten (etwa den Festplatten-Controller, die Grafik- und die Netzwerkkarte) vor, und die sind immer dieselben, egal auf welchem Rechner VirtualBox läuft; lediglich der Prozessor wird "durchgereicht": Sie sehen also in der virtuellen Maschine genau die CPU, die auch im Rechner steckt.

Die virtuellen Komponenten der VirtualBox-VMs werden alle von Linux unterstützt, es kann also keine Probleme beim Einrichten geben, Linux läuft in der VM immer. Auch die Netzwerkeinrichtung ist denkbar einfach: Das Gast-Linux nutzt einfach die Internetverbindung des Windows-PCs mit.

Der Hauptnachteil der Virtualisierung ist ein leichter Leistungsverlust, der auf aktuellen PCs aber kaum spürbar ist.

VirtualBox installieren

Um VirtualBox unter Windows zu installieren, laden Sie zwei Dateien aus dem Download-Bereich der VirtualBox-Webseite [1] herunter: Über den Link VirtualBox 4.1.6 for Windows hosts erhalten Sie die Datei VirtualBox-4.1.6-74713-Win.exe, das ist ein klassischer Installer für Windows, mit dem Sie VirtualBox in wenigen Schritten einrichten. Zusätzlich laden Sie über den Link VirtualBox 4.1.6 Oracle VM VirtualBox Extension Pack -> All platforms die Datei Oracle_VM_VirtualBox_Extension_Pack-4.1.6-74713.vbox-extpack herunter, die unter sämtlichen VirtualBox-Versionen (für alle Betriebssysteme) einige Erweiterungen enthält, u. a. für USB-2.0-Support (Abbildung 1). Falls sich die Versionsnummern bereits geändert haben sollten, achten Sie darauf, dass beide Pakete dieselbe Nummer (hier: 4.1.6-74713) haben.

Abbildung 1: Von der VirtualBox-Download-Seite benötigen Sie zwei Pakete: eines speziell für Windows und ein generisches Erweiterungspaket für alle Betriebssysteme.

Bei der Einrichtung von VirtualBox übernehmen Sie alle Vorgaben des Installers. Bevor es los geht, warnt die Installationsroutine, dass die Netzwerkverbindung Ihres Windows-Rechners kurz unterbrochen wird. Da auch einige Treiber eingerichtet werden, müssen Sie dies mehrfach zulassen; wenn Sie dem Hersteller Oracle generell vertrauen wollen, setzen Sie bei der ersten Nachfrage ein Häkchen vor Software von Oracle Corporation immer vertrauen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Geben Sie bei der Installation einmalig an, dass Sie Oracle vertrauen, erscheint nur eine Nachfrage dieser Art.

Wenn die Installation abgeschlossen ist, startet VirtualBox automatisch. Klicken Sie nun doppelt auf die zweite Datei, die Sie herunter geladen haben. Die Dateiendung .vbox-extpack sollte bereits mit VirtualBox verknüpft sein, so dass sich automatisch ein weiteres VirtualBox-Fenster öffnet und die Einrichtung dieser Erweiterung erledigt. Auch hier ist wieder eine Windows-Warnung zum Thema Software-Installation zu bestätigen. Schließen Sie danach das zusätzliche VirtualBox-Fenster; eines reicht aus.

Virtuelle Maschine anlegen

Vor der eigentlichen Linux-Installation müssen Sie eine neue VM erzeugen; VirtualBox kann mehrere VMs verwalten. Klicken Sie dazu auf Neu. Es öffnet sich zunächst ein Informationsfenster, das Sie mit Weiter verlassen; dann erscheint ein Dialog, in dem Sie der neuem VM einen Namen geben (z. B. OpenSuse 12.1) und das Betriebssystem auswählen, das Sie installieren werden. Wenn Sie einen sinnvollen Namen wählen, erkennt VirtualBox, welches Betriebssystem Sie meinen; falls "OpenSuse", "Ubuntu", "Kubuntu" etc. im Namen vorkommt, erübrigt sich also die Auswahl des Systems.

