Inkscape

Was Adobe Illustrator unter Windows ist Inkscape unter Linux: Das Referenzprogramm zum Erstellen und Bearbeiten von Vektorgrafiken.

Vektorgrafiken gelten als Königsdisziplin im Grafikbereich. Denn im Gegensatz zu ihren pixelbasierten Bildern bestehen sie lediglich aus mathematischen Angaben. Eine Zeichnung ist quasi in mathematischen Formeln beschrieben – stellt man die Ergebnisse der Formeln grafisch dar, erscheint das fertige Bild. Diese Art der Darstellung erweist sich vor allem dann als sehr nützlich, wenn eine freie Skalierbarkeit der Grafik erforderlich ist. Gemäß mathematischen Gesetzen lassen sich die Formeln, welche die Zeichnung beschreiben, verändern und beispielsweise gleichmäßig vergrößern. Das Endresultat ist die gleiche Zeichnung, aber wesentlich größer – und trotzdem mit so scharfen Ecken und Kanten wie beim Original. Bei ganz normalen Grafiken geht beim Vergrößern zwangsläufig Schärfe verloren.

Vektorgrafiken sind deswegen aus dem professionellen Grafikbetrieb nicht mehr wegzudenken. Für Windows und Mac OS gilt Adobes Illustrator als unangefochtener Platzhirsch. In der Linux-Welt hat sich Inkscape [#] etabliert. Anfang September fand die Version 0.48.2 den Weg auf die Server des Projektes, mit der die Entwickler den stabilen Zweig 0.48 weiterführen.

Was gibts neues

Der 0.48er-Zweig von Inkscape (Abbildung #) ist mittlerweile ein Pflege-Zweig. Die Entwickler veröffentlichen in regelmäßigen Abständen neue Versionen, in denen die zwischenzeitlich gefundenen Fehler gefixt sind. Künftige Releases sollen in einem kürzeren Zyklus erscheinen.

Abbildung 1: Inkscape ist ein Spezialist in Sachen Vektorgrafiken, die anstelle von Pixeln mathematische Definitionen zum Anzeigen von Bildern verwenden.

Konkret haben die Entwickler in Inkscape 0.48.2 zum Beispiel das Problem gelöst, dass das Kopieren von Punkten einer Linie einer Vektor-Grafik via [Strg]+[d] nicht funktionierte. Der Export in PDF, EPS oder LaTeX wurde insofern verbessert, als dass der Raum, der die verschiedene Elemente einer Grafik umgibt, nun insgesamt besser genutzt wird und die Proportionen beim Export wieder stimmen.

Auch im Hinblick auf die Programmstabilität hat sich einiges getan; Programmierfehler, die sich in den Code älterer Versionen schlichen und seither für sporadische Abstürze sorgten, haben die Entwickler ebenfalls korrigiert.

Die aktuelle Version 0.48.2 basiert auf der im Juni 20010 veröffentlichten Version 0.48. Anders als es die sehr unspektakuläre Versionsnummer vermuten lässt, bietet Inkscape 0.48 interessante und wichtige Features: So enthielt die Version zum ersten Mal die Funktion, verschiedene Pfade (so heißen die Linien in Vektorgrafiken) zu markieren und gleichzeitig zu bearbeiten. Ebenfalls in Version 0.48 hielt das Spray-Tool Einzug in das Programm, das es erlaubt, vorhandene Körper eins zu eins zu kopieren.

Hohe Einstiegshürden

Zwar macht die aktuelle Inkscape-Version durchaus stabilen Eindruck, jedoch bleiben einige Unzulänglichkeiten. So ist es den Entwicklern auch in Version 0.48 und den folgenden Bugfix-Releases nicht gelungen ist, die Einstiegshürden für die Verwendung von Inkscape zu senken. Freilich: Vektor-Grafiken sind eine eher trockene Materie, und das Erstellen wirklich professioneller und schöner Vektor-Grafiken setzt eine gewisse Erfahrung voraus – das Wissen um einige Begrifflichkeiten der Grafikwelt inbegriffen.

Es wäre trotzdem für ungeübte Benutzer bereits eine große Hilfe, würde die Oberfläche den Anwender nicht mit den Icons für nahezu sämtliche Funktionen konfrontieren, die Inkscape bietet. Immerhin: Eine detaillierte Inkscape-Anleitung sowie Schritt-für-Schritt-Tutorials zu den wichtigsten Themen liegen dem Programm bereits bei, allerdings nur in englischer Sprache.

Was kommt

Augenblicklich arbeiten die Entwickler mit Hochdruck an Inkscape 0.49. Das Programm soll sich vor allem dadurch auszeichnen, dass die gesamte Oberfläche auf neue Beine gestellt wird und dadurch wesentlich performanter sein soll. Daraus schlagen Sie als Nutzer vor allem Kapital, wenn es um das Bearbeiten von sehr umfangreichen Vektorgrafiken geht. Möglicherweise bekommt das GUI von Inkscape im Rahmen dieses Updates ja auch eine Schönheitskur. Erwartet wird Inkscape 0.49 jedenfalls noch in diesem Jahr.

Die Redaktion meint

Inkscape ist ein gut funktionierendes Programm für die Arbeit mit Vektorgrafiken; allerdings erfordert es extrem viel Einarbeitung in das Thema sowie in das Programm selbst. Wer die Arbeit mit Adobe Illustrator gewohnt ist und die wichtigsten Begriffe kennt, kommt mit Inkscape auf Linux aber recht schnell zurecht.

