Behutsam saniert
Neues in Kubuntu "Maverick Meerkat"
Jedes halbe Jahr regnet es wieder neue Ubuntus: Nicht nur das Gnome-basierte Mutterschiff Ubuntu erscheint dann in einer neuen Version, auch zahlreiche Derivate mit ihren unterschiedlichen Desktops erblicken das Licht der Welt. Eins davon heißt Kubuntu und setzt auf den KDE-Desktop, der die meisten Anwender noch am ehesten an Windows erinnert.
Installieren Sie Kubuntu, erleben Sie nach dem Start eventuell eine erste Überraschung. Der Desktop sieht mitunter ganz anders aus als gewohnt. Das liegt daran, dass Kubuntu 10.10 zwar noch den klassischen KDE-Desktop an Bord hat (Plasma Desktop), aber zugleich eine Oberfläche für die platzsparenden Displays von Netbooks mitbringt (Abbildung 1). Der Installer entscheidet automatisch, ob sich Ihr Monitor größenmäßig besser für die Netbook- oder die klassische Oberfläche eignet und installiert die entsprechende Variante. Kubuntu wäre allerdings kein Linux, wenn sich dieser Schritt nicht über die Systemeinstellungen (unter dem Eintrag Arbeitsbereich) rückgängig machen ließe (Abbildung 2).
Plasma Netbook versucht den Platz möglichst optimal zu nutzen. Dazu öffnet es Anwendungen im Vollbild und verschiebt ihre Menüs in die einklappbare obere Menüleiste. Diese globalen Menüs gibt es auch in Unity, Ubuntus Gnome-basierter Netbook-Oberfläche. Gnome-Anwendungen, die auf GTK basieren, unterstützt das globale Menü von Kubuntu hingegen nicht. Hier müssen Sie ein wenig nachhelfen und das Paket appmenu-gtk installieren, um eine saubere Integration zu erreichen.
Um etwa den Browser Rekonq zu schließen, bewegen Sie die Maus zunächst an den oberen Rand des Bildschirms bis die Menüleiste erscheint und klicken dann rechts auf das große Kreuz. Auf diese Weise nutzt Plasma Netbook den knappen Platz optimal aus. Klicken Sie auf Seite eins landen Sie auf einer neuen Arbeitsfläche, die einige Web-2.0-Anwendungen präsentiert. Sehr nett ist etwa Gemeinschaft, das Anwender in der Nähe zeigt, die ebenfalls Kubuntu benutzen. Sie können sich auch selbst über Gemeinschaft den anderen Kubuntu-Nutzern in der Nähe sichtbar machen. Auf der Arbeitsfläche finden Sie ansonsten einen RSS-Feedreader, ein Wetter-Applet und eine Knowledge Base. Um diese Dinge zu nutzen, benötigen Sie unter Umständen einen kostenfreien Account bei api.opendesktop.org.
Schöner installieren
Eine weitere Neuerung lernen Sie bereits vor dem ersten Start von Kubuntu kennen: Der Installer namens Ubiquity hat ein ordentliches Lifting hinter sich. Das soll den ganzen Installationsprozess vereinfachen und zugleich ästhetisch aufwerten. Schön ist zum Beispiel, dass die Installation bereits beginnt, während Sie noch Ihre persönlichen Daten eingeben, denn so sparen Sie wertvolle Zeit (Abbildung 3). Trödeln Sie bei der Eingabe Ihrer Daten, unterbricht der Installer irgendwann seine Arbeit und wartet, bis Sie bereit sind.
Der komplizierteste Schritt einer Installation ist allerdings nach wie vor das Partitionieren. Sie müssen wissen, welche Systeme in welchen Partitionen auf der Festplatte sitzen. Hier haben die Entwickler das Partitionierungswerkzeug noch weiter vereinfacht. Das geht aber nur bis zu einem bestimmten Punkt: Sobald Sie manuell partitionieren, müssen Sie wissen, nach welchem Schema Kubuntu bzw. Linux Festplatten bezeichnen und welche Partitionierungsformen Sinn ergeben. Eine Schwäche besteht darin, dass der Partitionierer offenbar eine englische Tastaturbelegung erwartet. Wollen Sie das Zeichen / eingeben, drücken Sie [-].
Auch neu sind die beiden Optionen Drittanbieter-Software installieren und Aktualisierungen während der Installation herunterladen (Abbildung 4). Erstere erlaubt es Ihnen, wichtige Multimedia-Codecs bereits im Vorfeld zu installieren. Dazu gehören unter anderem der Flashplayer sowie einige Codecs zum Abspielen von MP3-Dateien und Filmen.
Der neue Eintrag Aktualisierungen... ist zwar klar, führt aber dennoch ein wenig in die Irre. Setzen Sie das Häkchen, lädt Kubuntu während der Installation die Updates herunter, installiert diese jedoch nicht. Der Sinn des Ganzen lässt sich nur erraten: Vermutlich wollen die Entwickler einfach die Installationszeit optimal nutzen und zapfen, während Sie untätig vor dem Rechner sitzen, das Internet an. Das wäre nicht unklug, denn installieren Sie Kubuntu 10.10 längere Zeit nach der Veröffentlichung, erreichen die Patches und Sicherheitsupdates einen ordentlichen Umfang. Im Test funktionierte diese Funktion allerdings gar nicht: Der Installer lud die Updates nicht herunter. Die Drittanbieter-Software wird hingegen wie geplant installiert.
Neben diesen beiden Optionen informiert das Fenster, ob es auf Ihrem Rechner genügend Platz für eine Installation gibt, ob eine Verbindung ins Internet besteht und ob Ihr Notebook an einer Steckdose hängt (damit ihm nicht während der Installation die Puste ausgeht).
Frisch auf den Tisch
Als Desktop serviert Kubuntu KDE in Version 4.5.1. Das setzt unter anderem auf Trolltechs Qt 4.7 sowie Qt Webkit 2.0. Dabei handelt es sich um C++-Bibliotheken, die Funktionen zum Basteln grafischer Oberflächen beisteuern.
Zu den auffälligsten Neuerungen zählt aber vermutlich das Fehlen des Konqueror. Den altgedienten Browser haben die Entwickler in den Ruhestand geschickt und ihn durch den schlanken Qt-Webkit-basierten Browser Rekonq ersetzt (Abbildung 5). Zugleich wurde heftig an Kubuntus Paketmanager KPackageKit gehobelt: Dieser verfügt nun über eine Funktion, um ganze Gruppen installierter Pakete wieder zu deinstallieren und zeigt zudem Anwendungen in einer Anwendungsansicht.
Ebenfalls um Pakete kümmert sich QApt Batch, das mehrere derselben auf einen Schlag installiert und aktualisiert. Die Anwendung dient als schlanke Alternative zum Paketmanager, in den sich diese Funktionalität nicht ohne weiteres einbauen ließ. QApt Batch kommt zum Beispiel zum Einsatz, um Sprachpakete nachzuinstallieren – auch der Firefox-Installer von Kubuntu benutzt sie.



