LIcq

Im Hinblick auf Instant-Messaging-Dienste scheint das gesamte Internet derzeit fest in der Hand von Skype zu sein. Obwohl der Skype-Chat anfangs eigentlich nur eine praktische Dreingabe zur Sprach- und Videotelefonie des Anbieters war, verwenden es die meisten auch zum Chatten. Noch vor fünf Jahren dominierte hier unangefochten der Instant Messenger ICQ. Das Projekt wurde zwischenzeitlich von AOL gekauft, den Dienst gibt es bis heute. Es stehen auch genug freie und brauchbare Programme zur Verfügung, um ICQ auf Linux zu verwenden. Licq ist eines davon, im Juli erschien die Version 1.5.1.

ICQ für KDE

Licq [#] gibt es schon seit über 13 Jahren. Das Programm darf also für sich in Anspruch nehmen, einer der ältesten ICQ-Clients für Linux überhaupt zu sein. Dabei haben die Autoren den Client immer wieder an den aktuellen Stand der Technik angepasst. Mittlerweile basiert die Software auf Qt 4 und richtet sich somit vorrangig an KDE-Benutzer.

Nach dem ersten Start begrüßt das Programm neue Anwender mit einem Hinweis auf den Account-Manager-Dialog. Optional tragen Sie hier die Zugangsdaten eines bestehenden Accounts ein. Sollten Sie noch keinen besitzen, bietet das Programm Ihnen auch die Möglichkeit, direkt aus der Licq-Programmoberfläche heraus einen neuen anzulegen.

Der Einsatz von Licq beschränkt sich außerdem nicht nur auf ICQ-Accounts. Trotz des unmissverständlichen Namens kommt es auch mit Microsofts MSN zurecht. In Version 1.5.0 ist auch die Unterstützung für das Jabber-Protokoll dazu gekommen, das beispielsweise der Chat-Dienst des Suchmaschinenprimus Google, Google Chat, verwendet – dort nennt sich das gleiche Protokoll allerdings XMPP.

Etwas eigenartig wirkt in Licq die Einschränkung, dass lediglich ein Account für jedes Protokoll vorhanden sein kann. Wer zwei ICQ-Accounts nutzen möchte, z. B. einen für die Arbeit und einen privaten, muss darum auf ein anderes Programm ausweichen.

GUI mit Schwächen

Grundsätzlich besteht die Oberfläche des Programms aus der Liste Ihrer Kontakte (Abbildung #), sowie weiteren Fenstern, in denen Gespräche mit Ihren Bekannten Platz finden. Das Layout ist nicht neu – es findet sich so oder ähnlich bei vielen ICQ-Clients wieder. Allerdings leistet sich Licq im Hinblick auf intuitive Bedienung einen Fauxpas: Ein Klick auf einen Eintrag in der Kontaktliste öffnet nicht etwa ein Chat-Fenster, sondern eines, um dem Gegenüber eine URL zu senden. Anwendern wäre eher geholfen, würde Licq sein Standard-Verhalten an den intuitiv erwarteten Effekt anpassen.

Abb. #: Das Licq-Hauptfenster wirkt übersichtlich und nüchtern; es passt damit gut in die Tradition von IM-Clients.

Der einzige Menü-Button führt in Licqs Hauptmenü, in dem Sie verschiedene andere Funktionen erreichen. Unter anderem bietet es Ihnen eine Option, nicht verbundene Benutzer aus der eigenen Kontaktliste auszublenden – das reduziert den Platzbedarf von Licq üblicherweise beträchtlich.

Unter Einstellungen finden Sie auch die Konfiguration des ICQ-Clients. Hier können Sie an diversen Schrauben und Rädern drehen und das Programmverhalten an Ihre Bedürfnisse anpassen. Positiv fällt die klar verständliche Formulierung der einzelnen Optionen des Konfigurationsdialogs auf – beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Plug-ins

Licq hat eine eigene Plug-in-Schnittstelle, die es erlaubt, neue Funktionen ins Programm zu integrieren, ohne dessen Quellen zu verändern. Einige Erweiterungen bringt Licq von Hause aus mit, andere stellt das Projekt zum Download bereit. Mittels des osd-Plug-ins bekommt Licq beispielsweise ein vollständiges On-Screen-Display, das neue Nachrichten optisch ansprechend aufbereitet darstellt, ohne das jeweilige Chatfenster zu öffnen. Das rms-Plugin erweitert das Programm um eine Schnittstelle zum Fernsteuern.

Das meint die Redaktion

Licq ist eine gute Alternative zu den typischen Vertretern der verschiedenen IM-Clients. Dass es nicht möglich ist, für ein Protokoll mehr als einen Account anzulegen, stört den Gesamteindruck. Die Plug-in-Schnittstelle erlaubt das problemlose Erweitern des Funktionsumfnags, darüber hinaus bietet die Software diverse Konfigurationsmöglichkeiten.

