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© Michael Thompson, Fotolia.com

VirtualBox einrichten und bedienen

System im System

Wer dem Windows-System nicht endgültig abschwören kann oder will, dem bietet VirtualBox eine elegante Lösung für den gelegentlichen Einsatz von Windows – ohne Reboot und umständliche Konfiguration.

Auch eingefleischte Linux-Anwender kommen ab und zu nicht umhin, Windows-Programme zu nutzen, weil ein Linux-Pendant fehlt. Inzwischen gibt es jedoch diverse Programme, die den Start von Windows bzw. Windows-Programmen auf dem Linux-Rechner erlauben. Sie gehen grundsätzlich von zwei verschiedenen Ansätzen aus: Während virtuelle Maschinen ein komplettes Betriebssystem in einer emulierten Hardwareumgebung starten, stellen Programme wie Wine [1] Schnittstellen und Bibliotheken zur Verfügung, die einem Windows-Programm den Start ermöglichen. Da Wine aber auch in der aktuellen Version nur sehr unzuverlässig funktioniert, bleibt dem Anwender die virtuelle Maschine als Mittel der Wahl. Ein Nachteil gegenüber Wine: Sie benötigen ein lizenziertes Windows-System, das Sie in der virtuellen Maschine installieren.

VirtualBox

Seit nunmehr vier Jahren bietet die zwischenzeitlich von Oracle respektive Sun gekaufte Firma Innotek die Software VirtualBox [2] zum Download an, und gestattet Privatanwendern deren kostenfreie Nutzung. Alternativ stellt der Hersteller eine der GPL-2-Lizenz unterliegenden OSE-Version zur Verfügung, die Jedermann ohne Einschränkung frei verwenden darf. Allerdings fehlen ihr, gegenüber der proprietären Variante, einige Funktionen, darunter die USB-Schnittstelle und der RDP-Server, der ein Login über das Netzwerk an der Maschine ermöglicht.

Mit dem großen Kontrahenten VMware Workstation [3] zog die Software im Laufe der Jahre nicht nur gleich, sondern überflügelte diesen sogar in einigen Belangen. So unterstützt VirtualBox nicht nur mehr Systeme als die kostenpflichtige Konkurrenz, sondern bietet auch mehr Konfigurationsmöglichkeiten, die es Ihnen erlauben, den virtuellen Host quasi maßgeschneidert an das Gastsystem anzupassen.

Installation

Auf der Download-Seite [4] des Herstellers finden Sie für alle von EasyLinux unterstützten Distributionen das passende Paket. Alternativ verwenden Sie die auf der Heft-DVD enthaltene Version, die bereits sämtliche benötigten Abhängigkeiten berücksichtigt. Wie Sie dabei vorgehen, entnehmen Sie der Installationsanleitung auf dem Datenträger. Darüber hinaus finden Sie auf der DVD eine fertig eingerichtete OpenSuse 11.3 inklusive sämtlicher Updates zum Betrieb in VirtualBox. Der Kasten Virtuelle Maschine auf der DVD zeigt Ihnen, was Sie dabei beachten müssen.

Virtuelle Maschine auf der DVD

Die EasyLinux Heft-DVD enthält in dieser Ausgabe eine fertig eingerichtetes OpenSuse 11.3 mit sämtlichen derzeit erhältlichen Updates als virtuelle Maschine. Sie eignet sich zum Betrieb sowohl unter Linux als auch unter Windows und Mac OS. Um sie in VirtualBox zu nutzen, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Entpacken Sie das Archiv el_opensuse_11.3.zip aus dem Verzeichnis programme/andere/vbox_vm an einer beliebigen Stelle Ihres Systems und starten Sie das Anlegen einer neuen virtuellen Maschine wie im Abschnitt "Virtuelle Maschinen einrichten" beschrieben.
  2. Wählen Sie als Betriebssystem: Linux und als Version: openSuse
  3. Im Abschnitt Virtuelle Festplatte deaktivieren Sie die Checkbox neben Bootfestplatte und schließen das Einrichten ab.
  4. Wechseln Sie im Konfigurationsdialog zum Abschnitt Massenspeicher und klicken darin auf das Icon mit dem Festplattenstapel und dem grünen Plus neben SATA-Controller.
  5. Sofern das Ihre erste virtuelle Maschine ist, erscheint der Hinweis Es sind nicht verwendete Medien für den neu erzeugten Anschluss vorhanden. Klicken Sie hier auf den Button Auswählen.
  6. Daraufhin öffnet sich der Manager für virtuelle Medien (siehe Abschnitt "Der Festplattenmanager") in dem Sie auf das Icon Hinzufügen klicken.
  7. Navigieren Sie im Dateibrowser zu dem Verzeichnis, in dem Sie zuvor das Archiv entpackt haben, und wählen die Dateien OpenSuse 11.3 - EasyLinux.vdi und OpenSuse 11.3 Home - EasyLinux.vdi bei gedrückter [Strg] an. Bestätigen Sie die Auswahl mit Öffnen.
  8. Zurück im Manager für virtuelle Medien aktivieren Sie jetzt OpenSuse 11.3 - EasyLinux.vdi und klicken danach auf Auswählen
  9. Klicken Sie im Konfigurationsdialog erneut auf den Plattenstapel neben SATA-Controller, bindet VirtualBox die zweite Festplatte OpenSuse 11.3 Home - EasyLinux.vdi automatisch ein.

Danach ist Ihr System einsatzbereit und Sie können es wie beschrieben konfigurieren und starten.

Bei allen von EasyLinux unterstützten Distributionen genügt es, das heruntergeladene Paket im Dateibrowser anzuklicken, um den jeweiligen Paketmanager des Systems zu starten. Dieser lädt selbständig eventuelle Abhängigkeiten aus den Repositories herunter und richtet die Software im Anschluss ein.

Da die Installationsroutine der Software die benötigten Kernelmodule zur Laufzeit kompiliert, benötigt es eine entsprechende Entwicklungsumgebung, die der Paketmanager nicht selbständig über die Abhängigkeiten nachlädt. Richten Sie deswegen mit der Paketverwaltung Ihrer Distribution die Programme make, gcc sowie die Header-Dateien des aktuell genutzten Kernels auf Ihrem Rechner ein. Um in Erfahrung zu bringen, welcher das ist, öffnen Sie ein Terminal und tippen darin uname -a.

Je nach System erfordert VirtualBox noch zwei weitere Arbeitsschritte, bevor es startet. Bei der Installation legt die Software in der Datei /etc/group die Gruppe vboxusers an. Um die notwendigen Nutzerrechte zum Zugriff auf die Software zu erhalten, tippen Sie im Schnellstartfenster ([Alt]-[F2]) kdesu kwrite /etc/group. Nach der Eingabe des Root-Passworts erscheint die Konfigurationsdatei, an deren Ende Sie den Eintrag vboxusers:!:1000: finden. Hängen Sie dahinter Ihren Benutzernamen an, speichern Sie die Änderungen und schließen Sie das Programm.

Als letzten Vorbereitungsschritt öffnen Sie die Konsole und tippen darin sudo /etc/init.d/vboxdrv setup. Damit weisen Sie VirtualBox an, die notwendigen Kernelmodule zu kompilieren und aktivieren. Diesen Schritt müssen Sie auch nach einem eventuellen Kernelupdate wiederholen.

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