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© Vitali Dyatchenko, 123RF

Hören 2.0

Hörgemeinschaften mit Last.fm & Co.

07.07.2011
Web 2.0 gibt es auch im Audiobereich: Verschiedene Projekte setzen auf die kollektive Intelligenz ihrer Mitglieder, um die Auswahl an Musik zu optimieren.

Nicht nur Facebook und Twitter leben von den Beiträgen ihrer Benutzer. Auch im Audiobereich gibt es Versuche, interessierte Hörer aktiv an der Gestaltung von Inhalten zu beteiligen. Zu den bekanntesten Anbietern in diesem Bereich gehören Myspace und Last.fm, mittlerweile gibt es zahlreiche weitere Dienste. Wir stellen einige von ihnen vor und zeigen, wie Linux damit umgeht.

In vielen Fällen genügt ein schlichter Browser wie Firefox, um einen spezifischen Dienst zu nutzen. Myspace [1] gibt es zum Beispiel seit 2003. Die kommerzielle Webseite bietet Nutzern, die über keine eigene Homepage verfügen, Platz zur Selbstdarstellung an. Vor allem Künstler und Bands treten hier traditionell in Kontakt mit ihren Fans. Sie machen nicht nur Werbung für Touren und Konzerte, berichten über Neuigkeiten, tauschen sich mit anderen Bands aus und stellen neue Alben vor, sondern platzieren auch unentgeltliche Kostproben ihrer Musik auf der Seite. Die Plattform, die 2005 von Rupert Murdochs News Corporation gekauft wurde, verliert inzwischen allerdings immer mehr Nutzer.

Während Myspace eher dem Austausch von Informationen über Bands, Touren und Musik dient, teilen die Nutzer von Last.fm [2] etwas anderes – ihren Musikgeschmack. Last.fm gehört zu den bekannten Musik-Communitys, der Dienst ist in zahlreiche Audioplayer integriert. Er entstand aus einer Kooperation zwischen dem Audioscrobbler-Projekt und Last.fm, die Anfang des neuen Jahrtausends ähnliche Ziele verfolgten. Basierend auf den musikalischen Vorlieben anderer Nutzer erzeugt Last.fm individualisierte "Radiosender", die Sie über das Internet oder über die besagten Audioplayer anhören können. Das Projekt wertet dabei die Hörgewohnheiten und Lieblingssongs der Nutzer aus und errechnet daraus das musikalische Programm. Last.fm bietet allerdings nur eine eingeschränkte Auswahl an Songs und häufig keine ganzen Alben an. Zudem ist der Zugriff mittlerweile kostenpflichtig, wenn Sie nicht in Deutschland, Großbritannien oder den USA wohnen. Diese Einschränkungen machen es der Konkurrenz leichter, auf dem Markt der sozialen Musikdienste Fuß zu fassen.

Die Plattform Grooveshark [3], die es seit 2007 gibt, gehört neben Pandora und Spotify zu den bekanntesten Newcomern für gemeinschaftlichen Musikgenuss. Dort dürfen auch einfache Nutzer Songs hochladen, und es sind die meisten Alben vollständig auffindbar. Ähnlich wie bei Last.fm gibt es ein Grooveshark Radio, das selbstständig Songs abspielt, die dem Nutzer seinem Hörprofil nach vermutlich gefallen. Diese Offenheit verursacht aber auch Probleme für Grooveshark: Die Betreiber zahlen mittlerweile Lizenzgebühren an EMI, eine Klage von Universal läuft noch. Auch Tracks von Pink Floyd sucht man auf der Plattform vergebens, weil die Band erfolgreich gegen die Webseite klagte.

Zwei weitere bekannte Webseiten neben Grooveshark sind Spotify und Pandora. Erstere kommt aus Schweden und hat Verträge mit fast allen großen Labels, darunter Sony, EMI, Warner Music Group und Universal, abgeschlossen. Zugleich besitzt die Industrie Anteile an Spotify. Die Auswahl an Titeln ist zwar sehr groß, aber leider DRM-verseucht. Außerdem wurde im April das kostenlose Hören stark eingeschränkt. Aufgrund hoher GEMA-Forderungen lässt sich der Service in Deutschland aber bisher ohnehin nicht nutzen. Auch Pandora spielt Titel nach den Vorlieben anderer Nutzer ab und zeigt dann, wo man diese kaufen kann. Dieser Dienst funktioniert bislang nur in den USA. Eine Liste mit weiteren Webseiten, die ähnliche Dienste anbieten, finden Sie unter [4].

Eine ganz andere Form der Kooperation gibt es mit der MusicBrainz-Datenbank [5]. Diese sammelt und verwaltet ID3-Tags für MP3s. Bei diesen Tags handelt es sich um Metadaten, die in Textform in den MP3-Dateien selbst stecken. Spielen Sie eine MP3-Datei auf einem Audioplayer ab, zeigt dieser beispielsweise den Namen und den Interpreten des gerade gespielten Titels, wenn er ihn in den Metadaten findet.