Im nächsten Schritt geben Sie an, wie viel Hauptspeicher die virtuelle Maschine erhält (Abbildung 3). Achten Sie dabei darauf, dass sowohl der echte Rechner als auch der virtuelle ausreichend Speicher erhalten. 512 MByte (der Vorschlag von VirtualBox) reichen zwar meist für einen flüssigen Betrieb, wenn Sie aber viel Hauptspeicher im Rechner verbaut haben, können Sie dem Linux-System auch 2 GByte oder sogar 4 GByte gönnen. Mehr als die Hälfte des tatsächlich vorhandenen RAMs sollten Sie aber nicht angeben.

Abbildung 3: Hier entscheiden Sie, wie viel Hauptspeicher die virtuelle Maschine erhält – maximal die Hälfte des tatsächlich verbauten Speichers.

Im nächsten Schritt erzeugen Sie eine neue virtuelle Festplatte (Auswahl: Festplatte erzeugen). Übernehmen Sie im folgenden Dialog den vorgeschlagenen Dateityp für die virtuelle Platte (VDI) mit einem Klick auf Weiter, die Alternativen wären nur interessant, wenn Sie die erzeugte Platte auch mit anderer Virtualisierungssoftware wie VMware nutzen wollten.

Sie haben dann die Wahl, ob der Plattenplatz dynamisch alloziert sein oder eine feste Größe haben soll. Meist ist die erste Option die beste, da die virtuelle Festplatte dann erst bei Bedarf Platz auf der echten Festplatte verbraucht. Sie können der Platte anschließend einen (Datei-)Namen geben und ihre Maximalgröße festlegen. Für OpenSuse oder Kubuntu sollten Sie ca. 10 GByte einplanen. Die virtuellen Platten landen in einem Unterordner von C:\Users\Benutzername\VirtualBox VMs – falls Sie dort keinen Platz mehr haben, können Sie hier auch ein anderes Windows-Laufwerk auswählen, das die Daten aufnehmen soll.

Abschließend zeigt VirtualBox zwei Übersichten mit Einstellungen (erst für die Platte, dann für die ganze VM) an. Klicken Sie in beiden Dialogen auf Erzeugen, erstellt das Programm die neue VM.

Nun sehen Sie nur noch das Hauptfenster von VirtualBox, das links einen neuen Eintrag für die gerade erstellte VM enthält – arbeiten Sie später mit weiteren VMs, erscheinen diese an derselben Stelle. Rechts finden Sie eine Zusammenfassung der Eigenschaften der gerade markierten VM. Hier können Sie noch eine Anpassung vornehmen, bevor Sie mit der Installation von Linux beginnen: Klicken Sie in der Übersicht auf Anzeige und setzen Sie im sich öffnenden Fenster das Häkchen vor der Option 3D-Beschleunigung aktivieren. (Die darunter liegende Option für 2D-Video-Beschleunigung wird unter Linux-Gastsystemen nicht unterstützt.) Bestätigen Sie die Änderung mit einem Klick auf OK; damit schließen Sie auch das Fenster. Durch diese Änderung verhält sich später der Desktop des Linux-Systems performanter.

Linux installieren

Um Linux in der virtuellen Maschine zu installieren, gehen Sie genauso vor wie bei einer richtigen Installation; Sie können also den Anleitungen ab Seite 26 (für OpenSuse 12.1) bzw. ab Seite 30 (für Kubuntu 11.10) folgen. Es gibt nur wenige Abweichungen. Nutzen Sie unsere Heft-DVD für die Installation, legen Sie diese ein und klicken in VirtualBox auf Starten. Im Startassistenten, der nur beim ersten Start einer VM erscheint, wählen Sie als Installationsmedium den Eintrag, der zu Ihrem DVD-Laufwerk passt (z. B. Hostlaufwerk 'D:') und bestätigen mit Weiter; im nächsten Dialog klicken Sie nochmals auf Starten. Wollen Sie hingegen von einem ISO-Image eine Linux-Distribution installieren, klicken Sie im Dialog für das Installationsmedium auf das Ordnersymbol neben dem Drop-down-Menü und wählen dann eine Image-Datei auf der Platte (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Startassistent schlägt vor, direkt von einer eingelegten CD oder DVD zu installieren. Alternativ wählen Sie dafür ein ISO-Image aus.

