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© Samsung

Samsungs erstes Android-Tablet

KleinPad

Mit Spannung erwarteten wir Samsungs Galaxy Tab, Highlight auf der IFA 2010. Das 7-Zoll-Tablet ist bisher eines der stimmigsten Android-Geräte.

In Halle 20 auf der IFA, die vollständig Samsung gehörte, herrschte dichtes Gedränge an den Ständen, auf denen die Besucher das bald kommende Galaxy Tab (Abbildung 1) ausprobieren konnten. Den Samsung-Mitarbeitern zufolge war man bereits am ersten Tag sämtliches Galaxy-Tab-Werbematerial los.

Abbildung 1: Samsungs Galaxy Tab enthält nur Komponenten aus eigenem Hause.

Samsung hat in das Gerät, das vom Prozessor bis hin zum RAM und Display ausschließlich Komponenten aus eigenem Hause beinhaltet, einiges reingepackt. Das 380 Gramm schwere Galaxy Tab treibt ein ARM-Prozessor namens Hummingbird mit 1 GHz Takt aus eigener Herstellung an, der kapazitive 7-Zoll-Multitouch-Widescreeen-Bildschirm, der bis zu fünf Finger gleichzeitig erkennt, bietet dank einer Netbook-Auflösung von 1024 x 600 ordentlich Platz. Das sehr blickwinkelunabhängige und farbstarke Display ist nicht in Samsungs superleichter AMOLED-Technik gefertigt, wie etwa die der Galaxy-S-Handys. Den Grund für die Entscheidung, auf ein herkömmliches Display zu setzen, verrät Samsung nicht. Das mit Android 2.2 gelieferte Gerät unterstützt hardwarebeschleunigtes Flash 10.1 über den PowerVR-SGX540-Grafikkern und hat 802.11a/b/g/n-WLAN, Bluetooth 3.0, GPS sowie zwei Kameras zum Fotografieren und Filmen (3 MPixel, rückwärtig, mit LED-Blitz) bzw. Videochat (1,3 MPixel, Vorderseite). Mit einem fest verbauten 4000-mAh-Akku erreicht es Samsung zufolge eine Standby-Zeit von 1500 Stunden und eine Gesprächzeit von 16,6 Stunden, im Test hielt es unter normaler Benutzung ungefähr einen Tag durch. Man sollte darauf achten, dass beim Schlafenschicken so viele Schnittstellen wie möglich deaktiviert sind, denn GPS, 3G, WLAN und Bluetooth ziehen auch im Schlaf ordentlich Strom – insbesondere wenn alle gleichzeitig an sind.

Mit einer Größe von 192 x 120 x 12 mm³ passt es gerade noch bequem in die Hand, unergonomisches Halten am Rand wie etwa beim iPad ist nicht nötig. Samsung liefert das Gerät mit 16 GByte integriertem NAND-Speicher, per MicroSD lassen sich bis zu 32 GByte weiterer Speicher nachrüsten. Gut gefallen hat uns Samsungs selbst entwickelte Eingabetechnik "Swype", die auch Galaxy-S-Handys nutzen. Damit wischen Sie grob von Buchstabe zu Buchstabe, und das Gerät rät mittels eines Wörterbuchs, welches Wort Sie tippen wollen (Abbildung 2). Das funktioniert selbst ohne Einarbeitungszeit schon recht gut, mit etwas Übung ist diese Eingabemethode sowohl weniger ermüdend als auch deutlich schneller als jeden Buchstaben einzeln zu drücken. Leider kennt Swype ausschließlich die Wörter im Wörterbuch, aber immerhin kann man bei unbekannten Wörtern ohne Umschalten auch wie gewohnt jeden Buchstaben einzeln antippen.

Abbildung 2: Samsungs Eingabetechnik "Swype" vereinfacht das Schreiben auf Touchscreens deutlich.

