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Einfach statt doppelt

Office, Web und Mail unter Windows und Linux

03.01.2011
Wer Windows und Linux auf einem Dual-Boot-Rechner verwendet, muss Firefox, Thunderbird und OpenOffice meist doppelt installieren – Profile und Benutzerdaten brauchen Sie aber nur einmal.

Viele Programme können Sie unter Linux und Windows verwenden: Sie bieten auf beiden Plattformen dieselben Funktionen. Dazu gehören das Officepaket OpenOffice (in Zukunft auch unter dem Namen LibreOffice verfügbar), der Webbrowser Firefox und das Mailprogramm Thunderbird.

Beim regelmäßigen Einsatz der Programme legen diese zahlreiche persönliche Dateien an, in denen sich Ihre Dokumente und Ihre Einstellugen befinden:

  • Firefox speichert Bookmarks, Login-Daten für geschützte Webseiten und im Session-Management die zuletzt geöffneten Webseiten,
  • Thunderbird merkt sich die nötigen Daten für den Zugriff auf Ihren E-Mail-Account und speichert Mails auch lokal, wenn Sie Mail-Ordner auf dem PC anlegen.
  • OpenOffice legt neben Ihren selbst erstellten Dokumenten und Dokumentvorlagen auch die Optionen auf der Platte ab. Wer unter Windows auch Microsoft Office verwendet, möchte auch damit erzeugte Dateien unter Linux bearbeiten können.

Das Ziel ist nun, all diese Daten so auf dem Rechner zu speichern, dass Sie von Linux und Windows in gleicher Weise darauf zugreifen können: Es soll keine Rolle spielen, ob Sie Windows oder Linux gebootet haben, Sie sehen die gleichen Dateien und nutzen die Software mit identischen individuellen Einstellungen.

Zunächst gilt es, Ablageorte für die Programme festzulegen. Wir gehen in diesem Artikel davon aus, dass Sie unter Linux Zugriff auf die Windows-Partition haben: Wenn Sie Linux auf einem Rechner mit bereits installiertem Windows ergänzt haben, sollte dies bereits der Fall sein. Ferner muss es dem Standardbenutzer auf dem Linux-System möglich sein, lesend und schreibend auf die Windows-Partition zuzugreifen. Hinweise hierzu finden Sie im vorangehenden Artikel (ab Seite 33).

Prinzipiell ist es auch unter Windows möglich, die Daten auf der Linux-Partition zu sehen – das geht aber nur mit Zusatzsoftware, und der Erfolg dieser Operation hängt davon ab, welches Dateisystem Ihre Linux-Partition verwendet. Darum entscheiden wir an dieser Stelle, dass die gemeinsamen Dateien auf der Windows-Partition liegen sollen, die mit dem NTFS-Dateisystem formatiert ist. Unter Linux ist der Zugriff auf die NTFS-Partition problemlos und macht die folgenden Schritte leichter.

Alle Daten unter Windows

Die Entscheidung hat wichtige Konsequenzen für Ihre Backup-Strategie: Achten Sie bei der Datensicherung darauf, sowohl Ihr Windows- als auch Ihr Linux-System regelmäßig zu sichern. Bei einem reinen Linux-Backup fehlen die künftig zentral unter Windows gespeicherten Dokumente und Einstellungen von OpenOffice, Firefox und Thunderbird.

Für Browser und Mailprogramm ist mit der gemeinsamen Nutzung der Profile alles geregelt: Neue Bookmarks erscheinen automatisch unter beiden Betriebssystemen, die geöffneten Webseiten der zuletzt geschlossenen Firefox-Sitzung öffnen sich unabhängig vom Browserstart unter Linux oder Windows. Gleiches gilt für lokal angelegte Mail-Ordner in Thunderbird. Bei den Office-Programmen beschränken wir uns darauf, die Orte für Dokumente und Dokumentvorlagen zu vereinheitlichen.

Firefox und Thunderbird

Wir beginnen mit Firefox und Thunderbird. Die erste Empfehlung: Wenn möglich, sollten Sie Mails auf einem Server (bzw. bei einem Free-Mail-Anbieter) verwalten, der Zugriff über das IMAP-Protokoll erlaubt: Dann können Sie mehrere Mail-Programme (auch auf verschiedenen Computern) für den Zugriff auf die Ordnerstrukturen konfigurieren. (Einzige Einschränkung: Bei IMAP müssen Sie darauf vertrauen, dass der Mail-Anbieter zuverlässig die Daten sichert. Finden Sie das zu riskant oder haben Sie keinen permanenten Internetzugang, ist IMAP keine gute Wahl.)

