Ländliches Idyll

Farmsimulation

Während in der echten Welt die Blumen auf dem häuslichen Balkon kläglich verdorren, statten Sie einen virtuellen Bauernhof gleich reihenweise mit Hyazinthen und Krokussen aus – sogar alberne Gartenzwerge werden aufgestellt. Was ist da los?

Das schafft Family Farm. Das Wirtschafts- und Strategiespiel ist auf einer Farm des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Das Casual Game lässt sich schnell mal zwischendurch spielen und orientiert sich an Farmville, dem legendären Browserspiel für Facebook-Nutzer. Sie kaufen es per PayPal oder mit der Kreditkarte für 12 US-Dollar direkt auf der Webseite [1] (siehe Kasten EasyLinux-Rabatt). (K)Ubuntu-Nutzer finden es auch im Software-Center, wo es 15 US-Dollar kostet oder – zum selben Preis – im Gameolith-Shop [2]. Selbst bei Saturn haben wir Family Farm in einer abgepackten Variante für 10 Euro entdeckt.

EasyLinux-Rabatt

Wer das Spiel über die Webseite kauft, erhält dank EasyLinux einen Preisnachlass von 33 Prozent. Dafür geben Sie einfach EASYLINUX in die Zeile unter Discount ein. Die Aktion gilt bis Ende 2011.

Wollen Sie zunächst nur ausprobieren, ob Family Farm auf Ihrem Rechner läuft, verwenden Sie die auf der Webseite angebotene Demoversion [3]. Family Farm setzt nämlich einiges an 3-D-Grafikleistung voraus, um ruckelfrei zu funktionieren. Grafikkarten von Intel unterstützen die Mac- und Linux-Version nach Aussage der Macher nicht – unser Test bestätigt das. Benutzen Sie Grafikkarten von AMD/ATI und Nvidia, müssen Sie zuvor die proprietären Treiber für diese installieren – erst dann läuft das Spiel vernünftig [4] [5].

Installation von Family Farm

Die Entwickler des Spiels schickten uns für den Test ein TGZ-Archiv, das Sie auch erhalten, wenn Sie das Spiel über das Internet bestellen. Wir haben es erfolgreich unter Ubuntu und Kubuntu 11.04 sowie OpenSuse 11.4 getestet – unter OpenSuse 11.3 machte uns der nicht installierbare Grafikkartentreiber einen Strich durch die Rechnung.

  1. Um das Spiel zu starten, speichern Sie das Archiv in einem Verzeichnis Ihrer Wahl – am besten in Ihrem Home-Verzeichnis.
  2. Navigieren Sie in Dolphin dorthin und drücken Sie [F4], um ein Terminal direkt im Verzeichnis aufzurufen.
  3. Geben Sie nun tar xvzf FamilyFarmRelease.tgz ein, um das Archiv zu entpacken.
  4. Über cd familyfarm gelangen Sie in das entpackte Verzeichnis, aus dem heraus Sie das Spiel über den Befehl ./FamilyFarm.sh starten.

Anfahrt

Nach dem Start mussten wir im Test zunächst über die Optionen die Bildschirmauflösung korrigieren. Sie geben zuerst einen Namen für das Spiel ein und landen dann im Hauptmenü, wo Sie auf die Schaltfläche Optionen klicken. Hier ändern Sie die Auflösung und schalten – bei Bedarf – den Vollbildmodus ein (Abbildung 1). Nach einem Klick auf Speichern müssen Sie das Spiel neu starten, damit die Änderungen greifen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Nach dem Start passen Sie am besten erst einmal die Bildschirmauflösung des Spiels an.

Zurück im Hauptmenü beginnen Sie mit einem Spiel für Einsteiger, indem Sie eine Neue Geschichte wählen (Abbildung 2) – eine Freie Geschichte dürfen Sie erst spielen, wenn Sie höhere Ränge erreichen, die wiederum von Ihrer gesammelten Erfahrung abhängen.

