Spielspaß

Spiele für Linux im Kurztest

Ein häufig gehörtes Vorurteil über Linux lautet, dass dieses Betriebssystem als Spieleplattform völlig ungeeignet ist, weil es einfach keine Programme gibt. Der wahre Kern ist, dass die kommerziellen Neuerscheinungen im Spielemarkt überwiegend nur Windows (und Spielkonsolen), seltener Mac OS und kaum Linux unterstützen. Wer sich also in den aktuellsten Spielen mit Gleichgesinnten messen möchte, setzt dafür tatsächlich besser auf Windows auf Zweitsystem.

Das bedeutet aber nicht, dass es unter Linux keinen Spaß gäbe: In diesem Artikel stellen wir fünf sehr interessante Linux-Spiele vor, die preislich alle unter 20 Euro liegen oder sogar kostenlos sind.

Conquest

Im rundenbasierten Strategiespiel der Proxy Studios gilt es auf einer Landkarte mit Hexfeldern möglichst viele Städte einzunehmen. Die unkomplizierte Steuerung und eine auf das Wesentliche reduzierte Spielmechanik sorgen für überraschend schnelle Duelle.

Zu Beginn einer Partie darf man drei Truppenverbände auf jeweils einem der Hexfelder abladen. Anschließend zieht man jeden einzelnen Soldaten, Panzer oder Abfangjäger per Drag & Drop auf sein neues Ziel. Jede der Einheiten kann pro Runde nur eine begrenzte Anzahl Felder zurücklegen: Soldaten schaffen beispielsweise nur eines, Flugzeuge gleich zwei. Unwegsames Gelände, wie hohe bewaldete Berge bremsen zusätzlich. Erst wenn man allen Einheiten seine Anweisungen erteilt und bestätigt hat, führt sie das Spiel aus. Kommen dabei gegnerische Einheiten und eigene Truppen auf dem gleichen Feld zu stehen, eröffnen sie automatisch das Feuer. Dabei gilt das Stein-Schere-Papier-Prinzip: Zwei Soldaten schlagen einen gegnerischen Kollegen, ein Panzer ist stärker als ein Soldat. Hat man zwei Einheiten von verschiedenen Seiten auf ein Hexfeld geschickt, löst dies einen speziellen und wesentlich stärkeren Flankenangriff aus.

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Strategiespiel Conquest fordert zum Erobern der Nachbarstädte auf.

Auf der Conquest-Homepage verlangen die Macher 10 Dollar für ihr Strategiespiel [1]. Wer es zunächst antesten möchte, greift zur kostenlosen Demo-Version.

Conquest ist konsequent auf schnelle, kurze und unkomplizierte Mehrspielerpartien ausgelegt. Das grundlegende Spielsystem ist deshalb recht einfach, die taktischen Möglichkeiten arg begrenzt. Die Bedienung per Drag and Drop ist so einfach wie genial. Einsteiger verzweifeln jedoch in den ersten Runden an dem sie überrennenden Computergengner, das rudimentäre Tutorial ist eigentlich seinen Namen nicht wert. Immerhin klärt das Wiki auf der Homepage die wichtigsten Fragen und liefert wertvolle taktische Tipps [2]. Grafik und Sound sind zweckmäßig, an die Qualität eines aktuellen Civilization kommen sie nicht heran. Im Gegenzug sind die 10 Dollar ein durchaus fairer Preis. Liebhaber von rundenbasierten Strategiespielen sollten daher unbedingt die Demo-Version probespielen.

Conquest

Bezugsquelle: http://www.conquest-game.com/
Entwickler: Proxy Studios
Lizenz: Kommerziell
Preis: 10 Dollar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, Intel Pentium III 1 GHz, 256 MByte RAM, 200 MByte Festplattenspeicher, NVIDIA GeForce 6600 bzw. Radeon R300 (9500) oder höher, Internetverbindung für den Mehrspielermodus

MotoGT

Ein kleines Rennspiel aus Spanien treibt potente Zweiräder über 10 verschiedene Rennstrecken. Obwohl die rasante Jagd nach Siegen noch in der Entwicklung steckt, darf man schon jetzt die Reifen ordentlich qualmen lassen.