So oder so ist nun eine Installationsquelle vorhanden, und das in VirtualBox integrierte BIOS wird beim Booten der frischen VM automatisch auf dem DVD-Datenträger nach einem bootfähigen Betriebssystem suchen (Abbildung 5). Haben Sie die Gelegenheit verpasst, ein ISO-Image auszuwählen, können Sie das auch noch nachträglich über die Einstellungen der VM erledigen. Sie finden die richtige Stellschraube später unter Massenspeicher / IDE-Controller.

Abbildung 5: Die VM bootet vom DVD-Laufwerk. Mit der richtigen Sprache und der passenden Bildschirmauflösung kann die Linux-Installation beginnen.

Nach dem Abschluss der Linux-Installation haben Sie ein vollwertiges Linux-System in der VM. Sie können damit die Internet-Verbindung des Windows-PCs mitnutzen, also z. B. Webseiten in Firefox aufrufen oder ein Mailprogramm konfigurieren und verwenden.

Zum "Abschalten" der virtuellen Maschine rufen Sie wahlweise den Eintrag des Linux-Startmenüs zum Herunterfahren des Rechners auf oder Sie klicken auf den Schließen-Knopf des (Windows-)Fensters, in dem die VM läuft: Dann erscheint ein Dialog, aus dem Sie den Zustand der virtuellen Maschine speichern wählen: Darüber sichern Sie den aktuellen Zustand wie bei einem Suspend-to-disk; aktivieren Sie die VM das nächste Mal, setzen Sie die Arbeit genau an der Stelle fort, an der Sie die VM suspendiert hatten.

Die folgenden Hinweise und Anleitungen lassen Sie Linux in der VM noch komfortabler nutzen; sie sind für die generelle Nutzung aber nicht zwingend nötig.

Zugriff auf die Windows-Dateien

Unter Windows speichern Sie Ihre privaten Dateien in einem Unterordner (meist Eigene Dateien) von c:\Users\Benutzername\ – das virtuelle Linux legt nach einem ähnlichen Schema das Verzeichnis /home/Benutzername/ für Sie an, und Programme wie LibreOffice speichern neue Dateien dann in Unterordnern wie Dokumente. Lästig wird es, wenn Sie unter Windows und Linux Office-Dateien erstellen – diese sind dann immer nur von dem Betriebssystem aus verfügbar, mit dem Sie die Dateien angelegt haben. Das lässt sich leicht beheben, und zwar am besten gleich am Anfang. Dazu sind zwei Schritte nötig:

  • Sie müssen Ihr privates Windows-Verzeichnis für die Linux-VM freigeben
  • und anschließend ein paar Änderungen am Linux-System vornehmen,

damit die Linux-Programme aus der VM heraus Dateien direkt im Windows-Verzeichnis ablegen. Wenn Sie das tun, spielt es künftig keine Rolle mehr, ob Sie unter Windows oder Linux eine Word- oder LibreOffice-Writer-Datei erstellen oder öffnen möchten.

  1. Rechtsklicken Sie in der laufenden VM rechts unten auf das Ordnersymbol (mit dem Tool-Tipp Zeigt die Aktivität der gemeinsamen Ordner) und wählen Sie aus dem aufklappenden Kontextmenü den (einzigen) Eintrag Gemeinsame Ordner aus.
  2. Es erscheint ein neues Fenster, in dem Sie rechts oben auf das Ordnersymbol mit dem Pluszeichen (Gemeinsamen Ordner hinzufügen) klicken.
  3. Ein weiteres Fenster öffnet sich. In dessen oberem leeren Feld Ordner-Pfad klicken Sie die Drop-down-Box an und wählen Ändern.
  4. Wählen Sie im Dateiauswahldialog den Ordner aus, den Sie für die Linux-VM freigeben möchten. Eine gute Wahl ist der Ordner Dokumente in Ihrem privaten Verzeichnis (Abbildung 6). Wenn Sie den Ordner mit OK übernehmen, erscheint dessen voller Pfad im Eingabefeld. Lassen Sie sich nicht irritieren: Der Ordner Dokumente heißt tatsächlich Documents, Windows zeigt nur an vielen Stellen die deutsche Übersetzung dieses Namens an.