Die zwei Jahreszeiten

Family Farm ist ein rundenbasiertes Spiel. Eine Runde dauert im Spiel etwa 18 Minuten, soll ein Jahr abbilden und besteht aus zwei Teilen – dem Frühling und dem Sommer. Speichern können Sie Ihr Spiel nur nach dem Ende einer Jahreszeit. Ihre Perspektive auf den Bauernhof ist übrigens isometrisch – Sie schauen also von schräg oben auf das Gebiet und die darin wuselnden Menschen und Tiere.

Abbildung 2

Abbildung 2: Eine "Freie Geschichte" dürfen Sie erst starten, wenn Sie eine Weile eine Reihe von Einsteigergeschichten absolviert haben.

Im Frühjahr säen und bauen Ihre Spielfiguren an, bis sie abends erschöpft nach Hause wanken. Sie steuern diese Figuren mit der Maus und weisen ihnen permanent Aufgaben zu. Der Bauer und seine Frau sind die Hauptfiguren, ansonsten rekrutieren Sie am Anfang jedes Zyklus so viel Wanderarbeiter, wie Sie benötigen (und bezahlen können). Die Spielfläche ändert sich insgesamt kaum – sie beschränkt sich auf das Bauernhaus und dessen nähere Umgebung (Abbildung 3). Starten Sie eine Freie Geschichte, bietet Family Farm weitere Umgebungen an. Mit den Pfeiltasten oder der Maus bewegen Sie sich über das Areal – das geht im Vollbildmodus am besten.

Abbildung 3

Abbildung 3: Das Bauernhaus ist das Zentrum des Spiels. Erreichen Sie höhere Ränge, dürfen Sie weitere Szenarien freischalten und integrieren zum Beispiel auch die Viehzucht stärker.

Im Sommer ernten Ihre Figuren die Früchte der Arbeit und bereiten die Felder für das nächste Jahr vor. Neben der Tierzucht (Schafe, Pferde, Schweine u.a.) züchten die Bauern auch Hühner in Käfigen und verkaufen die Eier. Sie pflanzen Obstbäume, jäten Gemüsefelder und säen auf Feldern Nutzpflanzen wie Getreide, Mais und Sonnenblumen aus. Nicht zuletzt verbessert das Anlegen von Blumenbeeten und Parks die Stimmung auf dem Bauernhof – sogar an Gartenzwerge haben die Entwickler gedacht.

Die vorgefertigten Szenarios, die Sie über Neue Geschichte erreichen, haben konkrete Ziele, die Sie durch intelligentes Wirtschaften erreichen. Die Ziele stehen in einer Liste, die sich öffnet, wenn Sie oben links auf das Textblattsymbol (Abbildung 4) klicken. So sollen Sie etwa bis zum Ende eines Jahres (also innerhalb von zwei Spielzyklen, Frühling und Sommer) eine bestimmte Anzahl von Hühnereiern verkaufen.

Abbildung 4

Abbildung 4: In den Geschichten für Einsteiger müssen Sie bestimmte Ziele erfüllen. Eine Liste, die Sie oben links auf dem Bildschirm sehen, hält diese fest.

Ein anderes Mal besteht das langfristige Ziel (mehrere Jahre) darin, viel Gemüse abzusetzen. Um die zwei Ziele zu erreichen, müssen Sie also stets die Hühner füttern, damit sie Eier legen und neue Käfige bauen. Brauchen Sie mehr Gemüse, müssen Sie Wald roden, Steine entfernen und dann Felder anlegen, auf denen Sie Gemüse anpflanzen. Das Problem: Sie spielen immer gegen die Zeit. Die Uhr tickt links unten in dem runden Kreis. Legen Sie die Felder zu spät an, schaffen Sie das Pflanzen nicht mehr rechtzeitig vor Sommeranbruch – die Felder liegen dann brach. Sie müssen also Prioritäten setzen.

