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Weder KDE noch Gnome

LXDE und XFCE: Desktop-Alternativen

17.12.2010
KDE und Gnome sind mit Abstand die beliebtesten Desktop-Umgebungen. Das heißt aber nicht, dass es keine Alternativen gibt. EasyLinux stellt zwei Desktop-Environments vor, die es definitiv in sich haben.

Es gibt mehr als einen Weg: Das ist ein Credo der Open-Source-Community. Durch die vielen verschiedenen Interessen der Personen, die Linux & Co. stetig weiterentwickeln, gibt es ganz verschiedene Auffasungen darüber, wie sich dieses oder jenes Problem am besten in den Griff kriegen lässt. Desktop-Umgebungen sind ein klassisches Beispiel. Haben Sie sich mal gefragt, wieso es Gnome und KDE gibt – wieso viele unterschiedliche Software-Entwickler viel Zeit investieren, um zwei Desktops zu entwickeln, obwohl einer reichen würde? Beide Projekte gibt es schon so lange, dass sie jeweils eine recht lange Zeit nebeneinander existiert haben, ohne sich überhaupt ins Gehege zu kommen. Gnome ist in den USA populärer, KDE (Abbildung 1) ist eine deutsche Erfindung und hat in Europa die größere Verbreitung. Die beiden Desktops unterscheiden sich an vielen Stellen, was Funktionalität und Bedienung angeht. Die Gnome-Entwickler haben im Laufe der Zeit viele Funktionen wegrationalisiert, weil man sie für viel zu kompliziert hielt. Die Programmiersprache, die Projektmitarbeiter beherrschen müssen, ist nicht dieselbe: Gnome setzt auf C, KDE auf das neuere C++. Damit führen Vorlieben bei der Entwicklungsumgebung auch schnell dazu, entweder bei Gnome oder bei KDE mitzuarbeiten.

Abbildung 1: KDE ist im deutschsprachigen Raum der beliebteste Desktop, setzt aber einen aktuellen Rechner mit ausreichend Speicher und einer schnellen CPU voraus.

Nicht für jeden das Richtige

Es gibt Anwender, die weder mit Gnome noch mit KDE etwas anfangen können oder wollen. KDE haftet der Ruf an, auf langsamen Rechnern beim Thema Performance schlechte Karten zu haben. Andere finden KDE zu bunt. Gnome hingegen hat viele treue Fans durch die schon erwähnten Feature-Streichungen in den letzten Jahren vergrault – Linux-Erfinder Linus Torvalds bezeichnete die Gnome-Entwickler 2005 gar als "Interface-Nazis" [1]. (Im englischen Sprachgebrauch sind Begriffsbildungen der Form "XYZ-Nazi" für Personen, die bestimmte Ziele kompromisslos verfolgen, üblich.) Wer weder KDE noch Gnome mag, nimmt Windows. Oder nicht?

Weil es unter Linux sogar mehr als zwei Wege gibt, etwas zu tun, finden sich auch links und rechts von KDE und Gnome Desktop-Umgebungen, die einen Blick lohnen. EasyLinux schaut über den Tellerrand und stellt Ihnen im Folgenden LXDE und XFCE vor. Das sind zwei alternative Desktops für Linux, die mit vielen Konventionen von KDE und Gnome brechen und trotzdem treue Fans haben – weil sie oft Features bieten, die die "großen Zwei" vermissen lassen. Bevor Sie die beiden allerdings genauer kennenlernen, steht die Frage im Mittelpunkt, was ein Desktop-Environment eigentlich ist.

Ein Desktop aus einem Guss

Schaut man sich KDE und Gnome an, fällt auf, dass beide Desktops eigene Versionen von typischen Desktop-Programmen enthalten (Abbildung 2). Sowohl KDE als auch Gnome haben z. B. eigene grafische Taschenrechner. Der Begriff Desktop-Umgebung geht aber noch viel tiefer.

Abbildung 2: Die meisten KDE-Anwendungen haben ähnlich aufgebaute Menüs und verwenden optisch zusammen passende Symbolleisten und sonstige grafische Steuerelemente.

