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© rotwild, Photocase.com

Dritter Planet von links

Virtuelles Planetarium

23.06.2011
Mit Stellarium unternehmen Sie vom heimischen Sofa aus Ausflüge ins Universum. Die Software kennt nicht nur zahllose Planeten, Sterne und Nebel, sie zeigt Ihnen den Nachthimmel auch so, wie er gerade aussieht – inklusive Satelliten.

In einer lauen Sommernacht mit einem Bier im Garten sitzen und Sternbilder raten – ist komplett out. Denn wer etwas auf sich hält, schleppt natürlich den eigenen Rechner mit und identifiziert mit Hilfe freier Software spielend jeden einzelnen Stern (plus vorbeifliegende Satelliten). Die freie Software Stellarium [1] stellt nicht nur den aktuellen Sternhimmel in Echtzeit dar, sie lässt sich auch noch einfach und intuitiv bedienen und hebt sich so von trockenen Wissenschaftsanwendungen (Abbildung 1) ab. Wissen Sie, in welche Himmelsrichtung Sie gerade schauen, bauen Sie die Perspektive einfach auf dem Laptop nach und sind nun in der Lage, die sichtbaren Sterne zu identifizieren.

Abbildung 1: Ich glaub, ich steh im Wald: Das virtuelle Teleskop lässt sich in Stellarium in verschiedenen landschaftlichen Umgebungen aufstellen.

Die Macher der Software haben sich dabei einiges einfallen lassen: So regeln Sie nachts im Freien die Helligkeit des Monitors herunter, indem Sie einen Nachtmodus einschalten (Abbildung 2). Auf diese Weise blendet das Display nicht und Sie behalten den Sternenhimmel im Blick. Zugleich besteht die Möglichkeit, die Leuchtkraft der Sterne im Programm zu ändern – sogar einen Faktor für die Lichtverschmutzung stellen Sie ein.

Auch für Eltern mit Kindern ist die Software interessant: So lässt sich den lieben Kleinen plastisch vermitteln, welche Planeten es in unserem Sonnensystem gibt und wie deren Bahnen verlaufen. Auch die Sternbilder macht die Software nachvollziehbar, indem sie artistische Darstellungen über die Konstellationen legt (Abbildung 2). Anders als in der Realität beschleunigen Sie in Stellarium die Zeit nach Belieben, woraufhin sich die Sterne schneller bewegen. So lernen Kinder visuell, dass sich auch die Erde durchs All bewegt und nicht statisch in dessen Mittelpunkt steht.

Abbildung 2: Die Sternbilder sehen nicht nur hübsch aus, sondern vermitteln einen plastischen Eindruck davon, wo sich welche Sternbilder aktuell befinden.

Installation

Kubuntu: Aktuell gibt es die Software in der Version 0.10.6, in Kubuntus Paketquellen stoßen Sie noch auf Version 0.10.5. Die neuere Version lässt sich über eine externe Paketquelle – ein PPA [1] – installieren, das Sie mit dem Paketmanager KPackageKit verbinden.

  1. Drücken Sie dazu [Alt]+[F2] und rufen Sie eine Konsole auf. Stellen Sie sicher, dass die Verbindung ins Internet steht.
  2. Tippen Sie sudo add-apt-repository ppa:stellarium/stellarium-releases in die Konsole und drücken Sie Eingabe. Der Befehl integriert das PPA in KPackageKit und importiert auch gleich den passenden Schlüssel.
  3. Geben Sie nun sudo apt-get update ein, um die Paketquelle zu aktualisieren.

Starten Sie nun KPackageKit, sollten Sie in der Lage sein, Stellarium in der neueren Version zu verwenden.

OpenSuse: Unter OpenSuse 11.3 und 11.4 installieren Sie Stellarium, indem Sie unsere Heft-DVD als Paketquelle einbinden. Startet die Software unter OpenSuse 11.4 nicht, ergänzen Sie einen Eintrag in der Konfigurationsdatei von Stellarium.

  1. Rufen Sie den Editor Kwrite auf und darin die Datei $HOME/.stellarium/config.ini. Die Variable $HOME steht dabei für Ihr Home-Verzeichnis.
  2. Um den versteckten Ordner .stellarium im Datei-öffnen-Dialog zu sehen, drücken Sie im Home-Verzeichnis [Alt]+[.].
  3. Tragen Sie die beiden Zeilen use_glshaders = false und use_qpaintenginegl2 = false in den Abschnitt [main] ein. Nehmen Sie sich die anderen Einträge dabei zum Vorbild.
  4. Speichern Sie die Konfigurationsdatei und starten Sie Stellarium neu. Das Programm sollte nun wie gewohnt funktionieren.

Stellarium braucht, um flüssig zu laufen, am besten eine aktive 3-D-Beschleunigung. Auf neuen Rechnern sollten die freien Treiber genügen oder vereinzelt gar das Software Rendering. Das virtuelle Planetarium zeigt im unteren Bereich die FPS-Daten an, die erzielten Frames per Second (dt. Bilder pro Sekunde). Sie sollten zwischen 20 und 30 liegen, um einen einigermaßen genießbaren Eindruck von der Software zu erhalten.

Los geht die Reise

Starten Sie die Software zum ersten Mal, stehen Sie plötzlich auf einer Wiese mitten in Frankreich. Genau genommen liegt diese Wiese in der Nähe der Stadt Guéreins, die Sie wiederum nahe Lyon finden. Hier begann die Entwicklung an Stellarium ursprünglich. Sie sehen einen Buchstaben am Horizont, der die Himmelsrichtung anzeigt, in die Sie gerade blicken. Je nachdem, zu welcher Uhrzeit Sie die Software starten, ist es auch dort dunkel oder hell. Stellarium zeigt Ihnen den Himmel (und seine Sterne) so an, wie Sie ihn sehen würden, wenn Sie an dieser Stelle stünden und nach Süden blickten.

Tatsächlich stehen Sie aber in Paris – das jedenfalls zeigt der Text in dem Balken am unteren Bildschirmrand an (Abbildung 3). Er verrät auch, dass sich Ihr aktueller Standpunkt in 38 Meter Höhe befindet, Sie ein Gesichtsfeld von 77 Grad überblicken (was Sie über die Zoom-Funktion ändern) und dass Ihre Grafikkarte Stellarium mit rund 16 Bildern pro Sekunde rendert. Ganz rechts erscheinen das aktuelle Datum und die Uhrzeit.

Abbildung 3: Das Bild der Landschaft stammt zwar aus dem Entstehungsort von Stellarium, tatsächlich befindet sich der Beobachter aber in Paris.

Die gezeigte Wiese ist ein symbolisches Freiluftplanetarium und lässt sich gegen andere Orte austauschen. Bewegen Sie die Pfeiltasten, schweift Ihr Blick nach rechts und links – es handelt sich hier um ein 360-Grad-Panorama. Auch Blicke nach oben und unten funktionieren. Über [Bild]+[auf] und [Bild]+[ab] zoomen Sie aus dem Standort heraus oder nähern sich einem ins Visier genommenen Planeten. Dazu klicken Sie zuerst mit der linken Maustaste auf diesen Planeten und drücken dann [Leertaste], um ihn fest zu fokussieren. Mit [Bild]+[auf] zoomen Sie dann an ihn heran. Das Fokussieren ist wichtig, denn je näher Sie an den Planeten heran zoomen, desto schneller scheint er sich zu bewegen.

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