Ausstattung

Das Gerät wird in einer recht kleinen Schachtel ausgeliefert. An Zubehör legt Samsung ein USB-Ladekabel inklusive USB-Steckernetzteil (mit welchem das Laden deutlich schneller geht als am Computer) bei. Auch ein Kabel-Headset mit qualitativ erstaunlich guten In-Ohr-Kopfhörern und integriertem Mikrofon zum Musikhören und Telefonieren findet sich in der Schachtel. Der Connector des Galaxy Tabs ähnelt dem bekannten Apple-Stecker auf den ersten Blick verblüffend (Abbildung 3), ist jedoch zu diesem weder physisch noch elektronisch kompatibel. Wer also darauf hofft, das zahlreiche und überall verfügbare iPod-Zubehör mit dem Galaxy Tab nutzen zu können, schaut in die Röhre.

Abbildung 3: Der Samsung- und der Apple-Connector ähneln sich optisch stark.

Optional gibt es eine Dockingstation (ECR-D980), die das Gerät hochkant hinstellt und dabei lädt, für 30-40 Euro. Ein Keyboard-Dock mit integrierter vollformatiger Tastatur (ECR-K10D, Abbildung 1) ist für rund 70 Euro im Handel erhältlich. Auch Zubehör wie Ledertaschen, Schutzhüllen und Beutel sowie einen Halter und Ladekabel fürs Auto gibt es schon von Samsung oder Drittherstellern.

Das Galaxy Tab ist anders als das iPad auch zum Telefonieren gedacht, ein HSPA/GSM-Modem ist integriert. Nur das amerikanische CDMA wird von den hierzulande verkauften Galaxy Tabs nicht unterstützt, für den US-Markt gibt es eine eigene Version. Beim Telefonieren sieht Samsung mehrere Nutzungsszenarien: entweder über das beigelegte Kabel-Headset (auch per Video mit anderen Galaxy-Tab-Nutzern) oder per optionalem Bluetooth-Gerät. Bei letzterem schweben Samsung nicht nur die klassischen Headsets vor, für das Galaxy Tab soll es auch einen speziellen Bluetooth-Stylus geben, der zusätzlich ein Mikrofon integriert hat. Beim Telefonieren unterwegs ist das Galaxy Tab in der Jackentasche, wo es in der Regel gut Platz findet.

Das Gerät ist für 600-700 Euro ohne Vertrag im freien Handel erhältlich, im Vergleich zu anderen Android-Geräten wie dem Archos 101 für 300 Euro ist das ein stolzer Preis. Samsung strebt allerdings anders als Apple eine Kooperation mit allen vier deutschen Netzbetreibern an, was das Gerät durch Subventionierung und Konkurrenz deutlich verbilligen soll.

Da das Gerät auch ein Telefon ist, ist es eines der wenigen Tablets, die Zugriff auf den normalen Android-Market von Google und damit auf die volle Bandbreite der Android-Programmvielfalt haben. Nur Programme, die den Nexus-Trackball oder ein vergleichbares Eingabegerät voraussetzen, funktionieren auf dem Galaxy Tab nicht.

Test

Die Benutzung des Geräts macht Spaß. Samsung hat sich im Gegensatz zu vielen anderen Android-Tablet-Herstellern viel Mühe gegeben, das Gerät so benutzerfreundlich wie möglich zu machen, und hat viele Anpassungen und eigene Programme (wie z.B. ihren Mediaplayer oder Swype) in das normale Android eingebaut. Die Kamera macht akzeptable, aber etwas verrauschte Bilder in 1232 x 2048 Pixel, Video wird mit 30 fps in 480p-Auflösung (720 x 480) in H.264 Baseline Profile aufgezeichnet und im MP4-Container gespeichert. Der Lagesensor reagiert etwas arg empfindlich, man kann ihn jedoch schnell über die Statusleiste abstellen. Das gilt auch für die automatische Helligkeitsanpassung, diese regelt das Bild für unseren Geschmack immer etwas zu dunkel. Erstaunlich laut und klar sind die integrierten Lautsprecher, auch der Klang der beigelegten Kopfhörer ist gut. Das Gerät filtert über zwei Mikrofone Umgebungsgeräusche und hat auch Sprachsynthese sowie eine Sprachsteuerung. Beides funktioniert recht gut, sogar komplexe Wörter wie "Desoxyribonukleinsäure" erkennt die Software korrekt. Ein kleiner Vibrationsmotor sorgt für haptisches Feedback bei der Bedienung. Samsungs Musik- und Videoplayer sowie der E-Book-Reader sind schön gemacht, bedienen sich sehr gut und müssen sich hinter den Apple-Pendants überhaupt nicht verstecken.