Wenn Sie KDE verwenden, dann standen Sie vielleicht schon einmal vor diesem Problem: Bei sämtlichen Fenstern sind die Fensterränder sowie die Dekoration plötzlich verschwunden; ebenso verschwunden ist das KDE-Dock – nach einigen Sekunden war der Spuk vorbei und der Normalzustand wieder hersgestellt. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann ist Ihnen KWin abgestürzt, das ist KDEs Window-Manager. Ein Window-Manager sorgt dafür, dass einzelne Programmfenster auf Ihrem Desktop erscheinen, Fensterdekorationen haben, sich verschieben lassen und vergrößer- oder verkleinerbar sind. Dem X-Server, der mit Ihrer Grafikkarte spricht und darüber den Monitor ansteuert, sagt der Window-Manager, welches Fenster wo auf dem Monitor zu erscheinen hat. Er ist Teil einer Desktop-Umgebung.

Fast alle Desktops haben eine Task-Leiste und ein Dock, ein Startmenü und dergleichen. Schließlich gibt es den großen Pool von Hilfsanwendungen: Intuitiv verbinden Benutzer fast alle Programme, die ein "K" im Namen haben, mittlerweile mit KDE. KDE bringt diverse Anwendungen mit: Spiele (im Paket kdegames, eine eigene PIM-Suite (kdepim enthält KMail, Kopete, Korganizer) und sogar eine KDE-Office-Suite (KOffice). Es gibt auch eine zentrale Konfigurationsmöglichkeit für alle Komponenten des Desktops.

Mit Gnome ist es ganz ähnlich: Der Window-Manager Metacity wird flankiert vom Gnome-Panel mit den Gnome-Menüs, hinzu kommen viele Programmpakete für verschiedene Aufgaben.

Auch der Login-Bildschirm

Die meisten Mitglieder der Open-Source-Community vertreten mittlerweile auch die Ansicht, dass Desktop-Umgebungen auch einen eigenen Display-Manager benötigen: Der ist die erste grafische Anwendung, die Sie nach dem Booten sehen; Sie geben dort Benutzername und Passwort ein und melden sich am Rechner an. KDE und Gnome haben beide einen Display-Manager (kdm bzw. gdm). Haben Sie die automatische Anmeldung aktiviert, sehen Sie den Display-Manager übrigens nur, wenn Sie sich vom Rechner ab- und erneut anmelden.

Welche Programme tatsächlich dabei sein müssen, damit Sie von einer Desktop-Umgebung sprechen können, ist nirgendwo definiert. Wir gehen hier davon aus, dass eine Desktop-Umgebung wenigstens aus einem Window-Manager mit Panel und verschiedenen Zusatzpogrammen wie einem Dateimanager besteht und auch ein zentrales Konfigurationswerkzeug vorhanden ist.

XFCE

Grau ist alle Theorie, XFCE [2] hingegen ist fast schon bunt. Die Desktop-Umgebung hast schon einige Jahre auf dem Buckel, auch wenn aktuelle Versionen sich mit ihren historischen Vorbildern nur die Optik in mancherlei Hinsicht teilen. XFCE schrieb seinen Namen am Anfang als XFCE, denn es handelt sich um das Akronym für XForms Common Environment. XForms ist eine sehr alte Grafikbibliothek, auf der XFCE ursprünglich aufbaute.

Das war so bis einschließlich XFCE 2. 1999 begann Olivier Fourdan, einer der Hauptentwickler von XFCE, die Umgebung auf Basis von GTK+ neu zu schreiben. XFCE 3 basierte vollständig auf GTK 1, wirkte im Hinblick auf seine Optik allerdings immer noch altbacken – selbst für damalige Verhältnisse. KDE 2 und Qt 2 waren schon am Horizont zu sehen und wesentlich hübscher.

XFCE 4 als Neubeginn

Fourdan führte für XFCE einige grundlegende Neuerungen ein. Zunächst schaffte er das Prinzip das One-Man-Show ab: Bis einschließlich XFCE 3 hatte er die Entwicklung der Software quasi im Alleingang vorangetrieben. Für XFCE 4 gründete sich sehr schnell eine Entwicklergemeinde mit einigen Verantwortungsträgern und vielen fleißigen Menschen, die große Mengen Code lieferten. Fourdan selbst blieb dem Projekt aber nach wie vor als Entwicklungsleiter erhalten.

