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Alles neu in Gnome 3

Alter Name, neuer Desktop: Gnome 3

Gnome 3: Konzepte

Die Gnome-3-Entwickler hatten unter anderem zum Ziel, ihrer Desktop-Oberfläche ein moderneres Aussehen zu verleihen, wozu die Entwickler gezielt Forschungsergebnisse zur Interaktion von Mensch und Computer auswerteten und außerdem Erfahrungen mit anderen Benutzeroberflächen in die Entwicklung haben einfließen lassen. Im Resultat wirft das Gnome-Projekt deshalb gleich eine Reihe bekannter Konzepte über Bord und versucht sich in völlig neuen Herangehensweisen. Die wichtigsten Punkte sind:

  • Bei Gnome 3 gibt keine Applets und keine konfigurierbaren Themes mehr.
  • Ebenfalls wegoptimiert wurden die Fensterliste sowie Knöpfe zum Minimieren und Maximieren im Titelbalken der Fenster. Außerdem gibt es keine Möglichkeit mehr, Daten und Ordner auf dem Desktop abzulegen.
  • Zudem haben die Entwickler die Einstellmöglichkeiten insgesamt auf das Nötigste zusammengestrichen.
  • Dafür profitieren Gnome 3-Benutzer in besonderer Weise von Tastenkombinationen.

Damit wirkt Gnome 3 speziell auf Nutzer von Gnome 2 eventuell abschreckend, denn die Oberflächen haben nicht viel gemeinsam. Geringer sind die Unterschiede zu KDE 4, wenngleich sich KDE und Gnome in ihren zentralen Designkonzepten ebenfalls unterscheiden: KDE ist maximal konfigurier- und individualisierbar und bietet eine Applet-Schnittstelle, die ein riesiges Repertoire an Miniprogrammen (bei KDE Plasmoiden genannt) erschließt. Gnome setzt dagegen auf einfache Bedienung mit zahlreichen Automatismen, gute Vorkonfiguration und minimale Konfigurierbarkeit. Schauen wir uns die Fakten im Einzelnen an.

Gnome Shell

Die auffälligste Neuerung bei Gnome 3 ist die so genannte "Gnome Shell", das zentrale Steuerelement des Desktop-Konzepts von Gnome. Die Gnome Shell tritt im Normalbetrieb in Form einer schwarzen Funktionsleiste am oberen Bildschirmrand in Erscheinung. Sie "entfaltet" sich zu ihrer vollen Größe, wenn Sie mit der Maus in den linke obere Ecke fahren. Alternativ klicken auf den Eintrag Aktivitäten links oben oder aktivieren die Gnome Shell über die Windows-Taste oder mit [Alt]+[F1].

Ist die Gnome Shell entfaltet, erscheinen am linken Rand das "Dash" (eine Art Schnellstartbereich) und am rechten Bildschirmrand ein Arbeitsflächen-Umschalter. Oben gibt es zwei Einträge Fenster und Anwendungen (Abbildung 1) mit denen Sie zwischen zwei Ansichtsvarianten umschalten können. Ganz unten schlummert unaufdringlich eine Statusleiste, die nur hin und wieder mit dezenten Hinweisen – etwa bei einem kritischen Akkuzustand oder bei vom IM-Client empfangenen Nachrichten – auf sich aufmerksam macht.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die neue Gnome-Shell kennt derzeit zwei Ansichten "Fenster" und "Anwendungen". Mit dem Zeitgeist-Framework wird in naher Zukunft noch eine Journal-Ansicht dazu kommen.

Ihr volles Potenzial entfaltet die Statusleiste in Kombination mit Gnome-Applikationen, die für die Zusammenarbeit ausgelegt sind. Das gilt zum Beispiel für den IM-Client Empathy, der direkt über die Statusleiste Antworten entgegennehmen kann. Auch der Musik-Player Rhythmbox klinkt sich dezent in die Statusleiste ein und bietet hier u. a. die Möglichkeit, zum nächsten Lied zu springen.

Bei entfalteter Gnome Shell zeigt diese in der Fensteransicht (Abbildung 2) in der Mitte des Bildschirms sämtliche Fenster der aktiven Arbeitsfläche neben- und untereinander an, das ähnelt der Exposé-Funktion von Mac OS oder dem Scale-Plugin von Compiz. Über die Anwendungen-Ansicht starten Sie bequem Programme. In jeder Ansicht gibt es rechts oben ein Suchfeld, das beim Öffnen der Shell automatisch den Eingabefokus erhält und schnell die zum Suchbegriff passenden Anwendungen, Dateien, Ordner oder Systemeinstellungen findet. Häufig benutzte Anwendungen sollten Sie ins Dash verfrachten, indem Sie diese über das jeweilige Kontextmenü als Favorit kennzeichnen. Im Dash finden sich übrigens neben Favoriten auch Icons aller laufenden Anwendungen. Eine Fensterliste, wie sie KDE, Gnome oder Windows im Panel am unteren Bildschirmrand bieten, kennt Gnome 3 nicht. Bei KDE hingegen dient dessen Dashboard ähnlich der gleichnamigen Funktion unter Mac OS der schnellen Orientierung zwischen ausgegraut dargestellten geöffneten Fenstern und den derzeit aktiven Miniprogrammen. (Zum Anzeigen des KDE-Dashboards können Sie das Plasmoid Miniprogramm-Dashboard anzeigen auf den Desktop oder in die Kontrollleiste ziehen.)

Abbildung 2

Abbildung 2: In der Fenster-Ansicht der Gnome-Shell können Sie komfortabel zwischen den einzelnen Fenstern wechseln.

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