Konvertieren Sie nun eine Original-CD in MP3-Dateien, holt die dazu verwendete Software die passenden ID3-Tags aus der MusicBrainz-Datenbank. Mit MusicBrainz Picard [6] gibt es gar ein eigenes Programm, das nichts anderes tut, als MP3-Sammlungen mit den richtigen Tags zu versehen. Sie müssen also nicht selbst die Metadaten für Ihre MP3s eintragen, was Arbeit erspart. Existiert in der Datenbank noch kein Eintrag für Ihre eben konvertierte CD, geben Sie die Tags einfach selbst ein und ergänzen Sie auch gleich auf der Webseite.

Tools für Linux

Für Kubuntu 11.04, OpenSuse 11.3 und 11.4 existieren verschiedene Werkzeuge, mit denen Sie die geschilderten Dienste verwenden. Beginnen wir bei Last.fm. Ohne Spezialprogramme benutzen Sie Last.fm – wie auch Grooveshark – über den Firefox-Browser und hören auch die Radiosender über die Webseite. Es gibt aber auch Last.fm-Plug-ins für verschiedene Audioplayer.

Leider unterstützen Amarok und Banshee zur Zeit kein Last.fm, mit Rhythmbox empfangen Sie die Radiosender hingegen schon. Das ist allerdings keine optimale Lösung für ein KDE-System, da Sie in diesem Fall einige Pakete nachinstallieren müssen.

Benutzen Sie am besten den nativen Last.fm-Player, der auch unter Kubuntu und OpenSuse 11.3/11.4 läuft (Abbildung 1). Unter Kubuntu 11.04 installieren Sie ihn über KPackageKit (Suchbegriff last). Für OpenSuse 11.3/11.4 suchen Sie unter [7] nach last.fm und installieren den Player dann über einen Klick auf den Button 1-Click-Installation. Indem Sie lastfm (Kubuntu) bzw. Last.fm (OpenSuse) in ein Terminalfenster oder ein mit [Alt]+[F2] aufgerufenes Schnellstartfenster tippen, rufen Sie den Player auf.

Abbildung 1: Der Player von Last.fm funktioniert auch unter Linux. Unter OpenSuse installieren Sie das Paket über eine "1-Klick-Installation".

Grooveshark ist bisher noch nicht in einen Audioplayer integriert, lässt sich aber ebenfalls über die Webseite bedienen – vorausgesetzt auf Ihrem System läuft der Flashplayer. Zudem gibt es Groovedown [8], einen inoffiziellen Grooveshark-Downloader, der dank Wine auch unter Kubuntu und OpenSuse funktioniert (Abbildung 2).

Sie laden ihn als RAR-Archiv von der Groovedown-Webseite [9] herunter (aktuell ist die Version 0.65), das Sie mit Hilfe von unrar im Dateimanager entpacken. Dann spielen Sie wine auf den Rechner und führen das Programm damit aus.

Abbildung 2: Groovedown ist ein Windows-Programm, das auch unter Linux funktioniert – Wine macht es möglich.

Auch der MP3-Tagger Picard lässt sich unter OpenSuse 11.4 und Kubuntu 11.04 bequem installieren – nämlich über die Paketverwaltung. Nutzen Sie OpenSuse 11.3, wählen Sie den Last.fm-Weg und suchen auf der Software-Webseite des Projekts [7] nach picard. Ein Klick auf das Knöpfchen 1-Click-Installation spielt den ID3-Lieferanten auf den Rechner. Sie rufen ihn dann über das K-Menü auf oder indem Sie picard in eine Konsole tippen.

Steckt Musik in Linux?

Generell lassen sich die verschiedenen Musikdienste unter Linux recht gut nutzen, zur Not auch mit Wine und Windows-Software. Gut ist, dass es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten gibt, Musik auf Basis von Empfehlungen zu hören. Sie brauchen also keine umfangreiche Musiksammlung mehr, um sich den ganzen Tag mit guter Musik zu versorgen. Betrachtet man jedoch die zahlreichen Dienste, würde man sich eine bessere Integration in die offiziellen Audioplayer der Linux-Distributionen wünschen.

Glossar

DRM

Digital Rights Management soll verhindern, dass Anwender Songs kopieren. Es bringt aber oft Nachteile für die Nutzer mit sich, da sich solche Titel nicht auf allen Geräten – und unter Linux teilweise mit keinem einzigen Audio-Player abspielen lassen.

Infos

[1] Myspace: http://de.myspace.com

[2] Last.fm: http://www.lastfm.de

[3] Grooveshark: http://grooveshark.com

[4] Last.fm-artige Seiten im Netz: http://en.wikipedia.org/wiki/Last.fm#Similar_services

[5] MusicBrainz-Datenbank: http://musicbrainz.org

[6] MusicBrainz Picard: http://musicbrainz.org/doc/MusicBrainz_Picard

[7] Softwaresuche für OpenSuse: http://software.opensuse.org

[8] Groovedown: http://groovedown.me

[9] Groovedown zum Download: http://groovedown.me/de/download/

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