XFCE 4 war auch die erste Version, die auf GTK 2 aufbaute und die Vorteile der neueren Bibliotheksversion nutzen konnte. Fourdan kombinierte diese Tatsache mit einem geschickten Schachzug: Während XFCE 3 und seine Vorgänger jeweils aus einem großen Programm bestanden, wurde XFCE 4 modular. Modularisierung ist bei Software-Entwicklung die empfohlene Vorgehensweise. Kein Wunder, sie bietet Vorteile – dezentrale Entwicklung durch verschiedene Projektmitglieder in unterschiedlichen Programmteilen wird möglich, und oft benutzte Funktionen lassen sich zentral verfügbar machen und wiederverwenden. Genau das ist bei XFCE 4 passiert: Drei Programmbibliotheken bieten die wichtigsten Funktionen für die Desktop-Umgebung an und bilden so die Grundlage für die einzelnen Komponenten. Auf ihnen setzen alle Programme auf, die mit XFCE 4 Einzug hielten.

Die grundlegenden Komponenten von XFCE 4

Aktuell liegt XFCE 4 in der Version 4.6 vor. Die Kernkomponenten der Desktop-Umgebung sind Xfwm und das XFCE-Panel. Xfwm ist der Window-Manager. Er arbeitet im Hintergrund und sorgt dafür, dass Sie Ihre Fenster auf dem Desktop verwalten können. Seit XFCE 4.2 hat er außerdem einen Compositing-Manager mit an Bord. Durch diese Erweiterung kann Xfwm direkt transparente Fenster darstellen sowie verschiedene neue Features von aktuellen Grafikkarten und von neuen X-Window-Versionen besser nutzen.

Anders als der Window-Manager ist das Panel ein echtes Programm zum Anfassen. Es gehört praktisch von Anfang an zu XFCE. Jedoch hat sich sein Aussehen gewandelt, und es hat viele Funktionen und Optionen erst in den letzten drei Jahren spendiert bekommen.

Zentrale Komponente Panel

Ursprünglich war das XFCE-Panel nur eine kurze Leiste am Rand des Bildschirms. Es enthielt einen Desktop-Umschalter sowie einige Buttons für den Schnellstart der wichtigsten Programme. Mehrere virtuelle Desktops bot XFCE schon in sehr frühen Versionen; das ist bis heute so. Darüber hinaus hat sich allerdings einiges getan.

Mittlerweile enthält das XFCE4-Panel ein Menü, wie man es von KDE und Gnome kennt (Abbildung 3). Es ist allerdings nicht ab Werk aktiviert, sondern Sie müssen es explizit zum Panel hinzufügen.

Abbildung 3: XFCE ist sehr gut für den Einsatz auf langsamen Rechnern geeignet.

Überhaupt ist das XFCE-Panel in sich selbst so modular wie der gesamte Desktop – alle Elemente des Panels sind Plug-ins, die Sie nach Belieben hinzufügen oder entfernen können. Wenn sie das Spiel auf die Spitze treiben möchten, bleibt vom Panel bloß ein leerer Rahmen übrig. Außerdem sind die Elemente des Panels frei sortierbar. Auch was die Position des Panels auf dem Desktop angeht, sind Sie nicht eingeschränkt: Das Panel kann an jeder beliebigen Position platziert sein. Sie können auch mehrere Panels pro Desktop nutzen. Beliebt ist unter XFCE-Anwendern eine Aufteilung mit zwei Panels am oberen und unteren Rand: Unten enthält es das Menü zum Starten der Programme und oben nur eine Taskbar.

Der XFCE-Desktop

Xfdesktop verwaltet Ihren Desktop – gemeint ist das, was Sie sehen, wenn Sie kein Programm gestartet haben und stattdessen tatsächlich den Desktop-Hintergrund samt Icons sehen. Dafür ist das Programm Xfdesktop zuständig. Bei aktuellen XFCE-Versionen können Sie den Inhalt von Ordnern oder auch selbst angelegte Links anzeigen lassen.

Vierter zentraler Bestandteil neben Window-Manager, Panel und Desktop-Verwaltung ist der Konfigurationsmanager von XFCE (Abbildung 4). Der erlaubt Ihnen, die Eigenschaften der Programme des XFCE-Desktops festzulegen. Möchten Sie zum Beispiel den Desktop-Hintergrund ändern, den Xfdesktop anzeigt, tun Sie das hier. Hier ändern Sie auch das Theme Ihres Desktops. Jedes Programm, das zu XFCE gehört, kann ein Modul für den Konfigurationsmanager installieren.

Abbildung 4: XFCE bringt ein integriertes Werkzeug für die Konfiguration des Desktops mit.