    Abbildung 6: Über VirtualBox legen Sie fest, auf welches Windows-Verzeichnis das Linux-System in der VM zugreifen darf.
  5. Im Feld Ordner-Name ist nun bereits eine Vorgabe eingetragen – wenn Sie sich für den Dokumente-Ordner entschieden haben, ist dieser Name Documents. Sie können ihn ändern, müssen sich die geänderte Bezeichnung aber merken. Verwenden Sie in diesem Namen keine Leer- oder Sonderzeichen.
  6. Falls Sie Linux nur lesenden Zugriff einräumen möchten, setzen Sie das Häkchen vor der Option Nur lesbar – für die im Folgenden angestrebte gemeinsame Nutzung des Dokumente-Ordners ist das aber nicht sinnvoll.
  7. Setzen Sie Häkchen vor Automatisch einbinden und vor Permanent erzeugen und schließen Sie das Fenster mit OK.

Jetzt müssen Sie die Linux-Distribution noch darüber informieren, dass sie den freigegebenen Windows-Ordner unter /home/username/Dokumente/ in den Verzeichnisbaum einhängen soll. Die dafür nötigen Schritte hängen von der Distribution ab, die Sie installiert haben:

Ubuntu und Kubuntu

Wenn Sie Ubuntu oder Kubuntu verwenden, müssen Sie die Datei /etc/rc.local verändern. Öffnen Sie dazu über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster und geben Sie darin den Befehl

sudo kate /etc/rc.local

ein. Damit starten Sie den Editor Kate mit Root-Rechten und öffnen in ihm die Datei. Tragen Sie nun vor der letzten Zeile (in der exit 0 steht) die folgenden zwei Zeilen ein:

umount /media/sf_Documents
mount -t vboxsf -o uid=1000,gid=1000,dmode=770,fmode=660 Documents /home/username/Dokumente

Dabei sind mindestens eine, eventuell zwei Anpassungen notwendig:

  • In jedem Fall müssen Sie in der zweiten Zeile username durch Ihren Benutzernamen ersetzen.
  • In der ersten Zeile ersetzen Sie außerdem sf_Documents durch sf_ und den Namen, den Sie in Schritt 5 vergeben haben – falls Sie sich dort für eine Alternative zu Documents entschieden haben.
  • In der zweiten Zeile ersetzen Sie ebenfalls Documents durch diesen Namen.

Speichern Sie dann die Datei (Abbildung 7) und verlassen Sie den Editor. Eine Erläuterung der Optionen finden Sie in der Tabelle mount-Optionen.

Abbildung 7: Zwei zusätzliche Zeilen in der Datei "/etc/rc.local" sorgen unter Ubuntu dafür, dass Sie künftig auf die Windows-Freigaben zugreifen können.

OpenSuse

Unter OpenSuse tragen Sie eine zusätzliche Zeile in die Liste der beim Systemstart einzubindenden Datenträger ein: Öffnen Sie mit Root-Rechten im Editor die Datei /etc/fstab, z. B., indem Sie mit [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster öffnen und darin das Kommando

sudo kate /etc/fstab

eingeben. Ergänzen Sie am Ende der Datei die folgende Zeile:

Documents  /home/username/Dokumente  vboxsf  uid=1000,gid=100,dmode=770,fmode=660  0  0

An der Zeile sind eventuell noch Änderungen nötig:

  • Ganz am Anfang ersetzen Sie Documents durch den Ordnernamen, den Sie weiter oben in Schritt 5 vergeben haben.
  • Im darauf folgenden Pfad ersetzen Sie username durch Ihren eigenen Benutzernamen.

