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Dreikampf

Kommende Browser im Vergleich

15.12.2010
Mit Firefox 4, Chrome 9 und Opera 11 werden die Karten neu gemischt. Radikale Überarbeitungen der alten Versionen und die Integration neuer Techniken wie HTML 5 und WebGL machen einen Blick auf die kommenden Internet-Surfbretter lohnenswert.

Die neueste Browsergeneration liefert mit vielen neuen Techniken und deutlicher Beschleunigung sehr triftige Gründe für das Update – und eventuell sogar für den Browserwechsel. Denn die Zeiten, in denen Webseiten bestimmte Browser voraussetzten, sind dank der Wichtigkeit von Standard-Konformität nahezu überall im Netz endlich vorbei.

Der norwegische Hersteller Opera legt zwar den Quelltext seines Browsers nicht offen, gibt sich bei dessen Linux-Versionen aber richtig Mühe. Als unumstrittener Platzhirsch unter den Linux-Browsern aber residiert auf dem freien Desktop momentan Mozillas Firefox, der bei keiner Distribution fehlt. Mit Google Chrome und dessen Ablegern ist dem Mozilla-Browser jedoch inzwischen ernsthafte Konkurrenz erwachsen.

Wir haben die Beta-Versionen von Chrome 9.0, Opera 11.0 und Firefox 4.0 auf ihre Leistung, Funktionsvielfalt, Kompatibilität und Benutzerfreundlichkeit hin untersucht. Als Testplattform diente uns dabei ein System mit einem Prozessor des Typs AMD Athlon X2 4600+ mit einer Radeon HD 2400 unter Ubuntu 10.04 "Lucid Lynx" in der 64-Bit-Version. Daher vorab noch die Anmerkung, dass sich gewisse Parameter – wie etwa das Verhalten bei Drag & Drop, die Zwischenablage oder die Kaltstartzeit – naturbedingt auf KDE-Systemen etwas anders darstellen können. Eine übersichtliche Zusammenfassung aller Testergebnisse finden Sie in der Tabelle Aktuelle Webbrowser im Vergleich am Ende des Artikels.

Chrome 9.0.587.0 dev

Leider gibt es von Google Chrome 9 (Abbildung 1) bisher nur einen Developer Preview, es gibt auch weiterhin die Opensource-Variante Chromium. Die Änderungen sind im Vergleich zu Version 8 weitgehend kosmetischer Natur: Cloud Print für das Drucken übers Netz, Google Instant Integration, einige Userinterface-Verbesserungen sowie viele Verbesserungen an der Erweiterungs-Schnittstelle. Googles V8-Javascript-Engine ist nun in Version 2.5 integriert, auch mehr Hardware-Beschleunigung gibt es in Chrome 9, obwohl diese erst zum finalen Release aktiviert werden soll. Wir aktivierten die Hardware-Beschleunigung (siehe Kasten Hardwarebeschleunigung per Grafikchip) über die Option --enable-accelerated-2d-canvas und maßen in einigen Tests [1] einen dramatischen Zuwachs, insbesondere wenn Bilder via HTML und Javascript skaliert, bewegt oder gedreht werden. Die Videodecodierung per GPU ist unter Linux noch nicht funktionsfähig, bei Aktivierung der Option und Laden eines H.264-Videos auf einem System mit einer Nvidia Geforce 8800 (mit VDPAU-Videodecodierung) stürzte der Browser-Tab ab.

Abbildung 1: Chrome 9 integriert die neuesten Techniken.

Hardwarebeschleunigung per Grafikchip

Der letzte Schrei bei Browsern ist Hardwarebeschleunigung, was die Power des Grafikchips zur Beschleunigung der Webseiten-Darstellung nutzt. Hierbei handelt es sich nicht nur um das inzwischen auch unter Linux bekannte Decodieren von Videos auf der GPU, auch das Rendern der Seite selbst und von gewissen CSS-Effekten wird beschleunigt. Der erste Browser, der Hardwarebeschleunigung hatte war Microsofts Internet Explorer 9, Google ließ sich jedoch nicht lange bitten und beschleunigte schon in Chrome 7 und 8 gewisse Funktionen mit dem Grafikchip. Chrome 9 soll in seiner finalen Version volle GPU-Beschleunigung bieten, auch Opera hat dies für Version 11 und die Mozilla Foundation für Firefox 4 versprochen – in den Linux-Versionen ist dies jedoch momentan noch nicht unterstützt.