Das ältere POP3-Verfahren, das die meisten Mail-Anbieter ebenfalls unterstützen, ist hier klar im Nachteil, weil der Zugriff auf POP3-Mails immer so aussieht, dass die Nachrichten vollständig auf den lokalen Rechner herunter geladen werden. Tun Sie das von mehreren Computern aus, wird Ihre Mail-Sammlung aufgeteilt, und es gibt nirgends ein vollständiges Archiv. Konfigurieren Sie zunächst in der Windows-Version von Thunderbird Ihren Mail-Account.

Die beiden Programme aus dem Hause Mozilla arbeiten ähnlich, was die Ablage der Benutzerprofile angeht. Die Firefox-Daten liegen unter Windows in einem Ordner, dessen Name C:\Users\esser\AppData\Roaming\Mozilla\Firefox\Profiles\l8tthc6x.default ähnelt – mit Ihrem Benutzernamen an der zweiten Position und einem zufälligen Namen am Ende vor "default". Thunderbirds Profil liegt an ähnlicher Stelle unter einem Pfad wie C:\Users\esser\AppData\Roaming\Thunderbird\Profiles\m46bajiq.default.

Unter Windows müssen Sie hier (außer der normalen Einrichtung Ihres Postfachs) keine weiteren Vorbereitungen treffen. Wenn Sie Linux gestartet haben, führen Sie die folgenden Schritte zunächst für Firefox und dann für Thunderbird durch – wo es Abweichungen zwischen den beiden Programmen gibt, beschreiben wir die Unterschiede.

  1. Öffnen Sie über [Alt]+[F2] und Eingabe von konsole ein Terminalfenster.
  2. Geben Sie für Firefox den Befehl firefox -profilemanager ein, für Thunderbird heißt das Kommando entsprechend thunderbird -profilemanager. In beiden Fällen starten Sie damit die Profilverwaltung.

  3. Der Profilmanager sieht bei beiden Programmen gleich aus; falls Sie die Programme bereits verwendet haben, finden Sie hier schon ein Profil namens default. Klicken Sie in jedem Fall auf Profil erstellen, um ein neues Profil anzulegen, das den Zugriff auf die Windows-Daten erlauben wird.
  4. Es erscheint ein neues Fenster, in dem Sie auf Weiter klicken.
  5. Vergeben Sie nun einen Profilnamen; wir haben im Beispiel Windows gewählt. Sie können in Firefox und Thunderbird denselben Namen verwenden, weil die Profile der beiden Anwendungen voneinander unabhängig sind (Abbildung 1).

    Abbildung 1: Unter Linux legen Sie in Firefox und Thunderbird je ein neues Profil an.
  6. Klicken Sie nun auf Ordner wählen und navigieren Sie zum oben erwähnten Profilverzeichnis der Windows-Installation. Unter der Annahme, dass Sie die Windows-Partition über /windows/C/ erreichen können, werden die obigen Pfade dann zu /windows/C/Users/esser/AppData/Roaming/Mozilla/Firefox/Profiles/l8tthc6x.default (Firefox) bzw. /windows/C/Users/esser/AppData/Roaming/Thunderbird/Profiles/m46bajiq.default (Thunderbird). Sie bestätigen die Auswahl des richtigen Ordners jeweils mit OK bzw. Öffnen (Abbildung 2).

    Abbildung 2: In der Linux-Version von Firefox geben Sie beim Einrichten des Profils den Pfad zum Profil der Windows-Version an. Der entsprechende Thunderbird-Dialog sieht anders aus, funktioniert aber genauso.
  7. Sie gelangen zurück in den Profilassistenten. Dort klicken Sie auf Fertig stellen.
  8. In der Profilübersicht können Sie nun per Doppelklick auf Windows das Programm starten.

Sie sollten im Browser nun Zugriff auf Ihre Lesezeichen haben, und bereits gespeicherte Benutzernamen und Passwörter für geschützte Webseiten sollten bekannt sein. Waren beim Beenden von Firefox unter Windows noch einige Tabs geöffnet, erscheinen diese jetzt beim Start. Genauso sollten Sie unter Thunderbird direkt Zugriff auf Ihre E-Mails haben (Abbildung 3). Alle Änderungen, die Sie von nun an unter Windows oder Linux durchführen, gelten für beide Systeme.

Wenn Sie bei künftigen Starts von Firefox oder Thunderbird nicht Ihre neuen Konfigurationen vorfinden, ist noch das falsche Profil aktiv. Starten Sie dann, wie oben beschrieben, den jeweiligen Profilmanager und löschen Sie das jetzt nicht mehr verwendete Profil. Vor diesem Schritt sollten Sie allerdings sicherstellen, dass im alten Profil keine wichtigen Daten gespeichert sind.

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