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Steuererleichterung

Ubuntus neuer Desktop

11.07.2011
Wer sich auf die Tastaturkürzel von Unity einlässt, bekommt unter Ubuntu nicht nur einen schnellen, sondern auch effizienten Desktop.

Mark Shuttleworth und seine Firma Canonical sind die Hauptsponsoren des Ubuntu-Projekts. Die Firma steckt eine Menge privates Geld in die Entwicklung von Ubuntu, hat mittlerweile mehr als 300 Angestellte und der Mann selbst recht konkrete Vorstellungen davon, wohin die Reise mit Ubuntu geht – auf sämtliche Desktops. Das jedenfalls erzählte uns Mark auf dem Linuxtag 2010. Auf dem Ubuntu Developer Summit nannte er dann konkretere Zahlen: Bis 2015 sollen 200 Millionen Menschen Ubuntu nutzen. Zu kleine Ziele steckt sich Mark jedenfalls nicht.

Das erste Ergebnis seiner Bemühungen lässt sich im brandneuen Ubuntu 11.04 (Codename: Natty Narwhal) bewundern (Abbildung 1). Ubuntus Desktop der Zukunft hört auf den Namen Unity und erregt zur Zeit die Gemüter. Während die einen sich über die ungewohnte Bedienung ärgern, freuen sich andere über einen aufgeräumten und einfach zu bedienenden Desktop. Klar ist: Unity braucht, um reibungslos zu arbeiten, nicht nur Ressourcen auf dem Rechner, sondern erfordert auch ein wenig Einarbeitungszeit von Anwendern.

Abbildung 1: Unity ist der neue Desktop von Ubuntu und soll der Distribution Millionen neue Nutzer zuführen.

Wer diesen Aufwand scheut, kann auch das klassische Gnome verwenden und trifft hier auf die bekannten Bedienmuster. Dazu genügt es, sich vom Unity-Desktop abzumelden und aus dem Aufklappmenü als Option Ubuntu Classic zu wählen. Eine Zukunft dürfte dieser Desktop aber kaum haben, denn auch das Gnome-Projekt bewegt sich weiter und setzt mittlerweile auf Gnome 3 und die Gnome Shell. Das nächste Ubuntu wird dann komplett auf Unity setzen: Eine 2-D-Variante soll all die Rechner versorgen, die den 3-D-Anforderungen von Unity nicht gewachsen sind.

Damit Unity vernünftig läuft, muss Ihre Grafikkarte 3-D-beschleunigt laufen und mindestens aus dem Jahr 2005 stammen. Laut Aussage des Projekts setzt der Desktop eine bestimmte OpenGL-Version als Mindestanforderung voraus, die eben jene Grafikkarten ab 2005 unterstützen.

Nutzen Sie eine Nvidia-Karte, installieren Sie über die Software jockey-gtk (deutscher Name Zusätzliche Treiber) die proprietären Treiber. Der freie Noveau-Treiber für NVidia-Hardware bietet zwar 3D-Unterstützung für Gforce-Karten bis einschließlich der 200er-Serie, diese hat Ubuntu jedoch im Treiber deaktiviert. Setzen Sie eine ATI-Karte ein, hilft jockey-gtk ebenfalls dabei, den Closed-Source-Treiber von ATI zu installieren. Alternativ steht auch hier für einige Karten ein freier Treiber zur Verfügung, der eine ausreichende 3-D-Beschleunigung aktiviert. Intel-Karten laufen in der Regel recht gut, weil es für sie freie Treiber gibt.

Bereit für Unity?

Üblicherweise landen Sie nach dem Booten der Live-Version von Ubuntu 11.04 auf dem für Ihr System passenden Desktop. Die Distribution startet beim Booten in den Live-Desktop automatisch ein Programm, das testet, ob Ihre Grafikkarte auch die nötigen 3-D-Routinen beherrscht, um Unity adäquat darzustellen. Sie können den Befehl auch manuell aufrufen. Drücken Sie dazu [Strg]+[Alt]+[T] und geben Sie

/usr/lib/nux/unity_support_test -p

ein, zeigt die Software, welche OpenGL-Version die Grafikkarte verwendet und welche Funktionen korrekt arbeiten (Abbildung 2).

Abbildung 2: Ein integriertes Tool prüft, ob Ihre Grafikkarte die für Unity nötigen Funktionen beherrscht, und wählt nach diesem Kriterium den Desktop aus.

In einigen Fällen kommt es vor, dass Sie in der Live-Version auf dem Unity-Desktop arbeiten, nach der Installation aber nur das klassische Gnome zur Verfügung steht. Das liegt daran, dass die Ubuntu-Entwickler Treiber auf eine schwarze Liste setzen, wenn diese beim Booten reproduzierbar Probleme verursachen. Da diese Treiber von Nvidia stammen, wissen die Entwickler nicht, ob die Firma das Problem bald behebt, und sperren den Treiber vorsichtshalber. Das lässt sich rückgängig machen. Auch Probleme mit Hybridsystemen, die zugleich eine sparsame und eine Turbografikkarte an Bord haben, lassen sich häufig lösen (siehe Kasten Grafikprobleme).

