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Volle Kraft voraus

Schneller arbeiten mit KDE

01.09.2011
Wenn Sie beim Arbeiten richtig Zeit sparen wollen, optimieren Sie die Arbeitsprozesse selbst – mit Hotkeys und speziellen Tools. Wir zeigen, wie das unter KDE funktioniert.

Wollen Sie Aufgaben unter KDE beschleunigen, hilft es nicht unbedingt, einen schnelleren Rechner zu kaufen. Sicher: Der spart Zeit beim Booten und beim Starten von Programmen. Doch vermutlich verlieren Sie auf Dauer mehr Zeit durch ineffiziente Arbeitsprozesse. Jedes Mal, wenn Sie den Mauszeiger durch Hierarchien von Menüs navigieren, um eine kleine Aufgabe zu erledigen, gehen Sekunden verloren. Dieser Mehraufwand summiert sich: Am Ende benötigen Sie für umständliche Bedienaktionen mehr Zeit als für langsame Programmstarts.

Der Artikel setzt hier an: Wir zeigen, wie Sie effizienter arbeiten, wenn Sie ein paar Gewohnheiten ändern und Ihr System besser einrichten, und wir verraten, was es mit den globalen und lokalen Tastaturkürzeln auf sich hat, was Aktivitäten sind und wie Sie diese effektiv einsetzen. Außerdem stellen wir mit Lancelot und Quicksand alternative Anwendungsstarter für den KDE-Desktop vor.

Schnellstarter

Zu den bekanntesten Tastaturkürzeln in der Linux-Welt zählt sicher [Alt]+[F2]: Verwenden Sie diese Kombination, erscheint im oberen Bereich des Desktops eine Schnellstartleiste, in die Sie den Namen des Programms eingeben, das Sie nutzen wollen. Es genügt, die ersten drei Buchstaben des Namens einzutippen, damit Ihnen KDE in einer Aufklappliste verschiedene potenzielle Kandidaten vorschlägt (Abbildung 1). Das oberste starten Sie direkt, indem Sie [Eingabe] drücken. Wollen Sie eine der übrigen Anwendungen starten, verwenden Sie [Pfeil runter] (Kubuntu/OpenSuse 11.4) oder [Tab] (OpenSuse 11.3), markieren sie und drücken [Eingabe].

Abbildung 1: Über Alt+F2 rufen Sie unter KDE den Schnellstarter auf. Geben Sie hier die Anfangsbuchstaben einer Anwendung ein, listet er bekannte Namen auf.

Weniger bekannt ist, dass KDE auch einen Schnellstarter namens Quicksand an Bord hat, der auf KRunner basiert. Er liegt – wie der klassische Schnellstarter – als Plasma-Wiget vor. Sie starten Quicksand, indem Sie in der normalen Schnellstartleiste auf den Schraubenschlüssel klicken und dann in das Register Benutzeroberfläche (Kubuntu/OpenSuse 11.4) bzw. Benutzerschnittstelle wechseln. Wählen Sie hier die Option Aufgabenorientiert und klicken Sie auf Anwenden bzw. Ok, verändert sich das Aussehen der Eingabezeile.

Suchen Sie in Quicksand eine Anwendung, rufen Sie den Schnellstarter über [Alt]+[F2] auf und tippen dann direkt den gesuchten Namen ein. Quicksand zeigt die Ergebnisse gleich doppelt an (Abbildung 2): Rechts neben der Eingabezeile erscheint eine Liste, welche die Fundstücke untereinander auflistet. Mit [Pfeil hoch] und [Pfeil runter] zirkulieren Sie durch diese und treffen über [Eingabe] eine Auswahl. Verwenden Sie hingegen [Pfeil rechts] und [Pfeil links], blättern Sie im Hauptfeld von Quicksand durch die Icons der Fundstücke. Über [Eingabe] wählen Sie eines davon aus. Drücken Sie [Eingabe] erneut, ruft das die zugehörige Anwendung auf den Plan. Über den Schraubenschlüssel und die Option Benutzeroberfläche / Befehlsorientiert (Kubuntu, OpenSuse 11.4) bzw. Benutzerschnittstelle / Befehlsorientiert (OpenSuse 11.3) kehren Sie zur klassischen Ansicht zurück.

Abbildung 2: Quicksand ist ein alternativer Schnellstarter für KDE.

Anwender, die den Schnellstarter nicht verwenden, rufen Anwendungen meist über das K-Menü auf, das den Codenamen Kickoff trägt. Das Symbol mit dem K (für KDE) finden Sie links unten in der Kontrollleiste. Sie rufen das Menü alternativ zum Mausklick über [Alt]+[F1] auf.

Haben Sie es eilig, wühlen Sie sich besser nicht durch die Kategorien des Registers Anwendungen. Geben Sie vielmehr den Namen der gesuchten Anwendung in die Zeile im oberen Bereich des K-Menü ein. Die Schnellsuchfunktion fördert einige Suchergebnisse zutage und zeigt diese unterhalb der Eingabezeile an (Abbildung 3). Mit [Pfeil runter] wählen Sie das passende Ergebnis aus und starten es direkt.

