Alter Name, neuer Desktop: Gnome 3

Alles neu in Gnome 3

Der Wechsel auf Gnome 3 ist für Anwender ein großer Schritt: Konzept und Philosophie von Gnome 3 unterscheiden sich deutlich vom Vorgänger. Gnome-Freunde müssen sich entscheiden, ob sie erheblichen Lernaufwand in die Bedienung eines quasi neuen Desktops investieren oder sich mit der gleichen Energie besser der Konkurrenz KDE 4.7 zuwenden. Wir helfen bei der Entscheidung.

Dass eine Modernisierung des Gnome-Desktops überfällig war, zeigt die Entwicklung bei Mac OS (Aqua), Windows 7/8 und KDE 4.7, die alle moderne Desktop-Konzepte mit ganz individuellen Highlights in Usability und Optik umsetzen. Dagegen wirkt das Look & Feel von Gnome 2 etwa so frisch wie ein Windows-3.1-Desktop. Gnome 2 bietet eine klassische Desktop-Oberfläche, auf der Nutzer Icons für Verknüpfungen, Programmstarter und Dokumente jeglicher Art ablegen können. Zudem gibt es Panels, die sich u. a. mit Programmstartmenüs sowie den klassischen Gnome-Menüs individuell bestücken lassen, und einen eigenen Dateimananger. Das war's auch schon. Konfigurationsmöglichkeiten bietet Gnome 2 nur wenige. Auch ein "App"-Konzept fehlt: Bei den in der Regel mit Gnome in Verbindung gebrachten gDesklets handelt es sich nämlich um ein zwar ursprünglich für Gnome entwickeltes, inzwischen aber auch für andere Desktops verfügbares externes Widget-Framework, das nicht integraler Bestandteil des Gnome-Desktops ist.

Gnome-Philosphie

Gnome spaltet schon immer mit seinem altbackenen aber durchaus funktionalen Look die User-Gemeinde. Wichtige Bestandteile der Gnome-Philosophie sind eine möglichst einfache Bedienung mit wenigen Einstellungsmöglichkeiten, eine praxistaugliche Vorkonfiguration und das Wirken von zahlreichen Automatismen im Hintergrund. Kritik am Gnome gab und gibt es reichlich, auch von höchster Stelle. So kritisierte Linus Torvalds die Bemühungen der Gnome-Entwickler, Desktop und Bedienung so einfach wie möglich zu halten, wiederholt als zu weitgehend, was den Benutzer "zum Idioten" stempele. Weitere Kritikpunkte galten der stagnierenden Weiterentwicklung. Zwar erschien im September 2010 noch einmal die vorerst letzte Gnome-2-Version 2.32, in Prinzip hat sich aber seit 2005 am Konzept nicht viel geändert.

Der Gnome-Desktop hat aber auch Befürworter, passte er doch mit seiner Philosophie der Einfachheit bisher ideal zum Konzept von Ubuntu und verfügt nicht zuletzt deshalb über eine entsprechend große Nutzergemeinde. Sollten auch Sie über Ubuntu und den Gnome-Desktop zu Linux gekommen sein, freunden Sie sich mit dem Gedanken an, bald nach einer Alternative suchen zu müssen, denn die Gnome-Entwickler werden sich künftig nur noch auf die neue Entwicklungslinie Gnome 3 konzentrieren.

Auch Mark Shuttleworth und den Canoncial-Entwicklern ging es offenbar beim Gnome-Projekt zu langsam voran, so dass sich insbesondere Ubuntu-Nutzer künftig für Kubuntu (KDE), Unity oder einen ganz anderen Desktop (etwa Xfce) entscheiden müssen. Im Übrigen geht es weder den Ubuntu-Machern noch den Gnome-2-Kritikern darum, dass zwangsläufig irgendwas Neues kommen muss, denn Gnome 2 hat über viele Jahre zum Erfolg von Ubuntu beigetragen. Moderne PCs mit ihrer immensen Rechenleistung und dem Potenzial aktueller Grafikkarten ermöglichen aber mit einem auf Open GL basierenden Desktop neben schönen optischen Effekten ganz neue Möglichkeiten der Bedienung.

Gnome im Rampenlicht

Wir stellen Ihnen im Folgenden die Neuerungen der nächsten Gnome-Generation vor, werfen aber – wo es sich anbietet – auch einen Blick auf ähnliche KDE-Funktionen. Die beiden Desktop-Konzepte sind allerdings schon in ihrer Philosophie so unterschiedlich, dass sich viele Funktionen nicht direkt vergleichen lassen. Der Fokus dieses Artikels liegt aber beim neuen Gnome-Desktop, einen ausführlichen Bericht zu KDE 4.6 finden Sie in Ausgabe 03/2011 [1]. Die wichtigsten KDE-4.7-Features nennt der Kasten KDE-4.7-Features.