MotoGT [3] knüpft an klassische 2D-Rennspiele der frühen 90er Jahre an. Aus der Vogelperspektive steuert man ein MotoGP-Zweirad über derzeit zehn optisch wie spielerisch abwechslungsreiche Rennstrecken (Abbildung 2). Nervende Gegner darf man von der Strecke drängeln, während unterschiedliche Wetterbedingungen und Tageszeiten das Rennfahrerleben erschweren. Wer mit der Bande kollidiert oder von einem Konkurrenten über den Haufen gefahren wird, darf nach einer kurzen, aber gemeinen Zwangspause wieder auf sein Rad steigen und weiterfahren.

Abbildung 2

Abbildung 2: Bestimmte Manöver, wie hier den Überholvorgang, kommentiert MotoGT häufig und gerne. Auf das Rennergebnis haben sie aber zumindest in der Betaversion noch keine Auswirkung.

Die Steuerung könnte einfacher nicht sein: Mit den Pfeiltasten gibt man Gas, bremst und lenkt. Dennoch braucht es seine Zeit, bis man das etwas behäbig reagierende Zweirad unter Kontrolle hat.

Obwohl dies alles genau die richtigen Zutaten für einen launigen Mehrspielermodus wären, darf man derzeit nur gegen computergesteuerte Fahrer antreten. Diese kennen immerhin verschiedene Schwierigkeitsgrade, fahren glücklicherweise nicht alle hintereinander auf einer Linie und rempeln sich schon einmal gegenseitig von der Fahrbahn.

MotoGT erinnert stark an das legendäre SuperCars. Es ist auf schnelle, unkomplizierte Rennen ausgelegt und somit im Inneren eigentlich mehr ein Geschicklichkeitsspiel. Die Strecken sind optisch äußerst abwechslungsreich und durchdacht entworfen, einfache Passagen wechseln sich mit fordernden ab. Da kann man auch darüber hinwegsehen, dass die Zweiräder wie Staubsauger klingen und die 2D-Grafik eher zweckmäßig ist.

In MotoGT finden Rennsportliebhaber genau das Richtige für Zwischendurch. Bleibt zu hoffen, dass Pablo Novara die Entwicklung weiter so fleißig vorantreibt und in der Zukunft noch einen Mehrspielermodus einbaut – den haben wir nämlich schmerzlich vermisst.

MotoGT

Bezugsquelle: http://motogt.sourceforge.net/
Entwickler: Pablo Novara
Lizenz: GPL, Creative Commons (CC-BY-SA)
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Zero Ballistics

Ein Kindheitstraum vieler Jungen wird wahr: Im Actionspiel von QuantiCode darf man an Bord eines dicken Panzers hemmungslos um sich feuern. Richtig Spaß macht das unkomplizierte Spektakel aber nur mit mehreren realen Mitspielern.

In Zero Ballistics [4] steigt jeder Spieler an Bord eines dicken Panzers und versucht innerhalb eines Zeitlimits möglichst viele seiner Gegner abzuschießen. Sollte dabei ungeschickter Weise der eigene Panzer in Rauch aufgehen, zaubert man sich mit einem Mausklick in ein neues Fahrzeug und somit wieder zurück ins Geschehen.

Neben dem vorgestellten Deathmatch-Spielmodus bringt die aktuelle Zero Ballistics Version 2.0 noch drei weitere mit: Im Team Deathmatch treten zwei Mannschaften gegeneinander an, das Team mit den meisten Treffern gewinnt. Weitaus mehr strategisches Denken erfordert Beaconstrike, das an den Domination-Modus aus klassischen Ego-Shootern erinnert: Ein angreifendes Team muss mithilfe sogenannter Beacons ihr Einflussgebiet vergrößern und so die Basen des gegnerischen Teams erobern. Dieses wiederum versucht den Sturm zu verhindern, indem es die Beacons vernichtet. Um den Druck auf beide Parteien zu verstärken, gibt es für die Angreifer ein Zeitlimit, während die Verteidiger immer wieder ihre Munition aufladen müssen.