Grafikprobleme

Die folgenden Schritte richten sich in erster Linie an erfahrene Nutzer. Fragen Sie bei Problemen zunächst auf der EasyLinux-Mailingliste nach. Ob Ihre Grafikkarte auf der schwarzen Liste steht, finden Sie heraus, indem Sie ein paar Befehle in ein Terminal tippen. Zunächst rufen Sie über [Strg]+[Alt]+[T] ein Terminal auf und geben /usr/lib/nux/unity_support_test -p ein. Zeigt die Ausgabe des Befehls an, dass Ihre Grafikkarte auf der schwarzen Liste steht, dann aktualisieren Sie den Treiber der Grafikkarte (falls möglich). Anschließend booten Sie den Rechner neu und installieren die neueste Version des Grafikkartentreibers. Anschließend geben Sie in einem Terminal den Befehl gksu gedit /etc/environment ein, um eine Konfigurationsdatei mit Root-Rechten zu bearbeiten. Ergänzen Sie den Eintrag UNITY_FORCE_START=1 und starten Sie Ubuntu neu. Kommt es nun zu Problemen wie Abstürzen oder Einfrieren, machen Sie die Schritte auf der Kommandozeile rückgängig.

Tauchen bei der Eingabe von lspci | grep VGA zwei verschiedene Grafikkarten auf, nutzen Sie ein System mit Hybridgrafik – das ist ein Sonderfall. Diese Systeme arbeiten im normalen Modus mit einem einfachen Grafikchip und werfen die laute und schnelle Grafikkarte nur bei Bedarf an. Für die Entwickler ist diese Architektur offenbar ein Alptraum. Das Problem dabei: Der Kernel weiß nicht, welche Grafikkarte er wählen soll, der Bildschirm bleibt dunkel. Probieren Sie in diesem Fall, einen der beiden Treiber zu deaktivieren, indem Sie beim Booten [Umschalt] drücken, damit das Bootmenü erscheint. Drücken Sie dann [E], löschen Sie die Einträge quiet und splash und ersetzen Sie diese zum Beispiel durch die Option nvidia.modeset=0 bzw. radeon.modeset=0. Dann drücken Sie [Strg]+[X], um mit den neuen Optionen zu booten. Diese sorgen dafür, dass Ubuntu die besseren Grafikkarten beim Booten blockiert und dadurch automatisch den anderen Treiber benutzt.

Dash und Launcher

In den meisten Fällen lässt sich das neue Ubuntu mitsamt 3-D-Desktop problemlos installieren. Sie landen nach dem Start auf dem Desktop aus Abbildung 1. Fragen Sie sich nun, wo die ganzen Programme stecken, sehen Sie auf der linken Seite ein vertikales Dock – den Unity-Launcher, über den Sie Programme per Klick auf die Icons starten. Dabei fällt auf, dass der Launcher zu wenig Platz für alle von Ihnen benutzten Anwendungen bietet: Er soll lediglich genug Platz für die wichtigsten Apps bieten, auf die Sie so jederzeit zugreifen.

Der Launcher bietet vor allem Vorteile auf Systemen, die nur ein kleines Display mitbringen. Er passt seine Länge automatisch an die Höhe des Displays an und klappt bei Bedarf die Liste der Icons ein. Je größer Ihr Bildschirm ist, desto mehr Icons platzieren Sie auf dem Launcher. Da Unity das von Gnome bekannte Panel im Fußbereich fehlt und die Menüs der Anwendungen meist in die globale Menüleiste ganz oben wandern, bleibt mehr Platz für Anwendungen: Firefox zeigt deutlich größere Ausschnitte von Webseiten als in den vorherigen Ubuntu-Versionen. Auch die Positionierung der Knöpfe zum Vergrößern, Verkleinern und Schließen der Fenster auf der linken Seite soll Ubuntu auf Geräten mit kleinen Displays benutzbarer machen: Die linke obere Ecke einer Anwendung verschwindet so nie aus dem sichtbaren Bildschirmbereich.

Installierte Anwendungen, die sich kein Plätzchen im Launcher sichern, rufen Sie über das so genannte Dash auf. Das erreichen Sie, indem Sie oben links auf das Ubuntu-Symbol klicken. Nun legt sich ein schwarzes Fenster über den Bildschirm, das eine Eingabezeile und einige Icons anzeigt. Klicken Sie auf Multimedia-Anwendungen oder Internet-Anwendungen, präsentiert das Dash eine Reihe von Programmen aus diesen Bereichen, die Sie per Mausklick aufrufen. Es sortiert die Auswahl nach am häufigsten benutzten, installierten und Anwendungen zum Herunterladen. So entdecken Sie, welche Programme noch auf Ihrer Festplatte warten.

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