Das Drumherum

Zusätzlich zu Kerndiensten enthält XFCE einige weitere Tools und Werkzeuge. Thunar ist eines davon: Es handelt sich um den offiziellen Dateimanager von XFCE. Seine Autoren beschreiben ihn als "schnell und effizient"; verglichen mit KDEs Dolphin oder Nautilus von Gnome ist Thunar tatsächlich sehr fix. Optisch wirkt das Programm aber eher nüchtern. Auch bietet es nicht besonders viele Möglichkeiten, die äußere Erscheinung anzupassen.

Zu XFCE gehört auch ein eigener Kalender namens Orage. Er wirkt sehr unscheinbar – starten Sie das Programm, sehen Sie zunächst nur eine Übersicht des aktuellen Monats. Der XFCE-eigene Media-Player heißt Xfmedia (Abbildung 5). Das Programm setzt auf der Xine-Bibliothek auf und erweitert diese um eine grafische Oberfläche, die zur XFCE-Optik passt. Seit ein paar Monaten hat Xfmedia mit Parole sogar einen direkten Konkurrenten, der ebenfalls speziell für XFCE entwickelt wurde.

Abbildung 5: XFCE bringt ein integriertes Werkzeug für die Konfiguration des Desktops mit.

Auch ein Webbrowser ist Teil der Desktop-Umgebung: Midori setzt genauso wie KDEs Konqueror auf die HTML-Bibliothek WebKit, passt optisch zu XFCE und unterscheidet sich vom Platzhirsch Firefox vor allem dadurch, dass er weniger Ballast mit sich herumschleppt und flinker arbeitet. Allerdings fehlen viele beliebte Firefox-Features, das Angebot an Plug-ins und Add-ons ist auch sehr übersichtlich.

Mittlerweile hat XFCE ein eigenes Werkzeug zum Erstellen und Brennen von CDs und DVDs. Es heißt Xfburn und bietet die üblichen Features. Wie fast alle Frontends zum Erstellen und Brennen optischer Medien nutzt auch Xfburn im Hintergrund die Kommandozeilentools mkisofs und wodim.

Flankiert werden all diese Werkzeuge von kleinen Hilfsapplikationen, darunter zwei unterschiedliche Terminal-Emulatoren sowie ein Bildbetrachter. Auch ein kleiner Text-Editor ist enthalten; er baut auf Gnomes Gedit.

Seit Version 4 hat XFCE auch einen eigenen Display-Manager; das Tool heißt XFCE4-Sessionmanager und gehört zum Standardumfang einer XFCE-Installation.

Das Ziel ist Performance

Zusammengefasst ergeben die XFCE-Programme eine umfassende Desktop-Umgebung. Im Fokus der Entwickler stand stets die Performance des Desktops: Fast alle vorgestellten Tools brüsten sich damit, besonders performant zu sein. Midori ist ein sehr gutes Beispiel – während Firefox noch startet, hat Midori schon die erste Seite geöffnet. Der Dateimanager Thunar hat gegenüber seinen KDE- oder Gnome-Pendants gerade beim Anzeigen von Ordnern mit vielen Dateien klar die Nase vorn. Der gesamte XFCE-Desktop mit allen wichtigen Komponenten braucht für den Start nur wenige Sekunden, und das sogar dann, wenn der Rechner keine eigene Festplatte hat, sondern sein System über das Netzwerk bootet.

Fazit zu XFCE

Die Performance erkauft sich XFCE damit, dass der Desktop keine spektakulären optischen Effekte bietet. Wer KDE oder auch Gnome gewohnt ist, findet XFCE anfangs etwas karg. Mit den beiden "Großen" wollen die XFCE-Entwickler aber gar nicht konkurrieren.

Ubuntu bietet seit Jahren eine Version der Distribution mit XFCE an: Xubuntu [5] richtet sich auch an Anwender, die für ältere Hardware eine grafische Oberfläche benötigen. Mit den aufwändigen Effekten überfordern Gnome und KDE ältere Geräte oft. XFCE läuft selbst auf sehr langsamen Rechnern noch angenehm flüssig.