Eine kurze Beschreibung der Optionen in dieser Zeile finden Sie in der Tabelle mount-Optionen. Speichern Sie die Datei mit [Strg]+[S] und schließen Sie das Editor-Fenster.

mount-Optionen

uid=1000 Alle Dateien auf der Windows-Freigabe erhalten aus Linux-Sicht die User-ID 1000, das ist die ID des ersten unter Linux eingerichteten Benutzers.
gid=1000 bzw. gid=100 Analog zur User-ID gibt es noch eine Gruppen-ID. Bei OpenSuse gehört der erste Benutzer zur Gruppe 100 (users), während Ubuntu für diesen Benutzer eine private Gruppe erzeugt, welche genauso wie der Benutzer heißt und dieselbe ID wie der Benutzer hat (1000).
dmode=770 Dieser Eintrag legt die Zugriffsrechte für Verzeichnisse fest. Sie sind für den Besitzer und Gruppenmitglieder les- schreib- und betretbar.
fmode=660 Dieser Eintrag legt die Zugriffsrechte für Dateien fest. Sie sind für den Besitzer und Gruppenmitglieder les- und schreibbar.

Nach diesen Anpassungen unter OpenSuse bzw. Ubuntu starten Sie die virtuelle Maschine neu (indem Sie unter Linux den Menüpunkt zum Neustarten des Linux-Systems aufrufen). Danach sollten Sie in der Lage sein, über den Unterordner Dokumente in Ihrem Home-Verzeichnis auf den freigegebenen Windows-Ordner lesend und schreibend zuzugreifen (Abbildung 8).

Abbildung 8: Zwei Welten, gleiche Ansicht: Der Explorer unter Windows und Dolphin unter Linux zeigen dieselben Dateien an.

Linux-Appliances

Wenn Ihnen die manuelle Installation zu umständlich ist, können Sie auch eine VM verwenden, die ein anderer Anwender bereits eingerichtet hat. Für VirtualBox gibt es im Internet eine große Sammlung so genannter virtueller "Appliances" [2], das sind fertig eingerichtete VMs, die als Archivdateien aus der Konfiguration der VM und einem fertigen Festplatten-Image bestehen. Die meisten der frei verfügbaren Appliances sind allerdings für den englischen Sprachraum konfiguriert und nutzen die US-amerikanische oder britische Tastenbelegung, die beide nicht zur deutschen Tastatur passen, also eine Korrektur erfordern. Zudem fehlen hier meist die deutschen Anpassungen der diversen Programme; ein KDE- oder Gnome-Desktop und auch die mitgelieferten Programme werden sich dort also in englischer Sprache präsentieren.

Zum schnellen Ausprobieren einer Ihnen noch unbekannten Linux-Distribution eignen sich die Appliances dennoch. Falls Sie dann beim Nachrüsten der deutschen Sprache auf Probleme stoßen, können Sie sich immer noch für eine reguläre Installation in einer eigenen VM entscheiden.

Ein Sicherheitshinweis darf an dieser Stelle aber nicht fehlen: Die Appliances kommen nicht direkt vom jeweiligen Linux-Distributor; Sie setzen damit Vertrauen in den Anbieter, dass keine bösartige Software enthalten ist. Räumen Sie einer virtuellen Appliance keine Zugriffsrechte auf Ihre Windows-Dateien ein, um das Risiko zu minimieren.

Anders herum

Alternativ zur beschriebenen Vorgehensweise können Sie auch auf einem PC zunächst Linux installieren und dann dort in der Linux-Version von VirtualBox eine VM anlegen, die ein Windows-System aufnimmt. Wie das funktioniert, haben wir zuletzt vor einem Jahr beschrieben [3].

Welche der beiden Varianten für Sie die richtige ist, hängt im Wesentlichen davon ab, welches System Sie überwiegend nutzen möchten und ob Sie unter einem der Betriebssysteme Software einsetzen, die spezielle Hardware ansprechen muss. Für die meisten Zwecke (Office, Internet und weitere Standardanwendungen) spielt es keine große Rolle, welches Betriebssystem auf dem echten Rechner und welches in der VM läuft: Dank moderner Virtualisierungstechnik, wie sie auch VirtualBox verwendet, und dank der großzügigen Prozessor- und RAM-Ausstattung aktueller PCs sind die Leistungsverluste in der VM kaum wahrnehmbar.

