Freier Zaubertrank
Mandriva-Fork: Mageia 1 "Couldron"
Fazit
Das Mageia-Team hat eine Menge richtig gemacht und man merkt, dass dort Menschen mitarbeiten, die Mandriva kennen und schätzen und die Distribution in bewährter Form weiterpflegen wollen. So haben die Mageia-Entwickler gut daran getan, erst einmal die nötige Infrastruktur – Website, Mailing-Listen, Build-Server, usw. – aufzubauen und die von Mandriva bekannten Konfigurationswerkzeuge beizubehalten, um schnell eine erste Version von Mageia zu veröffentlichen. Besonders viel Energie ist bei der ersten Version in die Hardware-Unterstützung und die Bestückung der Software-Repositories geflossen. Während ersteres ausgesprochen gut gelungen ist, lässt die Software-Auswahl noch zu wünschen übrig und reicht an die von Mandriva nicht heran.
Das gewohnte Look & Feel sorgt dafür, dass sich Nutzer, die Mandriva bereits kennen, unter Mageia gleich zu Hause fühlen. Linux-Neulinge werden an Mageia die grafischen Konfigurationswerkzeuge schätzen, alte Linux-Hasen die Freiheit, auch selbst auf der Kommandozeile Hand anlegen zu dürfen, ohne dass das die grafischen Tools durcheinander bringt.
Damit Mageia sich einen festen Platz in der Distributionslandschaft sichert, sollten die Entwickler sich jedoch von einer "Mandriva-Tugend" verabschieden, die sie immer noch pflegen: Es gab in jeder Version diverse Schlampereien, die von Schönheitsfehlern bis zu "Showstoppern" reichten und neuen Benutzern nachträglich den Spaß verderben konnten. Ein Beispiel dafür ist in Mageia etwa die Paketsuche im grafischen Frontend, die nur die Namen, nicht aber die Paketbeschreibungen durchforstet.
Für ehemalige Mandriva-Nutzer präsentiert sich Mageia als echte Alternative und auch Nutzer, die vor allem Wert auf gute Hardware-Unterstützung und Treiberversorgung legen, sind bei dem Newcomer richtig. Wer allerdings nach der größtmöglichen Software-Auswahl sucht und auch eher exotische Programme einsetzt, ist – noch – mit Ubuntu oder OpenSuse besser bedient.