Bewertung

3 von 5 Sternen

Luminance-HDR

Luminance-HDR hilft beim Erstellen von HDR-Fotos. Die HDR-Technik kombiniert mehrere Versionen eines Bilds: eine unter-, eine normal- und eine überbelichtete Variante. Diese Kombination der Fotos führt, je nach Einstellung, zu teilweise surreal anmutenden Farbeffekten.

Luminance-HDR [#] ist ein alter Bekannter in neuem Gewand. Bis letztes Jahr hieß das Programm noch Qtpfsgui. Die Unaussprechlichkeit des alten Namens war allerdings nicht die Hauptmotivation für die Namensänderung. Qtpfsgui war ein Qt-basiertes Werkzeug, welches das Erstellen von HDR-Fotos erleichtert hat. Indem man dem Programm die entsprechenden Fotos lieferte, erstellte es eine Vorabversion vom HDR-Fotos und gab dem Nutzer danach die Möglichkeit, über einige Funktionen die Optik des Bildes noch zu verbessern.

Version 2.0 als großer Flopp

Die Version 2.0 von Qtpfsgui wurde von den Entwicklern umbenannt; das Programm sollte fortan den Namen Luminance-HDR tragen und versprach außerdem viele wichtige Veränderungen. Die Benutzer waren indes wenig begeistert: Die Release war wesentlich absturzanfälliger, und einige beliebte Funktionen der Vorgängerversion waren schlichtweg defekt. Gleichzeitig hatten sich die Entwickler mit einer eher beunruhigenden E-Mail an die Szene gewandt: Sie erklärten, dass sie keine Zeit mehr hätten, um das Programm sinnvoll weiter zu pflegen. Erstmals trat im Anschluss Davide Anastasia ins Rampenlicht: Er trat der Entwicklergruppe bei und übernahm quasi sofort die Führungsrolle. Unter seiner Ägide ging die Luminance-HDR-Entwicklung mit neuem Antrieb weiter. Am 20. August 2011 veröffentlichte das Projekt die neue Version 2.1.0 (Abbildung #).

Abb. #: Luminance-HDR erstellt aus dem geeigneten Ausgangsmaterial atemberaubende Bilder. Der Nachfolger von Qtpfsgui wartet mit vielen nützlichen Neuerungen auf und macht richtig Spaß.

Neuigkeiten in Luminance-HDR 2.1

Einige der wichtigsten Neuerungen betreffen die grafische Oberfläche des Programms. Der Dialog für die Farbregulierung des fertigen HDR-Fotos, der zuvor in einem eigenen Fenster untergebracht war, ist nun fester Bestandteil des Hauptfensters. Diese Funktion ist damit schneller zur Hand, was bei der Arbeit mit dem Programm mehr Nutzen bringt, als es auf den ersten Blick scheint. Eine weitere wichtige Veränderung bezieht sich auch auf das Hauptfenster: Ab Version 2.1 verwendet Luminance-HDR das so genannte Single Document Interface, kurz SDI. Wo vormals mehrere Dokumente innerhalb des Luminance-Fensters offen sein konnten, erhält ab sofort jedes sein eigenes. Die Benutzung gleicht damit beispielsweise der von GIMP, das schon immer so gearbeitet hat.

Vorschau, RAW-Funktionen, Wizard

Auch der Vorschaufunktion nahmen sich die Entwickler an, so dass die Unterschiede zwischen dem Vorschaubild und dem fertigen HDR-Foto wesentlich geringer ausfallen als bislang. Wer mit Fotos im Rohdatenformat arbeitet, freut sich über eine gänzlich überarbeitete RAW-Importfunktion. Das Programm verwendet in Zukunft die dafür eigentlich vorgesehene Libraw-Bibliothek statt der bisher eingesetzten Eigenentwicklung.

Um Anfängern den Einstieg zu erleichtern, überarbeiteten die Entwickler auch den Wizard zum Erstellen eines HDR-Fotos. Er verlangt jetzt weniger Informationen vom Benutzer und verwendet von sich aus sinnvollere Grundeinstellungen.

Darüber hinaus drehten die Entwickler auch ganz gehörig an der Performance-Schraube: Durch ein neues Thread-basiertes Design werkelt Luminance-HDR deutlich schneller als die vorherigen Versionen.

Das meint die Redaktion

Den Entwicklern ist mit Luminance-HDR 2.1.0 ein großer Wurf gelungen. Davide Anastasia profiliert sich als wahre Bereicherung für das Projekt und beschert den Luminance-Anwendern eine neue Version dieser Software, deren Features überzeugen. Das Programm ist mehr denn je ein ernst zu nehmender Konkurrent in der Welt der HDR-Fotografie.

Bewertung

5 von 5 Sternen

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