Das stark reduzierte innovative Chrome-Userinterface galt für die Konkurrenz ganz klar als Inspiration, alle drei haben nun die Tabs oben, Opera verzichtet sogar wie Chrome auf eine Pulldown-Menüleiste, blendet diese jedoch auf Wunsch wieder ein. Google hat das Browser-Userinterface bewusst extrem schlank gehalten, nur ganz rechts findet sich ein Knopf für ein globales Pulldown-Menü, wo früher überflüssigerweise noch zwei waren. Beim ersten Start fragt Chrome nun nach, welche Suchmaschine man benutzen will: Google, Ask.com, Yahoo oder Bing – völlig ohne Wettbewerbsverzerrungs-Klagen und Gerichtsurteile, daran können sich gewisse Hersteller aus Redmond ein Beispiel nehmen.

Chrome erlaubt es, über den Menüknopf ganz rechts sogenannte Inkognito-Fenster zu öffnen. Beim Surfen in diesen Fenstern, die ein kleines Spion-Logo links oben kennzeichnet, hinterlässt der Anwender keine Spuren auf dem Rechner. Auf Wunsch kann Chrome jedoch auch mit Private Daten löschen ... bei normalen Fenstern alle Spuren beseitigen.

Beim Öffnen eines neuen Fensters zeigt Chrome die meistbesuchten Webseiten als Vorschaugrafik an, ein sehr praktisches Feature, das auch Opera längst übernommen hat. Chrome warnt vor Phishing/Malware-Seiten und erlaubt in den Optionen auch, dass datenbewusste Anwender nahezu sämtliche Features abstellen, für die Chrome auf Google zurückgreift. Lediglich die Google-eigene User-ID, mit der Google die Aktivitäten seiner Nutzer anonym per Cookie verfolgt, geht dann noch an Google – das passiert allerdings auch bei der Nutzung von anderen Browsern.

Das Aussehen des Browsers passen Sie über herunterladbare Themes an, die Chrome allerdings nicht speichert, sondern nur bis zu einem Wechsel beibehält. Dauerhaft bleiben nur das Chrome-Standard-Theme und ein Theme im GTK-Look erhalten, auf die Sie im Einstellungs-Dialog zurückstellen.

Opera 11.0 beta

Die norwegische Softwareschmiede Opera bietet ihren Browser (Abbildung 2) für zahlreiche Plattformen vom Windows-PC über Spielekonsolen bis hin zu Smartphone an. Für Linux gibt es Releases für 32- und 64-Bit-PC sowie PowerPC. Dem Browser liegen eine Reihe von Zusatzprogrammen bei, wie IRC- und Bittorrent-Clients, ein Mailprogramm und eine Notizbuchanwendung. Wir konzentrieren uns beim Test auf den Browser, den die skandinavischen Entwickler inzwischen von Qt auf ein eigenes, effektiveres UI-Toolkit namens "Quick" migrierten.

Das mit Version 10 eingeführte Opera Unite integriert einen Webserver im Browser, der es über einen dyndns-ähnlichen Dienst bei Opera ermöglicht, dass der Anwender Dateien anderen online zur Verfügung stellt – egal ob diese Opera benutzen oder nicht. Der User behält dabei die Kontrolle darüber, was er für wen freigeben will, somit ist Opera Unite nicht unbedingt ein klassischer Peer-to-Peer-Dienst.