Anpacken

In der ersten, einfachsten Geschichte steuern Sie nur den Farmer und seine Frau. Ein Assistent, der links unten im Bild auftaucht, gibt Ihnen Tipps zum Spiel. Die beiden Figuren tun nichts, so lange Sie ihnen keine Aufträge erteilen. Die Anzahl der wartenden Figuren zeigt ein Icon rechts oben an – anfangs sind es zwei (Abbildung 5). Ihre Aufgabe besteht nun darin, alle Figuren ständig in Bewegung zu halten, sie mit Aufträgen zu versorgen.

Abbildung 5

Abbildung 5: Das Icon mit dem sitzenden Bauern zeigt zwei untätige Personen an. Klicken Sie auf diese und geben Sie den beiden einen Job.

Aufgaben gibt es genug, sie warten auf dem gesamten Spielfeld. Gelbe Zahnräder zeigen an, dass es hier etwas zu tun gibt. Solche Zahnräder erscheinen zum Beispiel neben dem Hühnerstall (Abbildung 6). Wählen Sie eine untätige Figur aus und bewegen Sie dann die Maus auf das Zahnrad, erscheint dort der Text Füttere die Hühner!. Ein Mausklick und die ausgewählte Figur tut genau das. Sie streut Körner im Hühnerkäfig und sammelt auch gleich neue Eier ein, was nett animiert ist. Bestimmte Aufgaben dürfen mehrere Spielfiguren gemeinsam erledigen, etwa das Bepflanzen und Bewässern von Feldern. Symbole in den gelben Zahnrädern zeigen das dann an.

Abbildung 6

Abbildung 6: Die gelben Zahnräder zeigen, dass es hier etwas zu tun gibt. Die Anzahl der Personen im Zahnrad gibt an, wie viele Menschen sich den Job teilen dürfen.

Um im Laufe des Zyklus Ihr Ziel zu erreichen, müssen Sie vor allem optimal planen. Brauchen Sie einmal eine Atempause, klicken Sie unten rechts auf den Knopf mit dem Pausensymbol. Nun hält das Spiel an und Sie legen sich eine Strategie zurecht. Lassen Sie etwa Farmer und Hilfsarbeiter möglichst kurze Wege gehen, sonst verlieren Sie viel Zeit mit bloßem Herumlaufen. Beim Spielen bekommen Sie auch ein Gefühl dafür, wie viele Arbeiter sie zu Beginn einer Runde anheuern müssen, um die Felder bis zum Rundenende zu bestellen.

Verlieren Sie dabei nie das Budget aus dem Blick. Starten Sie eine Runde im Minus, fehlen Ihnen die Leiharbeiter, die Ihre Ernte einfahren und die Felder pflügen. Sie können auch keine Obstbäume und Tiere kaufen, sondern lediglich Saatgut (für das Sie Zinsen zahlen). Sie sollten also stets etwas flüssig bleiben.

Jede Figur – auch die Leiharbeiter – verfügt über bestimmte Fähigkeiten, die sie im Laufe des Spiels ausbaut. Es ist zwar nicht so, dass die Bäuerin keine Bäume fällen kann – es dauert nur länger. Klicken Sie auf das Bild einer Person, zeigt sich, über welche Fähigkeiten diese verfügt. Die Frau – so will es das Klischee – kann eben besser kochen und das Essen ist in Family Farm ein wichtiger Punkt.

Fast Food

Immer zur selben zeit erscheint neben der Rundenanzeige unten links ein Teller, den Sie am besten möglichst schnell anklicken. Er zeigt die Gerichte, die Sie kochen können. Um die Mittagszeit werden die Figuren nämlich unleidlich und wollen etwas essen. Wählen Sie eine Mahlzeit aus, erscheint auf dem Rasen vor dem Haus ein Aktionssymbol. Wählen Sie die Figur aus, die am besten kocht und weisen Sie ihr die Aktion "Kochen" zu. Während die Arbeiter nun anfangen ständig nach dem Mittag zu fragen, zeigt ein Fortschrittsbalken, wie lange es noch dauert, bis dieses fertig ist. Dann erscheint vor dem Haus ein Tablett mit Tellern. Klicken Sie es an und schieben Sie es auf dem Tisch am Gartentor. Dorthin schicken Sie nun nach und nach die hungrigen Helfer. Die Gerichte dauern unterschiedliche lange in der Zubereitung und wirken unterschiedlich auf die Motivation. Finden Sie einen Hilfsarbeiter, der das Kochen beherrscht, kann er die Bäuerin unterstützen.