Der Soccer-Modus versetzt die Panzer schließlich noch in ein futuristisches Stadion (Abbildung 3). Wie beim realen Fußballspiel versuchen zwei Mannschaften einen überdimensionalen Ball in das gegnerische Tor zu schießen. Das Team mit dem meisten Toren hat nach Ablauf einer zuvor festgelegten Spielzeit gewonnen.

Abbildung 3

Abbildung 3: In Zero Ballistics geht es eigentlich darum, gegnerische Panzer mit dem eigenen Militärfahrzeug abzuschießen; friedlicher ist der Fußballmodus.

Zero Ballistics sieht für ein kostenloses Spiel äußerst gut aus und ist insbesondere mit mehreren realen Spielern ein kurzweiliger, launiger Zeitvertreib. Für mehr reicht es aber leider nicht: Trotz komplizierten Beaconstrike-Modus steckt unter der Haube ein einfaches Ballerspiel. Die wenigen Karten sind auf Dauer zu eintönig, wenn auch mit viel Liebe gemacht. Da man gleichzeitig den Geschützturm und den fahrbaren Untersatz unabhängig voneinander durch den Wald lenken muss, dauert es zudem eine Weile, bis man mit der Steuerung zurecht kommt.

Zero Ballistics

Bezugsquelle: http://www.zeroballistics.com/
Entwickler: QuantiCode
Lizenz: Proprietär
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

M.A.R.S.

Simon Schneegans und Felix Lauer mixen ein simples Ballerspiel mit feiner Grafik, fieser Gravitation und pfiffigen Spielmodi. Heraus kommt ein faszinierender und motivierender Schießspaß für zwischendurch [5].

Im Jahre 3547 ist der weite Weltraum großflächig erschlossen. Einige Zivilisationen leben friedlich miteinander, während andere natürlich mal wieder einen Großen Krieg anzetteln mussten. Diese karge Hintergrundgeschichte ist zwar nettes Beiwerk, spätestens nach dem ersten Spielstart jedoch schon wieder vergessen. Wie in den ersten Actionspielen aus den 70er Jahren blickt man auch in M.A.R.S. auf einen zweidimensionalen, hübsch gezeichneten Weltraum. Die Bildschirmränder begrenzen den Kampfschauplatz, in dem sich mehrere kleine Raumschiffe gegenseitig die Laserstrahlen um die Ohren pfeffern.

Gemeine Hindernisse bilden dabei kleine und große Planeten, Sonnen, sowie schwarze Löcher. Je nach Masse ziehen sie alle Gegenstände in ihrer Umgebung mehr oder weniger stark an. Das gilt sowohl für die Raumschiffe, als auch ihre abgefeuerte Munition (Abbildung 4). Durch einen geschickten Schuss kann man so leicht um einen Himmelskörper herumschießen. Eine Kollision mit den Planeten sollte man allerdings tunlichst vermeiden: Je größer die Geschwindigkeit beim Aufprall, desto mehr Schaden nimmt das Raumschiff. Umgekehrt ist es aber auch wieder eine gute Idee, den Gegner mit möglichst viel Wucht gegen einen Himmelskörper zu schubsen.

Abbildung 4

Abbildung 4: Planeten lenken durch ihre Anziehungskraft auch Schüsse ab.

Unter der Haube von M.A.R.S. steckt ein ziemlich simples Ballerspiel. Die sehr gut gezeichneten Grafiken, der schmissige Soundtrack, eine gute künstliche Intelligenz der Gegner und nicht zuletzt die pfiffigen Spielmodi machen daraus jedoch ein extrem spaßiges Vergnügen – insbesondere wenn zwei menschliche Spieler vor einem Rechner gegeneinander antreten. Einziger Wermutstropfen ist die ziemlich knifflige Steuerung: Da man zum Bremsen das Raumschiff um 180 Grad wenden muss, werden Einsteiger ziemlich häufig mit zu hoher Geschwindigkeit alles mögliche rammen oder in die falsche Richtung fliegen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, findet in M.A.R.S. ein schnelles, forderndes Actionspiel für die Mittagspause.