Bewertung

4 von 5 Sternen

KMediaFactory

Wenn es um das Brennen von DVDs geht, hat sich zumindest bei KDE-basierten Systemen in den letzten Jahren K3b einen guten Namen gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass es links und rechts des Wegs nicht noch andere brauchbare Software gäbe, um DVDs zu erstellen. Das KDE-Programm KMediaFactory ist hierfür ein sehr gutes Beispiel: Das Werkzeug bietet nicht den gesamten Funktionsumfang von K3b, sondern hat sich auf das Erstellen von Video-DVDs spezialisiert. Diese Aufgabe erledigt es mit Bravour – und bedient sich am Ende dann doch der Hilfe von K3b, um die fertige DVD tatsächlich auf einen Datenträger zu brennen.

Video-DVDs als Sonderfall

Video-DVDs unterscheiden sich von Daten-DVDs durch einige Details. So verwenden letztere üblicherweise das schon aus CD-Zeiten bekannte und in einem ISO-Standard definierte Dateisystem ISO9660. Video-DVDs hingegen setzen auf das UDF-Format, das einige Schwächen von ISO9660 korrigiert. Nur DVDs mit UDF-Dateisystem werden von DVD-Playern überhaupt als Video-DVDs erkannt.

Ein weiterer bedeutsamer Unterschied zwischen den Formaten bezieht sich auf die Anordnung von Dateien auf dem Datenträger. Während eine Daten-DVD beliebige Dateien und Verzeichnisse enthalten kann, beachten Video-DVDs ein fixes Schema. Indem Sie eine Video-DVD in Ihr DVD-Laufwerk legen und den Datenträger danach im Filemanager öffnen, sehen Sie die Anordnung: In zwei Ordnern namens AUDIO_TS und VIDEO_TS befinden sich die entsprechenden Dateien eines Films.

Last but not least besitzen Video-DVDs häufig ein Menü, weswegen es nicht zuletzt deswegen einiger Vorbereitung bedarf, um aus einer einfachen Video-Datei eine Video-DVD zu erstellen, die handelsübliche Player auch als solche erkennen. Und genau diese Arbeit erledigt KMediaFactory [#] für Sie.

Nach dem Start begrüßt Sie das Programm mit dem Dialog zum Erstellen einer neuen DVD. Links sehen Sie die verschiedenen Etappen der DVD-Erstellung, rechts jeweils die Felder oder Dateien, die von Ihnen auszufüllen oder anzugeben sind. So legen Sie den Namen des Projekts, den Typ der DVD sowie das Seitenverhältnis fest, das die DVD später bei der Wiedergabe verwenden soll.

Medien und Menüführung

Im Kapitel Medien geben Sie die Videos an, aus denen Sie die DVD erstellen möchten. KMediaFactory (Abbildung #) unterstützt nur den Import von Videos im MPEG2-Format. Damit geht es zum Video-DVD-Standard konform, das ebenfalls diesen Codec verwendet. Wünschenswert wäre an dieser Stelle eine Funktion, die Videos in anderen Formaten automatisch konvertiert und dann zur DVD hinzufügt. So ist dieser Schritt von Ihnen händisch, beispielsweise mit HandBrake, zu erledigen.

Abb. #: KMediaFactory ist ein zuverlässiges Helferlein zum Erstellen von Video-DVDs. Das Programm nimmt Ihnen einen großen Teil der Arbeit ab.

Ein besonderes Augenmerk richteten die Entwickler auf die Menü-Funktionen. Eine Video-DVD steht und fällt mit der Qualität des Menüs, denn darüber gelangen die Zuschauer überhaupt erst an die Videos. Hier gibt sich KMediaFactory keine Blöße und stellt diverse Vorlagen zur Auswahl bereit. Über Get More gelangen Sie zur Homepage des Programms, auf der Sie weitere Menüs finden. Diese übernehmen Sie per Mausklick in den DVD-Ersteller.

Wenn Ihnen die vorgegebenen Menüs nicht zusagen, haben Sie die Möglichkeit, aus JPEG- und PNG-Bildern ein eigenes zu stellen. Selbst OpenOffice-Presentator-Files im ODP-Format akzeptiert die Software klaglos. Achten Sie darauf, am Ende des Vorgangs die Bilder mit den dazugehörigen Videos zu verknüpfen.

Auf dem Weg zur fertigen DVD

Am Ende erzeugt KMediaFactory ein fix und fertiges DVD-Image, das Sie auf einen Rohling brennen. Drei Ausgabe-Formate stehen zur Verfügung: DVDAuthor, K3b oder ein echter DVD-Ordner. Am schnellsten gelangen Sie zum Ziel, indem Sie ein K3b-Projekt ausgeben lassen und dieses anschließend direkt in K3b weiterverarbeiten.

Das meint die Redaktion

KMediaFactory setzt nicht viel Vorwissen voraus und hat eine intuitive Benutzeroberfläche. Das Erzeugen eigener Video-DVDs wird mit dem Programm zum Kinderspiel. Einziger Wehrmutstropfen ist die fehlende Funktion für das automatische Konvertieren von Videos in MPEG2.

Bewertung

4 von 5 Sternen

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