Alles neu in Gnome 3
Alter Name, neuer Desktop: Gnome 3
Unterbau und Rückfall-Modus
Übrigens hat sich bei Gnome 3 auch unter der Haube einiges geändert: So basiert Gnome 3 auf der erst im Februar dieses Jahres freigegebenen Version 3 der Grafikbibliothek Gtk+, die zahlreiche Verbesserungen mitbringt und mit Altlasten von Gtk+ 2 aufräumt. Die Gnome Shell geht erheblich dezenter mit grafischen Effekten um, als Compiz dies in Gnome 2 tut, braucht aber ebenfalls einen Grafiktreiber mit 3D-Unterstützung. Haben Sie keine 3D-fähigen Treiber installiert, weist Gnome 3 beim Start darauf hin und startet im "Rückfall-Modus", der eine Oberfläche mit schwarzer Gnome-2-Optik bietet. Zwar gibt es im Rückfall-Modus wieder eine Fensterliste im unteren Panel und Knöpfe zum Minimieren und Maximieren von Fenstern, viele gewohnte Einstellmöglichkeiten von Gnome 2 werden Sie aber auch hier vergeblich suchen.
Vorteile von Gnome 3
Bei aller Kritik wollen wir auch die positiven Aspekte des neuen Gnome erwähnen: Schon die Version 3.0 zeigte im Test kaum Stabilitätsprobleme, wenngleich sich die Bedienung in der unter Ubuntu Natty nachgerüsteten Version teilweise etwas träge zeigte und das Neuzeichnen von Fenstern gelegentlich nicht funktionierte. Nach einigen Tagen Eingewöhnung erwiesen sich einige Funktion wie das neue Arbeitsflächenkonzept wider Erwarten als überaus nützlich. Erscheint auch das Umschalten zwischen den Arbeitsflächen oder das Aufrufen von Anwendungen anfangs kompliziert, wird es sehr komfortabel, wenn Sie sich daran gewöhnen, die Gnome Shell über die linke Windows-Taste zu öffnen. Programmstarts gelingen ebenfalls nach kurzer Zeit problemlos, wenn Sie dazu das Dash zügig mit Ihren eigenen Favoriten füllen.
Die Suchfunktion der Gnome Shell ist so praktisch, dass man sie nicht mehr missen möchte. Das gilt auch für das bei Gnome 3 eigentlich sehr pfiffig umgesetzte Arbeitsflächenkonzept, mit dem Linux-Anfänger möglicherweise besser und schneller zurechtkommen als erfahrene Gnome-2- oder KDE-Nutzer. Wer die Ideen und das Zusammenwirken von Dash und Arbeitsflächen im Sinne der Entwickler verinnerlicht, wird auch den fehlenden Fensterknöpfen zum Minimieren bald nicht mehr nachtrauern, weil er sie nicht mehr braucht.
In einer der nächsten Gnome-Versionen sollte dann mit dem Zeitgeist-Framework samt der darauf zurückgreifenden Journalansicht für die Shell auch eine der im Vorfeld meist diskutierten Neuerungen kommen, die Gnome 3 noch noch nicht enthält: Zeitgeist erlaubt Ihnen einen völlig neuartigen Zugang zu Ihren Dateien. Es identifiziert Daten und Dokumente nicht mehr klassisch mit Hilfe von Speicherorten, Pfaden, Ordnern oder Dateinamen, sondern über Eigenschaften, wie etwa das Datum der letzten Bearbeitung.