M.A.R.S.

Bezugsquelle: http://mars-game.sourceforge.net/
Entwickler: Simon Schneegans und Felix Lauer
Lizenz: GPL v3
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Age of Conquest III

Im kommerziellen Rundenstrategiespiel Age of Conquest III [6] von Noble Masters Games gilt es als mächtiger König möglichst viele Teile der Weltkarte mit seinen Truppen einzunehmen. Dummerweise versuchen das auch noch bis zu 50 andere Mitspieler.

Zu Beginn besetzt man nur ein einen kleinen Teil der Karte (Abbildung 5). Ausgehend vom eigenen Schloss rekrutiert man Soldaten und lässt diese in die Nachbargebiete einmarschieren. Jede Aktion kostet Punkte, das Aussenden einer Truppe schlägt beispielsweise mit einem Zähler zu Buche. Sind alle verfügbaren "Action Points" aufgebraucht, darf der nächste Spieler seine Befehle erteilen. Die Züge der anderen Mitspieler bekommt man allerdings nur zu Gesicht, wenn sie das eigene Königreich betreffen.

Abbildung 5

Abbildung 5: Jeder König hat seine eigene Farbe, graue Provinzen sind neutral, während die hellgrauen dem eigenen Reich angehören.

Je mehr Gebiete man erobert, desto mehr Goldstücke erhält man auf seinem königlichen Konto gutgeschrieben. Von diesen Einnahmen kauft man weitere Truppen, zieht um die eroberten Ländereien Festungsmauern oder baut Beobachtungstürme. Letztere decken die gegnerische Truppenstärke in den direkt angrenzenden Gebieten auf. Besonders Acht geben sollte man auf das Land mit der Krone: Erobert ein Mitspieler den Sitz des Königs, ist das Spiel beendet.

Das recht simple und rasch erlernte Spielprinzip lehnt sich stark an das Brettspiel Risiko an [7]. Genau wie das Vorbild macht auch Age of Conquest mit mehreren realen Mitspielern den meisten Spaß. Dazu muss man allerdings zur separat erhältlichen Online-Variante des Spiels greifen. Mit ihr kämpfen dann bis zu 50 Spieler auf einer Karte um die Vorherrschaft – vorausgesetzt es finden sich gerade so viele Strategen online. In der Einzelspieler-Fassung namens Age of Conquest III muss man hingegen mit computergesteuerten, dafür aber auch stets verfügbaren Gegnern vorlieb nehmen.

Age of Conquest arbeitet nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip: Überfällt man mit einer genügend großen Streitmacht ein Nachbargebiet, ist es sog gut wie erobert. Ein Rundenstrategiespiel mit besonderem Tiefgang wie etwa Civilization darf man somit nicht erwarten. Dafür ist der Spielfluss recht hoch, niemand muss lange auf die Reaktionen der anderen Teilnehmer warten. Die Grafik ist karg und zweckmäßig, die Tonuntermalung stimmend. Der verlangte Preis von fast 20 Dollar erscheint allerdings etwas happig. Da Rundenstrategiespiele heutzutage rar gesät sind, sollten Strategieliebhaber dennoch einen Blick riskieren.

Age of Conquest III

Bezugsquelle: http://www.ageofconquest.com/
Entwickler: Noble Master Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 19,99 Dollar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution, 512 MByte Hauptspeicher, 100 MByte freier Festplattenplatz

Mehr Spiele

Diese kleine Auswahl aktueller Spiele soll deutlich machen, dass auch Linux eine akzeptable Spieleplattform ist. Unsere Schwesterpublikation Linux-Community [8] stellt jedes Wochenende ein Linux-Spiel vor; wenn Sie in den älteren Berichten stöbern, finden Sie noch manches weitere Highlight. Wir wünschen viel Spaß!

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