LXDE

LXDE [3,4] ist anders als XFCE eine sehr junge Desktop-Umgebung. Die maßgeblichen Arbeiten am Projekt begangen 2006, mittlerweile steht das Projekt bei Version 0.5.0, betrachtet die Software aber durchaus schon als benutzbar. LXDE ist die Abkürzung von "Leightweight X11 Desktop Environment", also etwa: "leichtgewichtige Desktop-Umgebung für X11". Damit ist die Marschrichtung klar: Wie XFCE richtet sich LXDE an Besitzer von Computern, die nicht erst gestern gekauft wurden. Die minimalen Systemanforderungen gibt LXDE mit einem 266-MHz-Prozessor und 48 MByte RAM an. Das ist etwas optimistisch, aber bei einer Verdopplung der beiden Werte lässt sich bereits ordentlich arbeiten.

Das Team rund um LXDE-Hauptentwickler Hong Jen Yee hat auch die Vorzüge modularer Software-Architektur erkannt und LXDE entsprechend designt. Wie XFCE besteht LXDE aus vielen verschiedenen Komponenten.

LXDE hat keinen eigenen Fenstermanager, sondern greift für diese Aufgabe auf das unabhängige Programm OpenBox zurück, eine Weiterentwicklung des sehr bekannten Fenster-Manager BlackBox. OpenBox hält sich an alle gängigen Standards, so dass die LXDE-Entwickler ihm den Vorzug gegenüber einer eigens programmierten Version gaben. Einige Komponenten wie die Taskbar sind darauf ausgerichtet, eng mit OpenBox zusammenzuarbeiten.

Im Zentrum steht das Panel

Die LXDE-Komponente, die Ihnen sofort ins Auge sticht, ist zweifellos das Panel. Es befindet sich in der Standardkonfiguration unten und geht über die gesamte Breite des Bildschirms. In Art und Aufteilung erinnert es an Hergebrachtes: Links ein Menü, über das alle installierten Programme per Mausklick zu starten sind (Abbildung 6). Daneben ein vom Nutzer konfigurierbarer Bereich, der z. B. Icons zum schnellen Starten Ihrer favorisierten Tools enthalten kann. Weiter rechts befindet sich die bekannte Taskbar; in der rechten Ecke des Panels sehen Sie eine Uhr sowie einen Bereich für Dock-Applets. Insgesamt ähnelt das Panel also den Gnome- und KDE-Varianten.

Abbildung 6: LXDE bietet ein ähnliches Erscheinungsbild wie andere Desktops: Unten gibt es ein Panel mit eingebautem Startmenü.

Die Konfiguration des Desktops

LXDE hat zwar mit dem "LXDE Control Center" Ansätze eines zentralen Konfigurationswerkzeugs, das aber nur wenige Einstellmöglichkeiten bietet. Diverse kleine Programme verändern die Eigenschaften des Desktops. Mit LXAppearance legen Sie z. B. das Aussehen des Desktops fest. LXDE basiert vollständig auf GTK 2; LXAppearance ändert darum die GTK-2-Theme-Einstellungen, so dass sämtliche GTK-Anwendungen sich in Sachen Optik in die LXDE-Umgebung einfügen. Mit LXInput konfigurieren Sie Maus und Tastatur. LXDE Common legt generelle Eigenschaften des Desktops fest. Viele andere Programme verändern außerdem einzelne Aspekte des Desktops. Die Konfiguration ist in LXDE noch nicht sinnvoll gelöst.

LXDEs Dateimanager

PCManFM heißt der Dateimanager von LXDE (Abbildung 7). Der Name ist etwas sperrig und bezieht sich auf den Autor des Programms: PCMan ist der in Chats und Foren benutzte Nickname von Hong Jen Yee. Die Arbeiten am Dateimanager bildeten den Auftakt der LXDE-Entwicklung – die erste Komponente der Desktop-Umgebung war ihr Dateimanager. Seit 2006 hat Hong PCManFM um viele praktische Features erweitert – im direkten Vergleich mit XFCEs Thunar muss letzterer die Segel streichen. PCManFM zeigt bei Bedarf Vorschaubilder an und bietet Tabs für die Arbeit mit mehreren Ordnern. Windows-Umsteiger können ihn sehr gut an die Eigenschaften des Explorers anpassen. Zudem beherrscht er das virtuelle Filesystem gVFS des Gnome-Projekts, das die Grundlage für viele sehr praktische Gimmicks ist. Und obwohl PCManFM wesentlich mehr kann als Thunar, ist er trotzdem noch schneller. Dass er Nautilus und Dolphin ausbootet, versteht sich von selbst. Unter den Dateimanagern ist PCManFM mithin das Non-Plus-Ultra.

