Es gibt mehr als einen Weg: Das ist ein Credo der Open-Source-Community. Durch die vielen verschiedenen Interessen der Personen, die Linux & Co. stetig weiterentwickeln, gibt es ganz verschiedene Auffasungen darüber, wie sich dieses oder jenes Problem am besten in den Griff kriegen lässt. Desktop-Umgebungen sind ein klassisches Beispiel. Haben Sie sich mal gefragt, wieso es Gnome und KDE gibt – wieso viele unterschiedliche Software-Entwickler viel Zeit investieren, um zwei Desktops zu entwickeln, obwohl einer reichen würde? Beide Projekte gibt es schon so lange, dass sie jeweils eine recht lange Zeit nebeneinander existiert haben, ohne sich überhaupt ins Gehege zu kommen. Gnome ist in den USA populärer, KDE (Abbildung 1) ist eine deutsche Erfindung und hat in Europa die größere Verbreitung. Die beiden Desktops unterscheiden sich an vielen Stellen, was Funktionalität und Bedienung angeht. Die Gnome-Entwickler haben im Laufe der Zeit viele Funktionen wegrationalisiert, weil man sie für viel zu kompliziert hielt. Die Programmiersprache, die Projektmitarbeiter beherrschen müssen, ist nicht dieselbe: Gnome setzt auf C, KDE auf das neuere C++. Damit führen Vorlieben bei der Entwicklungsumgebung auch schnell dazu, entweder bei Gnome oder bei KDE mitzuarbeiten.
Nicht für jeden das Richtige
Es gibt Anwender, die weder mit Gnome noch mit KDE etwas anfangen können oder wollen. KDE haftet der Ruf an, auf langsamen Rechnern beim Thema Performance schlechte Karten zu haben. Andere finden KDE zu bunt. Gnome hingegen hat viele treue Fans durch die schon erwähnten Feature-Streichungen in den letzten Jahren vergrault – Linux-Erfinder Linus Torvalds bezeichnete die Gnome-Entwickler 2005 gar als "Interface-Nazis" [1]. (Im englischen Sprachgebrauch sind Begriffsbildungen der Form "XYZ-Nazi" für Personen, die bestimmte Ziele kompromisslos verfolgen, üblich.) Wer weder KDE noch Gnome mag, nimmt Windows. Oder nicht?
Weil es unter Linux sogar mehr als zwei Wege gibt, etwas zu tun, finden sich auch links und rechts von KDE und Gnome Desktop-Umgebungen, die einen Blick lohnen. EasyLinux schaut über den Tellerrand und stellt Ihnen im Folgenden LXDE und XFCE vor. Das sind zwei alternative Desktops für Linux, die mit vielen Konventionen von KDE und Gnome brechen und trotzdem treue Fans haben – weil sie oft Features bieten, die die "großen Zwei" vermissen lassen. Bevor Sie die beiden allerdings genauer kennenlernen, steht die Frage im Mittelpunkt, was ein Desktop-Environment eigentlich ist.
Ein Desktop aus einem Guss
Schaut man sich KDE und Gnome an, fällt auf, dass beide Desktops eigene Versionen von typischen Desktop-Programmen enthalten (Abbildung 2). Sowohl KDE als auch Gnome haben z. B. eigene grafische Taschenrechner. Der Begriff Desktop-Umgebung geht aber noch viel tiefer.
Wenn Sie KDE verwenden, dann standen Sie vielleicht schon einmal vor diesem Problem: Bei sämtlichen Fenstern sind die Fensterränder sowie die Dekoration plötzlich verschwunden; ebenso verschwunden ist das KDE-Dock – nach einigen Sekunden war der Spuk vorbei und der Normalzustand wieder hersgestellt. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann ist Ihnen KWin abgestürzt, das ist KDEs Window-Manager. Ein Window-Manager sorgt dafür, dass einzelne Programmfenster auf Ihrem Desktop erscheinen, Fensterdekorationen haben, sich verschieben lassen und vergrößer- oder verkleinerbar sind. Dem X-Server, der mit Ihrer Grafikkarte spricht und darüber den Monitor ansteuert, sagt der Window-Manager, welches Fenster wo auf dem Monitor zu erscheinen hat. Er ist Teil einer Desktop-Umgebung.
Fast alle Desktops haben eine Task-Leiste und ein Dock, ein Startmenü und dergleichen. Schließlich gibt es den großen Pool von Hilfsanwendungen: Intuitiv verbinden Benutzer fast alle Programme, die ein "K" im Namen haben, mittlerweile mit KDE. KDE bringt diverse Anwendungen mit: Spiele (im Paket kdegames, eine eigene PIM-Suite (kdepim enthält KMail, Kopete, Korganizer) und sogar eine KDE-Office-Suite (KOffice). Es gibt auch eine zentrale Konfigurationsmöglichkeit für alle Komponenten des Desktops.
Mit Gnome ist es ganz ähnlich: Der Window-Manager Metacity wird flankiert vom Gnome-Panel mit den Gnome-Menüs, hinzu kommen viele Programmpakete für verschiedene Aufgaben.