Gelegentlich stolperten wir über kleinere Probleme: Wenn Flash läuft, zieht das Gerät offensichtlich auch im Standby-Modus viel Strom, so dass am nächsten Morgen der Akku leer war. Einmal blieb das Display mit einer Meldung über einen speziellen USB-Modus hängen und musste über Druck auf die Einschalttaste hart neu gestartet werden.

Um das Galaxy Tab per USB mit einem Linux-Rechner zu verbinden, müssen Sie zuerst den USB-Modus in den Einstellungen bei Drahtlos und Netzwerk von Samsung Kies auf Massenspeicher umstellen. Erst dann wird das Gerät von Linux anstandslos erkannt und gemountet. Wir bemerkten jedoch, dass der 14 Gigabyte große interne Speicher (2 GByte braucht das System) FAT-formatiert ist und nicht, wie bei vielen anderen Android-Geräten, EXT3 verwendet. Das hat zur Folge, dass man keine Dateien größer als 4 Gigabyte daraufkopieren kann, was ein Test bestätigt: Bei 4 GByte bricht Ubuntus Nautilus mit der Meldung "File too large" ab.

Wir testeten, mit welchen Dateitypen das Galaxy Tab zurechtkommt. An Videos spielt das Galaxy Tab AVIs mit DivX/Xvid und MP3, MKVs mit H.264 und MP3/Dolby Digital, WMV und MP4s mit H.263/H.264 und AAC, sogar H.264 bis hoch zu 1080p meisterte das Galaxy Tab ohne weiteres. Wir bemerkten allerdings bei einigen HD-Videos an den Rändern Artefakte, Kanten ähnlich wie bei einem Spiel ohne Antialiasing. Andere H.264-Videos zeigten dies jedoch nicht. Zwei Test-Encodings bestätigten unsere Vermutung: Die Kanten treten nur bei HD-Auflösungen auf, die nicht exakt 1920 x 1080 (1080p) oder 1280 x 720 (720p) entsprechen (Abbildung 4). Leider weiß das Galaxy Tab nichts mit Camcorder-Containern wie DV, MOD, TOD oder M2TS anzufangen, auch eine MPG- oder WebM-Datei spielt es nicht. Positiv hingegen: Externe SRT-Untertitel zeigt das Galaxy Tab an.

Abbildung 4: Bei HD-Videos, die nicht exakt 720p- oder 1080p-Auflösung haben, treten hässliche Kanten auf (oben).

In Sachen Soundformaten beherrscht das Galaxy Tab OGG, FLAC, MP3, AC3, MID, WAV, WMA und M4A/AAC, bei Bildformaten JPG, GIF, BMP und PNG. PSD oder TIF sind für das koreanische Gerät nur böhmische Dörfer. Das Standardformat für den E-Book-Reader ist ePub, PDFs werden wie Word und Excel vom beiliegenden Thinkfree Office geöffnet. Mit DRM-geschützten ePubs gibt es derzeit noch Probleme, gerüchteweise wurde der Libri-Reader nicht rechtzeitig zum Verkaufsstart des Galaxy Tabs fertig. Die einzige Möglichkeit, seine gekauften Bücher auf seinem eigenen Gerät lesen zu können ist also – wieder einmal – das Entfernen des DRM-Kopierschutzes.

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