Wenn Sie aktuelle Spiele unter Windows nutzen wollen, ist die im Artikel beschriebene Variante (Windows auf dem PC, Linux in der VM) die bessere, dann damit gibt es keine Probleme beim Zugriff auf die 3-D-Funktionen der Grafikkarte.

Vollbild- und Nahtlos-Modus

Im Normalbetrieb läuft Linux komplett im VirtualBox-Fenster. Die Software bietet aber noch zwei alternative Modi, die Sie nach Bedarf aktivieren können:

  • Im Vollbildmodus (den Sie über [Strg]+[F] mit der rechten Strg-Taste erreichen) verschwindet die Windows-Oberfläche komplett, und Sie sehen nur noch den Linux-Desktop. Drücken Sie erneut [Strg]+[F], kommen Sie zu Windows zurück.
  • Oft noch nützlicher ist der Nahtlos-Modus. Wenn Sie [Strg]+[L] (wieder mit der rechten Strg-Taste) drücken, verschwindet das VirtualBox-Fenster, und die einzelnen Programmfenster der Linux-Anwendungen erscheinen separat auf dem Bildschirm, außerdem finden Sie dort auch die Startleiste von Linux/KDE. In der Regel liegen nun beide Startleisten (von Windows und Linux) am unteren Rand – meist ist es praktischer, eine davon nach oben zu verschieben. Abbildung 9 zeigt, wie ein Desktop aussieht, der die beiden Startleisten oben und unten angeordnet hat. Außerdem sehen Sie dort mehrere Programmfenster von Linux und Windows, die sich überlappen. Sie können die Herkunft der Fenster an den unterschiedlichen Titelleisten mit ihren Buttons zum Verkleinern, Maximieren und Schließen erkennen.
Abbildung 9: Besonders komfortabel ist der "Nahtlos"-Modus, bei dem Sie die Startleisten von Windows und Linux sowie die einzelnen Programmfenster bunt gemischt auf dem Bildschirm sehen.

Der nächste Schritt

Wenn Sie sich mit dem Linux-System in der virtuellen Maschine anfreunden können und dort alles an Software finden, was Sie für den PC-Alltag benötigen, empfiehlt sich als nächster Schritt eine "richtige" Linux-Installation, bei der Linux ohne Virtualisierung direkt auf der Hardware läuft. Wie das geht, steht in dieser Ausgabe in den Artikeln ab Seite 26.

Glossar

Gast

Im Zusammenhang mit virtuellen Maschinen bezeichnet man den echten Rechner meist als Host ("Gastgeber") und den virtuellen PC als Gast; die Betriebssysteme, die auf den beiden Maschinen laufen, heißen entsprechend Hostsystem und Gastsystem.

ISO-Image

Ein Image (Abbild) ist eine 1:1-Kopie eines Datenträgers, z. B. einer Festplatte oder einer DVD. Da CDs und DVDs meist ein ISO-9660-Dateisystem nutzen, nennt man CD- und DVD-Abbilder ISO-Images, die Dateiendung solcher Images ist meist .iso.

Suspend-to-disk

Auch "Ruhezustand" genannt. Das Betriebssystem schreibt alle Inhalte des Hauptspeichers auf die Festplatte und schaltet dann den Rechner aus. Beim nächten Start des PCs werden die gesicherten Daten zurück in den Hauptspeicher geholt, und der Anwender kann die Arbeit fortsetzen.

Infos

[1] VirtualBox-Download: https://www.virtualbox.org/wiki/Downloads

[2] Linux-Images für VirtualBox: http://virtualboximages.com/

[3] Thomas Leichtenstern: "System im System – VirtualBox einrichten und bedienen", EasyLinux 01/2011, S. 43 ff.

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