Chrome, der Multicore-Browser

Beim Thema Geschwindigkeit und Speicherverbrauch darf eine Besonderheit von Chrome auf keinen Fall unerwähnt bleiben: Der Browser legt für jedes Tab und jedes neue Fenster einen eigenen Prozess an. Der Nachteil dabei ist der höhere Speicherverbrauch, da jede Browser-Komponente mehrfach in den Speicher geladen werden muss. Der immense Vorteil: Ein Absturz oder ein Einfrieren wirkt sich nur auf die verursachende Seite aus statt auf den ganzen Browser. Zudem läuft jedes Tab in seiner eigenen Sandbox, sodass mögliche Exploits sich nur auf dieses eine Tab beziehen. Auch eine Speicher-Fragmentierung, wegen der bei längerem Betrieb eines Browsers ohne Neustart zwangsläufig immer mehr Speicher verbraucht wird, tritt mit Chromes Prozess-Ansatz nicht auf.

Obendrein können Multicore-CPUs mit Chrome ihre Fähigkeiten voll ausspielen, denn bei vielen offenen Seiten verteilt sich die CPU-Last gleichmäßig auf alle Kerne. Herkömmliche Browser lasten dagegen maximal einen Kern voll aus, bei vielen offenen Seiten fängt der Browser also selbst auf einer Quadcore-CPU schnell an zu ruckeln. Mittels Chromes Task-Manager können Sie sich übrigens genau ansehen, welches Fenster oder Plugin wieviel Speicher, CPU oder Bandbreite braucht.

Fazit

Gesamt-Sieger ist Chrome 9, dicht gefolgt von Opera 11. Die Entscheidung ist letztendlich Geschmacks-Sache: Chrome 9 ist in Summe der schnellste Browser und bietet als einziger Browser unter Linux attraktive Features wie Hardwarebeschleunigung und Multicore-Support, auch WebGL läuft bisher nur unter Chrome akzeptabel flott. Opera ist zumindest ohne Hardwarebeschleunigung und Multicore jedoch genausoschnell oder schneller. Ihm fehlen zwar die Alleinstellungs-Features von Chrome, aber der norwegische Browser ist dafür üppig mit zusätzlicher Software ausgestattet und bietet ein stimmiges Gesamtpaket.

Firefox 4 legt zwar ordentlich zu und ist in vielen Benchmarks doppelt (Peacekeeper) oder gar dreimal (Javascript) so schnell wie der Vorgänger. Das genügt aber nicht. Seit Opera vorbeizog ist der einzige Vorteil, der Firefox noch von der Konkurrenz abhebt, der riesige Fundus von praktischen Erweiterungen – hier hat Chrome jedoch ordentlich aufgeholt. Der Mozilla-Browser gewinnt keinen einzigen Speed-Test und ist der einzige, der den Standard-Konformitäts-Test nicht mit 100 Punkten absolviert. (dko)

Aktuelle Webbrowser im Vergleich

  Chrome 9.0.587.0 dev Opera 11.0 beta Firefox 4.0 beta8
HTML-Engine Webkit 534.12 Presto 2.7.39 Gecko 20101208
Javascript-Engine V8 2.5.6 Carakan Jägermonkey
GUI-Toolkit GTK+ Quick GTK+
Leistungswerte
Speicherverbrauch (idle) 52 Megabyte 62 Megabyte 38 Megabyte
Kaltstartzeit 5,6 Sekunden 6,3 Sekunden 3,6 Sekunden
Peacekeeper-Score 5060 4790 2984
Javascript mit Dromaeo (Alle Tests) 645 runs/s 705 runs/s 639 runs/s
Wertung (Schulnoten)
Geschwindigkeit sehr gut sehr gut befriedigend
Web-Kompatibilität sehr gut sehr gut gut
Systemintegration gut ausreichend befriedigend
Ressourcenverbrauch gut gut sehr gut
Basisfunktionalität befriedigend sehr gut befriedigend
Konfigurierbarkeit gut gut sehr gut
Gesamtnote (Durchschnitt) 1,8 1,8 2,2

Infos

[1] Microsoft Browserbenchmarks: http://ie.microsoft.com/testdrive/Views/SiteMap/Default.html

[2] Peacekeeper Browserbenchmark: http://clients.futuremark.com/peacekeeper/

[3] Dromaeo Javascript Benchmarks: http://dromaeo.com

[4] Mozilla Ants Benchmark: http://www.mozilla.com/en-US/firefox/4.0b7/ants/

[5] GUImark 2: http://www.craftymind.com/guimark2/

[6] WebGL-Benchmark: http://webgl-bench.googlecode.com/svn/trunk/js/

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