Der Nachwuchs diente im 19. Jahrhundert bekanntlich nicht selten als Quell billiger Arbeitskraft. Klicken Sie in der Freien Geschichte auf die Wiege vor dem Haus, sorgen Sie für Nachwuchs. Der absorbiert die Arbeitskraft der Bäuerin jedoch eine Runde lang komplett, was Sie bedenken sollten. Das Kind wird jedoch älter und hilft später auf dem Hof mit.

Stimmung machen

Ist die Stimmung auf dem Hof eher schlecht, ändern Sie das über Dekorationen und Parks. Auf leeren Parzellen (die im Spiel "Fliesen" heißen), legen Sie neben Feldern und Gehegen auch Parks an und bepflanzen diese. Zudem heben Blumenbeete die Stimmung. Bauen Sie Getreidefelder an, sind die Arbeiter vom Ernten oft recht erschöpft und wollen schlafen. Wenn Sie per Drag & Drop aber einen Eimer Wasser vom Brunnen in den Park schaffen, erholen sich die Bauern schnell wieder und arbeiten weiter.

Nicht zuletzt sollten Sie darauf achten, nicht irgendwas auf den Feldern anzupflanzen. Wenn Sie ein Gemüse für ein Gemüsefeld auswählen, sehen Sie dank eines Bewertungssystems in Form von gelben Daumen (Abbildung 7) sofort, welche Gemüsesorten dort gut wachsen und welche nicht – das sollten Sie berücksichtigen. Damit die Böden sich nach der Ernte wieder erholen, müssen Sie diese zudem pflügen.

Abbildung 7

Abbildung 7: Auf diesem Feld wachsen alle Gemüsesorten super, das zeigen die drei vergoldeten Daumen an.

Fazit

Am besten zeigt wohl eine kleine Anekdote, wie gut Family Farm funktioniert: Pünktlich nach dem Mittagessen setzte ich mich hin, um das Spiel zu testen. Als ich vermeintlich gegen 16 Uhr auf meine Uhr schaute, war es bereits 18.50 Uhr – die Zeit vergeht beim Spielen wie im Flug.

Es empfiehlt sich, mit einfachen Aufgaben zu beginnen und dann mehr Leute auf den Hof zu holen, um mehr Dinge zu erledigen. Dadurch wird das Spiel hektischer. Mitunter gibt es aber auch Leerläufe, wenn Sie alle Felder bestellt haben, aber die Runde noch nicht endet. Dann besteht die Möglichkeit, das Haus zu verbessern oder schlicht zu angeln.

Family Farm kommt, wie die meisten Spiele in diesem Genres, nicht ohne Klischees und starken Vereinfachungen aus. Dafür lässt es sich recht schnell verstehen und zieht einen in seinen Bann. Das Spiel ist zudem grafisch hübsch gestaltet und wird akustisch von einer ländlichen Geräuschkulisse untermalt. Ein weiterer Vorteil: Geruchstechnisch ist die Family Farm jedem echten Bauernhof überlegen!

Infos

[1] Webseite des Spiels: http://www.familyfarmgame.com/de/family-farm-kaufen

[2] Family Farm bei Gameolith: http://www.gameolith.com/game/family-farm/

[3] Kostenlose Demoversion: http://www.familyfarmgame.com/de/downloads

[4] 3-D-Treiber unter OpenSuse installieren: http://de.opensuse.org/Kategorie:Treiber

[5] Ubuntu und 3-D: http://wiki.ubuntuusers.de/Grafikkarten

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