Firefox 4.0 beta8

Firefox (Abbildung 4) nimmt unter Linux in etwa denjenigen Platz ein, den der Internet Explorer unter Windows besetzt. Der Browser zählt bei jeder gängigen Distribution zum Lieferumfang, unabhängig von deren Desktop. Selbst KDE-basierenden Distributionen liegt er bei – und das, obwohl KDE in Konqueror eigentlich einen eigenen Browser integriert. Der Erfolg von Firefox gründet sich auf seinen Ruf, stabil, schnell, beliebig erweiterbar und standardkonform zu sein – und diesen Ruf trägt er nicht ganz zu unrecht.

Abbildung 4: Firefox 4 integriert viele neue Techniken und Verbesserungen.

Die Firefox-Entwickler haben neben der leicht verbesserten Standard-Konformität auch Unterstützung für WebGL, HTML 5, WebM, GPU-Hardwarebeschleunigung (bisher leider nur unter Windows und MacOS) und eine deutlich schnellere "JägerMonkey" genannte Javascript-Engine integriert. Es gibt ein Sync-Feature, um Bookmarks über mehrere Geräte abzugleichen. Auch eine neuartige Tab-Verwaltung namens "Panorama" hat das Mozilla-Team eingebaut. Mit dieser kann man Tabs als Thumbnails herumschieben, skalieren und gruppieren, bei Verkleinerung fasst Panorama die Thumbnails in einen Stapel zusammen, der bei Klick darauf den Inhalt preisgibt (Abbildung 5). Die Tabs sitzen nun wie bei Chrome und Opera über der URL-Zeile, da Firefox jedoch weiterhin eine Menüleiste hat, braucht er mehr Bildschirmplatz als Opera oder der Platzsparkönig Chrome, der sogar auf eine Fenster-Titelleiste verzichtet.

Abbildung 5: Im Panorama-Fenster organisieren Sie in Firefox 4 ihre Tabs.

Die Erweiterbarkeit durch zahllose Addons und deren problemlose Installation haben dazu geführt, dass der Browser selbst sich im Auslieferungszustand etwas spartanisch gibt. Bei jeder frischen Linux-Installation gilt es erst mühsam einzeln sämtliche liebgewonnenen Addons nachzuziehen. Immerhin gestaltet sich der Prozess sehr einfach, in Firefox 4 wandert der Add-On Manager direkt ins Browserfenster. Es finden sich hier wie gewohnt auch Plugins, Erweiterungen und Themes, im Add-On Browser können Sie immer noch ohne addons.mozilla.org ansurfen zu müssen in den Erweiterungen stöbern. Eine schöne Verbesserung seit Firefox 3.5: Der Suchbegriff muss nun endlich nicht mehr exakt dem Plugin-Namen entsprechen, "DownThemAll" finden Sie also auch via "down them all" Entwickler können Add-Ons nun so programmieren, dass der Anwender sie installieren und deinstallieren kann, ohne den Browser zu beenden. Auch sehr nützlich: Abstürze von Browser-Plugins wie etwa Flash können nun endlich nicht mehr den gesamten Browser mit in den Abgrund ziehen, nur das jeweilige Tab ist davon betroffen.

Praktisch ist auch das Seiten-Informationsfenster: Hier kann man sich nicht nur alle Passwörter, Cookies oder Einzelelemente einer Seite und deren Eigenschaften anzeigen lassen, sondern auch individuelle Seiten-Profile erstellen. Für jede Seite legen Sie so einzeln fest, ob sie Cookies setzen, Popup-Fenster öffnen oder Grafiken laden darf. Das Hilfe-Menü bietet umfangreiche Feedback-Möglichkeiten: Phishing-Seiten lassen sich ebenso direkt aus dem Programm meldet wie Bugs im Browser oder Seiten, die falsch oder überhaupt nicht dargestellt werden.

Firefox verfügt über eine gute Lesezeichen-Verwaltung, die auch die Suche in den Bookmarks erlaubt. Das Verschlagwortungsfeature, das helfen soll, im Bookmark-Dschungel den Überblick zu behalten, kann nicht so recht begeistern: Es zeigt nur Wirkung, wenn man es konsequent umsetzt und alle Bookmarks höchstselbst verschlagwortet. Haben Sie also sehr viele Bookmarks in petto, müssen Sie für die Verschlagwortung ihrer Sammlung schon mal einige Stunden einplanen. Auch die Browserchronik lässt Komfort vermissen: Im zugehörigen Pulldownmenü finden sich nur die letzten zehn Seiten – wer weiter zurück will, muss entweder das gesonderte Chronik-Fenster oder die entsprechende Seitenleiste bemühen.

In Sachen Sicherheit und Privatsphäre brilliert Firefox dagegen: Mit dem "privaten Modus" ahmt Firefox die von Chrome erfundene Inkognito-Arbeitsweise nach. Der Browser hinterlässt in diesem Modus keine verräterischen Surfspuren auf der Festplatte. Beim Aufruf übelwollender Sites, wie etwa Malware- oder Phishing-Seiten, warnt Firefox.

Als sehr praktisch erweist sich die von Mac OS übernommene Funktion Symbolleisten anpassen, mit dem Sie je nach Gusto die Symbolleiste abspecken oder neu arrangieren. Der Fullscreenmodus ist für Geräte mit kleinem Bildschirm äußerst praktisch – Firefox blendet sogar die Bedienleiste oben aus, solange man nicht mit dem Mauspfeil darüber schwebt. Zu den Highlights des Mozilla-Browsers zählt auch den Plugin-Manager für MIME-Types: Hier stellen Sie für jeden Dateityp per Pulldownmenü das gewünschte Programm ein. Schön gelöst haben die Entwickler das Einbinden eigener Suchkürzel (siehe Kasten Suchkürzel): Man klickt dazu einfach mit der rechten Maustaste auf das Suchfeld und wählt Ein Schlüsselwort für diese Suche hinzufügen aus.

Suchkürzel

Suchkürzel erleichtern das Online-Leben sehr: Statt Bookmarks aufzurufen, Seiten zu laden und Suchfelder zu klicken gibt man einfach in der URL-Zeile das Suchkürzel und den gewünschten Begriff ein (beispielsweise lc news für die Suche auf Linux Community), und der Browser zeigt sofort das Suchergebnis an. Bei Firefox und Opera Sie dies am einfachsten durch einen Rechtsklick auf ein Suchfeld und Auswahl der entsprechenden Option. Chrome bietet diese praktische Funktion nicht an.

Systemintegration

Wir testen, wie gut sich die Browser ins System einfügen. Freilich integrieren Gtk-basierte Browser unter KDE beziehungsweise Qt-basierte Browser unter Gnome sich nie so gut wie Programme, die auf das jeweils native Toolkit setzen – aber auch Drag & Drop sowie Copy & Paste fallen unter die Rubrik Systemintegration. Gerade hier bestehen große Unterschiede zwischen den Browsern.

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