Eines der interessantesten neuen Features in Opera 11 ist Tab Stacking, mit dem sich Tabs extem einfach zu einem Stapel zusammenfassen lassen. Um einen Tab-Stack zu erzeugen, zieht man einfach einen Tab auf einen anderen. Auf den entstehenden Stack zieht man soviele weitere Tabs wie man will. Ein Schweben mit dem Mauspfeil über einem Tab-Stack öffnet Thumbnails aller Seiten im Stack (Abbildung 3), so dass es den Anwender keinen Klick mehr kostet, um zum gewünschten Tab zu kommen. Tab-Stacks lassen sich auf Wunsch mit dem kleinen Dreieck rechts davon in normale Tabs ausbreiten. Ist man fertig, klappt man den Tab-Stack wieder zusammen.

Abbildung 2: Opera 11 ist üppig ausgestattet.
Abbildung 3: Operas Tab-Stacks schaffen Platz in der Tab-Leiste.

Ebenfalls neu in Opera: Beim Start wird nun überprüft, ob es Updates installierter Erweiterungen gibt. Mausgesten werden nun visualisiert, damit man optisches Feedback bekommt. Auch an der Geschwindigkeitsschraube hat Opera gedreht: Insbesondere für Linux-Anwender versprechen die Norweger eine Geschwindigkeitssteigerung um 20 Prozent im Vergleich zu Version 10.63 – welche schon deutlich schneller war als unter Linux eher gemächliche Version 9. Auch hat Opera auch die Dateigröße um etwa ein Drittel reduziert. Zu guter Letzt soll auch Hardwarebeschleunigung in Version 11 Einzug finden, hiervon können wir jedoch in der Beta-Version noch nichts finden.

Der norwegische Browser kann als stimmiges Gesamtpaket überzeugen. Von allen Kandidaten im Test bietet Opera den üppigsten Lieferumfang und bringt die beste Grundausstattung mit. Das Speed Dial genannte Schnellwahlfenster wird (im Gegensatz zu dem von Chrome) nicht automatisch vom Browser generiert, sondern lässt sich vom Anwender per Drag & Drop bestücken. Über das praktische Feature Opera Link synchronisiert der Browser nicht nur die Bookmarks, sondern auch die komplette History, das Speed Dial, alle Notizen und selbstdefinierten Suchmaschinen online mit dem Opera-Server. So browsen Sie problemlos mit mehreren Rechnern (oder auch Mobilgeräten) mit identischer Bestückung. Über das zugehörige Web-Frontend nutzen Sie die Opera-Bookmarks sogar mit anderen Browsern. Allerdings setzt Opera Link eine (kostenlosen) Registrierung auf http://http.//my.opera.com voraus. My.opera.com bietet nicht nur Sync-Möglichkeiten, Sie erhalten damit auch von Opera das gesamte Web-2.0-Komplettpaket – inklusive Blog, Bildergalerien und Social Network.

Dank frei konfigurierbarer Tastaturkürzel – hier gibt es sogar ein eigenes Kürzel-Profil für Unix – lässt sich Opera auch mit der Tastatur bestens bedienen. Suchkürzel definieren Sie über einen Rechtsklick auf ein Suchfeld. Als nützlich erweisen sich auch die Thumbnail-Previews der Webseiten, die Opera beim Schweben mit dem Mauspfeil über dem jeweiligen Tab einblendet. Das Programm bietet einen brauchbaren Quelltexteditor, der den veränderten Code dann auch gleich darstellt, sowie eine Fehler- und Java-Konsole sowie einen integrierten Skript-Debugger. Beim Doppelklick auf ein Wort (oder Rechtsklick auf eine markierte Textpassage) ermöglicht Opera als Optionen das Suchen in Google, das Nachschlagen in Wiktionary/Wikipedia oder auch das Übersetzen in andere Sprachen mittels Babelfish.

Opera kann unliebsame Inhalte per Kontextmenü blockieren, warnt vor Phishing-Seiten und ermöglicht auch, verdächtige Seiten zu melden. Über Einstellungen/Internetspuren löschen lassen sich auf Wunsch sämtliche Spuren einer Surftour löschen.

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