Abbildung 7: LXDEs Dateimanager PCManFM ist schnell und doch komfortabel, bietet z. B. die aus Webbrowsern bekannten Reiter für die gleichzeitige Arbeit mit mehreren Verzeichnissen.

Was bietet LXDE noch?

Ein eigenes Icon-Theme gehört zum Lieferumfang: Es hält die Optik des Desktops einheitlich. Auch einen eigenen Texteditor bringt der Desktop mit. Das schon erwähnte "Mousepad" von XFCE war ursprünglich übrigens ein Fork von LXDEs Leafpad. Inzwischen haben die Entwickler sowohl Mousepad als auch Leafpad komplett neu geschrieben, und sie bieten nun fast identische Features. Ähnliches gilt übrigens auch für das LXDE-Terminal, das ein Fork von XFCEs Terminal ist.

LXDE hat auch in Sachen Multimedia einiges zu bieten. LXine ist eine an den LXDE-Desktop angepasste Oberfläche für die Xine-Videobibliothek, mit der Sie Audio- und Videodateien wiedergeben können. Eine offiziell veröffentlichte Version von LXine gibt es zwar noch nicht, die Distributionen bringen aber schon passende Pakete mit. Der MP3-Player LXMusic ist zusätzlich als Frontend für XMMS 2 verfügbar. XMMS könnte langjährigen Linux-Benutzern noch ein Begriff sein: Es handelt sich um einen Linux-Klon von Winamp, der lange Zeit in der Versenkung verschwunden war. XMMS 2 ist eine völlige Neuentwicklung, die nur wenige Systemressourcen benötigt und trotzdem eine vollständige Jukebox bietet.

Ein paar kleinere Zusatzprogramme wie ein grafisches Archivierungstool geben dem LXDE-Desktop schließlich den letzten Schliff. Ein eigener Display-Manager, der LXDE oder andere Desktop-Umgebungen starten kann und Sie nach dem Systemstart begrüßt, ist auch mit an Bord.

XFCE und LXDE

Beide Desktop verfolgen sehr ähnliche Ziele. Es hat aber den Anschein, als geschehe dies bei LXDE noch etwas zielstrebiger. Dass zwischen den beiden Desktop-Umgebungen viele Ähnlichkeiten bestehen, belegen die vielen Querverbindungen – manche LXDE-Applikation war mal ein XFCE-Tool und umgekehrt.

Sollten Sie LXDE ausprobieren wollen – als Alternative zu KDE und Gnome auf Ihrer Workstation oder als "letzte Chance" für ältere Hardware –, ist das mit allen üblichen Linux-Distributionen möglich. Ubuntu gibt es unter dem Namen Lubuntu auch als LXDE-Version [6], und bei den übrigen Linux-Distributionen gehört LXDE zumindest zum Paketumfang und lässt sich per Mausklick im Paketmanager schnell installieren.

Beide vorgestellten Desktop-Umgebungen wussten im Test durch sehr hohes Arbeitstempo zu überzeugen; wenn Sie ein paar Stunden lang mit LXDE oder XFCE arbeiten und danach wieder auf KDE oder Gnome zurück wechseln, wird Ihnen manche Wartezeit wie eine halbe Ewigkeit vorkommen. Weil die Programme sehr schonend mit den Ressourcen des Rechners umgehen, profitieren vor allem Besitzer älterer Rechner von den Alternativen zu den großen Projekten.

Die andere Seite der Medaille ist, dass spektakuläre grafische Effekte, wie man sie von KDE kennt, mit XFCE und LXDE nicht zu haben sind. Wenn Sie auf diese Effekte verzichten können, lohnt sich ein Blick über den Tellerrand.

Glossar

Fork

Als Fork bezeichnet man in der Softwarewelt das Kopieren der Entwicklungsdateien eines Programmes, um diese unabhängig von den Autoren des Programms weiterentwickeln zu können.

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Kommentare
XFCE unter Debian
Michael (unangemeldet), Montag, 21. November 2011 22:24:22
Ein/Ausklappen

Hey also ich kann mich mit Gnome 3 nicht anfreunden.

Wer so wie ich lieber eine schlanke, produktive Oberfläche sucht, hat mit XFCE vielleicht mehr Glück.

Hier eine kleine Anleitung um Gnome gegen XFCE unter Debian zu tauschen:

http://www.webstimme.de/201...fce-unter-debian-installieren/

Bis denn,

Euer Michael


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