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Friedliche Koexistenz

OpenSuse und Windows 7 Service Pack

22.06.2011
Wer OpenSuse nach den Vorgaben des Installers eingespielt hat, erlebt sein blaues Wunder, wenn er auf einem parallel installierten Windows 7 das Service Pack 1 installieren will. Wir verraten, wie Sie das Problem lösen.

Seit Februar ist das Service Pack 1 für Windows 7 da, und etliche Benutzer, die Windows 7 und OpenSuse parallel auf einem Rechner betreiben, hatten und haben das Problem, dass die Installation des Service Packs mit dem nichtssagenden "Fehlercode 0x800f0a12" abbricht. Mit Google findet man schnell Leidensgenossen und die abenteuerlichsten Vermutungen, woran sich der Installer des Service Packs stört – zumeist wird dem Linux-Bootmanager Grub die Schuld in die Schuhe geschoben. Auch die Support-Datenbank von Microsoft kennt den Fehler, beschreibt ihn allerdings nur auf einer englischsprachigen Seite und liefert für den konkreten Fall eines parallel installierten Linux keine Lösung [1].

Was schief geht

Der Bootmanager Grub ist komplett unschuldig, und auch an Linux liegt es nicht, dass sich das Service Pack nicht einspielen lässt. Dafür ist allein eine Installationsvorgabe von OpenSuse verantwortlich. Seit einigen Versionen schreibt die Distribution den Bootmanager Grub nämlich nicht mehr in den Master Boot Record, also den Startbereich der Festplatte, sondern in den Bootsektor der Root-Partition. Liegt diese in einer erweiterten Partition, landet Grub in deren Bootsektor. Damit sich OpenSuse danach überhaupt starten lässt, markiert der Installer die Partition, in deren Bootsektor Grub installiert ist, als aktiv.

Nun möchte aber das Service Pack für Windows den so genannten BCD Store (Boot Configuration Data) bearbeiten, in dem die Boot-Einstellungen für Windows liegen. Dieser BCD Store befindet sich auf Systemen, auf denen nur Windows installiert ist, auf der als aktiv markierten Partition. Das ist entweder eine kleine Systempartition am Anfang der Festplatte oder die, auf die Sie unter Windows über den Laufwerksbuchstaben C: zugreifen. Beim Einspielen von Service Pack 1 sucht dessen Installer nach der aktiven Partition und findet bei einem parallel installierten OpenSuse eine, deren Dateisystem er nicht einmal lesen kann.

Statt nun Ross und Reiter zu nennen, also zu melden, dass er den BCD Store auf der aktuell aktiven Partition nicht finden kann, schleudert er dem Anwender einen kryptischen Fehlercode entgegen und bricht die Installation des Service Packs ab. Das Problem trifft übrigens nicht nur Anwender, die eine Standardinstallation von OpenSuse gemacht haben – auch einige Partitionierungs-Tools und Bootmanager für Windows richten eine eigene Partition für sich ein, die sie als aktiv markieren.

Wollen Sie überprüfen, ob bei Ihnen dieses Problem für den Fehlercode verantwortlich ist, öffnen Sie über die Windows-Systemsteuerung die Datenträgerverwaltung. Sie finden sie unter Verwaltung / Computerverwaltung / Datenspeicher. Um herauszufinden, ob Ihre Windows- oder die eventuell vorgeschaltete Systempartition aktiv ist, klicken Sie diese in der grafischen Ansicht unten rechts im Fenster mit der rechten Maustaste an. Ist im Kontextmenü die Option Partition als aktiv markieren anklickbar (also nicht blassgrau, sondern schwarz), ist die Windows-Partition nicht aktiv (Abbildung 1).

Abbildung 1: In der Datenträgerverwaltung von Windows können Sie kontrollieren, ob die Windows-Partition aktiv ist. In diesem Beispiel ist sie es nicht, der markierte Menüpunkt erscheint in schwarzer Schrift.

Vorsicht: Machen Sie nicht den Fehler, nun einfach Ihre Windows-Partition als aktiv zu markieren und dann das Service Pack einzuspielen. Das funktioniert zwar, aber danach können Sie Linux erst einmal nicht mehr starten, da es unter Windows mit Bordmitteln nicht möglich ist, eine Partition als aktiv zu markieren, deren Dateisystem Windows nicht kennt. Danach müssten Sie die OpenSuse-DVD im Reperaturmodus booten, um das Linux-System wieder startfähig zu machen.

Grub umsiedeln

Am einfachsten lösen Sie das Problem, indem Sie unter OpenSuse den Linux-Bootmanager Grub in den Master Boot Record der Festplatte installieren. Danach können Sie gefahrlos die Windows-Partition oder deren vorgelagerte Systempartition als aktiv markieren und dann das Service Pack einspielen.

  1. Starten Sie das OpenSuse-Kontrollzentrum YaST aus dem Abschnitt System des Startmenüs.
  2. Wechseln Sie links in den Abschnitt System und klicken Sie danach in der rechten Fensterhälfte doppelt auf Bootloader.
  3. In den Bootmanager-Einstellungen wechseln Sie auf den Tab Bootloader-Installation.
  4. Setzen Sie unter Speicherort des Bootloaders ein Häkchen vor Aus Master-Boot-Record starten und deaktivieren Sie die Option Aus Root-Partition starten bzw. Aus erweiterter Partition starten (Abbildung 2).

    Abbildung 2: Im OpenSuse-Kontrollzentrum YaST weisen Sie das System an, den Bootmanager Grub in den MBR zu installieren.
  5. Klicken Sie nun noch auf die Schaltfläche Bootloader-Optionen und entfernen Sie im folgenden Dialog die Häkchen vor Active-Flag in Partitionstabelle für Bootpartition setzen und vor Generischen Bootcode in MBR schreiben (Abbildung 3). Nach zwei Klicks auf OK speichert YaST die Einstellungen und installiert Grub in den Master Boot Record.

    Abbildung 3: In den "Bootloader-Optionen" untersagen Sie OpenSuse, das Active-Flag für die Bootpartition zu setzen.

Die Aktion in Schritt 5 bewirkt leider nicht, dass OpenSuse nun wieder die ursprünglich aktive Partition als aktiv markiert, sorgt aber dafür, dass YaST bei späteren Aufrufen der Bootmanager-Einrichtung die Finger von der Partitionstabelle lässt.

Jetzt geht es zurück zu Windows, da die Festplattenverwaltung von YaST keine Möglichkeit bietet, eine Partition als aktiv zu markieren. Das geht zwar problemlos auch mit dem Kommandozeilen-Tool fdisk (über dessen Kurzbefehl a), es setzt aber voraus, dass man sich gut mit Gerätenamen unter Linux auskennt. Für Linux-Einsteiger ist es daher einfacher, die Windows-Partition in der grafischen Datenträgerverwaltung unter Windows als aktiv zu markieren.

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