KDE-4.7-Features

Gegenüber der in Heft 03/11 vorgestellten KDE-Version 4.6 bringt KDE 4.7 hauptsächlich Fehlerkorrekturen. Allerdings hat sich auch unter der Haube Wichtiges getan. So unterstützt der Window-Manager kwin jetzt auch OpenGL ES 2.0, womit KDE 4.7 vor allem auf mobilen Geräten spürbar leistungsfähiger wird. Außerdem wurde der Dateimanager Dolphin an mehreren Stellen überarbeitet. So wird es mit KDE 4.7 z. B. einfacher, die Metadaten von Dateien zu durchsuchen. Weiter haben die Entwickler dem Login-Manager KDM eine Schnittstelle zum Bootloader Grub 2 spendiert, über die Sie aus dem Menü heraus eine andere Partition booten können. Auf Anwendungsseite bietet der virtuelle Globus Marble jetzt eine Offline-Adresssuche, wovon vor allem Nutzer mit mobilen Geräten profitieren.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Design-Ziele und Probleme in Gnome 3.0
    In einem harten Schnitt haben die Entwickler bei Gnome 3 mit Gewohntem gebrochen. Welche Ansätze stecken hinter den neuen Techniken, und wie nehmen die Developer die teils herbe Kritik auf?
  • [Update] Gnome 3.0 kommt ohne Zeitgeist und ohne Activity Journal
    Das Gnome-Team hat die Weichen für Version 3.0 gestellt und im Mai beschlossen, welche Module zu Gnome 3.0 gehören sollen welche nicht. Der Status der Gnome-Shell ist noch unklar.
  • Gnome 3.0 verschoben, Gnome 4.0 soll Gnome OS werden
    Die Gnome-Entwickler haben heute offiziell Version 3.0 auf den März 2011 verschoben. Zugleich häufen sich Szenarien, die die Version 3.0 als Entwicklerversion sehen.
  • Gnome-Tipps
    Gnome ist neben KDE die zweite große Desktopumgebung für Linux. In den Gnome-Tipps stellen wir regelmäßig Nützliches und Praktisches für die alternative grafische Oberfläche vor.
  • Tipps und Tricks zu Gnome
    Gnome ist neben KDE die zweite große Desktopumgebung für Linux. In den Gnome-Tipps stellen wir regelmäßig Nützliches und Praktisches für die alternative grafische Oberfläche vor. Seit Ausgabe 01/2012 zeigen wir Tricks für die dritte Generation des Desktops: die Gnome Shell.
Kommentare

Infos zur Publikation

EL 02/17-04-17: E-Mail sicher und komfortabel

Digitale Ausgabe: Preis € 9,80
(inkl. 19% MwSt.)

EasyLinux erscheint vierteljährlich und kostet 9,80 Euro. Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 33,30 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!      

Aktuelle Fragen

WLAN lässt sich nicht einrichten
Werner Hahn, 21.03.2017 14:16, 0 Antworten
Dell Latitude E6510, Ubuntu 16.4, Kabelbox von Telecolumbus. Nach Anklicken des Doppelpfeiles (o...
"Mit Gwenview importieren" funktioniert seit openSuse 42.2 nicht mehr
Wimpy *, 20.03.2017 13:34, 2 Antworten
Bisher konnte ich von Digitalkamera oder SD-Karte oder USB-Stick Fotos mit Gwenview importieren....
Ich habe eine awk Aufgabe und bekomme es nicht so Recht hin
Dennis Hamacher, 10.03.2017 18:27, 1 Antworten
Ich hoffe Ihr könnt mir dabei helfen oder mir zeigen wie der Befehl richtig geschrieben wird. Ich...
Unter Linux Open Suse Leap 42.1 einen Windows Boot/ ISO USB Stick erstellen...
Tim Koetsier, 07.03.2017 15:26, 1 Antworten
Hallo, weiß jemand wie ich oben genanntes Vorhaben in die Tat umsetzen kann ? Wäre echt dankba...
Druckertreiber installieren OpenSuse42.1
Tim Koetsier, 07.03.2017 15:22, 1 Antworten
hallo, kann mir BITTE jemand helfen ich verzweifel so langsam. Habe einen Super Toner von Canon...