Abbildung 3: Über die Suchleiste im Schnellstarter "Kickoff" gelangen Sie schneller zu den gesuchten Programmen. Sie ersparen sich so den Umweg über Menüs und Untermenüs.

Als Alternative zu Kickoff dient das klassische K-Menü. Wir erwähnen es der Vollständigkeit halber, da es Ihren Arbeitsprozess vermutlich nicht beschleunigt. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das K-Menü-Icon und wählen Sie Zum klassischen Menüstil wechseln, um es zu aktivieren.

Interessanter ist Lancelot. Das Menü gilt als übersichtliche Alternative zu Kickoff (Abbildung 4). Es stellt die vorhandenen Oberkategorien dar und listet daneben sichtbar (im Gegensatz zu Kickoff) die zugehörigen Einträge auf. Zudem müssen Sie das Programm Ihrer Wahl nicht mehr per Mausklick aussuchen: Bewegen Sie den Mauszeiger über ein kleines schwarzes Mauszeiger-Icon neben dem Programm, startet dieses sofort. Der Nachteil liegt auf der Hand: Wenn Sie etwas ungeschickt agieren, rufen Sie womöglich Programme ungewollt auf.

Abbildung 4: Ein Vorteil von Lancelot: Sie starten Programme ganz ohne Mausklick, indem Sie mit dem Mauszeiger das Mauszeigersymbol neben dem Icon berühren.

Lancelot müssen Sie unter Kubuntu zunächst installieren. Das Paket heißt plasma-widget-lancelot. Die OpenSuse-Versionen 11.3 und 11.4 haben das Widget bereits an Bord.

  1. Um Lancelot zu aktivieren, klicken Sie in der Kontrollleiste auf das Symbol mit der gelben Bohne ganz rechts und wählen Miniprogramme hinzufügen.
  2. Es erscheint eine lange Liste mit Programmen, die Sie per Drag & Drop auf die Kontrollleiste ziehen können. Machen Sie sich auf die Suche nach einem Icon namens Lancelot-Programmstarter und schieben Sie es an eine freie Stelle in der Kontrollleiste.
  3. Nun klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das bisherige K-Menü-Icon und wählen K-Menü entfernen, um das klassische Symbol aus der Leiste zu werfen.
  4. Zuletzt schieben Sie das neue Icon ganz nach links und ersetzen so das bisherige K-Menü.
  5. Ein Klick ganz rechts auf das rote Kreuzchen schließt den Einrichtungsdialog für die Kontrollleiste. Lancelot ist nun einsatzbereit.

Shortcut-Theorie

Wie erwähnt, lassen sich einige Dinge mit Hilfe von Tastaturkürzeln wesentlich schneller regeln. Dazu brauchen Sie aber ein Grundverständnis davon, wie die Tastaturbefehle unter KDE funktionieren – das System erschließt sich nicht unbedingt intuitiv.

Für die grafische Oberfläche gibt es drei Kategorien von Shortcuts, deren Aufteilung zunächst etwas unklar ist. Sie finden diese Kategorien, indem Sie die Systemeinstellungen von KDE aufrufen und dann den Eintrag Kurzbefehle und Gestensteuerung (Kubuntu 11.04/OpenSuse 11.4) bzw. Tastatur & Maus (OpenSuse 11.3) wählen. Sie sehen nun die drei Begriffe Eigene Kurzbefehle, Standard-Kurzbefehle und Globale Kurzbefehle. Unter OpenSuse 11.3 finden Sie die Option Eigene Kurzbefehle unter einem eigenen Punkt namens Tastenkombinationen in den Systemeinstellungen.

Bei genauem Hinschauen erschließen sich die Unterschiede: Unter Standard-Kurzbefehle und Globale Kurzbefehle weisen Sie vorgefertigten Aktionen neue Tastaturbefehle zu, können allerdings keine Aktionen ergänzen. Globale Kurzbefehle lösen dabei Ereignisse aus, die auch funktionieren, wenn Sie nur den Desktop sehen und keine Anwendung aktiv ist – sie arbeiten anwendungsübergreifend. Die Systemeinstellungen unterscheiden diese Shortcuts nach KDE-Komponenten, welche ein Drop-down-Menü auflistet, aus dem Sie etwa amarok oder KWin auswählen. Globale Tastaturbefehle legen Sie fest, indem Sie eine Aktion auswählen, auf das Feld rechts neben Benutzerdefiniert klicken und dann den neuen Shortcut drücken.

Die Standard-Kurzbefehle betreffen hingegen häufig genutzte und typische Funktionen in Programmen: In den meisten Anwendungen dürfen Sie Dateien öffnen, neu anlegen oder drucken. Sie schließen ein Programmfenster oder beenden das komplette Programm. Diese wiederkehrenden Features decken die Standard-Kurzbefehle ab. Doch nicht für alle Funktionen gibt es Tastaturbefehle: Um das zu ändern, wählen Sie auch hier die passende Aktion und legen einen neuen Kurzbefehl fest.

Es bleibt noch der Bereich Eigene Kurzbefehle (Kubuntu, OpenSuse 11.4) bzw. Tastenkombinationen (OpenSuse 11.3). Hierüber können Sie unter anderem beliebigen Kommandos einen Shortcut zuordnen und so per Tastenkombination etwa ein Nicht-KDE-Programm starten.

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